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Tracers
Fahrradkurier Cam hat hohe Schulden bei chinesischen Gangstern. Dass ihn die Aufnahme in ein Team von jungen Parkour-Spezialisten näher zur Lösung dieses Problems bringt, weiß Cam zunächst nicht. Anfangs ist das coole Parkourgirl Nikki der Schlüsselreiz, den riskanten Sport zu lernen. Dann erfährt Cam, dass seine neuen Freunde mit gut geplanten Raubzügen schnelles Geld verdienen. Doch die Gefahren bei diesen Jobs sind letztlich ähnlich unberechenbar wie Cams Mentor Miller, der nicht nur seine Position als Teamleader bedroht sieht.
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Parkour steckt irgendwie in jedem von uns. Wer ist als Kind denn nicht gerne mal irgendwo hinauf geklettert und auf Mauern entlang gelaufen, hinüber gestiegen, um den kürzesten Weg zu nehmen? Die Parkour-Welle ist von Europa aus längst auch in die amerikanischen Großstädte geschwappt, ein Erfolg der sich auch zahllosen Videos auf YouTube zu verdanken hat.

Im Sommer 2013 erschien in der altehrwürdigen New York Times ein Artikel unter der Überschrift „Parkour, a Pastime born on the Streets, Moves indoor and Uptown“. Darin war zu lesen: „Sie sind Skateboarder ohne Skateboards, urbane Akrobaten, die Wände hochlaufen, über Briefkästen springen und Gebäudeschluchten überwinden. Ihre Stunts würden selbst Spider-Man staunen lassen.“

Weiter hieß es in dem Text: „Parkour wurde auf den Straßen geboren, und die Läufer betrachten den öffentlichen Raum als ihren Spielplatz und ihren Sport als den ultimativen Rebellenspaß, in dem es keine Regeln, keine Liga, kein Zubehör und keine Sieger gibt. Was in Frankreich begann, verbreitete sich schnell um die ganze Welt: auch Gaza, Tokio, Rom oder Miami sind längst Parkour-Städte.“

Parkour ist eine Fortbewegungs- und Sportart, deren Bezeichnung aus dem Französischen kommt und ihren Ursprung im „parcours du combattant“, einer Form militärischen Hindernistrainings hat. Ursprüngliches Ziel beim Parkour ist es, nur mit den Fähigkeiten des eigenen Körpers mittels Springen, Rennen und Klettern möglichst effizient von Punkt A zu Punkt B zu gelangen. Längst hat sich Parkour (häufig auch Free-Running genannt) allerdings weiterentwickelt und wird von den meisten praktizierenden Sportlern vor allem als Bewegung durch ihre Umgebung gesehen. Ganz gleich, wie man die Sportart definiert, geht es allen Läufern aber vor allem darum, sich selbst über die Kreativität, Flüssigkeit und körperliche Schönheit ihrer Bewegungen auszudrücken.

Der wohl berühmteste Parkour-Sportler, der es auch auf die Leinwand geschafft hat, ist David Belle, den Luc Besson für seine beiden Parkour-Actioner Ghettogangz - Die Hölle vor Paris und Ghettogangz 2 - Ultimatum gewinnen konnte, und der letztlich auch in dem US-Remake ►Brick Mansions mit Paul Walker vor der Kamera herumturnte.

In seinem dritten Spielfilm hat sich der spanische Werbefilm-Regisseur Daniel Benmayor nun auch diesem Sport zugewandt. »Ich liebe nichts mehr als Energie«, gibt er zu Protokoll. »Und die muss nicht zwingend durch Action oder Abenteuer entstehen. Dafür reicht auch schon ein Blick in die Augen. Auf jeden Fall neige ich dazu, Geschichten sehr visuell zu erzählen.«

Produzent Wyck Godfrey zeigt sich von der Art und Weise, wie Benmayor sich der Geschichte des Films stilistisch annahm, begeistert: »Daniel setzte auf genau die ungeschönte Ästhetik, die uns vorschwebte, denn der Film sollte sich authentisch statt glatt anfühlen. Er setzte das schon im Dreh und vor Ort am Set um. Visuelle Effekte brauchten wir so gut wie gar nicht. Ich bin überzeugt davon, dass ein junges Publikum den Realismus unseres Films zu schätzen weiß und kein Interesse daran hat, von einem Regisseur ausgetrickst zu werden. Wenn ein Film überproduziert ist, kann man sich nämlich kaum noch mit Haut und Haar darauf einlassen.«

