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Interview mit Jean-François Richet

Jean-François Richet, Jahrgang 1966, wuchs in einfachen Verhältnissen in Meaux bei Paris auf und arbeitete mehrere Jahre in einer Fabrik, bevor er zum Film kam. Beeinflusst wurde er durch die großen russischen Regisseure Dziga Wertow und Sergej Eisenstein.

Sein erster Film, État des Lieux (1995), wurde auf mehreren Festivals nominiert, unter anderem für den César für das beste Erstlingswerk. Hintergrund seines nächsten Films, Brennender Asphalt (1997), war das Leben von Straßengangs in den Vororten von Paris, wo eigene Erfahrungen seines Lebens in den Vororten Paris einflossen.

Nach drei französischen Filmen, wagte er den Sprung nach Amerika und drehte 2005 ein Remake des John Carpenter-Films Assault on Precinct 13. 2008 drehte er die zweiteilig angelegte Geschichte des skrupellosen Ex-Soldaten ►Mesrine, der, vom Algerienkrieg zurückkehrend, eine beispiellose Gangsterkarriere startete. Für beide Filme gewannen er und Hauptdarsteller Vincent Cassel mehrere Filmpreise.

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Der Vater meiner besten Freundin

Wenn man sich Ihre Filmografie ansieht, sticht Der Vater meiner besten Freundin heraus. Er ist so ganz anders als z.B. Public Enemy No. 1 oder Brennender Asphalt. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Film zu machen?

Jeder von uns hat viele Facetten, und ich fand, dass das, was ich bisher gemacht habe, meine Vielseitigkeit nur begrenzt gezeigt hat. Ich war es, der darum gebeten hat, dieses Remake zu machen. Thomas Langmann hatte mich eigentlich wegen eines Remakes von La Balance - Der Verrat kontaktiert, aber das hat mich nicht interessiert, Un Moment d'Égarement schon. Ich setze mich gern mit verschiedenen Genres auseinander, wie z.B. Film noir für Public Enemy No. 1.

Und mit Der Vater meiner besten Freundin wollte ich mich mit der so genannten Dramödie auseinander setzen. Dieses Genre ist ein bisschen vage: Es ist weder Komödie, noch Drama. Ich habe versucht, eine echte Dramödie zu machen. Aber um auf die Frage zurück zu kommen: Public Enemy No. 1 ist ein Teil von mir, aber ebenso Der Vater meiner besten Freundin. Ich will viele verschiedene Genres ausprobieren – auch Kinderfilme oder derbere Stoffe, und mich nicht nur an ein Genre binden.

Was wollten Sie aus dem Original von Claude Berri behalten und was wollten Sie verändern?

Wir wollten lediglich die Grundidee übernehmen: Ein 45-jähriger Typ schläft mit der Tochter seines besten Freundes. Das Original von Claude Berri ist ein Abbild seiner Zeit, den 1970er-Jahren. Lisa Azuelos, die das Drehbuch mit mir verfasste, und ich waren uns einig, dass unser Film auch zur heutigen Zeit passen sollte. Die Figuren sind deshalb nicht die gleichen, genauso wenig wie ihre Handlungen. In dem Film von Berri schlafen Jean-Pierre Marielle und Agnès Soral mehrere Male miteinander, haben eine richtige Affäre. In unserem Film ist es nur ein einziges Mal - ein schwacher Moment eben.

Thomas Langmann hat den Film produziert. Hatte die Tatsache, dass er der Sohn von Claude Berri ist, Auswirkungen auf den Film?

Wäre er nicht der Sohn von Claude Berri gewesen, wäre alles viel schwieriger gewesen. Man ist zwar einem größeren Druck ausgesetzt, denn man möchte ja niemanden enttäuschen, aber gleichzeitig ist da auch eine Energie, die einem Selbstvertrauen verleiht. Thomas hat sehr wenig in die Dreharbeiten eingegriffen. Darin liegt seine Stärke als Produzent. Meiner Meinung nach ist ein guter Produzent einer, der einen in Ruhe machen lässt, wenn es gut läuft, der aber zur Stelle ist, wenn es schlecht läuft.

