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03 | 10 | 17 | 24 | 31
Raum
Room
Jack feiert seinen fünften Geburtstag. Sein gesamtes Leben hat er gemeinsam mit Ma in einem vier mal vier Meter kleinen Raum zugebracht, in dem es nur eine Dachluke gibt. Das ist die einzige Welt, die er kennt. Ma wurde sieben Jahre zuvor von einem Mann entführt und wird seither in dem Raum als Gefangene gehalten. Jetzt plant sie mit Hilfe von Jack den Ausbruch aus dem Kerker. Doch dazu muss sie ihrem Jungen erst einmal erklären, dass die Welt aus mehr besteht als dem kleinen Zimmer, in dem er sich bisher hat aufhalten müssen.
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»Good morning, sink! Good morning, toothbrush!...« - Jack

Jeden Morgen begrüßt der kleine Jack seine Umgebung - 9m² Raum, in dem er mit seiner Mutter Joy lebt, die sieben Jahre zuvor entführt und in diesem Raum gefangen gehalten wurde - ohne Gegenstände wie Messer, Schere oder Kerzen, mit denen sie ihren Kidnapper angreifen oder sich während seiner Abwesenheit befreien könnte. Dadurch hat nicht nur Ma Joy lange Haare, auch Jack, der gerade seinen 5. Geburtstag „feiert“, und dadurch wie ein Mädchen aussieht. Tatsächlich wundert man sich zunächst, warum die Mutter die Tochter Jack nennt, doch mit der Zeit erkennt man, dass Jack ein Junge ist, der mit Autos spielt.

Übrigens wird Jack in der deutschen Synchronfassung von einem Mädchen gesprochen! Clemens Frohmann, Dialogbuchautor und Synchronregisseur, erklärt dies folgendermaßen: »In diesem Alter hört man bei vielen Kindern noch keinen Unterschied, wir hatten dadurch eine größere Auswahl beim Casting. Da der Film emotional sehr aufwühlend ist, hat die Produktionsfirma Interopa die Eltern vorher über das Thema informiert und ihnen Ausschnitte gezeigt. Die Eltern können am besten abschätzen, ob ihr Kind reif genug für so eine Arbeit ist. Wir hatten dann ca. 20 Kinder beim Casting, überwiegend Jungen, in die engere Auswahl kamen zwei Mädchen und ein Junge.«

Die Wahl fiel schließlich auf die neunjährige Xara Eich. »Das Problem war das Alter. Der Junge im Film ist fünf, aber für sein Alter schon sehr weit. Er kann zum Beispiel schon flüssig lesen«, erklärt Frohmann weiter. »Wir mussten also ein Kind finden, das einerseits die Dimensionen der Rolle erfassen und ausfüllen kann, und andererseits noch glaubwürdig wie ein Fünfjähriger klingt. Außerdem war die Rolle an sich schon eine ungeheure Herausforderung. Xara hatte fast 600 Takes. Normal sind im Durchschnitt für eine Hauptrolle ca. 300, und das bei Erwachsenen!«

Und so kommt es, dass die erste Hälfte des Films nur in diesem Raum spielt. Man lernt die beiden Hauptfiguren kennen und bekommt mit der Zeit Bewunderung für die junge Frau, die es geschafft hat, in den 7 Jahren ihrer Gefangenschaft nicht die Nerven zu verlieren. Abends kommt Old Nick vorbei, öffnet die mit einem elektronischen Zahlencode gesicherte Tür, woraufhin sich Jack im Schrank verstecken muss, wenn sich Nick über dessen Mutter hermacht.

»Tonight we gonna trick old Nick.« - Joy

Nach seinem 5. Geburtstag findet Joy schließlich den Mut, ihrem Sohn die Welt zu erklären, dass das Fernsehprogramm nicht nur Fantasie ist, sondern Leute, die draußen, außerhalb des Raums, in einer Welt leben, die unendlich größer ist als ihr Raum. Und sie schmiedet einen Plan, um sich endlich befreien zu können. Jack gefällt das nicht und hat Angst, etwas falsch zu machen. Doch es gibt keinen anderen, einfacheren Ausweg. Also täuscht sie Nick vor, Jack wäre fieberhaft krank, und trichtert Jack ein, was er zu tun hat.

