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Mr. Holmes
Sherlock Holmes ist inzwischen 93 Jahre alt und lebt, versorgt von seiner Haushälterin Mrs. Munro, in seinem Landhaus in Sussex. Den berühmten Hut trug er nie und statt der Pfeife bevorzugte er Zigaretten. Er ruht in sich und widmet sich der Bienenzucht. Nur manchmal bedrängen ihn Erinnerungen an alte Fälle. Was geschah wirklich mit der geheimnisvollen Ann Kelmot? Und was verbindet ihn mit der Familie Umezaki, die ihn nach Japan einlädt? Der berühmte Meisterdetektiv bricht zu einer letzten großen Reise auf.
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Mr. Holmes basiert auf dem Roman „A slight Trick of the Mind“ von Mitch Cullin und geht davon aus, dass Sherlock Holmes eine reale Figur ist, deren Abenteuer von seinem Freund und Weggefährten Dr. John Watson zu Romanen verarbeitet wurden. Holmes ist in die Jahre gekommen, und mit der Gesundheit steht es nicht zum Besten. Während er sich eingestehen muss, dass auch seine mentalen Kräfte abnehmen, ist die Zeit gekommen, in der sich der für seine Rationalität bekannte Detektiv erstmals mit seinen Emotionen auseinandersetzen muss.

»Do your thing!« - Roger

Was bleibt einem unter Demenz leidenden Meisterdetektiv, wenn seine Fähigkeiten so langsam den Geist aufgeben? Noch geht es hin und wieder, aber bald wird sein Verstand aufgeben. Namen schreibt er sich auf die Manschetten seiner Hemden, um sich nach außen hin keine Blöße zu geben. Sein Arzt gibt ihm ein Notizbuch, in dem er jedes Mal einen Punkt eintragen soll, wenn ihm etwas nicht einfällt. Als Holmes gegen Ende des Films ein wenig bettlägerig wird, sieht man den Arzt in dem Tagebuch blättern, und wie die Punkte von Woche zu Woche immer mehr werden.

Neben seinen Bienen, die Holmes auf seinem Landsitz züchtet, auf den er sich vor über 30 Jahren zurückgezogen hat, bleibt ihm eine letzte Aufgabe für sein Gehirn: Er will vor seinem Tod noch eine wahre Geschichte niederschreiben - die seines letzten Falls, der ihn zum Rückzug gezwungen hat. Der junge Roger, der Sohn der Haushälterin, hat sich während Holmes' letzter Reise, auf der dieser einen letzten Versuch startete, der Demenz durch Präparate entgegen zu wirken, indem er in Japan auf einen Mann traf, der Holmes für das spurlose Verschwinden seines Vaters verantwortlich macht, ihm aber auch im verwüsteten Hiroshima die Wurzel einer dort wachsenden Pflanze zeigte, die Wunder bezüglich Holmes' Demenz bewirken könne, heimlich in Holmes' Arbeitszimmer geschlichen und besagte Aufzeichnungen gelesen, und ist nun (wie der/die Zuschauende) gespannt, wie die Geschichte weiter- und ausgeht.

»We don't like wasps.« - Holmes

Holmes ist angetan vom Ehrgeiz seines Mitbewohners und lernt ihn zum Ausgleich an, wie man Bienen züchtet - ganz zum Misfallen seiner Mutter, die bereits Pläne schmiedet, um mit ihrem Sohn nach Portsmith zu gehen, wo ihre Schwester ein neues Hotel eröffnen will. Nach und nach erfährt der/die Zuschauende, wie die Geschichten der drei Zeitebenen sich parallel auflösen - Holmes' letzter Fall, dessen Reise nach Japan und sein aktueller (Gesundheits-)Zustand.

Großen Spaß hatten die Filmemacher damit, sich spielerisch vor den frühen Kino-Inkarnationen von Sherlock Holmes und Dr. Watson zu verneigen. »In den 40er Jahren ist sich Holmes bewusst, dass er eine populäre Kultfigur ist«, erklärt Drehbuchautor Jeffrey Hatcher. »Holmes macht sich lustig darüber, wie Watson ihre gemeinsamen Abenteuer zu Papier gebracht hat. Bill fand die Idee lustig, dass Holmes sich all der Filme bewusst wäre, die über ihn gemacht wurden. Also schrieb ich eine Szene, in der Holmes ins Kino geht, um sich einen B-Film anzusehen, der den Basil-Rathbone/Nigel-Terry-Filmen ähnlich ist und der auf dem einen Fall basiert, den Holmes damals nicht lösen konnte. Er sieht also der Kinoversion von sich selbst dabei zu, wie sie in dem Fall ermittelt, an den er sich nicht mehr richtig erinnern kann.«

Für Bill Condon war die Arbeit an Mr. Holmes tatsächlich nicht zuletzt deshalb eine so große Freude, weil er erstmals seit ihrem gemeinsamen Erfolg Gods and Monsters [1998] wieder mit Ian McKellen arbeiten konnte. In beiden Filmen liegt der Fokus auf einem älteren Mann, der sich damit auseinandersetzen muss, dass ihn sein Gedächtnis langsam im Stich lässt, und der Trost in der Freundschaft mit einem jüngeren Menschen findet, der im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte ist.