Thomas hat das ganze Geld aufgetrieben. Wir haben die grobe Richtung des Projekts diskutiert und er hat mir sein Vertrauen geschenkt. Er ist sehr respektvoll. Nicht immer hat er meine Entscheidungen nachvollziehen können, aber er hat sie akzeptiert. Wir haben ja schon bei Public Enemy No. 1 zusammengearbeitet, er kennt mich und vertraut mir. Ich weiß nicht, wie seine Zusammenarbeit mit anderen Regisseuren ist, aber für mich ist es ein ideales Verhältnis.

Also tragen Sie eine Art Verantwortung für das Vertrauen, auf dem Ihre Beziehung beruht?

Es gibt immer eine Verantwortung. Die größte gegenüber dem Vertrauen, das einem der Zuschauer entgegenbringt, wenn er eine Kinokarte oder auch eine DVD kauft. Ich denke immer an den Zuschauer, der meinen Film zusammen mit seiner Freundin oder seinen Kindern im Kino sieht. Meine Verantwortung besteht darin, immer mein Bestes zu geben und dasselbe von allen zu verlangen, die an dem Film mitwirken, das beste Drehbuch zu verlangen, die besten Schauspieler, das beste Licht, den besten Schnitt, alles. Nur so kann ich Claude Berri meine Ehre erweisen. Doch am Ende basiert der Film auf meiner eigenen Vision und ich habe Glück, dass Thomas den Film mag. Als er den fertigen Film zum ersten Mal sah, war er sehr bewegt. Das war ein aufregender Moment, den ich nie vergessen werde.

Wie war Ihre Zusammenarbeit mit Lisa Azuelos am Drehbuch?

Lisa kam vor einiger Zeit zu mir, und sagte mir, wie toll sie Public Enemy No. 1 fand. Ich von meiner Seite mochte lol sehr. Und als schließlich die Frage aufkam, mit wem ich das Drehbuch zu Der Vater meiner besten Freundin schreiben sollte, gab es für mich nur eine Antwort. Lisa hat einen viel besseren Draht zu den Figuren, viel mehr als ich! Sie hat Kinder, ihre Tochter ist in demselben Alter wie Louna in dem Film. Sie weiß also, wovon sie spricht! Sie war sofort an Bord. Ich glaube, es war eine der wichtigsten Begegnungen, die ich je hatte - sowohl was meine Karriere betrifft als auch privat. Lisa ist sowohl menschlich als auch intellektuell von überbordender Energie. Ich will unbedingt wieder mit ihr zusammenarbeiten.

Reden wir von den Themen im Film – angefangen bei der Freundschaft...

Ich hatte beim Schreiben mit Lisa einen Leitsatz: „Im Leben tut jeder, was er kann.“ Ich verurteile die Figuren nicht. Sie haben ihre Probleme, ihre Fehler und Unzulänglichkeiten. Es ist wie beim Schach: Jede Figur kann sich nur nach ihren Möglichkeiten bewegen. Das Leben (und auch die Freundschaft) funktioniert nach dem gleichen Schema.

Interessant ist, dass Louna wirklich willens ist, sich zu verlieben. Und Laurent, der die Liaison strikt ablehnt, ist geschmeichelt von dem Interesse, das ihm dieses junge Mädchen entgegenbringt. Mit 45 Jahren ist er immer noch sehr lebendig und sexy.

Absolut, er wird re-erotisiert! Da trifft eine Kraft (Louna) auf eine Schwäche (Laurent). Sie behält die Kontrolle über die Situation und zieht die Fäden, zweifellos, weil ihre Sehnsucht nach Liebe letztendlich eine reine ist. Vielleicht endet alles, wenn die Ferien vorüber sind, aber während dieses Sommers ist diese Liaison alles, was für sie zählt.

1977 war dieses Thema nur sehr stiefmütterlich behandelt worden und trotz allem ziemlich skandalös. Was glauben Sie, wie das Thema 2015 aufgenommen werden wird?

Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Jeder Film muss Kritik einstecken. Aber ich lese schon lange keine Kritiken mehr. Ich glaube, wie wir mit dem Thema umgehen, erzählt uns viel über uns selbst. Dieses junge Mädchen von nicht mal 18 Jahren...! Ich persönlich finde, die Figur von Vincent hätte das nicht tun sollen. Aber ich verurteile ihn nicht! Er tut einfach, was er tut – und danach hat er den Salat. Was uns interessierte, war zu zeigen, wie dieser schwache Moment sich anbahnt: die Party, die laue Sommernacht, der Alkohol, auch wenn nichts davon seine Handlung rechtfertigt.