Die Angst wird groß, die Spannung steigt. Joy rollt schließlich Jack in den Teppich ein und sagt Nick, dass Jack gestorben sei und er ihn begraben solle. Von dort an beginnt Jacks größtes Abenteuer seines bislang kurzen Lebens: Er rollt sich aus dem Teppich aus, springt beim nächsten Halt von Nicks Pick-up und bittet Fremde um Hilfe. Dabei ist er nervlich völlig überlastet und überwältigt von der neu entdeckten Umwelt. Letztlich schafft er es jedoch, von der Polizei eingesammelt zu werden, und den Satz zu stammeln, den seine Mutter ihm eingetrichtert hat...

Es ist selten, dass Autoren ihre eigenen Bestseller für die Leinwand adaptieren, und Emma Donoghue hatte keine Filmerfahrungen. Doch sie sicherte sich noch während des Romanschreibens die Rechte und beschloss schon bald nach dem Erscheinen, ihren Roman für die Leinwand zu adaptieren. »Ich fühlte immer, dass Raum ein Film sein könnte, weil die Geschichte so viel natürliche Dynamik hat, obwohl mir klar war, dass es einen sehr intelligenten Filmemacher braucht, um herauszufinden, wie genau man es zum Leben erweckt«, sagt die Autorin.

»Da ich keine Erfolgsgeschichte als Drehbuchautor habe, dachte ich auch, dass es mich in eine bessere Position brächte, wenn ich einen Drehbuchentwurf fertig habe, um ihn zu zeigen, bevor jemand anderes auf die Idee käme«, erzählt sie weiter. »Autoren sind oft von Unsicherheiten geplagt, aber ich hatte bei Raum von Anfang an klare, starke Instinkte.«

Eines Tages entdeckte sie die erschütternde, wahre Geschichte von Elisabeth Fritzl, einem österreichischen Mädchen, das durch ihren gewalttätigen Vater 24 Jahre in einem Keller eingesperrt wurde. Während dieser Gefangenschaft gebahr Fritzl mehrere Kinder, die mit ihr in diesem Gefängnis lebten. Donoghue hatte wenig Interesse an den konventionelleren Verlockungen der Geschichte: das reißerische Verbrechen gegen Fritzl oder die prickelnde, kulturelle Faszination mit psychotischen Kriminellen.

Sie war weit mehr an den Fragen über die menschliche Natur und die menschliche Belastbarkeit interessiert, wie beispielsweise Fritzls seltsame Mutterschaft und ihr bloßer Überlebenswille: Wie wäre es, ein Elternteil in einem verschlossenen Raum zu sein? Wie könnte man ein Kind großziehen, das seit der Geburt nie Teil der Gesellschaft war? Was würde passieren, wenn man dann in der modernen Welt auftaucht, nachdem man so lange davon entfernt war oder sie nie Teil der Existenz der eigenen Welt war?

Das größte Geduldspiel der Adaption war es, den Kontrast zwischen dem Leben drinnen im Raum, in der ersten Hälfte des Films und der totalen Reizüberflutung des Lebens außerhalb des Raums, in der chaotischen aber erlösenden zweiten Hälfte herzustellen. Es kann zu Beginn tatsächlich der Eindruck entstehen, dass Joys und Jacks Kampf vorbei ist, doch stattdessen wird schnell klar, ihre Freiheit fordert sie mehr, als der Raum es jemals tat. Sogar als sie versuchen, nach dem überwältigenden Martyrium wieder auf die Beine zu kommen, müssen sie sich anpassen und am Anderen festhalten.

»Wenn man im „Raum“ ist, ist man möglicherweise in Platz und Auswahl eingeschränkt. Aber da ist diese grundlegende Magie und der Humor einer Mutter und ihrem Kind, das Leben jeden Tag zu bestreiten«, stellt Donoghue fest. »Die zweite Hälfte der Geschichte ist anders, aber ich denke, das gibt dem Film seine Allgemeingültigkeit. Wir haben nicht alle Gefangenschaft erfahren, aber wir hatten alle diese Momente beim Erwachsenwerden mit unseren Eltern, diese Momente, in denen wir realisierten: Oh, wir sind nicht die, die wir mal waren. Jack sieht alle diese neuen Seiten an Ma. Im „Raum“ war sie nur auf ihn bedacht, und nun bedrückt es ihn, zu sehen, dass er sie teilen muss, und wie anders sie im Umgang mit anderen Menschen ist.«

Joys Leben ändert sich komplett, nachdem sie den Raum verlassen haben. Sie wird nicht nur mit ihrer verkümmerten Jugend konfrontiert, die sie hinter sich gelassen hat, sondern auch mit dem medialen Strudel, als Reporter sie aufsuchen und sie zu einer mütterlichen Heldin machen, um sie dann, in ritueller Manier, niederzureißen. Sie muss hart kämpfen, um ein besseres Gefühl von sich zu bekommen, und sich mit Jack auf neue Art wiederzuverbinden. Und dann ist da noch die Trennung ihrer Eltern, die erschwerend hinzukommt, der Mangel an Mitgefühl ihres Vaters für die Wiedervereinigung und das völlige Gegenteil des neuen Freundes ihrer Mutter.

