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04 | 11 | 18 | 25
Jason Bourne
Seit Jahren hält sich Jason Bourne mit Kämpfen in Fightclubs am Leben. Als seine einstige Vertraute Nicky auf Dateien stößt, die nicht nur die Hintergründe des Treadstone-Programms illuminieren, in dessen Rahmen Jason zur Kampfmaschine umfunktioniert wurde, sondern auch auf neue Geheimprogramme der CIA hinweisen, gerät er wieder ins Fadenkreuz. CIA-Chef Dewey und seine junge Cyberspezialistin Heather Lee schreiten zur Tat: Während Jason die Sache beenden will, will die Agency ihn endgültig beseitigen...
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»Sie haben keine Ahnung, mit wem Sie es zu tun haben!« - Dewey

2004 haben wir Jason Bourne zuletzt gesehen. Wo war Bourne die ganze Zeit? »Was hat er die zwölf Jahre gemacht und wie sieht sein Leben nun aus?«, fragt Matt Damon. »Das war die größte Frage, die wir beantworten mussten. Und sobald wir das hatten, nahm alles andere automatisch Gestalt an.« Die Filmemacher geben zu, dass es das Bedürfnis der Fans war, zu sehen, wie es weiter geht; was eine große Rolle für den neuesten Teil gespielt hat. Aber es sind auch die Popularität des Hauptdarstellers und der Figur, die eine wesentliche Rolle spielten.

Regisseur Paul Greengrass, der hier zum dritten Mal Matt Damon als Bourne in Szene setzt, erklärt: »Bei einem Bourne-Film ist es wie mit einer Familie. Es kommen alle zusammen. Ich liebe das. Ich glaube, die meisten Leute haben nicht daran geglaubt, dass es passieren würde, aber es ist passiert. Es ist ein bisschen wie, wenn eine Rockband wieder auf Tour geht und ein paar neue Songs zusammen mit einigen Klassikern spielt.«

Und ich muss sagen, die Band spielt ganz gut zusammen, und es macht Spaß, alte und neue Figuren auf dem CIA-Schachbrett zu bewundern. Nur leider ist auch eines so geblieben wie damals: Man kann einfach nicht hinsehen, wenn die Action losgeht! Die Kamera ist ständig in Bewegung, wackelt in rasanten Actionszenen so stark, dass einem schwindelig wird, wenn nicht sogar die Gefahr eines epileptischen Anfalls besteht! Immerhin wackelt die Kamera nicht mehr ganz so schnell wie im letzten Greengrass-Bourne-Film, sodass das menschliche Auge den Bildern gerade noch so folgen kann, doch irgendwann sieht man sich genötigt, die Augen einfach zu schließen, weil einfach zuviel sinnlose Bildinformationen das Gehirn weichbrezeln.

Obwohl die Geschichte von Bourne und seiner Suche nach Wahrheit eindeutig eine Fortsetzung ist, verhält sich dieses Kapitel viel mehr wie ein in sich geschlossener Film. Produzent Frank Marshall, der von Anfang an dabei ist, sagt dazu: »Man fällt sofort in Bournes Welt aus Spionage und Spionen hinein - eine Welt, mit der die Zuschauer aufgrund von Satelliten, Überwachung und leicht zugänglichen Informationen vertraut sind. Wenn das Publikum die Welt sieht, in der sich Jason befindet, was er zu tun versucht, wird es schnell in der Lage sein, sie zu verstehen, selbst wenn es die vorherigen Filme nicht gesehen hat. Und die Leute, die wissen, wer Jason Bourne ist, wollen nur sehen, was er tun wird, und ihn dabei begleiten.«

Und in der Tat ist es auch so. Man fiebert sofort mit und ist beeindruckt, nicht nur von den Massenszenen in Athen, auch von den Schauspielern, ganz besonders von Oscar®-Gewinnerin Alicia Vikander, die die junge Heather Lee spielt, die die CIA-Cyber-Abteilung leitet und ihre Chance gekommen sieht, eine Etage höher zu fallen, indem sie die Suche nach Jason Bourne leitet. Vikander spielt Lee mit einer enormen Kälte und Entschlossenheit nach außen, während man in ihren Augen erkennen kann, dass sie innerlich völlig aufgeregt ist und im Laufe der Nachforschungen eine eigene Agenda entwickelt, die sich der von Direktor Dewey entgegenstellt.

Aber eigentlich beginnt die Geschichte mit Nicky Parsons, erneut gespielt von Julia Stiles. Sie entdeckt eine Akte, die das Programm weiterentwickelt hat, mit dem Jason Bourne zur Tötungsmaschine wurde. Und sie entdeckt Akten über Jasons Rekrutierungszeit und seinen Vater, weshalb Bourne auch anbeißt und sich aus dem Untergrund in der Öffentlichkeit zurückmeldet. „Glücklicherweise“ findet in Athen gerade eine Straßenschlacht statt, die Jason und Nicky ausnutzen, um den CIA-Agenten zu entwischen.

