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Auferstanden
Risen
Clavius ist ein Mann der Taten. Wenn seine römischen Generäle ihm einen Befehl geben, gegen die Feinde Roms zu ziehen, führt er diesen effizient zu Ende. Doch sein jüngster Auftrag stellt ihn vor unbekannte Schwierigkeiten: In der Region Nazareth hat sich ein neuer Kult begründet, der die Macht Roms herausfordert. Clavius lässt ihren Anführer Yeshua kreuzigen und dessen Grab bewachen. Drei Tage später ist der Leichnam verschwunden. Bei der Suche nach dem toten Körper stößt nicht nur Clavius an die Grenzen seines Glaubens.
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»Have you come far?«

Mit diesen Worten beginnt die Geschichte von Cäsars Militärtribun Clavius, der irgendwo im Nirgendwo nach einem langen Fußmarsch von einem Mann bewirtschaftet wird, der neugierig ist, wer dieser Fremde denn sei, der an seinem einsam gelegenen Haus vorbei kommt. Clavius erinnert sich fortan an die Geschehnisse, die ihn zu diesem Häuschen geführt hatten...

Als Kevin Reynolds gefragt wurde, den bereits zahlreich verfilmten Stoff um die Kreuzigung Jesu neu aufzubereiten, hatte dieser die Idee, die Geschichte aus den Augen eines Nichtgläubigen zu erzählen. »Wir wollten von dem, was schon zuvor gemacht wurde, etwas völlig Anderes machen«, erzählt der Autor/Regisseur. »Also kam ich auf die Idee, dass Auferstanden als Detektivgeschichte erzählt werden sollte.«

Reynolds, der, bis auf die Miniserie Hatfields & McCoys (2012), in der er nach langer Zeit mal wieder mit Kevin Costner zusammenarbeiten konnte, in den letzten 10 Jahren seit Tristan + Isolde pausiert hat, zeigt uns nun einen altbekannten Filmstoff in neuem Gewand - mit Joseph Fiennes in der Hauptrolle, der sich mit Kostümdramen bestens auskennt.

»Als ich das Drehbuch las, staunte ich bei der Tatsache, dass ich soeben eine biblische Geschichte verarbeitet hatte, die wie ein außergewöhnlicher Krimi wirkte«, sagt der Schauspieler. »Das Skript ließ mich die Seiten umblättern, ohne dass ich wirklich wusste, wie es denn enden würde, denn wenn man es mit diesen unverbrauchten Blicken betrachtet, ist Jesu Wiederauferstehung wirklich die Mutter aller Krimis.«

»If it's true, I will kill him again.«

Pilatus, Clavius' Vorgesetzter und Präfekt von Nazareth, ist genau das, was man sich unter einem arroganten, wohlhabenden Römer und Anführer vorstellt - Weintrauben essend, Wein trinkend, in der Therme badend und nebenbei Entscheidungen fällend - die perfekte Rolle für Peter Firth, der nach über 10 Jahren als MI5-Chef Harry Pearce in der Serie [spooks] auf die Leinwand zurückkehrt. Man merkt ihm jedoch an, dass er noch nicht so ganz den MI5 verlassen hat, ähnlich wie bei Idris Elba, der als Nelson Mandela wie seine langjährig gespielte Figur des John Luther wirkte.

Einer, der einen immer größer werdenden Bekanntheitsgrad bekommt, ist Cliff Curtis, der hier die Rolle des „Auferstandenen“ übernommen hat. Curtis, der mit Kevin Reynolds bereits 1994 bei Rapa Nui - Rebellion im Paradies zusammengearbeitet hat, ist jetzt nicht wirklich oft und viel in Auferstanden zu sehen, denn nach der Kreuzigung wird Jesu Leichnam in einem bewachten, mit einem schweren Steinrad verschlossenen und versiegelten Raum aufgebahrt, um zu verhindern, dass Glaubensfanatiker den Leichnam stehlen.

Ein Schelm ist, der Wortspiel-Analogien mit Curtis' anderer Rolle, mit der er derzeit eine ganz andere Gruppe von Menschen anführt, herstellt. In der Spin-off-Serie Fear the Walking Dead spielt er einen Patchwork-Familienvater, der mit seinen zwei Familien vor dem Ende der Welt flüchtet. In der Tat stammt Curtis zudem vom anderen Ende der Welt und ist wohl der bekannteste Maori der Filmgeschichte. Und trotzdem Curtis in seinen Rollen zuvor oft muskulös und bullig daher kam, wirkt seine Statur in Auferstanden eher der bekannten Filmfigur entsprechend.

