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James Bond 007 - Spectre
Spectre
Obwohl James Bond in Mexiko unter Einsatz seines Lebens einen Terroranschlag verhindert, führt sein eigenmächtiges Handeln zur unbefristeten Beurlaubung. Weil das ungeliebte Doppelnull-Programm ohnehin einer Umstrukturierung der Geheimdienste zum Opfer fallen soll, scheint der Geheimagent Ihrer Majestät allein im Kampf gegen eine übermächtige Organisation, die weltweit Terror sät. Doch in M, Moneypenny und Q findet er loyale Mitstreiter - und bei der mysteriösen Tochter eines gefährlichen Kriminellen sogar eine neue Liebe.
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Der neue „Bond“ ist da! Spectre heißt er, und für alle, die kein Englisch können: Er wird spekter [spɛktə(ɹ)] ausgesprochen, wie es auch im amerikanischen Englisch geschrieben wird, und stammt aus dem Französischen (spectre), was soviel bedeutet wie Schemen, Phantom, Geist, Gespenst. Schemenhaft erscheint auch zu Beginn Christoph Waltz als Oberbösewicht, der eine Organisation leitet, für die all die Bösewichte der bisherigen Craig-Bond-Filme gearbeitet haben.

Und da sind wir auch schon bei dem großen Manko des Films: das Drehbuch. Ganze 4 Autoren mussten in kürzester Zeit eine Geschichte zusammenspinnen, da zu Beginn der Dreharbeiten noch kein komplettes Drehbuch vorlag! Das war einerseits Schwerstarbeit für Regisseur Sam Mendes, der nach ►Skyfall erneut das Ruder übernahm, andererseits auch eine Meisterleistung, das Spektakel so lebhaft wie möglich in Szene zu setzen.

»Skyfall war ein kompletter Reaktionsfilm, was Bond betrifft«, erläutert Sam Mendes. »In der ersten Sequenz jagt er mit all seinem gewohnten Fokus und Tatkraft jemandem hinterher, doch er wird niedergeschossen, noch bevor der Vorspann läuft, und ist den Rest des Films einen Schritt hinter dem von Javier Bardem gespielten Silva zurück. Man könnte auch argumentieren, dass er am Ende von Skyfall versagt hat: Er konnte M nicht am Leben halten, und trotzdem man Silvas Tod als Sieg für Bond bezeichnen kann, gab es doch noch andere Faktoren, die Misserfolge waren. Daher wollte ich ihm mit Spectre die Gelegenheit der Erlösung geben.«

Gleich im Vorspann erleben wir unseren Helden, wie er seine Bestimmung in die eigenen Hände nimmt und in Mexiko mang den Nationalfeierlichkeiten des „Tages der Toten“ Handlanger zur Strecke bringen will. Als er mitbekommt, dass diese ein Stadion im Namen des „bleichen Königs“ in die Luft jagen wollen, greift er ein, jedoch nicht ohne Aufsehen. Dieser Alleingang zwingt schließlich M dazu, Bond bis auf Weiteres an den Schreibtisch zu setzen. Das Doppelnull-Programm soll sowieso abgeschafft werden, damit Drohnen deren Arbeit übernehmen können. Ja, die Technisierung der Gesellschaft macht auch vor Geheimagenten Ihrer Majestät nicht Halt...

Doch auch wenn Bond Ortungsnaniten von Q ins Blut gespritzt bekommt, lässt er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen, den „bleichen König“ ausfindig und dingfest zu machen. Leichter gesagt als getan. Mit der Unterstützung von Q und Moneypenny reist Bond nach Italien, um die Witwe eines berüchtigten Kriminellen aufzusuchen - ein Kurzauftritt von Monica Bellucci. Die Spur führt ihn ins winterliche Österreich, wo sich eine geheime Organisation namens SPECTRE versammelt, dessen Oberhaupt ein alter Bekannter Bonds ist.

