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Everybody wants some!!
Drei Tage im Sommer 1980 in einer texanischen Kleinstadt: College-Baseball-Werfer Jake kommt neu in die Stadt und zieht ins Haus der Uni-Mannschaft. Bis zum Beginn des Unterrichts bleibt noch jede Menge Zeit, sich einzuleben und die Mitstudenten kennenzulernen. Es wird getrunken, geflirtet, geknutscht, Marihuana konsumiert, „Space Invaders“ gespielt, über die Akkord-Progressionen von Pink Floyds „Fearless“ philosophiert und ein Punkkonzert besucht...
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»Sex on a waterbed is like having sex on a woman on top of a really fat woman.«

Im September 1980 befand sich die Welt im Wandel. Der ehemalige Schauspieler und kalifornische Gouverneur Ronald Reagan machte Jimmy Carter die Präsidentschaft streitig. In Osteuropa gründeten die Arbeiter Gewerkschaften und schwächten das erdrückende Regime der Sowjetunion. Bei seiner Ankunft im Studentenwohnheim, das die Southeast Texas University für die Baseball-Mannschaft reserviert hat, erfährt Jake Bradford zunächst eine alles andere als freundliche Begrüßung durch den älteren Glenn McReynolds und seinen Zimmergenossen Roper.

»McReynolds und Roper sehen es als ihre Verpflichtung an, die Neuen ein wenig abzuhärten«, erklärt Tyler Hoechlin die anfängliche Feindseligkeit seiner Figur. »Jake war an seiner Highschool als Star-Athlet ein gewisses Maß an Respekt gewohnt«, ergänzt Blake Jenner, »doch er muss schnell lernen, dass diese Zeiten in seinem neuen Team vorbei sind.«

Schlimmer noch: Jake ist Werfer - eine Position, die McReynolds als „merkwürdig“ und „notwendiges Übel“ ansieht - eine Meinung, die vom Bullpen geteilt wird. Zur Mannschaft gehören Willoughby, ein Marihuana-rauchender Mystiker und begeisterter Verehrer des Kosmos, Jay Niles, der der Illusion unterliegt, er sei ein so guter Baseballspieler wie Nolan Ryan, Nesbit, ein hoffnungslos Spielsüchtiger, und der gutmütige Billy Autry, der von seinen Mitbewohnern sofort den wenig schmeichelhaften Spitznamen „Beuter Perkins“ bekommt.

Den Gegenpart zu McReynolds und Roper nimmt der charismatische Schnellredner Finnegan ein. »Finn baut die Erstsemester wieder auf, nachdem sie von McReynolds und Roper auseinander genommen wurden«, sagt Glen Powell über seine Rolle, »er spielt auch Streiche, aber keine bösartigen. Er sieht das Ganze als Initiationsritual. Einmal sagt er „Wir alle sind mal der Dummkopf. Man muss das Dummkopfsein einfach akzeptieren und dann an den nächsten weitergeben.“«

Finn ist es dann auch, der die Neulinge unter seine Fittiche nimmt, und sie durch diese neue Welt voller Freiheiten führt. »Finn liebt genau zwei Dinge, nämlich Baseball und Sex«, weiß Powell. »Wenn er Baseball spielt, denkt er an Sex, und wenn er Sex hat, denkt er an Baseball.« Also brauch er nur an eines zu denken: Bälle. Nachdem das fast durch den Boden durchgebrochene Wasserbett gefüllt ist, machen die frisch zusammengewürfelten Jungs eine Spritztour durch die Gegend.

Die Tour beginnt für Jake mit einem Ausflug zum Studentenwohnheim der Mädchen, wo sich Finn zwar eine herbe Abfuhr einhandelt, aber Jake zum ersten Mal ein Auge auf Beverly wirft - eine junge Theaterstudentin. »Beverly ist alles, was Jake nicht ist«, sagt Zoey Deutch. »Sie ist eine Schauspielerin, die nichts über die Welt des Sports weiß, während Jake keine Ahnung von Theater hat. Dennoch verspüren die beiden eine Anziehungskraft und haben ein Wochenende Zeit, diese zu erkunden, bevor die Schule beginnt und jeder in seine Routine verfällt.«

»Check your pillows!«

Richard Linklaters Langzeitprojekte ►Boyhood und die Before Sunset-Filme sind erstmal „beendet“, doch mit Everybody wants some!! (die 2 Ausrufezeichen deuten es an) führt er ein anderes Projekt weiter, das er vor 23 Jahren mit Dazed and confused begonnen hat: das Leben und Lebensgefühl amerikanischer Jugendlicher in einer texanischen Kleinstadt an einem genau definierten Punkt in der Zeit präzise und mit viel Gefühl einzufangen.