Und diese Ästhetik sieht man auch im Film. Wie in der ►Bildergalerie zu sehen ist, rennt Kameramann Nelson Cragg, der u.a. für die ersten beiden Staffeln von Homeland verantwortlich zeichnete, mit seiner Kamera auch mit, was gewiss kein leichtes Unterfangen war. Dabei arbeitete er auch intensiv mit Produktionsdesigner Dan Leigh zusammen, der davon berichtet:

»Für uns beide ist in Tracers die Dunkelheit sehr wichtig, denn in der leben die Figuren. Zu Beginn des Films, als Cam noch im Fahrradkurier-Laden arbeitet, zeigen wir ihn in sehr natürlichem Licht. Doch je weiter er sich mit der Gang einlässt, desto düsterer wird der Film. Und zu keinem Zeitpunkt ist er dunkler als in der Szene im russischen Penthouse, wo die Konflikte eskalieren. Licht und Dunkelheit waren in meiner Arbeit dieses Mal also fast wichtiger als die Ausstattung.«

Und da haben wir ein weiteres Stichwort: Fahrradkurier. Da gab es doch vor kurzem erst einen solchen Film... Genau! In ►Premium Rush raste Joseph Gordon-Levitt auf seinem Rad durch die vollen Straßen New Yorks. In Tracers ist es Taylor Lautner alias Cam, der sein Geld auf dieselbe Art und Weise verdient, dann jedoch mit der schönen Nikki zusammenprallt, die plötzlich aus dem Nichts kam...und genauso wieder verschwand. Als Cam dann klar wird, was sie macht, bleibt ihm nur eines übrig: Um ihr Herz zu gewinnen, muss er sich ihre Sportart aneignen, komme was wolle.

Die kanadische Schauspielerin Marie Avgeropoulos, die unbedingt noch einen aussprechbaren Künstlernamen braucht, spielt Nikki. In Deutschland ist sie noch nicht so bekannt, doch in Übersee kennt man sie vor allem in der Rolle der Octavia Blake aus der SciFi-Serie The 100. Als Outdoor-Fan mit großer Klappe und burschikosem Äußeren war es für sie offensichtlich ein Heidenspaß, in The 100 in den kanadischen Wäldern zu drehen. Für Tracers, worin sie ihre erste Kinofilmhauptrolle spielt, musste sie jedoch ihre Fähigkeiten weiter ausbauen:

»Eine meiner liebsten Erinnerungen ist die Vorbereitung und das Training mit den Jungs. Ich musste Parkourlaufen lernen und irgendwie versuchen, mit den Kerlen und ihrem unglaublichen Können mithalten zu können. Nicht zuletzt Taylor ist ja ein begnadeter Sportler.« Und lachend fügt sie hinzu:

»Witzigerweise habe ich mir dann auch noch mitten während der Dreharbeiten den Knöchel gebrochen. Das war mental und körperlich natürlich ein echtes Problem. Und es ist noch nicht einmal bei der Arbeit passiert, sondern als ich zuhause meine Fitnessübungen nach Jane Fonda machte. Da macht man tagein, tagaus all diese Hardcore-Action mit – und dann so etwas.«

Die Arbeit mit ihren Kollegen machte der Schauspielerin besonders viel Spaß: »Mit Rafi und Adam zu drehen war großartig. Ich war immer wieder begeistert, wie plötzlich ihr britischer Akzent verschwand, sobald die Kameras liefen. Dagegen hatte ich mit meinem kanadischen Akzent viel größere Schwierigkeiten. Echt unfair!

Und körperlich hatten die Jungs natürlich auch einiges drauf. Von Luciano Acuna jr. und Josh Yadon ganz zu schweigen. Für die dreht sich alles um Parkour. Tracers ist ihr erster Job als Schauspieler, und ich habe größten Respekt dafür, dass sie sich auf so ein Wagnis eingelassen haben. Als Athleten sind sie einfach einmalig und es gibt nichts Krasseres, als ihnen bei ihrem Sport zuzusehen.«