Mit SPECTRE wird ein weiteres Element der alten Bond-Filme neu aufgegriffen. Diese geheime Organisation Krimineller aus aller Welt kam bereits in sechs Filmen vor, die eine ganze Fülle von Bösewichten vorstellten. »Wir verfolgen hier keine vorhandene Version der SPECTRE-Geschichte«, erläutert der Regisseur. »Wir erschaffen unsere eigene Version. Unser Film ist sozusagen eine Art Neuentdeckung von SPECTRE und des Superbösewichts, der nun für die nächste Generation neu arrangiert wird.«

Wer das ist, soll nicht verraten werden. Dessen Vorstellung wirkt jedoch im Film recht zusammengeschustert. Und überhaupt ist alles im Film irgendwie vorhersehbar und teilweise haarsträubend - genauso wie die Actionsequenzen. Diese bringen jedoch ein wenig Spannung und Nervenkitzel in das sonst so langatmige Agentendrama, das genauso ruhig ist wie das von Sam Smith gesungene Titellied „The Writings on the Wall“. Diese beziehen sich auf den, ebenso wie das Lied, unbefriedigenden Showdown, in dem Bond seine neue Liebe, verzückt gespielt von Léa Seydoux, aus dem zum Abriss freigegebenen, im letzten Film zerstörten MI6-Hauptquartier retten muss, in dem auf einer Wand mit den Namen der gefallenen Agenten Bonds Name hinzugefügt wurde.

Die Filmmusik von Thomas Newman besitzt zwar ein paar schöne Variationen des Bondthemas und eine Nur-Musik-Version des Titellieds, die allesamt die Erwartungen hochschrauben, die der Film nur bedingt erfüllen kann. Die Kameraarbeit von Hoyte van Hoytema, der zuletzt für ►Interstellar und ►Her verantwortlich zeichnete, leuchtet die Szenen gekonnt aus und fängt solide die Figuren ein.

Höher, schneller, weiter, besser sollte Spectre werden, kann in diesen Punkten jedoch nicht so recht überzeugen. Immerhin hat man mit Christoph Waltz als Oberbösewicht, Andrew Scott als Kopf des Zentrums für Nationale Sicherheit Max Denbigh (Codename: C), der mit seinem neuen Überwachungssystem das Doppelnull-Programm ablösen will, Monica Bellucci als Witwe in Not, Jesper Christensen als Mr. White, der Bond in Casino Royale und Ein Quantum Trost bereits das Leben schwer machte, und Léa Seydoux als dessen Nichte, die nun von Bond vor den SPECTRE-Schergen beschützt werden muss, eine interessante Besetzung gefunden.

Natürlich darf auch diesmal nicht der Handlanger fehlen, mit dem sich Bond einen schwierigen Kampf liefern muss. Dieser wird gespielt von Ex-Wrestler Dave Bautista, der mit seiner bulligen Gestalt triumphiert, jedoch ohne markante Zeichen wie Metallzähne oder messerscharfe Melonen auskommt. Und das ist auch das Fazit des Films: Spectre ist ein langwieriges Agentendrama mit Actionsequenzen, das zwar solide inszeniert ist, den Zuschauer jedoch nicht in Euphorie verfallen lässt. ■ mz

Drama/Action
GB/USA 2015
148 min
IMAX®


mit
Daniel Craig (James Bond)
Christoph Waltz (Franz Oberhauser)
Léa Seydoux (Madeleine Swann)
Naomie Harris (Eve Moneypenny)
Ben Whishaw (Q)
Ralph Fiennes (M)
Monica Bellucci (Lucia Sciarra)
Dave Bautista (Mr. Hinx)
Andrew Scott (Denbigh)
Jesper Christensen (Mr. White)
u.a.

drehbuch
John Logan
Neal Purvis
Robert Wade
Jez Butterworth
basierend auf den Figuren von Ian Fleming

musik
Thomas Newman

kamera
Hoyte van Hoytema

regie
Sam Mendes

produktion
MGM
Eon Productions
B24
Columbia Pictures
Danjaq

verleih
Sony