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03 | 10 | 17 | 24 | 31
Der Spion und sein Bruder
Grimsby
Nobby hat alles, wovon ein echter Mann aus dem heruntergekommenen Fischerstädtchen Grimsby träumt: Neun Kinder und die hübscheste Freundin im Nordosten Englands. Er vermisst nur eines: seinen kleinen Bruder Sebastian. Nachdem die beiden als Kinder von unterschiedlichen Familien adoptiert wurden, verbrachte Nobby die letzten 28 Jahre damit, seinen Bruder zu suchen. Als er endlich erfährt, wo Sebastian sich aufhält, macht sich Nobby gleich auf den Weg. Was er nicht weiß: Sebastian ist nicht nur Geheimagent des MI6, er hat auch gerade einen bedrohlichen Plan aufgedeckt, der die gesamte Welt in Gefahr bringt. Fälschlicherweise selbst unter Verdacht geraten, befindet sich der Spion auf der Flucht und realisiert: Wenn er eine Chance haben will, die Welt zu retten, benötigt er die Hilfe des größten Vollidioten auf dem Planeten - seines werten Bruders Nobby...
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Sacha Baron Cohens Rollen sind alle so verschieden, und doch haben sie etwas gemeinsam: Sie sind alle verschroben, naiv und haben ihre eigene Überzeugung - vom künstlich gewieften Hip-Hopper-der-zur-TV-Talkshow-Persönlichkeit-wurde Ali G, den er erst kürzlich bei der Oscar®-Verleihung „hervorkramte“, über den kasachstanischen Journalisten Borat, der erstmals die USA besucht, bis hin zur österreichischen Fashionikone Brüno auf der Suche nach Ruhm.

Jetzt kann Cohen den Idioten Nobby aus der nordenglischen Hafenstadt Grimsby dazu zählen. »Er ist ein Sozialhilfebetrüger - er hat neun Kinder und schwindelt sich durch's System, um so viele Vergünstigungen wie möglich zu bekommen«, sagt er. »Die Sache ist aber: Er liebt seine Kinder und seine Freundin. Sie ist eine kurvenreiche Schönheit, Rebel Wilson, in die er unsterblich verliebt ist. Er ist ein großartiger Vater. Er würde alles für seine Familie tun. Sein ganzes Leben dreht sich um seine Familie, und das einzig fehlende Teil ist sein Bruder.«

Nobbys Fußballfreunde, mit denen er stets im Pub abfeiert, halten immer wieder Ausschau nach dessen Bruder Sebastian. Doch trotzdem das letzte Foto von Sebastian 28 Jahre alt ist, wird er entdeckt! Dabei sehen sich die Brüder eigentlich gar nicht so ähnlich - Nobby wirkt mit seinen Koteletten und seinem Bierbäuchlein wie ein Zuhälter aus den 70ern oder Liam-Gallagher-Lookalike, während „Sebby“ mit seinem kahlen Kopf und dem durchtrainierten Körper eher Ähnlichkeit mit Vin Diesel besitzt. Doch Nobby spürt ihn auf - bei einem Event, auf dem die Leiterin der Weltgesundheitsorganisation, Rhonda George, getötet werden soll. Was Nobby jedoch nicht weiß: Sein Bruder ist Geheimagent und gerade im Begriff, den Attentäter ausfindig zu machen...

Der Film beginnt mit einer Actionsequenz, in der Top-Agent Sebastian im haarsträubenden Einsatz gezeigt wird. Dass diese ungewöhnlichen Aufnahmen aus der Ich-Perspektive Sebastians so wahnsinnig aufregend wirken, haben wir der Kollaboration verschiedener Mitarbeiter zu verdanken - einerseits Regisseur Louis Leterrier, der mit The Transporter, Der unglaubliche Hulk und ►Die Unfassbaren - Now you see me bereits beste Erfahrungen mitbringt, wie auch Kameramann Oliver Wood, der sich in beiden Welten bestens auskennt - Action und Komödie.

