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Spotlight
Der Leiter des Investigativ-Teams „Spotlight“ des „Boston Globe“ wird vom neuen Redakteur der Zeitung auf die Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche angesetzt, von denen schon lange hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Doch als Robby und seine Kollegen die ersten Opfer zu interviewen beginnen, stoßen sie Schicht um Schicht auf einen viel größeren Skandal als zunächst angenommen: Seit Jahrzehnten wurden in der Erzdiözese Boston immer wieder Kinder von Priestern missbraucht - und die Taten von höchsten Würdenträgern gedeckt und vertuscht. Die Spuren führen direkt zum Kardinal, doch die Reporter stoßen auf eine Mauer des Schweigens. Die Opfer schweigen aus Angst, hoch bezahlte Anwälte spielen auf Zeit. Die kostspielige Recherche der Zeitung droht zu scheitern...
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»The church thinks in centuries, Mr. Renendez. Do you think your paper has the resources to take that on?« - Mitchell Garabedian

Einzelne Fälle von sexuellem Missbrauch durch katholische Priester waren schon vor der Recherche von „Spotlight“, dem Investigativteam des „Boston Globe“, gemeldet worden. Doch es war die gründliche und gewissenhaft auf Fakten überprüfte Veröffentlichung des „Spotlight“-Teams, die das Ausmaß der von Geistlichen verübten Verbrechen (und die Beteiligung der Kirche, die ihre Priester deckte und vor dem Strafjustizsystem beschützte) mit nie zuvor gesehener Präzision aufdeckte.

Spotlight mag man als eine Art Gegenstück zu Die Unbestechlichen betrachten. Als der Film über die Nachforschungen von Woodward und Bernstein über den „Watergate“-Skandal 1976 ins Kino kam, erhielt Jason Robards einen Oscar® für seine Darstellung des „Washington Post“-Redakteurs Ben Bradlee, des Vaters von Ben Bradlee jr. in Spotlight. Er inspirierte außerdem eine neue Generation von Journalisten, Institutionen eingehender ins Visier zu nehmen, die bis dahin als unberührbar gegolten hatten. Im Jahr 2015 zelebriert Spotlight nun die Tugenden des investigativen Journalismus in einer Zeit, in der Journalismus in der langen Form nur noch eine untergeordnete Rolle spielt und 24-Stunden-Nachrichtenberichterstattung, Prominentenklatsch und marktschreierische Überschriften, mit denen man im Internet Klicks generiert, den Ton angeben.

In den letzten 15 Jahren hätten viele Zeitungen dichtgemacht, erfahrene Journalisten hätten ihre Arbeit verloren, merkt Produzentin Nicole Rocklin an. »Überall wurden die Budgets massiv gekürzt. Wer hat da schon noch die Mittel und die Arbeitskräfte, um sich Geschichten wie diese vorzunehmen? Wenn diese Reporter nicht Jahre ihres Lebens in die Recherche gesteckt hätten, wäre die Wahrheit dann je ans Tageslicht gekommen? Es ist tatsächlich ziemlich beängstigend, dass investigative Teams wie dieses aus den Newsrooms im ganzen Land verschwunden sind.«

Regisseur Thomas McCarthy stimmt zu: »Spotlight hält die Fahne hoch und zeigt, wozu erstklassiger, professioneller Journalismus in der Lage ist. Ich will darauf hinweisen, wie essenziell diese Art des Journalismus ist, denn in meinen Augen sind diese Reporter absolute Helden.«

»Mark my words, Mr. Renendez. If it takes a village to raise a child, it takes a village to abuse one.« - Mitchell Garabedian

Das Filmteam hat sich große Mühe gegeben, nicht nur das Ambiente von 2001 so echt wie möglich aussehen zu lassen, sondern auch die Hauptfiguren. Besonders Walter „Robby“ Robinson, Mike Rezendes und Sacha Pfeiffer waren von der verblüffend echten Darstellung der Akteure Michael Keaton, Mark Ruffalo und Rachel McAdams begeistert, die ihre Protagonisten tagelang auf Schritt und Tritt begleiteten und beobachteten. Es war für die echten Journalisten klar, dass praktisch kaum jemand weiß, wie sie in Wirklichkeit sind bzw. waren, doch dieses Aneignen der Persönlichkeiten war ein wichtiger Schritt, die Geschichte, und vor allem die Figuren, so echt wie nur irgend möglich darzustellen.