Am Ende reden die Mädchen darüber. Louna sagt: „Es ist nicht seine Schuld.“ und Marie antwortet: „Doch, denn er ist schließlich der Erwachsene.“ Und sie hat Recht: Man kann Louna vieles verzeihen, denn sie ist noch ein unerfahrenes Mädchen. Es ist Laurent, der versagt hat. Aber im Grunde ist er ein feiner Kerl, ein guter Vater, und nach dem Ausrutscher ist er Louna gegenüber ja auch wirklich standhaft. Er lässt sich nicht aufs Neue verführen. Ok, er ist einmal schwach geworden – aber wer wäre das nicht in dieser Situation?

Und hinterher? Es ist nicht leicht, seinem besten Freund zu gestehen, dass man mit seiner Tochter geschlafen hat. Die Moral ist immer die Moral der anderen, und es ist nicht meine Aufgabe, meine Moral jemandem aufzudrücken. Man muss die Figuren auch mit den Folgen ihrer Handlungen konfrontieren. Sonst hätte Othello auch nicht Desdemona getötet!

Es ist sehr interessant, wie sie die Insel und das Ferienhaus gefilmt haben. Nach und nach wird es dort immer enger und erdrückender.

Ganz genau, das war eines meiner Ziele, was die dramaturgische Arbeit anging: Wie ist der Film am effizientesten? Sie haben bemerkt: Das erste Mal, wenn ich das Haus zeige, zeige ich es so groß und weit wie möglich, indem ich ein Weitwinkelobjektiv benutze, während einer Kamerafahrt von rechts nach links. Danach enge ich den Bildausschnitt immer mehr ein, bis ich zum Schluss mit einer sehr weiten Einstellung abschließe.

Aber ich habe mich beim Filmen nicht auf die Ausstattung konzentriert, denn sie ist nur Teil der Geschichte. Das ist alles. Sie dient lediglich dem Drehbuch. Dieses Haus war schwer zu finden, denn wir wollten alles darin filmen. Es gibt keine Studioszenen. Emile Ghigo war für die Ausstattung verantwortlich, und er hat den ganzen Ort für den Dreh umgebaut. Zum Beispiel mussten die Wände gemalert werden, die Küche in einen anderen Raum verlagert usw.

Und die Jagdszene, in der alles ans Licht kommt: Das war beim Drehen sicher ganz anders, als Sie es sich vorgestellt hatten.

Ja. Es war Vincent, der bemerkt hat, dass die Szene nicht so funktionieren konnte, wie wir sie geschrieben hatten. Er hat da wirklich ein gutes Bauchgefühl! Vincent redete während den Dreharbeiten ständig von dieser Szene. Bevor wir sie schließlich drehten, setzte ich mich mit ihm und François zusammen, um die Szene durchzugehen. Ich wusste, wie sich die Szene entwickeln sollte, aber sie waren es, die die richtigen Dialoge fanden. Ich machte mir Notizen und wir schrieben die Szene zusammen mit Lisa nochmal um. Dann baten mich François und Vincent darum, bei der Szene gleichzeitig gefilmt zu werden.

Das war übrigens die einzige Bitte an mich, die sie während der ganzen Dreharbeiten mir gegenüber äußerten. Deshalb bin ich ihrem Wunsch sofort nachgekommen. Gleichzeitig mit zwei Kameras gefilmt zu werden, Schuss – Gegenschuss! Eigentlich hasse ich das, weil man da Kompromisse bei der Schärfenregelung und der Wahl des Bildausschnitts eingehen muss. Nachdem ich mir die Proben angesehen hatte, überarbeitete ich das Storyboard und sah, dass es möglich war! Ich liebe eine solche Zusammenarbeit mit den Schauspielern! Ich glaube, wir haben nur drei Takes gebraucht. In Zukunft werde ich öfter auf meine Schauspieler hören!

Sprechen wir über ihre Schauspieler. Was halten Sie von Vincent Cassel?

Es ist für mich der ideale Schauspieler! Ich weiß nicht, was es ist, aber er trifft beim Spielen immer den richtigen Ton, den richtigen Ausdruck, den richtigen Blick. Vielleicht ist es, weil ich mich immer selbst in ihm wiedererkenne. Er hat eine unglaubliche Ausdruckspalette. Als Mesrine in Public Enemy No. 1 ist er einerseits zerbrechlich und andererseits richtig brutal – und so authentisch! Es ist schwer, über ihn zu sprechen. Ich glaube, unsere Filme sprechen für sich.