Woods Arbeiten kennt man - von der Serie Miami Vice über Stirb langsam 2, Ford Fairlane - Rock'n'Roll Detective, die Jason-Bourne-Filme und ►2 Guns bis hin zu Ricky Bobby - König der Rennfahrer, worin auch Cohen gespielt hat, sowie Stiefbrüder, Die etwas anderen Cops und ►Anchorman - Die Legende kehrt zurück (Regisseur und Drehbuchautor Adam McKay wirkt hier übrigens als Mitproduzent)! Optisch verknüpft Wood passend die Welt des rasanten Actionfilms mit der kalten und grauen nordenglischen „Vorstadtidylle“.

Die Mitarbeiter bei dem Projekt sind alle irgendwie miteinander verzahnt. Regisseur Louis Leterrier arbeitete micht nur mit Isla Fisher bei Die Unfassbaren - Now you see me zusammen, auch ist es ihre erste Zusammenarbeit mit Fishers Ehemann Sacha Baron Cohen vor der Kamera, auch wenn sie hier den Partner eingetauscht hat. »Sacha dabei zuzusehen, wie er Klamauk macht, ist, wie Michael Jordan dabei zuzusehen, wie er Körbe wirft«, sagt die Schauspielerin, die in einer Clownschule gelernt hat.

»Es ist sehr lehrreich, wie man urkomisch wirken kann, und ich habe so viel gelernt«, erzählt Fisher weiter, die im Film Sebastians Verbündete Jodie spielt. »Was den Rest von uns betrifft... Wir mussten ernst bleiben. Sachas Figur ist dermaßen überspitzt, dass wir den Rest der Welt so echt wie möglich darstellen mussten.«

Mit Sacha Baron Cohen verheiratet zu sein, ist für Isla Fisher nicht immer einfach, aber dennoch offensichtlich genau ihr Ding. Und Nobby war für sie ihre Lieblingsfigur Sachas - aus einfachen Gründen: »Ich hatte wirklich Glück mit dieser Figur, denn Sacha trug eine Perücke. Als er Borat war, musste ich mit jemandem mit einem Fahrradlenkerschnurrbart schlafen, und ich hatte einen blonden magersüchtigen Irokesen im Bett, als er Brüno war. Nobby war für mich das Lieblingsego, das er mit nach Hause brachte, bis auf den nordischen Akzent, den er niemals abschüttelte. Aber zumindest sah er wie er selbst aus!«

Im Film musste sie ihn jedoch an Rebel Wilson abgeben. »Was jeder an Sachas Klamauk liebt, ist, dass er wahrlich die Grenzen ausdehnt«, sagt Wilson, die im Film Nobbys Freundin Dawn spielt. »Ich mag exzentrisches Material. Ich bin bekannt für exzentrische Standup- und Sketchkomödie, doch dieser Film geht wirklich eine Ebene höher.«

Und da hat sie völlig recht! Der Film geht an die Grenzen des guten (Komödien-)Geschmacks! Was bei Austin Powers noch als lustiges Schattenspiel Brüller verursachte, ist bei Sacha Baron Cohen schon hart an der Kotzgrenze - sei es die Szene, in der Nobby Gift aus den Hoden seines Bruders saugen musste (in der Mark Strong komplett ernst bleiben musste!), die Szene, in der Luft aus Dawns Schenkeln entweicht (Sie mag es luftig wie „Sharon Stallone“), oder auch die „Elefanten-Bukkake“-Szene, die so unglaublich ist, dass man sich wünscht, nicht hingesehen zu haben!

Für Stunt-Koordinator Adam Kirley war die Eröffnungssequenz mit all der grenzenlosen Action eine aufregende Herausforderung. Und dann las er weiter... »Die ersten 30-40 Seiten lesen sich wie ein Actionfilm«, sagt er. »Und dann haben wir die Elefantensequenz. Das ist immernoch sehr reale Action - Stunts, die man möglicherweise in echten, reinen Actionfilmen macht, nur halt in komödiantischer Umgebung. Wir hatten Senen, die auf engstem Raum spielten. Sie werden geflutet und müssen quasi um ihr Leben kämpfen. Es ist lediglich eine andere Umgebung als in anderen Actionfilmen.«

Steven Warner, der kürzlich erst für die Spezialeffekte bei Der Marsianer verantwortlich zeichnete, und sein Prosthetik-Experte Conor O'Sullivan hatten ein irrwitziges Szenario zu schaffen, in der sich die Butcher-Brüder auf der Flucht vor den Schergen im südafrikanischen Wildreservat in dem höchst privaten Körperteil einer Elefantenkuh verstecken müssen. Und dann ist auch noch Paarungssaison!

