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Die Liebe seines Lebens
The Railway Man
1983 lernt Eric Lomax, ein glühender Eisbahnfan, auf einer Zugfahrt die Ex-Krankenschwester Patti kennen. Sie ist von seinem Wissen um Fahrpläne und Geschichte, seinem besonnen Wesen und seiner unaufdringlichen Art sofort angetan. Es dauert nicht lange bis die beiden heiraten. Kurz nach der Hochzeit stellt die Gattin jedoch fest, dass ihr Mann von seiner Zeit in japanischer Kriegsgefangenschaft schwer traumatisiert ist. Patti bewegt Eric dazu, sich den Dämonen der Vergangenheit zu stellen und Aussöhnung mit seinem damaligen Peiniger zu suchen.
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Die Todeseisenbahn - Geschichtliche Hintergründe

Vergangenheitsbewältigung eines Überlebenden der Gefangenschaft durch die Japaner im II. Weltkrieg - das kennen wir bereits aus ►Unbroken, dem Drama von Angelina Jolie, das Anfang des Jahres bereits in die Kinos kam. Nun kommt der Film des Australiers Jonathan Teplitzky, der bereits mit Größen wie David Wenham, Matthew Goode, Essie Davis, Rachel Griffiths, Sam Worthington und Timothy Spall gearbeitet hat, nach 2 Jahren Wartezeit doch noch in die Kinos.

Basierend auf der gleichnamigen Autobiografie von Eric Lomax erzählt der Film nicht nur eine bewegende Geschichte über die finsteren Schatten der Vergangenheit und die heilsame Kraft der Vergebung, sondern zeichnet auch das einfühlsame Porträt einer ganz großen Liebe. Welche das ist, muss sich der Zuschauer selbst herauspicken. Ist es die Liebe zur Eisenbahn oder die zu seiner Frau Patti, die er 1980 in einem Zug kennenlernte?

Beide Filmtitel, der Originaltitel The Railway Man, der auch gleichzeitig der Titel der Autobiografie ist, bzw. der deutsche Titel Die Liebe seines Lebens, bieten lediglich eine (vage) Umschreibung der Figur. Während die Geschichte aus den 80ern die Rahmenhandlung bietet, sind es doch die Rückblenden, die uns aufzeigen, was mit Eric los ist, warum er nicht über seine Vergangenheit sprechen kann.

»Seine Geschichte erzählte er in dem Buch „The Railway Man“, einer bemerkenswerten Autobiografie, deren Titel eine schreckliche Ironie birgt«, sagt Drehbuchautor Frank Cottrell Boyce. »Schon als kleiner Junge war er fasziniert von den großen Dampfzügen, die damals in Edinburgh die Waverley Station anfuhren. Doch als junger Soldat musste er sich selbst für den Bau einer Eisenbahnstrecke quälen und mit ansehen, wie tausende seiner Kameraden dabei ums Leben kamen.«

Da ist es dann auch für ihn scheinbar eine Art Therapie, so oft wie möglich mit dem Zug zu fahren, und sich mit seinen überlebenden Leidensgenossen zu treffen. Als schließlich der Freitod seines besten Freundes und dessen Recherchen, Lomax' Peiniger zu finden, sowie das Drängen seiner Frau Patti Eric dazu zwingen, sich damit auseinanderzusetzen, beginnt Eric mit seinem Heilungsprozess. Nicole Kidman, die hier Lomax' Frau Patti spielt, kann dabei von Glück reden, dass die Autoren ihre Rolle ausgebaut hatten, denn im Buch taucht sie kaum auf.

Die tatsächliche „Todeseisenbahn“ ist zwischen Bangkok und Kanchanaburi und noch 40 Meilen darüber hinaus noch immer in Betrieb, größtenteils für Touristen. In einem dortigen Museum traf Lomax auf seinen Peiniger Takashi Nagase, der der Nachwelt aufzeigte, was damals hier passiert war. Und so kam Erics Wunsch in Erfüllung, Nagase »einzusperren, zu verprügeln, zu ertränken«. Für die Filmemacher war es deswegen wichtig, zu verstehen, wie er von diesem Wunsch zu einem gewissen inneren Frieden gelangen konnte.

Dass Lomax seine Wünsche schließlich fallen lassen musste, weil er einfach keine Genugtuung darin fand, und mit seinem Peiniger Frieden schloss, sie sogar Freunde wurden, konnte niemand voraussagen. Es ist eine einmalige Geschichte, die den Weg zu den heute üblichen Wahrheitsfindungs- und Versöhnungs-Komitees ebneten. Die Filmemacher reisten dabei zu den Lomaxes nach Schottland wie auch in die tropische Hölle nach Thailand, um an Originalschauplätzen zu drehen.

»Nach unserer Ankunft in Thailand nahm unser militärischer Berater Rod Beattie meinen Kollegen Sam Reid und mich mit in die Berge«, erzählt Jeremy Irvine, der den jungen Lomax spielt. »Dort befindet sich ein Gleisabschnitt, den der Dschungel längst wieder an sich gerissen hat. Wir halfen Rod dabei, ein Stückchen davon freizulegen: bei 40 Grad Celsius und 98% Luftfeuchtigkeit, natürlich nur mit jenen Handwerkzeugen, die die Kriegsgefangenen damals verwendeten.