Ian McKellen gefiel es, dass sich die Geschichte so langsam entwickelt. »Es ist eine Mystery-Geschichte, ein Thriller«, erklärt der Schauspieler. »Wir erleben Holmes mit 93 Jahren, wie er seinen Ruhestand im Süden Englands genießt, wo er Bienen züchtet und eine Haushälterin mit kleinem Sohn sich um ihn kümmert. Damit beginnt die Geschichte, die sich behutsam entfaltet und mit jeder neuen Wendung ein bisschen komplizierter und raffinierter wird.

Holmes wird traditionell nicht als glücklicher Mann porträtiert. Obwohl er beneidenswerte Qualitäten besitzt, will niemand so sein wie er. Das trifft in gewisser Weise auch auf unseren Holmes zu. Er ist 93, hat verschiedene Probleme und befindet sich in einem erzwungenen Ruhestand, in den er sich selbst manövriert hat. Es bestehen wunderbare Beziehungen zwischen den Hauptfiguren: der Haushälterin, dem Arzt, den Inspektoren, den Detektiven und allen anderen. Und wie sie sich alle innerhalb einer Geschichte kennenlernen, die eines Arthur Conan Doyle würdig ist, ist ein Vergnügen. Das Drehbuch ist ungeheuer raffiniert. Ich denke, der Spaß besteht darin, die Figuren kennenzulernen und herauszufinden, was sie motiviert, und außerdem mitzuerleben, welche Rolle sie bei der Lösung von Holmes' Problem spielen.«

»They're just on the other side of the wall.« - Holmes

Während am Ende die Handlungsstränge zusammengeführt werden, wird auch gleichzeitig das Ende vorbereitet. Wir erfahren, was es mit dem mysteriösen Handschuh auf sich hat, den Roger in einem geheimen Fach entdeckt, was die Ursache dafür ist, warum so viele Bienen sterben [ganz böse Szene für jede Mutter am Ende des Films], und was passiert, nachdem Holmes eines Tages seinen letzten Atemzug genommen hat.

An der Seite eines bemerkenswerten Ian McKellen, der Sherlock Holmes einerseits wie gewohnt bissig und logisch kombinierend, andererseits aber auch gebrechlich und durchaus auch liebevoll darstellt, sind u.a. Laura Linney als von der Ungewissheit der finanziellen Zukunft geplagten Haushälterin und Milo Parker, der ein wenig an Thomas Brodie-Sangster erinnert und vor kurzem erst neben Anke Engelke(!) in Gespensterjäger zu sehen war, sowie Hiroyuki Sanada (diesmal nicht als Bösewicht!) zu sehen.

Mr. Holmes ist ein ruhiger, besinnlicher Film übers Altern, aber auch für Sherlock-Holmes-Fans ein recht gewitztes Puzzlespiel, das sich nach und nach zusammensetzt, bis alles aufgeklärt ist. Was Bill Condon bzw. die Autoren nicht wagen, ist, den Meisterdetektiv sterben zu lassen, auch wenn Ian McKellen den 93-jährigen so überzeugend spielt, dass man es quasi erwartet... ■ mz

Drama
GB 2015
104 min


mit
Ian McKellen (Sherlock Holmes)
Laura Linney (Mrs. Munro)
Milo Parker (Roger)
Hiroyuki Sanada (Tamiki Umezaki)
Hattie Morahan (Ann Kelmot)
Patrick Kennedy (Thomas Kelmot)
Philip Davis (Inspector Gilbert)
Frances de la Tour (Madame Schirmer)
Charles Maddox (Oswald)
John Sessions (Mycroft Holmes)
u.a.

drehbuch
Jeffrey Hatcher
nach der Romanvorlage von Mitch Cullin

musik
Carter Burwell

kamera
Tobias Schliessler

regie
Bill Condon

produktion
See-Saw Films
AI-Film
Archer Gray
BBC Films
FilmNation Entertainment

verleih
Alamode