In der Geschichte ist es die gefährliche Romanze zwischen Cam und Nikki, die ihr letztlich das Leben rettet. »Sie haut Cam buchstäblich von seinem Rad«, lacht Marie Avgeropoulos. »Anfänglich widersetzt sie sich seinen Avancen. Die sexuelle und weibliche Seite ihrer Persönlichkeit hat Nikki mehr oder weniger ausgeblendet, denn ihre Beziehung zu Miller ist eigentlich keine echte und sie kennt das Gefühl so gar nicht, von jemandem umworben und begehrt zu werden. Doch das ändert sich, denn Cam kann man nur schwer widerstehen. Ich fand es toll, zu sehen, wie sie nach und nach ihre Fassade aufgibt und die wahre Nikki zum Vorschein kommt.«

Action-Fans werden von Tracers nicht enttäuscht sein. »Die Stuntkoordinatoren Gary Powell und Lee Morrison sorgen auf jeden Fall für einen ordentlichen Adrenalinschub«, freut sie sich. »Nicht umsonst waren sie schon bei den letzten Bond- und auch den Bourne-Filmen dabei. Es versteht sich also von selbst, dass es auch bei uns atemberaubende Stunt- und Actionsequenzen zu sehen gibt. Nimmt man dazu noch die spannende Geschichte und die komplexen Figuren, kann man meiner Meinung nach mit gutem Gewissen behaupten, dass unser Film wirklich etwas Besonderes ist.«

Während sich in Premium Rush alles in den Straßen New Yorks abspielte, ging es bei Tracers auf die Dächer. »Wir suchten lange nach den passenden Dächern, denn schließlich war es uns wichtig, dass alle Parkour-Läufe echt sind und wir nirgendwo tricksen«, weiß Stuntkoordinator und zweiter Regisseur Gary Powell zu berichten. »Wenn wir uns in luftigen Höhen befanden, dann waren wir auch wirklich da. Und wenn irgendwo ein Abgrund war, dann war da auch tatsächlich ein Abgrund. Da wurde nichts nachträglich am Computer bearbeitet. Für eine Szene gab es auf einem Dach eine fünfeinhalb Meter hohe Wand. Taylor rannte auf sie zu, sprang auf ein Brett und lief diese Wand hoch. Es war wirklich beeindruckend. Und genau solche Szenen machen am Ende den Unterschied aus zu anderen Filmen.«

Gut, der Film als Ganzes ist jetzt kein großes Kinoevent. Er braucht nicht unbedingt eine große Leinwand, um mitzureißen. Dafür sorgen die Stunts. Wenn man nicht mehr ganz so jung und sportlich ist wie die Akteure auf der Leinwand, fühlt man beim Zusehen des einen oder anderen Stunts schon mal die eigenen Knochen. Nach der Sichtung des Films können einem schon sympathisierend ein paar Knochen wehtun. Interessant und bewundernswert ist auf jeden Fall, dass Taylor Lautner 95% seiner Stunts selbst ausgeführt hat, manche sogar besser als sein Parkour-Lehrer.

Hinzu kommen natürlich noch das Beziehungsdreieck, die sozialen Hintergründe der Figuren wie auch die Kriminalgeschichte, die eigentlich für die Spannung sorgen soll. Doch die größte Spannung hat man als Zuschauer eigentlich bei der Hauptattraktion des Films: Parkour. Und ein wenig Lust darauf bekommt man schließlich auch noch. Aber man sollte auf jeden Fall beim Experimentieren Vorsicht walten lassen! Beim Parkour geht es eigentlich zu 80% um das, was im eigenen Kopf vorgeht und nur zu 20% um den Körper an sich. Erst wenn Selbstzweifel und Angst ausgeschaltet sind, kann man sein volles physisches Potenzial voll ausreizen! Kleiner Tipp für einen atemlosen Videoabend: Premium Rush und Tracers im Doppelpack! ■ mz

Drama/Krimi/Action
USA 2013
94 min

mit
Taylor Lautner (Cam)
Marie Avgeropoulos (Nikki)
Adam Rayner (Miller)
Rafi Gavron (Dylan)
Luciano Acuna jr. (Tate)
Josh Yadon (Jax)
Johnny M. Wu (Jerry)
Sam Medina (Hu)
Amirah Vann (Angie)
Wai Ching Ho (Chen)
u.a.

drehbuch
Matt Johnson
Kevin Lund

musik
Lucas Vidal

kamera
Nelson Cragg

regie
Daniel Benmayor

produktion
Saban Films
Cowtown Cinema Ventures
Temple Hill Entertainment
Freerunning
Melbarken

verleih
Senator/Wild Bunch