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Brooklyn
Eine Liebe zwischen zwei Welten
Der Film erzählt die bewegende Geschichte der jungen Irin Eilis Lacey, die in den 50er Jahren versucht, in Brooklyn Fuß zu fassen. Von den Versprechungen Amerikas angelockt, verlässt Eilis nicht nur schweren Herzens Irland, sondern auch ihre Mutter und Schwester, um in New York ein neues Leben zu beginnen. Mit Hilfe eines irischen Priesters, der in Brooklyn eine Gemeinde betreut, kommt Eilis nach der langen Überfahrt auf einem Ozeandampfer in New York an und findet dort nicht nur eine Unterkunft in einer Pension für junge, unverheiratete Frauen, sondern auch schnell einen Job als Verkäuferin in einem Kaufhaus.
Ihr Heimweh verfliegt schnell, als sie bei einem Tanzabend den italienisch-stämmigen Klempner Tony Fiorello kennenlernt, der ihr schüchtern den Hof macht. Langsam und sehr zärtlich beginnen die beiden eine Liebesromanze. Doch da erreicht Eilis eine bestürzende Nachricht ihrer Familie und sie beschließt, noch einmal in ihre irische Heimat zu reisen. Während dieses Aufenthaltes lernt Eilis den irischen Rugby-Spieler Jim Farrell näher kennen, der sich Hals über Kopf in sie verliebt. Und auch sie beginnt, langsam Gefühle für Jim zu entwickeln. Mit der Zeit wird Eilis immer klarer, dass sie sich nicht nur zwischen zwei Ländern, sondern auch zwischen zwei ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen entscheiden muss...
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Eilis will mehr aus ihrem Leben machen, doch sie fühlt sich festgefahren zwischen ihrem Job in dem Tante-Emma-Bäcker, in dem die Chefin ein hartes Regiment führt, und ihrem öden Familienleben mit Mutter und Schwester. Eigentlich wollte ja die große Schwester nach Amerika, doch aus gesundheitlichen Gründen überlässt sie ihr Ticket Eilis, die sich von heute auf morgen auf einem Ozeandampfer wiederfindet.

Saoirse Ronan verkörpert diese junge Irin, die mit ihren großen blauen Augen die Zuschauenden in ihren Bann zieht - stets farbenfroh gekleidet. Ihr knallgrüner Mantel lässt dabei ihrer Herkunft keine Zweifel aufkommen. »Es war die Reise, die meine eigenen Eltern in den 80ern gemacht haben. Sie zogen nach New York und haben genau diese Dinge erlebt, auch wenn es zu einer anderen Zeit war. Die größte Hürde, die jeder im Leben meistern muss, ist doch, die Sicherheit der eigenen Familie und Freunde zu verlassen, um etwas Neues zu wagen«, sagt sie.

Gleich das erste Wagnis wird zum Abenteuer: die Schiffsreise. Eilis hat keine Ahnung, was auf sie zukommt. Als dann der erste starke Seegang kommt, kann sie das zuvor verspeiste Hammelragout nicht lange bei sich behalten. Zu allem Übel haben die Mädels in der Nachbarkabine die geteilte Kabinentoilette verbarrikadiert, sodass sich Eilis einen Eimer organisieren muss...

»Wenn du wegziehst, wirst du so schreckliches Heimweh haben, dass du einfach nur sterben willst, und du kannst gar nichts dagegen tun, außer es auszuhalten. Aber es wird dich nicht umbringen. Und eines Tages kommt wieder die Sonne heraus und du wirst feststellen, dass dein Leben eben hier ist.« - Eilis Lacey

»Dieser wunderbare Text bedeutet jedem, der seine Familie und Heimat jemals verlassen hat, wirklich viel. Eilis muss diese unglaublich glückliche, herzzerreißende, aufregende und furchterregende Reise einfach machen, um dann die Entscheidung treffen zu können, wohin sie sich zugehörig fühlt«, sagt Ronan. Ihre Entscheidung wird ihr nicht gerade einfach gemacht: Erst lernt sie den schüchternen, aber entschlossenen italienischen Jungen Tony kennen, der sich in sie verknallt hat. Dessen Markenzeichen, seine Rotbäckchen, lässt bei den Zuschauenden ständige Verlegenheit aufkommen.

Dann muss sie wegen einer Todesnachricht zurück in die Heimat und muss dort feststellen, dass sie bereits vor ihrer Abreise einen heimlichen Verehrer hatte. »Sie hat jetzt dieses vollkommen andere Leben, von dem die Menschen in Enniscorthy nichts wissen, doch sobald sie wieder in Irland ist, verfällt sie praktisch sofort wieder in die alten Muster und lässt sich vorschreiben, was sie zu tun hat«, sagt die Schauspielerin. »Der Unterschied liegt darin, dass ihr das nun bewusst ist - anders als früher. Und ich weiß selbst nicht, ob man in einem solchen Fall jemals wissen würde, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat. Ich glaube nicht, dass Eilis es jemals wissen wird. Aber genau das ist ja das Schöne an dieser Geschichte.«

»Saoirse hat eine außergewöhnliche Fähigkeit, große Emotionen auszudrücken während sie eigentlich nur ganz wenig tut. Das zu beobachten ist extrem faszinierend, nicht nur für die Zuschauer im Kino, sondern auch für einen Autor, denn genau das versucht man ja beim Schreiben auf dem Papier zu vermitteln«, kommentiert der ebenfalls aus dem irischen Enniscorthy stammende Autor Colm Tóibín, dessen 2009 erschienener Roman einer der meist gefeierten Romane des letzten Jahrzehnts ist. Der Kern des Buches ist eine klassische Einwanderer-Geschichte, erzählt von einer in dieser Form selten gehörten Erzählerstimme.

