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A perfect Day
Un Día perfecto
Eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe NSO-Helfer versucht, in den 90er Jahren im Krisengebiet auf dem Balkan den Menschen in Notlagen zu helfen, und muss sich mit rigiden UN-Bürokraten, verständnislosen Soldaten und hinterhältigen Kriminellen auseinandersetzen, die sie in ihrem Engagement behindern. Die einzige Möglichkeit, dem Wahnsinn zu entfliehen, ist hilfloser Zorn, Zynismus und ein Portion Humor. So wird aus einem Tag der Frustration ein „perfekter Tag“.
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Konopac - ein Wort, das den Film prägt, denn Konopac ist bosnisch für Seil. Und genau das ist es, was zu Beginn des Films reißt, als das NSO-Team versucht, die Leiche eines äußerst korpulenten Mannes aus einem Brunnen zu hieven, der mit der Absicht, das in den Bergen spärlich gesäte Wasser zu vergiften, um Profit aus der Not zu schlagen, indem man Wasser teuer an die Bedürftigen verkaufte.

Hauptfigur des vierköpfigen Teams, das paarweise durch die Gegend streift, um Hilfe zu leisten, ist Mambrú, gespielt vom Allroundtalent Benicio del Toro. »Ich denke, dass Mambrú sich in der Position eines Außenseiters befindet. Er ist in der letzten Woche im Einsatz, sogar in seiner letzten Arbeitswoche, und er zieht es in Betracht, zurück nach Hause zu gehen«, erläutert der Schauspieler. »Ich weiß nicht wirklich, ob er komplett aufhören will, oder ob er sich zurückziehen will, aber das weiß er, glaube ich, selbst auch nicht so richtig. In seiner Außenseiterposition ist es ein bisschen so, als wenn er die Regeln entweder bricht oder aber die Regeln zumindest ein kleines bisschen wölbt.«

Mambrú ist mit seinem Kollegen Damir vor Ort, als sie versuchen, mit einem geflickten Seil den schweren Körper aus dem Brunnen zu holen. Da kein weiteres Seil verfügbar ist, funken sie ihre Kollegen B und Sophie an, die gerade auf ein etwas anderes Problem gestoßen sind: Eine Kuh liegt mitten auf dem Weg - ein kriegerischer Schachzug, wie sich herausstellt. B ist davon überzeugt, dass sich neben der Kuh eine Mine befindet. Doch er kann seine Notizen nicht so recht entschlüsseln, ob man nun links oder rechts um die Kuh fahren soll. Zum Ärgernis seiner jungen Begleiterin Sophie entscheidet sich B für eine dritte Option...

»In einer Situation wie dieser keine Emotionen zu zeigen, bedeutet nicht, dass man emotionslos ist. Man zeigt seine Emotionen nur nicht. Es ist immer einfacher, für jemanden zu überleben, wenn man auch in schwierigen Situationen immer seinen Humor bewahrt«, sagt Fedja Štukan, der Damir spielt, selbst gebürtiger Jugoslawe aus Sarajevo. »Humor hilft sehr viel in einem Krieg, um die komplizierte Situation zu überleben. Dieser Film steckt voller Humor. Manchmal ist er schwarz, manchmal ist er unbegreiflich für jemanden, der niemals in einem Krieg gewesen ist.«

Auf ihrem Weg zur Einsatzbasis, um dort ein Seil zu besorgen, treffen Mambrú und Damir auf einen kleinen Jungen, dem von anderen Jungs der Ball weggenommen wurde - mit Waffengewalt! Also nimmt er sich dem kleinen Nikola an und nimmt ihn, entgegen der Regularien, in seinem Wagen mit zur Basis, um neben dem Seil auch einen neuen Ball für Nikola zu besorgen. Doch die Lage vor Ort ist alles andere als ideal: Eine alte Bekannte und Flamme Mambrús soll die aktuelle Lage analysieren.

»Ich spiele Katya. Sie stammt aus der Ukraine. Sie macht Konfliktbewertungen und Analysen. Es ist ein sehr wichtiger Job, und sie ist sehr ernsthaft bei der Sache«, sagt Olga Kurylenko über ihre Rolle. »Sie ist sehr stark und sehr smart. Ihr Sinn für Gerechtigkeit leitet sie bei dem, was sie tut. Sie hört und achtet auf die Regeln, aber sie folgt den Regeln nicht blind. Sie sind aber wichtig für Sie.«

»Wir sind mittendrin in der Aktion. Wir suchen nach einem Seil und nach einem Ball. Das ist es, worum es hier geht«, erzählt Mélanie Thierry. »Es ist sehr einfach, aber es bedeutet eine Menge für alle Figuren. In einem bisschen mehr als 24 Stunden muss das alles geschehen. Wir müssen Erfolg haben. Das bedeutet, dass wir diese Energie haben müssen, dass wir dynamisch sein müssen, und, dass wir in Aktion treten müssen. Sicher war, dass der Film direkt sein sollte. Er musste konzentriert sein, stark und keine Zeit verschwenden.«

Sophie, die in der Gruppe als Expertin für die Wasseraufbereitung zuständig ist, ist schließlich auch diejenige, die mit ihrem eisernen, strebsamen Willen versucht, die Dinge voranzutreiben, um jedoch letztlich genau daran zu scheitern, denn die Zuständigkeiten wechseln zwischen den NSO-Helfern und den UN-Truppen.

A perfect Day ist wie ein Überraschungsei - gleich drei Sachen auf einmal: Kriegsfilm, Roadmovie und Komödie. In den locker-humorigen Dialogen erinnert der Film etwa an Air America, und manche Passagen könnten von den Coen-Brüdern stammen. Doch dann gibt es die dunklen Seiten des Films, wenn die grauenhaften Überbleibsel des Krieges aufgezeigt werden oder unsere Helden an eine Grenzkontrolle kommen, wo die ansässige Miliz die Nachricht vom Kriegsende noch nicht erreicht zu haben scheint.

»Der Film vermeidet die immer wiederkehrenden Kriegszenarien und konzentriert sich auf einen anderen Krieg: den stummen Krieg, der zwischen den Fronten und zwischen den Friedensvereinbarungen, dem Kampf gegen Landminen, den Kindersoldaten, militärischen Kontrollposten, dem siedenden Hass gegenüber dem Nachbarn und der Angst einer Mutter abläuft. Daher ist er dreimal so stark für mich«, sagt der Regisseur.

A perfect Day kreuzt die Ruhe eines spanischen Films mit der geballten Kraft einer internationalen Besetzung und demzufolge auch mit differenziertem Humor. Der Film stimmt nachdenklich, und mit dem Humor schwingt die örtliche Betulichkeit und die noch immer anwährende Bedrohlichkeit einher, die man in der Stille der wundervoll fotografierten Berglandschaft gar nicht vermuten würde. ■ mz

Drama/Krieg/Komödie
E 2015
106 min


mit
Benicio del Toro (Mambrú)
Tim Robbins (B)
Mélanie Thierry (Sophie)
Fedja Štukan (Damir)
Olga Kurylenko (Katya)
Eldar Residovic (Nikola)
Sergi Lopez (Goyo)
u.a.

drehbuch
Fernando León de Aranoa
nach dem Roman „Dejarse llover“ von Paula Farias

musik
Arnau Bataller

kamera
Alex Catalán

regie
Fernando León de Aranoa

produktion
Reposado Producciones
Mediapro
Televisión Española (TVE)

verleih
X-Verleih