Worauf basiert Ihre Beziehung zu ihm?

Respekt, Vertrauen, Zuneigung. Er macht mir während des Drehs oft Vorschläge und ich höre sie mir an. Und wenn ich nicht darauf eingehe und ich keine Zeit habe, ihm das zu erklären, dann ist das für ihn auch in Ordnung. Er versteht einfach, wie es beim Dreh zugeht – vielleicht, weil er selbst schon bei einem Film Regie geführt hat. Wir vertrauen uns gegenseitig bedingungslos.

Ich versuche immer, den Schauspielern ausreichend Möglichkeiten zu geben, sich auszuprobieren. Auch wenn ich schon zufrieden bin, gebe ich ihnen einen weiteren Versuch, wenn sie den wollen (und sie wollen immer), weil ich an ihren Instinkt glaube. Ich glaube sowieso, dass Schauspielführung zu 50% außerhalb des Sets stattfindet, denn das Vertrauen, von dem ich sprach, entsteht nicht zwischen „Action!“ und „Schnitt!“.

Und François Cluzet?

Der war eine wirkliche Überraschung! Nicht was sein Spiel angeht – wir wissen ja, was er an Emotionen vermitteln kann. Vor allem, was seine Arbeitsweise angeht, hat er mich überrascht. Er arbeitet ganz anders als Vincent. François ist viel konzentrierter und daher auch viel näher an meiner eigenen Arbeitsweise. Er ist wie eine Stradivari – nicht nur, weil er Dinge einzigartig und präzise zusammenfügt. Und wenn man ihn bittet, etwas auf eine ganz bestimmte Art und Weise zu tun (auch, wenn man sie selbst nicht richtig versteht), dann ist das Ergebnis genauso, wie man sich es vorgestellt hat! [Lacht]

Ich weiß nicht, wie er das macht! Dahinter steckt eine Spielintelligenz, ein Gefühl für Rhythmus, für die Situation, eine Beherrschung der Figur und ihrer Beziehungen zu anderen. Es war wirklich toll, diese beiden Schauspieler interagieren zu sehen! Ein Filmdreh kann nicht funktionieren, wenn sich die Schauspieler als Stars aufspielen und der Regisseur sich genauso verhält. Aber diese beiden halten sich in erster Linie für Handwerker. Man sucht gemeinsam, und manchmal findet man auch.

Haben die beiden schnell zueinander gefunden, obwohl sie, wie Sie erwähnten, auf komplett verschiedene Weisen arbeiten?

Sie waren sich von Anfang an in allem einig. Wir sind zusammen mit Lisa das Drehbuch durchgegangen und die beiden spielten uns den kompletten Film vor! Was ich sehr mochte, war, dass jeder dem anderen Verbesserungsvorschläge machte. François schlug sogar vor, das Drehbuch mal in der Rolle von Vincent zum Besten zu geben. Da war ich dann sicher, dass es zwischen ihnen funktionieren würde, weil keiner dem anderen eins reinwürgen, sondern sie sich gegenseitig unterstützten wollten.

Sprechen wir nun über Ihre Schauspielerinnen – zuerst über die offensichtliche Offenbarung des Films, Lola le Lann in der Rolle der Louna.

Ich musste mir 700 Mädchen ansehen bis mir Gigi Akoka, die Castingdirektorin, Lola gezeigt hat. Lola hatte vorher noch nie einen Film gedreht, hatte nicht mal eine Statistenrolle übernommen! Sie hatte sich einfach bei der Agentur eingeschrieben, um mit Werbespots über den Sommer ein wenig Geld zu verdienen. Sobald wir sie ausgewählt hatten, habe ich sie mit verschiedenen Coaches arbeiten lassen, denn sie musste lernen, mit der Kamera umzugehen, dass es verschiedene Blicke verlangt, Abstufungen in der Darstellung von Emotionen, und auch, wie man auf seinen Partner reagiert. Ich wollte, dass sie einerseits authentisch war, und andererseits selbstbewusst neben Profis wie Vincent Cassel und François Cluzet. In ihrem Alter hätte ich das wahrscheinlich nicht gebracht!