»There are so many things out here!« - Jack

Den richtigen Jungen zu finden, war für Lenny Abrahamson und Emma Donoghue wie die Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen. Die Suche war erschöpfend. Abrahamson schaute endlos Bänder und Vorsprechen an. Es wurde mit der Suche nur ein paar Monate vor dem Drehbeginn begonnen, damit das Kind, das besetzt werden sollte, nicht in eine neue Lebensphase hineinwuchs. Schließlich stach der damals achtjährige Jacob Tremblay heraus, der sich bei der diesjährigen Oscar®-Verleihung in die Herzen des Publikums lächelte.

Produzent Ed Guiney war froh, dass Abrahamson schließlich den richtigen Jack gefunden hatte: »Eine der vielen Gaben, die Jacob hat, und die untypisch für sein Alter sind, war seine phänomenale Konzentration. Seine Eltern waren außerdem eine positive Kraft, um ihm bei den Vorbereitungen zu helfen. Er erschien jeden Tag völlig einsatzbereit und in einem guten Gemütszustand. Es half außerdem, dass Lenny ganz wundervoll mit Kindern umgehen kann. Er ist selbst Vater und er war grandios in der Kommunikation mit Jacob, so dass die Arbeit sehr effektiv war.«

»Er ist magisch«, sagt Emma Donoghue. »Ich sah Vorsprechen mit über 40 Kindern an, aber Jacob hatte diese bemerkenswerte Selbstsicherheit, die anders war. Er ist zur gleichen Zeit völlig natürlich, bodenständig und in der Lage, total verspielt zu sein, was so wichtig war. Er hatte außerdem das schönste Gesicht, was im Kontrast zur Hässlichkeit des Raums steht.«

Die Rolle der Frau, die Jack nur als Ma kennt, umfasst die Palette von mütterlichen Freuden und Qualen, von Angst und Reue bis hin zu Staunen und unerschütterlicher Liebe. All dies zeigte Brie Larson auf eine tapfere und unsentimentale Weise. Larson näherte sich Ma mit extremen Engagement, ließ nichts unversucht, um ihr gerecht zu werden, was sie im „Raum“ durchmachen musste, weshalb sie auch von zahlreichen Preisen überschüttet wurde, vor allem mit dem Golden Globe® und dem Oscar®.

Sie wusste, dass ihre Aufgabe darin bestand, Joys starke Widersprüche zu verkörpern. Einerseits sah sie in ihr, dass sie selbst noch ein Kind ist, ein Mädchen, dem man, an der Schwelle zum Erwachsenwerden, ihr vielversprechendes Leben gestohlen und sie gezwungen hat, sich eine steinharte emotionale Rüstung wachsen zu lassen, um zu überleben. Aber sie wollte auch Joys mutige, zielstrebige Zuneigung zu Jack hervorheben, der gedeihen konnte, egal, wo er war – ein Teil von Joy, vor dem sie Ehrfurcht hatte.

Larson begann ihre skrupellose mentale und physische Vorbereitung, indem sie kopfüber in die nackte Tatsachen von Joys Realität im Raum eintauchte. Zuerst heuerte sie einen Trainer an, machte Diät und hob Gewichte, bis sie, viele Muskeln hatte, extrem schlank war und nur noch einen Körperfettanteil von 12% besaß. »Der körperliche Prozess brachte mich in eine bestimmte Denkweise«, sagt sie. »Ich fühlte mich aggressiver, mehr wie ein Kämpfer, und zur gleichen Zeit sehr hungrig und erschöpft. Ich spürte ein wenig, wie sich Ma, nach Jahren der Gefangenschaft mit nur wenig zu essen, in ihrem Körper gefühlt haben muss.«

Gleichzeitig begann sie, ein zurückgezogenes Leben zu führen, ihre sozialen Kontakte zu beschränken, um weiter in Mas emotionalen und spirituellen Schockzustand zu kommen. Larson schmierte sich dick mit Sonnencreme und hohem Lichtschutzfaktor ein, damit ihr Teint keine Strahlen abbekam. »Ich wollte völlig verstehen, was es für Ma bedeutete, so lange in dem Raum zu sein«, erklärt die Schauspielerin, die als Tochter von Toni Collette in der Serie Taras Welten bekannt wurde und in Filmen wie Greenberg, Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, 21 Jump Street, The Spectacular Now: Perfekt ist jetzt oder ►Don Jon zu sehen war.

