Samstag, 16. Dezember 2017

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Die glorreichen Sieben (2016)
Die glorreichen Sieben (1960)
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Die glorreichen Sieben
The Magnificent Seven
Das unscheinbare Dörfchen Rose Creek wird von dem Großindustriellen Bogue bedroht: Die Bewohner sollen die Gemeinde verlassen, damit er dort nach Belieben nach Gold schürfen kann. Wer sich ihm entgegenstellt, muss sterben. Weil sich die Bewohner nicht selbst verteidigen können, sucht die frisch verwitwete Emma Hilfe bei Revolerhelden. Der coole Kopfgeldjäger Sam Chisolm versammelt sechs Desperados unterschiedlicher Hautfarben um sich und nimmt den Kampf gegen Bogue auf, mit dem er noch ein Hühnchen zu rupfen hat...

»I seek righteousness, we should all. But I take revenge.« - Emma

Emma Cullen, tapfer gespielt von Haley Bennett, die bereits in The Equalizer mit Antoine Fuqua und Denzel Washington zusammengearbeitet hatte, bekommt, wie alle anderen Dorfbewohner auch, die skrupellose Macht des Industriellen Bartholomew Bogue zu spüren, als dieser an ihrem Mann ein Exempel statuiert. Die Bewohner sind eingeschüchtert und wissen nicht, was sie tun sollen. Einzig Emma weiß, was sie tun muss: sich an der Ermordung ihres Mannes rächen. Also macht sie sich mit den Ersparnissen der Dorfgemeinschaft und dem Mitbewohner Teddy auf den Weg, Helden zu finden, die dazu bereit (und fähig) sind, sich gegen die Privatarmee Bogues zu behaupten.

Antoine Fuquas Neuinterpretation der Geschichte um sieben Helden, die einem Dorf zu Hilfe kommen, um es gegen einen Tyrannen zu verteidigen, ist eine zeitgemäße Adaption des Stoffes, die, wie das erste US-Remake von John Sturges aus dem Jahr 1960, im Wilden Westen spielt, weiß, mit imposanter Action und flotten Sprüchen zu überzeugen. Dabei verneigt sich Fuqua vor dem Genre an sich, indem er viel mit Nahaufnahmen der Gesichter der Protagonisten, speziell der Augen, arbeitet, aber auch die Weite der Prärie einzufangen weiß.

Neben seinem Geldmacher Nr. 1, Denzel Washington, der selten in einen Ensemblefilm spielt, konnte schon bald „Guardian of the Galaxy“ Chris Pratt für die zweite Hauptrolle gewonnen werden. In Sturges' Adaption von Akira Kurosawas dreistündigem Original Die sieben Samurai spielten Yul Brynner und Steve McQueen die beiden Haudegen, die von drei Amigos aus einem mexikanischen Dorf angeheuert wurden, um deren Tyrann zu besiegen. Dabei ist Pratts Josh Farraday derjenige, der den Witz über den Mann, der aus dem 10. Stock fällt und jede Etage „Soweit so gut“ sagt, aus Sturges' Film rezitieren darf, den McQueen damals verlauten ließ.

»Would you like to see another magic trick? - Farraday«

Außer der heroischen Grundhandlung hat der Film jedoch nicht mehr viel mit seinem Vorgänger zu tun. Aus dem mexikanischen Dorf wurde ein ganz normales Dorf irgendwo in Kalifornien, aus dem Tyrann, der aus purem Überlebensdrang das Dorf geplündert hatte, ein über Leichen gehender Industrieller, der seine Goldschürfer ausbeutet, wie es nur geht, und aus der siebenköpfigen Gruppe mit einem Halbmexikaner wurde eine recht bunte Truppe mit einem farbigen Anführer und eingeschworenem Gesetzeshüter, einem Mexikaner, einem Koreaner und einem nativen Amerikaner.

Aber auch wenn von der Filmakademie mehr Vielseitigkeit gefordert wird, so wird dieser Film mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit bei den kommenden Oscars® übergangen werden. Allerdings war dies nicht unbedingt der Grund für Fuquas Schauspielerauswahl: »Denzel und ich saßen beisammen und sprachen darüber. Wir fingen an, alle Bücher über den Westen zu lesen, und wie vielseitig er war. Da waren Leute aus aller Welt - Mexiko, Irland, Russland. Ich dachte mir „Ich will diesen Westen“«, sagt der Regisseur.

