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A World beyond
Tomorrowland
Scheinbar zufällig gerät Teenagerin Casey in den Besitz einer Anstecknadel, die sie Blicke in eine unerklärliche futuristische Parallelwelt werfen lässt. Um das Geheimnis dieser Welt zu entschlüsseln, macht sie sich auf die Suche nach dem ehemaligen Wunderjungen Frank. Vom Leben enttäuscht, lebt er zurückgezogen in seinem Haus und gewährt Casey nur widerwillig Zutritt. Als jedoch bewaffnete Männer Jagd auf sie machen, hilft er dem Mädchen, den Sprung nach „Tomorrowland“ zu schaffen. Casey besitzt die Gabe, die dortige Zukunft zu verändern.
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Plus Ultra oder Das Versprechen von Tomorrowland

Wer hätte gedacht, dass die Umbenennung des Filmtitels in ganz Europa einer Lizenznachlässigkeit Disneys zu Grunde liegt? Im Original nennt sich der Film nach Walt Disneys Themenpark-Attraktion „Tomorrowland“, während für Europa ein neuer Titel gefunden werden musste. Der Grund dafür: ein seit 2005 in Belgien stattfindendens Open-Air-Musikfestival der elektronischen Tanzmusik, das sich ebenso nennt, die Namensrechte für „Tomorrowland“ für außerhalb der USA besitzt. Im Gegenzug musste sich der Festivalableger in den USA in „TomorrowWorld“ umbenennen. Verrückt!

Dafür fand man jedoch den sinnigen Titel A World beyond. Es geht in dem Film zwar um eine futuristische Welt von morgen, jedoch nicht um unsrige - es geht um eine Parallelwelt unserer in einer anderen Dimension. Die Prämisse der Geschichte ist es, die klugen Köpfe unserer Welt dorthin auszulagern, um dort eine futuristische Welt zu schaffen, ohne Krieg und Verderb. Dass das ein Widerspruch in sich selbst ist und somit den Zuschauer zum Nachdenken auffordert, wird selbigem am Ende des Films klar (vorausgesetzt, er hat den Film verstanden).

Der Film zeigt einerseits auf, dass man die Denker und Visionäre nach „Tomorrowland“ exportiert hat und unsere Welt deswegen darunter immer mehr leidet. Andererseits kriegt der Film am Ende die Kurve, zu sagen, das Portal in die andere Welt offen zu halten, damit die klugen Köpfe zwar die neue Welt gestalten, gleichzeitig jedoch in unsere Welt zurückkehren können, um ihre gewonnenen Erkenntnisse auch für unsere Welt zu gebrauchen.

„Tomorrowland“ wurde 1955 von Walt Disney als ein Bereich von Disneyland erschaffen. Es war eine Zeit, als die Amerikaner optimistisch in die Zukunft blickten. Im Lauf der Jahre, vor allem in den 70er Jahren, verdüsterten sich die Vorstellungen, die sich die Menschen von der Zukunft machten. Dieser Wandel beschäftigte Autor und Produzent Damon Lindelof. Als er die Idee zum Film entwickelte, suchte er nach der Bedeutung von Tomorrowland und einem Weg, diese Vorstellung im Handlungsrahmen einer Geschichte darzustellen. »Ich wollte diesen früheren Optimismus zurückgewinnen«, erklärt Lindelof.

Die Geschichte begann mit einer Schachtel, die angeblich im Archiv der Disney Studios gefunden worden war. Die geheimnisvolle Box enthielt alle möglichen faszinierenden Modelle und Entwürfe, Fotos und Briefe, die scheinbar im Zusammenhang mit den Anfängen von Disneys Tomorrowland und der Weltausstellung von 1964 standen. Lindelof war fasziniert von dem Fund. Er erinnert sich:

»Ich stellte mir vor, dass der Inhalt der Schachtel ein Schlüssel zu einer geheimnisvollen Geschichte enthielt, die keiner kannte. Wenn dem so war - was für eine Geschichte würde das sein? Die offensichtlichste Antwort war für mich, dass es wirklich einen Ort namens „Tomorrowland“ gibt, der kein Themenpark ist, sondern irgendwo in der realen Welt existiert.«

Lindelof begann mit der Entwicklung der Geschichte, indem er sich mit der Geschichte von Disney und ihres Schöpfers auseinandersetzte. Das führte zu weiterer Recherche über die Beteiligung der Firma an der Weltausstellung im Jahr 1964. »Walt Disney war ein Futurist, wie man ihn sich im modernistischen Sinne Mitte des vergangenen Jahrhunderts vorgestellt hatte«, erklärt Lindelof. »Er war überaus optimistisch. Er glaubte fest daran, dass Technologie der Schlüssel zu einer besseren Welt sein würde. Er glaubte auch an Technologie als Mittel für die Herstellung großartiger Unterhaltung.

Für die Weltausstellung 1964 entwickelte er drei Attraktionen, davon ist „It's a small World“ die Attraktion, die den nachhaltigsten Eindruck hinterließ. Vom heutigen Standpunkt aus mögen sie harmlos wirken, aber für damalige Standards waren die beiden anderen, „Carousel of Progress“ und „Great Moments with Mr. Lincoln“ regelrecht revolutionär, wie sie Robotermechanik und Technologie zu einem thematisch erschöpfenden Erlebnis verbanden.