Es musste nicht nur die Anatomie eines männlichen Elefanten nachgestellt werden, sondern auch das Ejakulat, in dem die beiden Akteuere für Tage „baden“ mussten. »Was auch immer wir benutzen würden - Sacha und Mark, wie auch die Crew hatten darin tagelang eingetaucht werden. Also musste es sicher sein - sicher zum Einnehmen, sicher für Augen und Ohren«, sagt Warner.

»Wir hatten mit einer Menge Zoos und Elefantenexperten gesprochen und haben herausgefunden, dass das, was Elefantensperma am ähnlichsten sieht, wirklich McDonald's Milchshakes waren«, berichtet Sacha Baron Cohen. Wie auch immer, hier musste die Realität der Kunst weichen. Warner sagt, dass sie schließlich eine Art Feuchtigkeitscreme benutzt hatten. »Alle waren hoch erfreut, denn ihre Haut fühlte sich so weich an«, erinnert sich Warner.

Was unterm Strich herausgekommen ist, ist eine Mischung aus Agenten-Action und komödiantischen Elementen, die man nie wieder ungesehen machen kann! Trotz all der abgefahrenen Erlebnisse, die Sebastian mit seinem Bruder durchmachen muss, gelingt es Mark Strong, seinem in ►Kingsman: The Secret Service aufgebauten Agentenimage professionell treu zu bleiben.

Die Kamera mag nicht nur Baron Cohen und Fisher, sondern auch die zackige Action wie auch die Landschaftsaufnahmen Südafrikas. Man kann bei diesem recht kurzweiligen Film (immerhin nur 83 Minuten!) trotz der analfixierten Gags recht oft losprusten, denn Sacha Baron Cohen kombiniert Elemente aus den beliebten Serien Shameless - Nicht ganz nüchtern und South Park („Suck my balls“), gibt „Harry Potter“ und Donald Trump AIDS (wobei im Abspann extra darauf aufmerksam gemacht wird, dass Trump wie auch Daniel Radcliffe nicht in den Film involviert waren!) und singt praktisch eine Lobhymne/Gesellschaftskritik über den „Abschaum“ und natürlich Englands Volkssport Nummer Eins - Fußball, denn das explosive Finale findet beim WM-Endspiel in Chile statt!

Mit beliebten Außenseitern (und Oscar®-Nominierten und -Gewinnern) Gabourey Sidibe und Barkhad Abdi sowie Penélope Cruz und Annabelle Wallis als hübsche Bösheiten mutet Der Spion und sein Bruder als abgefahrenste Actionkomödie aller Zeiten an, in der jeder Gag perfekt sitzt, ob man darüber lachen kann oder nicht. Die Geschmäcker sind halt verschieden und der Humor nicht Jedermanns Sache - was die Einnahmen an den Kinokassen beweisen. Interessant wäre zumindest, zu wissen, was die Bewohner von Grimsby über den Film zu sagen haben... Zumindest wurden ihre Pubs beworben! ■ mz

Komödie/Action
GB/AUS 2016
83 min



mit
Sacha Baron Cohen (Kyle Alan „Nobby“ Butcher) Markus Pfeiffer
Mark Strong (Sebastian Butcher) Oliver Siebeck
Penélope Cruz (Rhonda George) Bianca Krahl
Rebel Wilson (Dawn Grobham)
Isla Fisher (Jodie Figgis)
Tamsin Egerton (Carla Barnes)
Annabelle Wallis (Lina Smit) Sandrine Mittelstädt
Barkhad Abdi (Tabansi Nyagura) Karim Chamlali
Gabourey Sidibe (Banu)
Scott Adkins (Pavel Lukashenko)
u.a.

drehbuch
Sacha Baron Cohen
Phil Johnston
Peter Baynham

musik
Erran Baron Cohen
David Buckley

kamera
Oliver Wood

regie
Louis Leterrier

produktion
Big Talk Productions
Columbia Pictures
Four by Two Films
LStar Capital
Sony Pictures Entertainment
Village Roadshow Pictures
Working Title Films

verleih
Sony