»Ursprünglich wurde Nicky ganz am Ende von Die Bourne Identität gegen eine Wand geschleudert und brach sich den Hals«, unterrichtet uns Julia Stiles. »Aber zum Glück für mich wurde die Szene rausgeschnitten, und 15 Jahre später bin ich nun hier. Als ich für die Rolle besetzt wurde, so ich erinnere mich, dachte ich (aber sagte das nicht laut): Ich bin zu jung, um in der CIA zu sein. Zu der Zeit war ich 19. Also war Nicky für mich anfangs eine sehr eifrige, beinahe sehr gute und gewissenhafte Assistentin.

Die natürliche Entwicklung im Laufe der Zeit sorgte dafür, dass sie mehr und mehr abstumpfte, vor allem durch ihre persönliche Verbindung zu Jason. Sie sorgt sich um ihn als Menschen und weiß, was das Programm seiner Psyche und seinem Leben angetan hat. Auch Nicky musste nach dem Ende von „Ultimatum“ in den Untergrund gehen. Das hat ihr Leben drastisch verändert. Ich freue mich total über diese Wandlung. So kann ich eine Nicky gestalten, die rebellisch, furchtlos und wütend über die ganze CIA ist. Sie hat nichts und hat es satt, weiter davon zu laufen. Freiheit ist, wenn man nichts zu verlieren hat. Also fängt sie an, herauszufinden, was die Organisation getan hat, egal wie hoch die Kosten sind; denn dafür muss sie aus ihrem Versteck kommen, was auch zu ihrer Entdeckung führt.«

Als Expertin für Aufstandsbekämpfung und Drohnenangriffen, sowie als Agentin, die Erfahrung bei wichtigen Zielen hat, möchte die grazile, jedoch fest entschlossene Heather Lee Teil der Operation sein und verspricht dafür, Parsons und Bourne zu liefern. Von Athen über Berlin nach London und Las Vegas verfolgt Lee die beiden über die halbe Welt. Als sie überzeugt ist, dass sie Bourne zurückholen kann, macht sie letztlich aber die gleichen tödlichen Fehler wie andere vor ihr...

Paul Greengrass bestätigt, dass er und Produzentenkollege Christopher Rouse eine neue starke Figur als neue Herausforderung für Bourne wollten: »Das gilt sowohl in Hinblick auf die Fähigkeiten als auch als Referenz an die neue Generation. Ich hatte Alicia in Ex_Machina und The Danish Girl gesehen und finde sie fantastisch. Aber ganz ehrlich, ich hatte nicht geglaubt, dass sie es tun würde. Wenn man mit einem Film beginnt, ist die erste Rolle, die man besetzt, sehr wichtig. Das kann zur Realitätsprüfung werden. Also lud ich sie zum Mittagessen ein.«

Das Essen erwies sich für die Schauspielerin als ein Déjà-vu-Moment. Alicia Vikander erinnert sich: »Als Paul und ich uns trafen, erzählte ich ihm etwas, von dem er wahrscheinlich dachte, dass ich mir das nur für unser Treffen ausgedacht hatte. Aber es war die Wahrheit! Als ich zum ersten Mal nach London kam, teilte ich eine Wohnung mit drei Mädchen, nicht weit von dem Ort in Paddington, wo wir letztendlich gedreht haben. Wir waren so pleite, dass wir uns eine Garderobe und die Betten teilten. Am Sonntag, wenn wir nicht genug Geld für die Kneipe hatten, fragten wir uns: „Sollten wir stattdessen nicht den Bourne-Film sehen?“ Und das taten wir dann auch. Wir haben ihn immer und immer wieder gesehen. Nach dem Mittagessen mit Paul rief ich sofort meine alten Mitbewohnerinnen an.«

Mit der Zeit gab es auch Änderungen in den oberen Rängen der CIA. Der neue Chef ist Robert Dewey, ein erfahrener und gut vernetzter Veteran. »Meine Figur will den Zugang zu einem neuen System im Internet, das der CIA den Zugang zu Computeraufzeichnungen und Kommunikation von praktisch jedem in der Welt ermöglichen würde«, sagt Tommy Lee Jones. Nicky Parsons will die illegal beschafften Akten der Öffentlichkeit preisgeben, doch Dewey setzt alles daran, dass dies nicht geschieht.

Oder vielmehr einen Mann, den alle nur „Asset“ nennen - kurioserweise auch in der Synchronfassung! Dieser Agent, eher zu übersetzen als „Aktivposten“, der direkt und inoffiziell eine Tötungsmaschine ist, die für Dewey arbeitet, wird von Vincent Cassel gespielt und wird zunächst auf Parsons angesetzt. Als sich dann jedoch herausstellt, dass sie Bourne kontaktiert hat, wird daraus ein Doppelauftrag, der den sinistren Plänen Deweys endgültig grünes Licht geben könnte. Wo kein Hahn ist, der krähen kann...

