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San Andreas
Als sich die berüchtigte San-Andreas-Verwerfung verschiebt, kommt es in Kalifornien zu einem Erdbeben der Stärke 9. In dieser Situation versuchen sich ein Helikopter-Rettungspilot und seine Noch-Ehefrau gemeinsam von Los Angeles nach San Francisco durchzuschlagen, um ihrer einzigen Tochter beizustehen. Doch ihre gefährliche Reise gen Norden ist nur der Anfang: Als sie annehmen können, das Schlimmste überstanden zu haben, geht es erst richtig los...
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Erdbeben war gestern! Gut 40 Jahre nach dem ultimativen Katastrofenfilm mit Charlton Heston, Ava Gardner, Lorne Greene und George Kennedy inszenierte Brad Peyton, der mit Produzent Beau Flynn und Hauptdarsteller Dwayne Johnson bereits bei Die Reise zur geheimnisvollen Insel zusammengearbeitet hat, nun ein zeitgemäßes Update zum Thema. Es gab zwar in den letzten Jahren TV-Filme über Erdbeben, doch San Andreas kennt bei der Zerstörungswut keine Grenzen - mehr geht einfach nicht!

Die Idee zum Film entstammte Produzent Beau Flynn, der selbst leidenschaftlicher Fan von Katastrofenfilmen ist. Auslöser für seinen Drang, einen Erdbebenfilm in 3D und mit der neuesten Technik, fotorealistische Bilder zu schaffen, zu produzieren, lag ganz simpel an Mutter Natur:

»Der Grund, warum der Film so sehr in mir nachhallt, ist das Northridge-Erdbeben, das innerhalb der ersten drei Wochen, nachdem ich nach Los Angeles gezogen war, die Erde erschütterte. Ich hatte noch nie zuvor ein Beben erlebt, und ein großes Erdbeben mitzuerleben war Angst einflößend, gewaltig. Es lässt einen sehr klein und ärmlich erscheinen. Ich war schon immer von der San-Andreas-Verwerfung fasziniert, trotzdem ich 3.000 Meilen entfernt in Miami aufgewachsen bin. Das ist etwas, von dem ich denke, dass die Menschen wahrnehmen, bewusst oder unbewusst. Das entspricht dem Zeitgeist.«

Im März 2015 schätzte das US-Amt für Bodenforschung (USGS) eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Kalifornien in den kommenden 30 Jahren ein Erdbeben der Stärke 8 oder mehr erfahren könnte, genauso wie die Möglichkeit von mehreren Verwerfungseruptionen. Schon seit längerem fokussiert man die berühmt-berüchtigte San-Andreas-Verwerfung, doch andere bauen stetig immer mehr Druck auf, wie die Puente-Hills-Verwerfung, die von Orange County nach Downtown Los Angeles führt, oder die Cascadia Unterschiebungszone von Nordkalifornien zur Vancouver-Insel, die das Potenzial besitzt, einen Küsten verschlingenden Tsunami auszulösen. Kürzlich wurde von Beben in Nevada, Virginia, Oklahoma, Missouri und anderen vorher unidentifizierten Hotspots im Land berichtet. Das USGS schätzt ca. 500.000 Beben jährlich auf der ganzen Welt, von denen etwa 100.000 gespürt werden und um die 100 davon Schäden anrichten.

»Ich bündelte all meine Ängste und packte sie ins Drehbuch«, sagt Autor Carlton Cuse, »und hoffte, Brad würde jede Szene auf höchster Ebene umsetzen. Dabei hat er meine Erwartungen noch übertroffen.« Und in der Tat sind die Effekte, die u.a. von den Strause-Brüdern umgesetzt wurden, wahnsinnig realistisch. Man fühlt sich an Filme wie 2012, The Day after Tomorrow oder auch an die Bilder vom 11. September 2001 erinnert. Allerdings war wohl der Druck vom Studio, den Film rechtzeitig zum Starttermin fertigzustellen, so hoch, dass manche Sequenzen nicht fertig berechnet wurden. Da sehen manche Bewegungen noch ein wenig unrealisitsch aus.

Was die Charaktere angeht, haben wir hier Helden wie Familie Gaines, die den Film über versucht, sich wieder zu vereinen, normale Leute, die zu Helden werden, wie Ben und sein Bruder Ollie, die wegen eines Vorstellungsgesprächs in der Stadt sind und mit Tochter Gaines ums Überleben kämpfen, und natürlich auch egomane Figuren wie Emmas neuer Freund Daniel, stolzer Architekt, der gerade ein neues Hochhaus bauen lässt, dass selbst dem stärksten Beben standhalten soll, aber, wie wir später im Film sehen, genauso wenig standhält wie sein Schöpfer.

Im Aufbau erinnert der Film ein wenig an Speed. In einer Eröffnungssequenz im Stil von Final Destination wird unser Held, Rettungshubschrauberpilot Ray, eingeführt. Bei dieser waghalsigen Rettungsaktion wird Rays junger Kollege Joby verletzt. Was aus ihm und den anderen Kollegen geworden ist, wird im Hauptfilm nicht weiter erwähnt, denn bei all dem Chaos in der Stadt vergisst man schon einmal ein paar Nebenfiguren.