»Die Art und Weise wie Colm den Schmerz schildert, gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten sein zu wollen, ist eine wunderschöne Gratwanderung – und lässt sich besonders gut auf Filmbilder übertragen«, sagt Nick Hornby, der den Roman fürs Kino adaptierte. Tatsächlich, sagt Hornby, sei die Adaption ein recht organischer, natürlicher Vorgang gewesen, obwohl viele glaubten, dass die Umwandlung von Tóibíns innerer Prosa in Filmdialoge eine große Herausforderung werden würde:

»Da Colms Schreibweise sehr präzise ist, er sich aber auch zurückzieht und Freiräume lässt, glaubt man, es wäre ein sehr vom Innenleben der Figur geprägtes Werk, aber so hat es sich für mich gar nicht angefühlt. Was mit Eilis passiert, war eigentlich absolut reif für eine Inszenierung. Ich wollte diese wunderbare Mischung der Tonlagen einfangen - die komischen, romantischen und tragischen Momente. Vor allem wollte ich, dass die Zuschauer diese Erfahrungen gemeinsam mit Eilis durchmachen, sie und die Menschen um sie herum lieb gewinnen und von ihren Erfahrungen selbst betroffen sind.«

Brooklyn ist ein ruhiger und schöngeistiger Film, was Nick Hornby unterstreicht: »Ich glaube, wenn man sich mit den Figuren in Jane Austens Roman „Sinn und Sinnlichkeit“ identifiziert, dann wird man sich auch mit Brooklyn identifizieren – denn im Grunde geht es hier um dieselbe, zeitlose Entscheidung, die eine Frau zwischen zwei sehr unterschiedlichen jungen Männern treffen muss.«

Nach Rooney Mara in ►Carol haben wir nun hier mit Saoirse Ronan eine weitere Püppchenfigur, die in einem Warenhaus arbeitet und die MännerHerzen dahinschmelzen lässt. Mal sehen, was da in diesem Jahr noch so auf uns zukommt... Unterstützt wird Ronan, wie auch Eilis, von den Oscar®-Preisträgern Jim Broadbent, der Pater Flood spielt, der die Immigrantinnen in „heimischen“ Haushalten unterbringt, und Julie Walters als strenge und clevere Vermieterin der Pension, in der Eilis unterkommt.

Als Rotbäckchen Tony ist Emory Cohen zu sehen, den man vielleicht u.a. aus der Musicalserie Smash oder aus dem Film ►The Place beyond the Pines kennt, sowie Domhnall Gleeson, der Sohn von Brendan Gleeson, der in die erfolgreichen Fußstapfen seines Vaters tritt und zuletzt in Filmen wie Ex_Machina, ►Star Wars VII Das Erwachen der Macht und ►The Revenant - Der Rückkehrer zu sehen war. In weiteren Nebenrollen sind u.a. die britische Schauspielerin Eva Birthistle und die Kanadierin Emily Bett Rickards zu sehen, die durch ihre Rolle der Felicity Smoak in den DC-Superheldenserien Arrow und The Flash berühmt wurde.

Ist es Irland - das grüne Land, in dem Frauen Golf spielen, oder New York, wo Frauen beim Baseball zugucken? Ist es der blonde heimische Verehrer oder das Rotbäckchen aus dem italienischen Viertel aus Brooklyn, für den sich Turteltäubchen Eilis entscheidet? Ist eigentlich egal, denn der Film und die Figuren versprühen ihr Charisma und ihre Lebendigkeit, Trauer und Freude, dass man den Film einfach nur schön findet, etwas fürs irische Herz. ■ mz

Drama
GB/IRL/CAN 2015
112 min


mit
Saoirse Ronan (Eilis Lacey)
Emory Cohen (Tony Fiorello)
Jim Broadbent (Pater Flood)
Eileen O'Higgins (Nancy)
Domhnall Gleeson (Jim Farrell)
Julie Walters (Mrs. Keogh)
Eva Birthistle (Georgina)
Emily Bett Rickards (Patty)
Eve Macklin (Diana)
Nora-Jane Noone (Sheila)
Samantha Munro (Dorothy)
Jessica Paré (Miss Fortini)
Michael Zegen (Maurizio)
u.a.

drehbuch
Nick Hornby
nach dem Roman von Colm Tóibín

musik
Michael Brook

kamera
Yves Bélanger

regie
John Crowley

produktion
Wildgaze Films
Parallel Film Productions
Irish Film Board
Item 7

verleih
20th Century Fox