»Cliff kommt aus Robert de Niros Schule für Method Acting, daher bestand ein Teil seines Prozesses in Auferstanden darin, mit niemandem zu sprechen«, sagt Kevin Reynolds. »Dadurch, dass er am Set still war, baute sich etwas in Curtis auf, worauf die Apostelfiguren wahrhaftig reagieren konnten. Und ich denke, das kommt auch auf der Leinwand herüber.«

Curtis' Herangehensweise passte sich perfekt an die auf der Seite geschriebene Figur an. »Eine der Herausforderungen Jesu ist, dass er nicht viel ausgearbeiteten Dialog hat«, bemerkt Reynolds. »Darum brauchten wir jemanden, der Jesu Präsenz offenbaren kann, ohne dies verbal tun zu können.«

Für Cliff Curtis war diese Rolle die größte Herausforderung seines Lebens. »Ob man nun glaubt, dass er der Sohn Gottes war, oder nicht, Jesus war ein außergewöhnliches menschliches Wesen«, sagt er. »Er veränderte die Art und Weise, wie die Menschheit das Leben an sich wahrnimmt, also war es mir eine unglaubliche Ehre, ihn zu porträtieren. Ich konnte mich der Rolle nur mit Dankbarkeit und Demut nähern.«

»We are followers. We are following to find out.«

Beim Schreiben und Besetzen der Apostel war es Kevin Reynolds wichtig, jedem eine individuelle, zugängliche Persönlichkeit zu geben. »Ich wollte Apostel kreieren, mit denen man sich identifizieren kann, Leute, die ihre eigenen Macken haben. Manche von ihnen zeigen sogar einen echten sinn für Humor«, sagt er. »Für mich war es wichtig, die Apostel wie richtige Menschen wirken zu lassen, und nicht wie vage Ikonen.«

»Als ich das Drehbuch las, war ich von der Liebe zwischen Maria Magdalena und Jesus und wie sie darum kämpfen, diese Liebe der Welt zu geben, berührt«, sagt die spanische Schauspielerin María Botto. »Das ist das Element, das ich am meisten an dieser Geschichte liebte.«

Auch Joseph Fiennes fand bei der Interaktion mit den Jüngern eine willkommene Ruhe. »Die Apostel waren unglaublich fröhlich«, sagt er. »Als Clavius verbrachte ich viel Zeit in den Barracken und unter dem Druck von Rom, dass es mir wie eine große Läuterung vorkam, wenn ich Szenen mit den Aposteln hatte. Es war eine ziemlich phänomenale Erfahrung, in dieses vollkommen andere Gefilde zu kommen - beides, als Filmfigur wie auch mit den Schauspielern.«

Auferstanden ist im Großen und Ganzen ein Film, der leicht anzuschauen ist, mit hervorragend stimmiger Filmmusik aufwartet und einfach niemandem wehtut. Interessant ist die Herangehensweise Reynolds an das Thema in Form eines Film noir allemal. Und wenn Jesus am Kreuz hängt, hängt da wirklich Cliff Curtis in der sommerlich feuchten Hitze Spaniens. Alles wirkt so echt und Joseph Fiennes wie ein Polizeidetektiv, der mit seinem Partner (Harry-Potter-Nemesis Tom Felton) in einem höchst mysteriösen Fall ermittelt - das Ganze natürlich vor dem Hintergrund Jerusalems, der in Spanien und Malta gedreht wurde.

Ein wenig schmunzeln kann man schließlich auch noch, wenn man Fan von Monty Pythons Das Leben des Brian ist, denn wenn die Kamera in den Raum kommt, in dem die Apostel sitzen, wirkt das schon wie ein illegales Treffen von Fanatikern und man tauscht innerlich die Stimmen im Film mit denen von Monty Python. Manchmal hat man auch den Eindruck, dass die Apostel eine Gruppe friedliebender Kiffer seien und man die WG betritt.

Und wenn sich Jesus schließlich von allen verabschiedet und mit einem „Wusch“ verschwindet, kommt man nicht umhin, zu denken, dass dieser „auferstandene“ Jesus ein Außerirdischer zu Besuch war, der die Botschaft der Liebe weitertragen wollte. Was auch immer - Auferstanden ist recht unterhaltsam und leicht zu verdauen, nachdem man die Kreuzigungskadaver passiert hat. ■ mz

Drama/Krimi/Abenteuer
USA 2015
108 min



mit
Joseph Fiennes (Clavius) Frank Schaff
Tom Felton (Lucius) Moritz Pertramer
Peter Firth (Pontius Pilatus) Wolfgang Condrus
Cliff Curtis (Jeschua/Jesus) Torsten Michaelis
María Botto (Maria Magdalena) Heide Domanowski
Luis Callejo (Joses) Michael Baral
Antonio Gil (Joseph von Arimathea) Freimut Götsch
Richard Atwill (Polybius) Tobias Nath
Stewart Scudamore (Petrus) Jörg Hengstler
Andy Gathergood (Quintus) Gerald Schaale
Mario Tardón (Andreas) Sven Fechner
Stephen Hagan (Bartholomäus) Gerrit Schmidt-Foß
Mish Boyko (Johannes) Florian Hoffmann
u.a.

drehbuch
Kevin Reynolds
Paul Aiello

musik
Roque Baños

kamera
Lorenzo Senatore

regie
Kevin Reynolds

produktion
Columbia Pictures
LD Entertainment
Affirm Films
Patrick Aiello Productions

verleih
Sony