Regisseur Thomas McCarthy sprach die Story aus verschiedenen Gründen an: »Mich hat fasziniert, wie der Außenseiter Marty Baron aus Miami kommt und an seinem ersten Tag beim „Boston Globe“ die Idee durchsetzt, eine vermeintliche Vertuschung durch die katholische Kirche recherchieren zu lassen. Ganz schön mutig, finde ich.«

Außerdem gab ihm die „Spotlight“-Geschichte die Gelegenheit, einen filmischen Liebesbrief an eine aussterbende Form des Journalismus zu verfassen. »Mir macht das richtig Sorge, zu sehen, wie wenig qualitativ hochwertigen investigativen Journalismus es noch gibt - anders, als es noch vor 15 Jahren der Fall war«, merkt McCarthy an. »Ich sah den Film als Gelegenheit an, eine Art Exempel zu statuieren, und zu zeigen, welche Wirkung man erzielen kann, wenn man erfahrenen Profis die Möglichkeit gibt, ordentlich finanzierten Journalismus zu machen. Denn was könnte es Wichtigeres geben als das Schicksal unserer Kinder?«

Zusammen mit Drehbuchautor Josh Singer ging McCarthy bei den Recherchen für ihr Drehbuch mit der gleichen Gründlichkeit zu Werke wie das „Spotlight“-Team. Über Monate hinweg führten sie Interviews mit Journalisten, Opfern und anderen, die an der Geschichte beteiligt waren. »Wir reisten zwei- oder dreimal nach Boston. Wir führten wiederholt Gespräche mit allen beteiligten Journalisten, und ich dachte eigentlich, das war's«, erinnert sich Singer.

»Aber Gründlichkeit war immer das Schlüsselwort für Tom. Er stellte weiter Fragen. „Was ist mit den Journalisten, die am Porter-Fall gearbeitet haben? Was ist mit den Anwälten? Sollten wir nicht auch mit Jon Albano sprechen? Kriegen wir Eric MacLeish vors Mikro?“ Es war ihm wichtig, die Geschichte aus jedem nur erdenklichen Winkel zu beleuchten und zu verstehen. Ich habe Recherche immer schon geliebt, für mich war das Wasser auf meine Mühlen. Und, tja, große Überraschung - als wir uns aus unserer ursprünglichen Kerngruppe hinauswagten, stießen wir auf einige der überraschendsten Details der Geschichte. Und das sind die Puzzlestücke, die dafür sorgen, dass sich die Geschichte geerdet und echt anfühlt.«

Es ist ein brisantes Thema, das aufgedeckt werden musste. Doch was den Film so sehenswert und spannend macht, ist in Wirklichkeit das Recherchieren der Journalisten, ähnlich einer Detektiv- oder Ermittlungsgeschichte, in der man Beweise sammeln muss, um den oder die Täter hinter Gitter zu bringen. Das wirklich Frustrierende bei dieser Geschichte ist jedoch, dass die Verantwortlichen bzw. die Einzeltäter es immer wieder schaffen, sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Die Denunziation dieser durch die Ermittlungen des „Spotlight“-Teams hatte zwar lediglich zur Folge, dass die betroffenen Täter versetzt wurden, aber wenigstens wurde diese Tatsache endlich in die Öffentlichkeit getragen! Und das Erschreckende daran ist zudem, dass das nicht nur lokal in Boston passierte, sondern überall auf der Welt, denn die Kirche ist überall... ■ mz

Drama/Thriller
USA 2015
128 min



mit
Mark Ruffalo (Mike Rezendes) Norman Matt
Michael Keaton (Walter „Robby“ Robinson) Joachim Tennstedt
Rachel McAdams (Sacha Pfeiffer) Ranja Bonalana
Liev Schreiber (Marty Baron) Tobias Kluckert
John Slattery (Ben Bradlee jr.)
Stanley Tucci (Mitchell Garabedian) Lutz Mackensy
Billy Crudup (Eric MacLeish) Peter Flechtner
Jamey Sheridan (Jim Sullivan)
u.a.

drehbuch
Josh Singer
Thomas McCarthy

musik
Howard Shore

kamera
Masanobu Takayanagi

regie
Thomas McCarthy

produktion
Anonymous Content
First Look Media
Participant Media
Rocklin/Faust

verleih
Paramount