Nach rund anderthalb Stunden war ich am Ende. Schon ab Verlassen unseres Kleinbusses lief uns der Schweiß herunter, dabei mussten wir noch nicht einmal unsere Ausrüstung mitschleppen. Sich vorzustellen, dass man diese Arbeit 16 Stunden lang verrichten muss, bei winzigen Essensrationen und ganz wenig Wasser, war wirklich ein einschneidender Moment, der bei mir viel Eindruck hinterlassen hat.«

Nicole Kidman war von Patti Lomax gewarnt worden: »Sie hatte mir gesagt, dass wir vorsichtig sein sollen, wenn wir zum Hellfire Pass kommen. Der Berg dort habe eine eigentümliche Kraft. Irgendetwas ist da. Man spürt die Düsternis und wird sie nicht mehr los. Patti erzählte mir davon, wie sie zum ersten Mal dorthin kam. Sie musste fürchterlich weinen, nicht nur wegen Eric, sondern wegen all der anderen jungen Männer. Eric musste sie trösten.«

Die entsprechende Szene wurde ausgerechnet am 93. Geburtstag von Eric Lomax gedreht. Ein ganz besonderer Gruß wurde von Firth, Kidman und dem gesamten Team vom Hellfire Pass ins heimische Berwick-upon-Tweed geschickt, wo die Lomaxes lebten - für Jonathan Teplitzky eine der glücklichsten Erinnerungen der gesamten Dreharbeiten: »Dass wir alle zusammen am Hintok Pass für Eric „Happy Birthday“ gesungen haben, war ein ganz besonderes Erlebnis. Wir haben das mit einem iPhone aufgenommen und gleich per Email geschickt, so dass er das Video ein paar Stunden später nach dem Aufstehen schon sehen konnte.« Für Lomax, den einstigen Funktechniker, war so viel technischer Fortschritt natürlich besonders beeindruckend.

Während der Film zurechtgeschnitten wurde, starb Lomax 2012 im Alter von 93 Jahren. Nagase starb bereits ein Jahr vor ihm. Der Film, wie auch die Autobiografie, gehören zu den wichtigsten Geschichten über jene Zeit, vor allem, weil so wenig darüber bekannt ist. Hiroyuki Sanada war überrascht, was die Geschichte betraf: »Ich hatte schon mal von dieser Todeseisenbahn gehört, aber kannte keine Details. Auf japanischen Lehrplänen ist das Thema nicht zu finden. Als ich mit meiner Recherche begann, war ich geschockt und überwältigt. Als japanischer Schauspieler spürte ich geradezu eine Verantwortung, der Welt und den jüngeren Generationen diese Geschichte zu erzählen, damit sie einen anderen Blick auf die Geschichte bekommen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man mit dem Erlernen von Sprache auch Kultur lernt. Nagase war ein Übersetzer, also hatte er die Möglichkeit, herauszufinden wie die Welt den japanischen Militarismus sieht. So begann er damit, für die Kriegsgefangenen und asiatischen Zwangsarbeiter zu beten. Ich verspürte eine ähnliche Mission. Wenn wir nicht wissen, was in der Vergangenheit passiert ist, wie können wir dann von ihr lernen? Deswegen war es mir so wichtig, in diesem Film mit dabei zu sein. Als Schauspieler genauso wie als Japaner.«

Da der Film auf Tatsachen und echten Personen beruht, hat er auch etwas Biografisches. Man konnte sich daher nicht viel Freiheiten nehmen, die Dramatik zu erhöhen. Klar, es war grausam, was damals in Birma abging, doch haben wir das Quälen von Häftlingen schon so oft gesehen, dass hier außer dem noch recht unbekannten Fakt des Eisenbahnbaus mit Kriegsgefangenen recht wenig Spannung aufkommt. Somit ist der Leidensweg von Eric Lomax eigentlich nur eine Empfehlung für Schulen bzw. Menschen, die ebenfalls mit Kriegsbewältigung zu tun haben. Zweifellos werden die Figuren im Film hervorragend gespielt und die Geschehnisse eindrucksvoll umgesetzt, doch für den normalen Kinogänger liegt der Film zu schwer im Magen, weshalb man ihn doch trotz Cinemascope-Breitbild lieber in einem intimeren Umfeld sehen sollte. ■ mz

Drama/Krieg
GB/AUS 2013
108 min


mit
Colin Firth (Eric Lomax)
Nicole Kidman (Patricia)
Jeremy Irvine (junger Eric Lomax)
Stellan Skarsgård (Finlay)
Sam Reid (junger Finlay)
Hiroyuki Sanada (Takashi Nagase)
Tanroh Ishida (junger Nagase)
u.a.

drehbuch
Frank Cottrell Boyce
Andy Paterson
nach der Autobiografie von Eric Lomax

musik
David Hirschfelder

kamera
Garry Phillips

regie
Jonathan Teplitzky

verleih
Koch Media/StudioCanal