Einzig die Reporterin Serena mit ihrem Kameramann, die die Rettungsaktion filmen, treten weiterhin auf. Sie interviewt nämlich den Seismologen Lawrence, der beim ersten Beben seinen Kollegen verloren hat, mit dem er zusammen einen Algorithmus entwickelt hat, mit dem man Erdbeben voraussagen kann. Das ist dann aber auch der einzige Strang, der parallel zur familiären Rettungsaktion Rays erzählt wird.

Im Großen und Ganzen betrachtet ist San Andreas ein auf Dwayne Johnson zugeschnittenes Heldenstück, gebündelt mit einem Familiendrama. Das hebt den Film nicht gerade empor, ist jedoch in Bezug auf die Art von Film ausreichend. Die Heldenfigur ist nicht viel anders als die eines John McClane (außer vielleicht von der Statur her) - von der Familie entzweit muss er selbige retten.

Es gibt so einige fragwürdige Punkte im Drehbuch, die einzig und allein der hier erzählten Geschichte dienen, die man einfach mal hinnehmen muss, um den Film genießen zu können. Auch die waghalsigen und zum Teil recht unglaubwürdigen Stunts sollte man hinnehmen. Was jedoch am meisten stört, ist das pathetische Ende, wenn Emma fragt: „Und was jetzt?“, Ray antwortet: „Wir bauen wieder auf.“ und die letzte Einstellung eine groß wehende US-Flagge zeigt. Das gibt einen weiteren Punkteabzug.

Nichtsdestotrotz reißt der Film mit, es rummst gewaltig, was man im Kino erleben sollte, wenn man die Heimkinoanlage nicht so doll aufdrehen darf. Die Dreidimensionalität im Film ist eher zurückhaltend, daher einfach nur als nettes Gimmick zu betrachten. Den Film in 2D zu sehen, reicht also völlig aus. Ganz nett ist Sias Interpretation von „California Dreamin'“, was dem Film ein wenig Ironie verleiht, auch wenn das Original schöner klingt. Die restliche Filmmusik ist eher gewöhnlich bombastisch dramatisch, wenn sie überhaupt mang den Toneffekten wahrgenommen wird.

Dwayne Johnson spielt den Fels in der Brandung, Carla Gugino die Männerherzen höher schlagen lassende Ex, Alexandra Daddario die durch Texas Chainsaw 3D und True Detective erfahrene Tochter mit den hypnotisch blauen Augen. Der Australier Hugo Johnstone-Burt ist als ihr frisch verkuppelter Freund zu sehen, der eine ungeheure Ähnlichkeit mit Constable Hugh aus Miss Fishers mysteriöse Mordfälle aufweist, Ioan Gruffudd als der neue Freund der Ex, dem im Gegensatz zu Henry Morgan ein recht kurzes Leben im Film gegönnt ist, sowie der stets hervorragende Paul Giamatti als gebeutelter Seismologe, der Archie Panjabi, die seit Kick it like Beckham immer häufiger in Erscheinung tritt, beschützen muss, wobei man erstaunt mitbekommt, dass sich in den Türrahmen stellen offenbar nicht so sicher sein soll wie sich unter den Schreibtisch verkriechen.

Und als kleines Bonbon ist auch noch Kylie Minogue von der Partie, die genauso schnell von der Bildfläche verschwindet, wie sie auftaucht. Diese illustre Zusammenstellung der Akteure bewirkt zumindest ein wenig Vielfalt, auch wenn auffällt, dass es keine nennenswerten Schwarzen im Film gibt. Das gibt zu denken und lässt zu wünschen übrig. Auf jeden Fall ist San Andreas Popcorn-Kino vom Feinsten, bei dem sich der Zuschauer im Kino ordentlich verwerfen kann... ■ mz

Action/Drama/Katastrofenfilm
USA 2015
114 min

mit
Dwayne Johnson (Ray Gaines)
Carla Gugino (Emma)
Alexandra Daddario (Blake)
Hugo Johnstone-Burt (Ben)
Art Parkinson (Ollie)
Paul Giamatti (Lawrence)
Archie Panjabi (Serena)
Ioan Gruffudd (Daniel Riddick)
Will Yun Lee (Dr. Kim Park)
Colton Haynes (Joby)
Kylie Minogue (Susan Riddick)
u.a.

drehbuch
Carlton Cuse
Andre Fabrizio
Jeremy Passmore

musik
Andrew Lockington

kamera
Steve Yedlin

regie
Brad Peyton

produktion
Warner Brothers
Village Roadshow Pictures
New Line Cinema
Flynn Picture Company

verleih
Warner Brothers





»1994 war ich in während des Northridge-Bebens hier, das war wohl eine 6,7, glaube ich. Es war groß. Und es hat mir...

Posted by screenmagazin.com on Sonntag, 31. Mai 2015