»Ich denke, sie ging durch Wellen – Wellen der Panik, dann Wellen der Akzeptanz, aber ich denke, den Großteil der Zeit war sie wahrscheinlich von der Routine und der Monotonie gelangweilt. Um das zu simulieren, blieb ich einen Monat zu Hause und verließ das Haus nur, um ins Fitnessstudio zu gehen. Ich hatte nur wenige Verbindungen nach draußen, blieb der Sonne fern, so wie Ma, die für viele Jahre keine Sonne auf ihrer Haut gespürt hatte.«

Larson verbrachte Zeit mit Dr. John Briere, einem Professor der Psychatrie an der USC und Experten bei jugendlichen Traumata, um mehr über die Psychologie von Traumata und deren erschütternde Auswirkungen auf die Identität zu lernen. »Ich lernte von ihm, dass, wenn zu viel in der Welt los ist, das Gehirn, um zu überleben, Teile seines Bewusstseins ausschaltet. Also schaltet Ma Teile von sich selbst im Raum aus, um zu überleben, und auch, um die beste Mutter für Jack zu sein. Aber als sie den Raum verlässt, wird ihr klar, dass alles, was sie vorher abgeschaltet hat, sie wieder einholt.«

Als Joy unerwartet die Chance bekommt, in ihr altes Schlafzimmer zurückzukehren, das als Museum ihrer Jugend zurückblieb (eine Jugend, die sie völlig verloren hatte), wollte Brie Larson für diesen Moment völlige Unmittelbarkeit haben. »Eines wusste ich: dass ich den Raum nicht sehen wollte, bevor wir die Szene dort hatten. Als Ma ihn erstmals wiedersieht, sah ich ihn zum ersten Mal. Und da Ethan einen Haufen Gegenstände ausgesucht hatte, die meine Kindheit direkt ansprachen, transportierte es jene Gefühle.«

Larson erklärt, dass ihre Verbindung zur Rolle und der ganzen Geschichte einen persönlichen Zusammenhang hat. Eine Zeit lang wuchs sie auch in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit einer Mutter, die sich von ihrer Scheidung erholen musste, lebte sie in ihrer eigenen, winzigen, baufälligen aber leicht verwunschenen Enklave, ein bisschen wie Jack.

»Als wir nach Los Angeles zogen, lebten meine Mutter, meine Schwester und ich in einem 1-Zimmer-Appartement, das etwa doppelt so groß wie der Raum war. Wir hatten nur wenig Geld, wir konnten uns nicht einmal ein Happy Meal bei McDonald's kaufen, und wir drei hatten jeweils etwa drei Anziehsachen und eine Handvoll Spielzeug«, erinnert sich Larson.

»Doch diese Zeit hatte etwas Einfaches und Magisches. Wir sprechen noch immer davon, als eine der besten Zeiten unseres Lebens. Ich weiß, dass es für meine Mutter fürchterlich viel Schmerz bedeutet hat, zu versuchen, herauszubekommen, wer sie war, und allein zwei Kinder durchzubringen. Aber ich erinnere mich auch daran als eine Zeit, in der ich die Kraft der Vorstellung kennengelernt habe. Wir hatten nicht viel, aber meine Mutter konnte Spiele aus dem Nichts erschaffen, sogar Zuckerpäckchen.«

Sie fährt fort: »Natürlich war meine Erfahrung nicht ansatzweise so traumatisch wie für Jack und Ma, aber als ich das Buch las, war ich mit einem Kind und einer Mutter verbunden, die durch eine schöne aber schmerzvolle Zeit gehen. Ich liebte Jacks einfachen aber schönen Blickwinkel und die Art, wie Hoffnung und Liebe hervorgerufen wurden - mehr als in jeder anderen Geschichte unter solch dunklen Umständen.«

Es ist Joys tief verwurzelte Unverwüstlichkeit und ihre ungebrochene Bindung zu Jack, die sie vom Abgrund zurückholt. Für Brie Larson funktionierte dies alles nur aufgrund des harmonischen Verhältnisses mit Jacob Tremblay. »Bevor wir uns getroffen haben war meine größte Angst, dass wir keine Verbindung zueinander herstellen können. Aber das passierte sofort, sobald wir über Star Wars sprachen«, lacht sie. »Von da an war es ein gemeinsames Abhängen, Pizza essen und miteinander spielen.«

