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Krampus
Max ist genervt von der ewigen Streiterei seiner für die Weihnachtsfeiertage zusammen-gekommenen Familie und will nichts mehr wissen von Friede und Freude. Prompt erwacht der böse Geist von Krampus und lässt seine Monster los. Familienmitglieder, die sich eben noch Vorwürfe an den Kopf geworfen und angeschrien haben, müssen sich zusammenraufen, um dem Bösen die Stirn zu bieten und Weihnachten zu überleben - ein denkwürdiges Familienfest für Max und Co.
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Autor/Regisseur/Produzent Michael Dougherty interessiert sich schon seit langem für das unterhaltsame Düstere und Subversive. Seit seinem Durchbruch mit Trick'r Treat – Die Nacht der Schrecken, der 2007 ganz klein rauskam und zu einem Kultfilm wurde, und seinen Recherchen über die Wintersonnenwende, hat der Filmemacher festgestellt, dass die dunkle Seite der Popkultur und Folklore oft viel faszinierender ist, als die üblichen Geschichten, die uns erzählt werden.

Dougherty erzählt, dass es etwa 15 Jahre her ist, dass er von der dunklen Seite des beliebten Festes im Dezember erfuhr: »Auf die selbe Art, wie Amerikaner Weihnachtskarten verschicken, haben Europäer diese reiche Tradition, Krampus-Karten zu verschicken. Man zeigte mir diese wunderschönen Illustrationen von dieser Kreatur namens Krampus, die Kinder stiehlt und Menschen, die sich vor Furcht aneinander kauern. Aber sie hatten so eine witzige, boshafte Art, ähnlich unserem Halloween. Das fand ich ansprechend, denn es macht Weihnachten gleich viel unterhaltsamer, wenn man weiß, dass es da diese düstere, boshafte Seite der Feiertage gibt, die wir Amerikaner noch nicht haben. Es lauerte in den Schatten und wartete darauf entdeckt zu werden.«

Gut, hier in Berlin, Deutschland, ist diese Figur aus den mitteleuropäischen Berggegenden ebenso unbekannt wie in Amerika. Aber wer weiß, vielleicht schaffen wir es ja auch mal, einen Brauch zu exportieren, anstatt uns immer nur amerikanische Bräuche anzueignen... Der Name leitet sich von mittelhochdeutsch Krampen (Kralle) oder bairisch Krampn (etwas Lebloses, Vertrocknetes, Verblühtes oder Verdorrtes) ab.

Mithilfe seiner Mitproduzenten zielt Dougherty auf eine Balance zwischen Comedy und Nervenkitzel ab: »Wenn man sich den Krampus-Mythos und die Geschichte der Figur betrachtet, dann gibt es da etwas Liebenswertes und Sympathisches an ihm. Deswegen würde es sich nicht richtig anfühlen, einen Film zu drehen, der übertrieben heftig, blutig oder extrem wäre. Da gibt es den Komödienaspekt unserer Geschichte, und natürlich den Horror (und er ist voller Monster und Schrecken und Spannung), aber es gibt auch eine starke Dosis von Fantasie und düsterem Märchen. Ich habe schon meine ganze Karriere lang versucht, dieses boshaft-spitzbübische Element zu Filmen zu bringen, die Sorte, die ich seit den 80ern vermisse. Ich hoffe, wir haben das mit Krampus geschafft.«

»Sie ist immer etwas seltsam, wenn Weihnachten ist.«

Nun ja. Der Film beginnt zunächst wie jeder andere Familienweihnachtsfilm. Einzig die Omi, die offenbar einen regional-bairischen Akzent spricht [muss wohl an der österreichischen Schauspielerin liegen], wirkt ein wenig merkwürdig, zumal man als Zuschauer auch in der deutschen Synchronfassung mit Untertiteln belohnt wird, um sie zu verstehen! Und dann kommt auch schon die Familie angebrettert: Ähnlich wie bei den Griswolds hinterlassen die minderbemittelten Angehörigen einen Eindruck wie ein Schneepflug, der durch die Haustür fegt. Das resultiert, hauptsächlich durch die von Conchata Ferrell gespielte Tante Dorothy, die auch hier wieder von Whoopi Goldbergs Synchronstimme Regina Lemnitz passend gesprochen wird, in schenkelklopfendem Humor, der nach ein paar Gläsern Glühwein ordentlich Stimmung in die Bude bringt.

So nach und nach geschehen immer merkwürdigere Dinge - zunächst nur draußen, wo plötzlich ein Blizzard tobt und in der Nachbarschaft niemand zuhause zu sein scheint. Grausige Gestalten wandeln im Schneetreiben und unter dem Motto „Ich bin gleich wieder zurück“ verschwinden immer mehr Leute, bis Omi schließlich mit der Geschichte des Krampus herausrückt. Als schließlich auch das Haus der Engels von den bösen Mächten heimgesucht wird, schlägt die Geschichte in einen bittersüßen Horrorfilm um, wo u.a. Teddybären mit Fangzähnen oder Lebkuchenmännchen samt Dropsknöpfen mit Messern auf die Einheimischen losgehen oder sie mit Hilfe anderer Utensilien angreifen.

Michael Dougherty mag vielleicht ein sogenanntes Creature Feature im Auge gehabt haben, das sich an ähnlichen Filmen aus den 80ern orientiert, doch trotz der liebevollen Umsetzung durch Peter Jacksons neuseeländische Effekefirmen Weta Digital und Weta Workshop wirkt der Film unausgeglichen. Der recht explizite Horror ist nichts für kleine Kinder [daher auch die FSK-Freigabe ab 16 Jahre] und für Erwachsene ist der Film zu kindisch und leider auch oft recht langweilig, wären da nicht die grandios witzigen Sprüche. Es gibt auch keine Helden im Film, die dem Zuschauer einen Halt geben. Sobald jemand eine Heldentat versucht - bups ist er weg vom Fenster! In dieser Geschichte gibt es nur einen Ausweg: durch die Kinosaaltür bzw. den Stopp-Knopf. Da ist es so richtig schade um die tolle Besetzung und Ausstattung. Dann doch lieber Schöne Bescherung mit den Griswolds... ■ mz

Komödie/Horror
USA 2015
98 min


mit
Adam Scott (Tom) Rainer Fritzsche
Toni Collette (Sarah) Christin Marquitan
Allison Tolman (Linda) Nicole Hannak
David Koechner (Howard) Florian Krüger-Shantin
Emjay Anthony (Max) Carlos Fanselow
Lolo Owen (Stevie) Vivien Gilbert
Stefania LaVie Owen (Beth) Emily Gilbert
Krista Stadler (Omi)
Conchata Ferrell (Tante Dorothy) Regina Lemnitz
Queenie Samuel (Jordan) Isabella Ociepka
u.a.

drehbuch
Michael Dougherty
Todd Casey
Zach Shields

musik
Douglas Pipes

kamera
Jules O'Loughlin

regie
Michael Dougherty

produktion
Universal Pictures
Legendary Pictures

verleih
Universal