Damals als Videopremiere auf den deutschen Markt gekommen, zählt Dazed and confused mittlerweile zu den entschiedensten US-Indiefilmen der 90er Jahre. Damals stellte er heutige Größen wie Ben Affleck, Matthew McConaughey und Milla Jovovich vor, die ihren letzten Schultag im Mai 1976 begingen. Nun geht er 4 Jahre weiter und zeigt anhand von völlig neuen Figuren an einem anderen Ort eine weitere Momentaufnahme, die für Blake Jenner, Zoey Deutch, Tyler Hoechlin und wen auch immer ein Sprungbrett in die A-Liga bedeuten könnte.

Verwies Dazed and confused noch auf einen Titel von Led Zeppelin, entleiht der neue Film seinen Titel einem eher unbekannten Lied von Van Halen. Während die Zeit bis zur ersten Unterrichtsstunde abläuft, schmeißen sich die Jungs in die besten Kleider, die 1980 zu bieten hat. Am ersten Abend tanzt das Team in der lokalen Disco die Nacht durch, in engsten Jeans und Polyesterhemden gekleidet, später tanzen sie mit Cowboyhüten Line Dance zu „Cotton Eye Joe“ in der besten Honky-Tonk-Bar der Stadt. Und bevor das Wochenende vorüber ist, rocken Jake und die Gang auch zu Van Halen und Cheap Trick, und überleben ihren ersten Pogo auf einem Punk-Konzert.

»1980 sind junge Männer regelmäßig in Clubs gegangen, und ließen Musik über sich ergehen, die sie nicht mochten, so lange sie wussten, dass sie dort Frauen treffen würden«, sagt Ryan Guzman, »und daran hat sich wahrscheinlich bis heute nichts geändert.« In der wohl coolsten Szene des Films fährt Jake mit seinen neuen Kumpels umher. Zu Fünft rappen sie halbkaraoke im Auto den Klassiker „Rapper's Delight“ der Sugarhill Gang, was derart synchron wirkt, dass sich die Szene locker mit der „Bohemian Rhapsody“ aus Wayne's World messen kann. Man fühlt sich einfach mit den Jungs verbunden und hat mit ihnen eine gute Zeit.

»Ich habe eine persönliche Verbindung zu jedem einzelnen Song des Films«, erklärt Richard Linklater, »und ich wollte das Gefühl teilen, wie es war, als diese Songs im Radio liefen, als man in Clubs dazu tanzte oder sie zu Hause oder im Auto hörte. Disco war 1980 noch angesagt, bevor der Trend ungefähr ein Jahr später vorbei war. Auch Country galt auf einmal an einigen Orten als cool, dank des Films Urban Cowboy mit John Travolta. Metal war ganz groß, während Punk und New Wave als neue, aufregende Alternativen galten, und außerdem tauchten die ersten Tracks einer Musikrichtung auf, die wir später als Hip-Hop kennenlernen sollten. Es war musikalisch gesehen eine aufregende Phase, in der viele Künstler auf der Höhe ihres Schaffens waren und sich viele Genres gleichberechtigt die Bühne teilten.«

Es sind zwei Stunden gute Laune. Man fragt sich ab und zu, ob da noch eine Geschichte erzählt wird, doch es bleibt bei der Momentaufnahme verschiedener Charaktere. Es passiert eine Menge in den 3 Tagen. Es wird viel gefeiert und interagiert, was natürlich auch Konflikte aufbringt und Reibereien verursacht. Aber am Ende des Films kommt man sich vor, als hätte man einen schönen Sommer verbracht. In diesem Fall könnte der Film sogar eine Vorschau sein, denn der Sommer steht schließlich noch bevor!

»Everybody wants some!! fühlt sich an wie ein Film, den ich schon vor langer Zeit gemacht habe«, bemerkt Linklater, »und es ist gut, diesen Teil meiner Erinnerungen jetzt wieder zu nutzen, wo ich viel mehr Erfahrung einbringen kann.« Also wer wissen möchte, was Baseballspieler mit Kopfkissen, Matratzenrutschen, Schlammcatchen, Theater und der Twilight Zone zu tun haben, oder auch, um einfach nur einen Wohlfühlfilm zu sehen und mitzufeiern, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen, wenn's geht noch im Freiluftkino!! ■ mz

Drama/Komödie
USA 2016
117 min



mit
Blake Jenner (Jake Bradford)
Juston Street (Jay Niles)
Ryan Guzman (Roper)
Tyler Hoechlin (McReynolds)
Wyatt Russell (Willoughby)
Glen Powell (Finnegan)
Temple Baker (Plummer)
J. Quinton Johnson (Dale)
Will Brittain (Billy Autry/Beuter Perkins)
Zoey Deutch (Beverly)
Austin Amelio (Nesbit)
Tanner Kalina (Brumley)
Forrest Vickery (Coma) Jesco Wirthgen
Jonathan Breck (Coach Gordan)
Celina Chapin (Angie)
u.a.

drehbuch
Richard Linklater

musik
Christine Bergren
Meghan Currier
Ian Herbert
Randall Poster

kamera
Shane Kelly

regie
Richard Linklater

produktion
Annapurna Pictures
Detour Filmproduction
Paramount Pictures

verleih
Constantin