Entsprechend ihrer praktischen Natur hinsichtlich der Vorbereitungen, war es das erprobte Spielen, das eine untrennbare Verbindung zwischen Larson und Tremblay erzeugte. »Als die Kunstabteilung uns fragte, ob wir ein paar Boote basteln, die Ma und Jack im Raum herstellen, wurde unsere Verbindung immer tiefer und tiefer«, sinniert sie. »Ich habe mich, ehrlich gesagt, noch nie einem Schauspieler so nahe gefühlt. Jacob hat eine so unvorstellbare Präsenz und ich hätte das nie so ohne ihn tun können. Wir waren so eng verbunden, dass es schwierig für ihn war, mich in einigen Szenen aufgebracht zu sehen.«

»Bye-bye, room!« - Jack

Die Musikalität des Geschichtenerzählens entstand vor allem in der Kammerorchester-Partitur von Stephen Rennicks, der ebenfalls schon mit Abrahamson und Cutter Nathan Nugent an Frank und What Richard did zusammengearbeitet hat. Rennicks' Musik wurde ein weiterer Träger in der Architektur von Raum. »Stephen ist mein längster Mitarbeiter. Ich kenne ihn seit der Grundschule. Ich vertraue ihm wirklich, weil er ein Komponist ist, der für das Wohl des Films und nicht für den Soundtrack arbeitet«, sagt Regisseur Lenny Abrahamson. »Wir sprachen über die Geschichte aus jedem Blickwinkel heraus und er schrieb Orchesterthemen, die zu den Tiefen der Geschichte passen.«

All diese Themen konvergieren am Schlusspunkt des Films - in dem Moment, als Jack und Ma zum letzten Mal den Raum verlassen. Wie bei Allem in Raum wusste Abrahamson genau, wie er sich ihm nähern wollte. »Ich war sehr angespannt, denn der Moment sollte sich nicht selbst hingeben«, sagt er. »Er ist nicht sentimental, aber er ist unglaublich aufgeladen, daher musste die Szene vorsichtig durchgeführt werden. Ich fand Bries und Jacobs Darstellung unglaublich bewegend. Der Moment fühlte sich einfach ehrlich an. Wirklich, die Genialität von Emmas Roman liegt in dieser Szene, wenn Jack seiner Mutter einen flüchtigen Einblick in diesen Ort ermöglicht, so wie er ihn sieht, und was er ihm bedeutet hat. Man blickt auf diesen winzigen Raum, der jedoch Enormes durchlebt hat.«

Raum ist zugleich eine straffe Erzählung über Gefangenschaft und Freiheit, eine fantasievolle Reise in die Wunder der Kindheit und ein umfassendes Porträt der Bindungen und Stärken einer Familie. Auch wenn die erste Hälfte ein Kammerspiel ist, wirkt der Film jedoch nie langweilig, da die beiden Hauptdarsteller ihre Rollen dermaßen bereichern, dass man sich fast wie in einer stinknormalen Alltagsgeschichte wiederfindet - nur eben unter extrem widerwärtigen Umständen. Lenny Abrahamson inszenierte diese brisante Geschichte mit viel Liebe zum Detail, das nicht nur von der Kamera perfekt eingefangen, sondern auch von den Schauspielern hervorragend nuanciert wurde. ■ mz

Drama/Krimi
IRL/CAN 2015
118 min



mit
Brie Larson (Joy Newsome/Ma) Laura Maire
Jacob Tremblay (Jack) Xara Eich
Joan Allen (Nancy) Susanna Bonaséwicz
Sean Bridgers (Old Nick) Viktor Neumann
Tom McCamus (Leo) Hans-Eckart Eckhardt
Amanda Brugel (Officer Parker) Svantje Wascher
Cas Anwar (Dr. Mittal) Nico Mamone
William H. Macy (Robert) Joachim Tennstedt
Matt Gordon (Doug) Roland Wolf
Wendy Crewson (Talkshowmoderatorin) Susanne von Medvey
u.a.

drehbuch
Emma Donoghue (nach ihrem Roman)

musik
Stephen Rennicks

kamera
Danny Cohen

regie
Lenny Abrahamson

produktion
Element Pictures
No Trace Camping
Telefilm Canada
Film 4
Bord Scánnan na h'Eireánn (The Irish Film Board)
Ontario Media Development Corporation
Duperele Films

verleih
Universal