Ich erinnere mich noch an einen Tag, als Gigi und ich mit Lola zusammensaßen – da war Lola noch nicht offiziell für die Rolle ausgewählt – und Vincent kam vorbei. Er wollte sie sehen und hat ihr eine Improvisation vorgeschlagen. Dabei sollte sie ihn anbaggern... Und das Ergebnis war mehr als überzeugend! Am ersten Drehtag begannen wir mit einer Großaufnahme von ihr am Strand. Ich wusste, dass sie Angst hatte, aber ich wollte ihr keine Gelegenheit geben, darüber nachzugrübeln. Ich glaube, Lola möchte weiter als Schauspielerin arbeiten, und das ist auch richtig so. Sie hat Talent!

Alice Isaaz spielt die wichtige Rolle der Marie, Laurents Tochter.

Alice, Alice, Alice... Alle reden nur von ihr, und das zu Recht! Es ist ein Segen, mit ihr zu drehen. Ich hatte keinen ihrer bisherigen Filme gesehen, aber ich wusste, dass sie in La Crème de la Crème von Kim Chapiron, einem Regisseur, denn ich sehr mag und sehr interessant finde, mitgespielt hat. Ich hatte sie ausgesucht, bevor ich den Film von Kim sah. Dann sah ich den Film und er bestätigte meine Wahl. Abgesehen von ihren Qualitäten als Schauspielerin war Alice auch sonst sehr wichtig für meinen Film.

Ich habe sie darum gebeten, sich um Lola zu kümmern, ihr zu helfen, sich im Team zu integrieren und sich ein wenig mit ihr zu verbünden. Wenn dieses Tandem nicht funktioniert hätte, hätte auch der Film nicht funktioniert. Wir brauchten eine Kollaboration zwischen den Schauspielern, keine Konkurrenz. Alice hat all dies getan und noch mehr: Sie hat Lola beim Textlernen geholfen, ihr Erfahrungen weitergegeben und ihre Disziplin. Vor den Dreharbeiten wusste ich, dass Vincent und François mich viel Energie kosten würden, und Lola sowieso. Ich wusste, dass es schwierig werden würde für Alice. Also sagte ich ihr, sie solle zu mir kommen, wenn sie sich vernachlässigt fühlt. Sie ist nicht ein Mal gekommen!

Wie blicken Sie jetzt im Nachhinein auf den Film?

Ich mag den Film sehr. Er war so schwer zu drehen, manchmal sogar schwerer als Public Enemy No. 1. Vor allem bin ich stolz auf die Schauspieler. Mir ist der Traum eines jeden Regisseurs gelungen, eine junge Schauspielerin zu entdecken. Ich konnte Vincent und François einander gegenüberstellen, und ich konnte die Arbeit mit Alice kennenlernen. Der Film hat mir auch erlaubt, mich einer Generation anzunähern, die für mich vorher ein schwarzes Tuch war. Ich bin 48 Jahre alt, weit ab vom Schuss! Im Grunde hat mir der Film sehr viel gebracht, sodass ich die Beschwerlichkeiten des Drehs ganz vergessen habe. Und was ist geblieben? Ein Film und tolle Schauspieler - das ist alles, was zählt!

Haben Sie schon ein neues Projekt in Vorbereitung?

Ich arbeite an einem zweiteiligen Film über den Marquis de Lafayette, den ich wieder mit Vincent zusammen machen will. Aber das braucht noch Zeit. Ich hoffe, ich bin mit dem Drehbuch bis Ende des Jahres fertig. Vielleicht bekomme ich vorher noch die Möglichkeit, einen anderen Film zu drehen – eventuell in den USA. Auf jeden Fall erscheint dieses Jahr noch mein Film Blood Father mit Mel Gibson. ■ mz | Quelle: Weltkino

Komödie/Drama
F 2015
106 min


mit
Vincent Cassel (Laurent)
François Cluzet (Antoine)
Lola le Lann (Louna)
Alice Isaaz (Marie)
u.a.

drehbuch
Jean-François Richet
Lisa Azuelos
basierend auf dem Originaldrehbuch von Claude Berri

musik
Philippe Rombi

kamera
Robert Gantz
Pascal Marti

regie
Jean-François Richet

produktion
La Petite Reine
Entre Chien et Loup

verleih
Weltkino