Eines hat der Film jedoch noch gemein mit seinen Vorgängern: Ein Großteil der Protagonisten muss ins Gras (oder hier vielmehr den Sand) beißen und beschließt den Film mit einem Blick auf deren Gräber. Neben den beiden Hauptfiguren, die das einzig glaubwürdige Motiv haben, in den Privatkrieg zu ziehen (Chisolm glaubt an Gerechtigkeit und Farraday will einfach nur nach seinem Einsatz sein ergaunertes Geld von Chisolm wiederbekommen), schrieb True Detective-Autor Nic Pizzolatto zusammen mit Richard Wenk eine wilde Gruppe ins Drehbuch, die aus verschiedenen Gründen in den Kampf zieht.

»Eine Person ist dabei, weil sie einen Traum hatte«, sagt Ethan Hawke, der im Film den Ex-Soldaten mit PTSD mit dem poetischen Namen Goodnight Robicheaux spielt. »Eine Person ist dabei, weil sie ihre Familie verloren hat. Eine Person ist wegen ihrem Freund dabei. Eine Person ist dabei, weil sie ein Geheimnis in sich tragt, das sie nicht preisgeben will. Eine Person ist dabei, weil sie nichts besseres zu tun hat. Keiner von ihnen ist aus ethischen Gründen dabei, finden sich jedoch zufällig dabei wieder, das Richtige zu tun. Und es fühlt sich gut an - was sie wiederum antreibt.«

Tatsächlich sind die behandelten Themen in Die glorreichen Sieben so stark, dass sie sich mit verschiedenen Kulturen und Generationen identifizieren. »Kurosawa beeinflusste amerikanische Filme mehr, als die Leute mitbekommen, und Die sieben Samurai prägt unseren Film in jeder Hinsicht«, sagt Antoine Fuqua. »Der ist die DNS, die Mutter dieser Filme. Ich sah den Film und veranlasste mich dazu, Filmemacher zu werden. Kurosawa drehte den Film mit der Tiefenschärfe, den starken Vordergründen, den großen, weitläufigen Einstellungen, und er spielte in den Schatten mit den Samurais, ob sie nun gut oder böse waren. Kurosawas Figuren sind Ronins, ein wenig gefährlich und gewalttätige Männer, aber auch Bedienstete, was Samurai auch letztlich bedeutet. Das alles prägte natürlich Sturges' Film, aber noch mehr diesen hier.

Sturges' Film ist ein beeindruckender Film, der in einer Zeit gemacht wurde, in der sich Amerika auf eine bestimmte Art betrachtete. Es gab eine Zeit, in der der Westernheld von schwarz-weißer Gesundheit geprägt war. Doch der Westernheld veränderte sich mit der Zeit, was dessen Umsetzung in der Welt bestimmte. Später wurde der Westernheld düsterer, komplexer, ein wenig gefährlicher. Der John Wayne aus Stagecoach wurde zu John Wayne in The Searchers. Nach Vietnam gab es Filme wie The Wild Bunch, worin sie böse Buben waren, aber man verschoss sich trotzdem in sie. Die Leute konnten sich mit Figuren identifizieren, die komplexer waren, nicht so vollendet.

Heute, solange die Moralen noch intakt sind, kann man einen düstereren Helden schaffen, kann ihn noch komplexer gestalten. Man kann ihn dazu bringen, die Welt von heute zu reflektieren. Damals hätte ein Film mit Denzel Washington in der Hauptrolle niemals stattgefunden, weil die Amerikaner sich nie so gesehen hatten. Heute jedoch muss sich der Western genauso anfühlen wie die Welt, in der wir leben. Dennoch, egal was, die Guten sind immernoch die Guten und die Bösen sind immernoch die Bösen. Als wir uns auf den Film vorbereiteten, sah ich mir Die sieben Samurai an, um sicher zu gehen, dass die DNS des Films erhalten bleibt, was moralisch gesehen bedeutet: Egal wer du bist, oder was du tust, du musst das Richtige für die Leute tun, die Hilfe brauchen.«

Und so verzichtete Fuqua, wo es nur ging, auf visuelle Effekte und drehte stattdessen mit einigen der größten Stuntmen der Welt, um die Stunts direkt mit der Kamera aufzunehmen. Eine der beeindruckendsten praktischen Tricks war Bogues Einsatz eines Gatling-Repetiergeschützes, das der Erfinder Richard Jordan Gatling tatsächlich 15 Jahre vor der Filmhandlung 1861 entwickelte. Das Nachladen des Vorläufers des Maschinengewehrs wird mit Muskelkraft mittels Rotation des um eine Drehachse angeordneten Laufbündels bewerkstelligt. Dabei werden nicht nur einige unserer Helden dezimiert, sondern auch das halbe Dorf!