Immer wieder kehrten die Diskussionen zwischen Cassel und Greengrass über seine Figur darauf zurück, dass dieser eine bestimmte Art und Weise an sich hat, sich zu bewegen, und zu sein. Cassel sagt: »Erst durch die Handlung und die Entwicklung der Geschichte versteht man die Beweggründe der Figuren. Wir haben viel über Haie gesprochen. Jedes Mal, wenn ich etwas zu sanft war, wollte er, dass ich mich mehr wie ein Hai bewegte. Ich habe nicht viel Dialog, und das war manchmal eine Herausforderung, da es unserer natürlichen Neigung entspricht, mit anderen Schauspielern zu interagieren. Doch für den Aktivposten geht es in jeder Szene nur um die Mission.«

Und diese schließt am Ende des Films den Kreis und liefert uns mehr Einblicke in die Umstände, die Bourne zu dem machten, was er ist. Matt Damon hebt heraus, dass trotz der komplizierten Hintergrundgeschichte und der Freundschaften, die während der vorangegangenen drei Filme entstanden sind, Vikander und Jones großartige Neuzugänge in die Familie waren: »Alicia hat diesen enormen jugendlichen Aspekt in die Geschichte gebracht, und Tommy Lee ist einfach nur eine Legende.

Im Wesentlichen handeln all diese Geschichten von dem verlorenen Sohn, der in Wut und Frustration zurückkehrt und seinem Vater gegenüber tritt. Wenn man sich die Trilogie ansieht, folgt sie diesem narrativen Bogen. In diesem Film wird gezeigt, dass es zwischen Tommy Lees Figur und meiner eine sehr tiefe Verbindung gibt. Es gibt eine Vorgeschichte, die Bourne in seinem ganzen Kern erschüttert, und es gibt eine Abrechnung, die unvermeidlich ist.«

Zwischen Dewey und Lee gibt es eine sehr tiefe Verbindung. Alicia Vikander erzählt, was sie an den bisherigen „Bourne“-Filmen so fasziniert: »Als ich aufwuchs, habe ich eine ganze Menge Spionagefilme gesehen und eine Gespür dafür bekommen, wie das Genre so ist. Plötzlich jedoch wurde ich mit etwas konfrontiert, das komplett neu war, und mich begeisterte der Gedanken an die Frage: „Was ist, wenn Bourne tatsächlich existiert? Was ist, wenn er tatsächlich da draußen durch die Straßen läuft?“ Ich mag es, wie die sozialen und politischen Aspekten in den Film integriert sind, was es zu einem intelligente Film macht, während es gleichzeitig eine Popcorn-Franchise mit all dem Spaß und dem Ausmaß ist, der damit einher geht.«

Die Geschichte bringt auch Dewey und Lee zusammen. Tommy Lee Jones verrät: »Sie können sich vorstellen, dass Dewey wie ein Mentor für sie ist, während sich ihre Karriere entwickelt. Und wie bei jedem Kind, entwickeln sich bei den Eltern irgendwann gewisse Ressentiments. Es gibt eine Parallele zwischen Jason Bourne und Heather Lee. Das ist eines der Dinge, die sie gemeinsam haben: einen schlechten Vater.«

Der Film, der einfach nur Jason Bourne heißt, ohne ein Wort anzufügen, das den Film beschreiben könnte, ist ein wahrlich spannender Zeitgenosse, der im klassischen Spionageschachbrettmuster den Weg aus dem Handlungslabyrinth findet und mit hevorragenden Schauspielern auwartet. Am Ende, wenn dann Mobys „Extreme Ways“ ertönt, bekommt man dann aber doch noch eine Art James-Bond-Gänsehautgefühl, denn dieses Lied ist inzwischen zu einer Art Bourne-Fanfare geworden. Und man wird auf ein weiteres Bourne-Abenteuer scharf gemacht, auch wenn es dann nicht mehr um die Vergangenheit gehen kann, oder vielleicht auch genau deswegen...? ■ mz

Thriller/Action
USA 2016
124 min


mit
Matt Damon (Jason Bourne) Simon Jäger
Alicia Vikander (Heather Lee) Yvonne Greitzke
Tommy Lee Jones (CIA-Direktor Robert Dewey) Ronald Nitschke
Riz Ahmed (Aaron Kalloor) Julien Haggège
Vincent Cassel (Asset) Oliver Siebeck
Julia Stiles (Nicky Parsons) Ranja Bonalana
Ato Essandoh (Craig Jeffers) Dennis Schmidt-Foß
Bill Camp (Malcolm Smith) Tim Moeseritz
Stephan Kunken (Baumen) Peter Flechtner
Scott Shepherd (Direktor NI Edwin Russell) Erich Räuker
Vinzenz Kiefer (Christian Dassault)
Gregg Henry (Richard Webb) Helmut Gauß
Johnny Cicco (Bradley Samuels) Sven Hasper
u.a.

drehbuch
Rebecca Miller

musik
Michael Rohatyn

kamera
Sam Levy

regie
Paul Greengrass

produktion
Universal Pictures
Kennedy/Marshall
Captivate Entertainment
Pearl Street Films
Double Negative
Perfect World (Beijing) Pictures Co.
Sur-Film

verleih
Universal