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Big Game
Der 13-jährige Oskari muss, so verlangt es die Tradition, eine Nacht alleine in den finnischen Bergen verbringen und mit Pfeil und Bogen ein Tier erlegen. Schafft er das, hat er bewiesen, dass er nun ein ganzer Mann ist. Während seiner Mission wird über ihm die Air Force One von Terroristen abgeschossen. Der US-Präsident kann sich in letzter Minute in eine Rettungskapsel flüchten, wo der Junge ihn findet. Bald sind die beiden selbst Beute, denn die zu allem entschlossenen Attentäter setzen sich auf ihre Spur.
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Der finnische Regisseur und Drehbuchautor Jalmari Helander machte 2010 durch sein schrulliges Fantasyabenteuer Rare Exports – Eine Weihnachtsgeschichte international auf sich aufmerksam. Doch seine große Leidenschaft gilt seit jeher dem harten Actiongenre. Mit Big Game liefert er uns nun einen skurrilen B-Actioner, der in puncto Drehorte und Besetzung Oberklasse bietet. »Ich wollte keinen The Fast and the Furious-Abklatsch drehen, sondern mich vor den Action-Blockbustern der 1980er Jahre verneigen«, sagt der Regisseur. »Man erkennt ein wenig von Cliffhanger oder Indiana Jones

Der Film spielt in Finnland, wurde aber komplett in der bayerischen Natur und in den Bavaria Film Studios gedreht. »Jalmari wollte beeindruckende Berge im Film haben, aber die findet man in der ansonsten grandiosen finnischen Landschaft leider nicht«, sagt Produzent Jens Meurer. »Also suchten wir Deutschland nach perfekten Berglandschaften mit sehenswerten Wäldern ab. Wann immer wir einen neuen Berg erklommen hatten, schaute sich Jalmari um, sah in der Ferne einen noch höheren Berg und wollte die Suche dort fortsetzen. So überrascht es kaum, dass wir am Ende an Deutschlands höchstem Berg landeten, der Zugspitze. Höher geht es in Deutschland nicht.«

Die Dreharbeiten waren eine logistische Herausforderung, weil die Schauspieler, die Crew und das gesamte Equipment auf die Berge und in die entlegenen Wälder transportiert werden mussten. Das gelang durch eine gute Zusammenarbeit mit den lokalen Seilbahnbetreibern. Doch auch andere Herausforderungen warteten auf das Filmteam: »Je höher ein Drehort liegt, desto anfälliger ist er für Regen, Nebel und Kälte«, sagt Jens Meurer.

»Als wir die Dreharbeiten vorbereiteten, hatten wir dort oben immer Glück mit dem Wetter, doch kaum liefen die Kameras, verließ es uns. Das Fremdenverkehrsamt hatte uns im Vorfeld hoch und heilig versprochen, dass wir im September zuverlässig schönes Wetter hätten. Aber ich kann jedem versichern: Es war alles andere als schön.«

Oft erkennt man das launische Wetter auch im Film, doch Helanders Faible für hohe Berge und endlose Landschaftsaufnahmen wurde in keinster Weise getrübt. »Finnland hat wunderschöne Wälder, aber leider keine richtigen Berge«, sagt der Regisseur. »Dagegen findet man diese Kombination in Deutschland. Deshalb war Bayern für uns der ideale Drehort.«

Genau wie bei den Locations legten Jalmari Helander und Petri Jokiranta auch hohe Maßstäbe an die Besetzung. Selbstbewusst fragten Regisseur und Produzent bei ihrem Lieblingsschauspieler Samuel L. Jackson an und wurden nicht enttäuscht. Jackson reizte nicht nur die Aussicht, den US-Präsidenten zu spielen, ihm gefiel auch das Zusammenspiel mit dem jungen Helden des Films: »Der Präsident ist enttäuscht, weil ihn einige Leute aus seinem nahen Umfeld betrogen haben. Und Oskari ist enttäuscht, weil sein Vater nicht an ihn glaubt. Aus dieser Parallele ergibt sich eine einzigartige Chemie zwischen dem Präsidenten und dem Jungen.«

Die Rolle des schüchternen Oskari spielt Onni Tommila. Er ist Helanders Neffe und war auch schon in Rare Exports – Eine Weihnachtsgeschichte dabei. Aber auch Onnis Vater Jorma, der übrigens auch im Film Oskaris Vater spielt, ist wieder mit dabei. Immerhin geht der 14-jährige Onni zwischendurch noch zur Schule. Als neuer Actionstar Finnlands fühlt sich der Junge jedenfalls sehr stolz. Die Arbeit mit Samuel L. Jackson erwies sich für ihn als eine der spannendsten Erfahrungen seines Lebens. Und diese war gespickt mit Actionsequenzen.

Entsprechend hoch waren die Erwartungen an Stuntkoordinator Mark Sieger und sein Team. Als Beispiel nennt Sieger eine Szene, in der Oskari und der Präsident in einer Kühltruhe liegen, darin die Berghänge herabrutschen und in eine Schlucht stürzen: »Die Truhe fliegt, schwimmt, überschlägt sich und kollidiert mit Felsen und Bäumen. Natürlich zeigen wir auch spektakuläre Verfolgungsjagden mit Geländewagen, gewaltige Explosionen oder Kämpfe im Wrack der Air Force One – aber die Abfahrt mit der Kühltruhe ist unser Alleinstellungsmerkmal. So etwas haben die Zuschauer noch nie in einem Film gesehen!«

Während die meisten Actionszenen in freier Natur spielen, wurden andere Szenen in täuschend echt wirkenden Studiokulissen gedreht. Eine davon war die detailgetreue Nachbildung einer Kabine der Air Force One. »Als ich zum ersten Mal hörte, dass wir das Flugzeug des Präsidenten ins Wasser stürzen lassen, war ich sofort Feuer und Flamme«, sagt Mark Sieger. »Wir bauten im Studio das obere Deck der Air Force One nach. Es lag mit der einen Hälfte im Wasser und war auf der anderen Hälfte trocken. Als wir eine gewaltige Explosion drehten, wurden Samuel L. Jackson und Onni rückwärts ins Wasser geschleudert. Das war ein aufregender Drehtag.« Jackson war jedenfalls froh, nach dem Dreh aus dem eiskalten Wasser wieder herauszukommen.

Ob Kevin allein im Wald oder Cliffhanger mit Air Force One - Jalmari Helander unterhält die Zuschauer mit einer wahnsinnig skurrilen, aber für Finnen vermutlich typisch schrägen Geschichte und bastelt mit den bombastischen Drehorten und einer ebensolchen Besetzung einen optischen Schwarzwälder-Kirsch-Kuchen mit Steinen drin. Abgesehen von der grausigen, billig anmutenden Synchronisation, und hat man sich auf den ungewöhnlichen Culture-Clash erst einmal eingelassen, ist Big Game ein ordentlicher Spaß mit einem interessanten Twist am Ende. ■ mz

Thriller/Action
SF/D/GB 2014
91 min


mit
Onni Tommila (Oskari)
Samuel L. Jackson (US-Präsident William Alan Moore)
Ray Stevenson (Morris)
Mehmet Kurtulus (Hazar)
Jim Broadbent (Herbert)
Victor Garber (Vizepräsident)
Ted Levine (General Underwood)
Felicity Huffman (CIA-Chefin)
Jorma Tommila (Tapio)
Risto Salmi (Hamara)
u.a.

drehbuch
Jalmari Helander
Petri Jokiranta

musik
Juri Seppä
Miska Seppä

kamera
Mika Orasmaa

regie
Jalmari Helander

verleih
Ascot Elite