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Poltergeist
Die Bowen-Familie ist überglücklich, als sie in einer neu gebauten Vorstadtsiedlung ein bezahlbares Haus findet. Dass manche unerklärliche Dinge geschehen, wird zunächst noch mit Humor registriert. Doch nach und nach steigert sich die Intensität, Attacken folgen, und schließlich verschwindet die jüngste Tochter. In ihrer Verzweiflung wenden sich die Bowens an einen Spezialisten für paranormale Ereignisse, der sofort erkennt, dass ein Poltergeist am Werk ist und die Zeit abläuft, ihm das Mädchen noch zu entreißen.
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„Dieses Haus ist gereinigt.“ Dieser Satz ist noch allen Fans des von Tobe Hooper inszenierten Schockers von 1982 ein Begriff. Zelda Rubinstein, die das damalige Medium spielte, war allein schon gruselig. Diese Rolle übernahm nun Jared Harris, der vielleicht ein wenig einschüchternd wirkt, doch als Medium nicht den Effekt hervorzaubert wie Rubinstein.

Regisseur Gil Kenan wagte sich nun an eine Neuinszenierung des Horrorklassikers. David Lindsay-Abaire adaptierte Steven Spielbergs Geschichte um eine Familie, die in ein Vorstadthaus zieht, das auf einem Indianerfriedhof erbaut wurde. Als Produzent fungierte kein geringerer als Horrorspezialist Sam Raimi, der mit seiner Firma Ghost House Pictures für die nötigen Effekte sorgte.

Natürlich musste zunächst die Geschichte an die heutige Zeit angepasst werden. Vati ist plötzlich arbeitslos und steckt all das restliche Geld ins neue Haus, das erstaunlich günstig zu haben war. Mutti soll eigentlich ihr lang geplantes Buch schreiben, wozu sie aber eigentlich keine Lust hat, denn die Kids lassen ihr keine Ruhe - die große Teenager-Tochter, die alles öde findet und lieber über ihr Smartphone mit ihren Freundinnen aus der Großstadt textet, der aufgeweckte Zehnjährige, der sich in dem neuen Haus nur gruselt, weil sein Bett direkt unter dem Dachfenster liegt, hinter dem ein Baum „wütet“, und weil er hinter einem geheimen Wandschrank, in dem es rumpelt, einen großen Spielzeugclown zum Aufziehen findet, der sich plötzlich selbstständig macht, und natürlich die Jüngste, die noch alles ohne Vorbehalt erforscht und zunächst nicht weiß, dass sie mit den Toten kommuniziert.

Erst als ihr Lieblingsplüschtier, ein pinkfarbenes Einhornschwein, in ihrem großen Wandschrank verschwindet, fängt sie an, Angst zu bekommen. Doch die Eltern und die große Schwester lehnen alle Merkwürdigkeiten ab, auf die die Jüngsten aufmerksam machen, bis eines Abends die kleine Maddy im Wandschrank verschwindet...

Dann kommen die Experten ins Spiel. Während Seniorkind Kendra, die Fan von TV-„Ghost Hunter“ Carrigan Burke ist, sich tierisch über den Besuch freut und am liebsten einen Selfie mit ihm machen möchte, um ihn mit ihren Freundinnen zu teilen, sind die Experten noch unschlüssig, ob überhaupt etwas Übernatürliches in dem Haus stattfindet. Doch als Boyd, der größte Skeptiker des Teams, eine eigene haarsträubende Erfahrung im Wandschrank macht, sind sich alle einig: Es ist ein Poltergeist! Nein, mehrere!

Während sich im Original von 1982 die Spannung nach und nach aufgebaut hat, geht es in dem Remake nun recht bald zur Sache. Die Zuschauer, wie auch die Beteiligten im Film, können sich kaum von den Schockeffekten erholen, da geht es auch schon weiter. Es kracht, windet und donnert, bis schließlich die kleine Maddy mittels Seiltrick von ihrem Bruder gerettet wird, der sie anfangs aus Angst im Stich gelassen hatte, und beide mit einer ordentlichen Menge Ektoplasmaglibber im Wohnzimmer landen.

Das Ganze ist wenig originell, aber dennoch stil- und effektvoll inszeniert. Man erkennt diverse Kleinigkeiten aus dem Original wieder - den Baum, den Fernseher (diesmal zeitgemäß in großer Flachbildform), wie auch den Seiltrick. Auch der Regisseur des Originals wird gewürdigt: Wer genau hinsieht, erkennt an der Stoßstange des Familienautos den Aufkleber des „Hooper High School (Baseball) Teams“.

Das Flair des Originals ist jedenfalls abhanden gekommen. Wer das Original nicht kennt, kann sich jedoch recht ordentlich gruseln. Sam Rockwell als Vater Bowen war irgendwie eine Fehlbesetzung. Da hätte man an Rosemarie DeWitts Seite eher ihren Filmpartner aus #zeitgeist, Adam Sandler, setzen können. Auch Jared Harris' Burke wirkt ein wenig blass und uninspiriert. Als Gehilfin und „Quotenschwarze“ ist übrigens Susan Heyward zu sehen, die in der ersten Playstation-Network-Serie Powers die Partnerin von Sharlto Copley spielt. Die Serie wird demnächst auch in Deutschland auf sky zu sehen sein.

Ich könnte jetzt auch noch auf diverse Fehler im Film hinweisen, aber die findet der Zuschauer dann schon noch selbst. Am beeindruckendsten war jedoch die subtile Einblendung des Filmtitels: Als die Bowens zu ihrem Haus fahren und das Bild herauszoomt, sieht man auf dem Gras unter den Starkstromleitungen den Filmtitel. Auf jeden Fall hätte dem Film mehr Subtilität nicht geschadet. ■ mz

Horror
USA 2015
94 min

mit
Sam Rockwell (Eric Bowen)
Rosemarie DeWitt (Amy Bowen)
Saxon Sharbino (Kendra Bowen)
Kyle Catlett (Griffin Bowen)
Kennedi Clements (Madison Bowen)
Jared Harris (Carrigan Burke)
Jane Adams (Dr. Brooke Powell)
Susan Heyward (Sophie)
Nicholas Braun (Boyd)
u.a.

drehbuch
David Lindsay-Abaire

musik
Marc Streitenfeld

kamera
Javier Aguirresarobe

regie
Gil Kenan

produktion
MGM
Ghost House Pictures
Vertigo Entertainment
TSG Entertainment
Fox 2000 Pictures

verleih
20th Century Fox