»I believe that bear was wearing people's clothes!« - Farraday

Im Gegensatz zu Sturges' Film von 1960 agieren die Schauspieler hier nicht mehr ganz so hölzern wie noch vor einem halben Jahrhundert. Die Kameratechniken haben sich verändert, ebenso das Schauspiel und die Akteure. In der Tat wirkt Fuquas Neuverfilmung viel lebendiger und mitreißender, doch bietet das Drehbuch wenig Tiefe. Das Aufeinandertreffen eines jeden „Glorreichen“ wirkt eher festgelegt, man kann deren Beweggründe kaum oder gar nicht nachvollziehen. In der 1960er Version waren alle Helden von ihrer Geldgier getragen, wie es heute eigentlich auch noch der Fall ist.

So war es z.B. bei Ethan Hawkes Filmfigur wie beim Schauspieler selbst. Hawke, der an der Seite von Denzel Washington in Training Day gespielt hatte, wollte unbedingt dabei sein, wie er es seinem Kollegen bei einer Vorführung dessen Films The Equalizer klargemacht hatte. Goodnight Robicheaux wird jedenfalls ebenso im Gedächtnis bleiben wie dessen messerwerfender asiatisacher Geschäftspartner Billy Rocks oder Vincent d'Onofrios „Mann aus den Bergen“, der ebenso ein Mann von einem Berg ist, allerdings nicht lange mit von der Partie war.

D’Onofrio war erst kürzlich als Bösewicht in Marvels Daredevil zu sehen, worin er eine wahnsinnig gute Darstellung ablieferte. »Es gab eine Menge körperlicher Arbeit«, erklärt der Schauspieler. »Tomahawks, Messer, ein langes Gewehr - es ging nicht nur um „zieht eure Knarren und schießt“. Ich musste umherrennen und die Genicke der Leute brechen, zerhacken.« Auch sonst dauert die Ansammlung der 7 Helden bis kurz vor Schluss an, weshalb der Filmtitel eigentlich nur auf etwa 15-20 Minuten des Films zutrifft.

Der Film besticht eher durch die Machart und die Schauspieler als durch die einfach gehaltene Geschichte, die frei von jeglicher Melancholie und inhaltlichem Tiefgang ist und dessen Bösewicht so eindimensional karikiert ist, dass es schon fast weh tut. Peter Sarsgaard tut dabei jedoch sein Bestes, so bedrohlich wie möglich zu wirken, auch wenn die Figur fast einer Karikatur gleichkommt. Auch die Musik klingt eher unauffällig, gewöhnlich. Wenn dann im Abspann dann doch noch Elmer Bernsteins bekanntes Thema des Films von 1960 ertönt, ist die Katze leider schon in den Sack gefallen. Stimmung kommt da nicht mehr wirklich auf.

Und während Yul Brynners Chris Adams als Vorlage für den Horrorroboter in Westworld diente, kann man nur froh sein, dass Denzel Washington nicht diese Rolle in der neuen TV-Serien-Adaption des Sci-Fi-Stoffes übernommen hat, denn so wirklich jagt der gute Schwarze einem keine Angst ein. Aber immerhin macht er eine gute Heldenfigur. Das reicht zwar nicht für einen Oscar®, aber immerhin für ein paar Millionen mehr auf seinem Konto. ■ mz

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Drama/Krimi/Western
USA 2016
133 min


mit
Denzel Washington (Sam Chisolm) Leon Boden
Chris Pratt (Josh Faraday) Leonhard Mahlich
Ethan Hawke (Goodnight Robicheaux) Frank Schaff
Haley Bennett (Emma Cullen) Julia Kaufmann
Peter Sarsgaard (Bartholomew Bogue) Peter Flechtner
Byung-hun Lee (Billy Rocks) Norman Matt
Manuel Garcia-Rulfo (Vasquez) Sebastian Christoph Jacob
Vincent d'Onofrio (Jack Horne) Christian Weygand
Martin Sensmeier (Red Harvest)
Luke Grimes (Teddy Q) Nico Sablik
Matt Bomer (Matthew Cullen) Sascha Rotermund
Cam Gigandet (McCann) Dennis Schmidt-Foß
u.a.

drehbuch
Nic Pizzolatto, Richard Wenk
basierend auf dem Drehbuch von Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto und Hideo Oguni

musik
James Horner, Simon Franglen

kamera
Mauro Fiore

regie
Antoine Fuqua

produktion
Metro-Goldwyn-Mayer Pictures
Columbia Pictures
LStar Capital
Village Roadshow Pictures
Pin High Productions
Escape Artists
Fuqua Films

verleih
Sony