Dazu kam noch ein regelrecht radikaler Optimismus, der sich wie ein roter Faden durch die Innovationen zieht. Es handelt sich um das Jahr 1964. Die Welt war gerade haarscharf an einer thermonuklearen Katastrophe im Zuge der Kubakrise vorbei geschrammt. Der Song „It's a small World“ ist als Reaktion auf eine Welt zu verstehen, die mit einem Nuklearkrieg geflirtet hatte, es sich aber noch einmal besser überlegt hat und zur Erkenntnis kam, dass wir uns nicht gegenseitig zerstören müssen.

Textzeilen wie „It's a World of Hopes and a World of Fears“ bezogen sich ganz unmittelbar auf die vorherrschenden Ängste. Wenn man bedenkt, wie niedlich und sentimental einem das Lied heute vorkommt, finde ich es doppelt faszinierend, wie stark diese Attraktion von einer ganz realen Angst geprägt war. Tief drin steckte eine radikale politische Botschaft, die obendrein aber auch ausgesprochen idealistisch war.«

Der Erfolg der Weltausstellung erlaubte es Disney, die Finanzierung für sein nächstes großes Projekt zu sichern: die Experimental Protoype Community of Tomorrow - oder EPCOT. Disney hatte eine Vision einer vorbildlichen Stadt, die ein fortlaufendes Experiment in Sachen urbaner Entwicklung und Organisation sein sollte. Sie sollte ein regelrechtes „Tomorrowland“ werden, wo Technologie und Stadtplanung Hand in Hand gingen, um ein optimales Lebensumfeld zu erschaffen. Walt Disney starb jedoch, bevor EPCOT errichtet werden konnte.

Die Disney Company beschloss, dass sie diese Stadt ohne seinen Beitrag nicht fortführen wollte. Das Konzept einer vorbildlichen Gemeinde wurde stattdessen modifiziert. EPCOT sollte nun vielmehr eine riesige „dauerhafte Weltausstellung“ werden, in der sich auch zwei Wohnviertel befinden sollten, in denen Angestellte und ihre unmittelbaren Familienangehörigen leben konnten. Der Park existiert auch heute noch in Lake Buena Vista, Florida.

Als Lindelof seine Nachforschungen abgeschlossen hatte, wandte er sich an Jeff Jensen, der ihm dabei helfen sollte, die Geschichte weiter zu entwickeln. »Als ich an Lost arbeitete«, erinnert sich Lindelof, »arbeitete Jeff als Journalist für das Unterhaltungsmagazin Entertainment Weekly. Er hatte eine auffällig rege Fantasie.

Er sah sich Woche für Woche Lost an und stellte regelmäßig völlig verrückte Theorien auf, die so einfallsreich waren, dass ich mir häufig wünschte, ich wäre so smart gewesen, die Show über genau die Dinge zu machen, die er sich ausgemalt hatte. Es war also genau der richtige Typ, den ich brauchte, um mir zu helfen, eine fiktionale Geschichte zusammen zu stricken, die all die Dinge miteinander verbindet, die ich in der Schachtel gefunden hatte.«

Regisseur Brad Bird hatte übrigens ein ähnliches Erlebnis wie Frank Walker zu Beginn des Films auf der Weltausstellung: Als er elf Jahre alt war, begann sich Bird für Animation zu interessieren und stattete kurz entschlossen den Disney Studios einen Besuch ab. Im Verlauf von drei Jahren stellte er einen 15-minütigen Zeichentrickfilm her, der die Aufmerksamkeit von Disney Animation erregte, wo ihm ein Mentor zur Seite gestellt wurde: Der berühmte Meisterzeichner Milt Kahl sollte sich um den nunmehr 14-jährigen kümmern. Um sich diese Gelegenheit nicht entgehen zu lassen, nistete sich Bird sogar bei einem Freund der Familie in Los Angeles ein.

Und so konstruierten die Autoren eine Geschichte zusammen, die in ihrer Zusammenpferchung fast an ►Jupiter ascending herankommt, aber wegen ihrer Originellität doch um einiges mehr unterhält und mitreißt. So verband man Disneys Visionen mit dessen Attraktionen, mit der Weltausstellung von 1964, mit den Gerüchten um die Geheimorganisation „Plus Ultra“, baute gigantische Sets und ließ sich ebenfalls von der City of Arts and Sciences im spanischen Valencia inspirieren, wo auch einige Szenen gedreht wurden. Auch in Cape Canaveral durfte die Crew drehen, sogar etwas näher am Geschehen als von der Presselounge aus, als zufälligerweise zur Drehzeit auch die Marssonde MAVEN ins All geschossen wurde.

Zu all den atemberaubenden visuellen Effekten mischte man Elemente aus Men in Black und Terminator jugendgerecht zusammen, was jedoch in einer Freigabe ab 12 Jahren mündete, da diverse Szenen doch recht brutal daherkommen. So musste z.B. die junge Raffey Cassidy, die Athena spielt, ganz schön austeilen: »Vor diesem Film hatte ich keine Ahnung von Martial Arts oder Kämpfen«, erzählt sie. »Jetzt kenne ich die Kicks und die Schläge, und ich merke, wie sehr ich darauf stehe. Ich bin jetzt schon etwas über die Grundlagen hinaus. Ich habe während des Trainings den gelben Gürtel in Mixed Martial Arts gemacht!«

Der Film weckt die Neugier und auch ein wenig den Optimismus, aber vor allem das Kind in uns allen. Mit sympathischen Jungdarsteller/innen und mürrischen älteren Schauspielern wie George Clooney und Hugh Laurie als Kontrast sowie dem wieder einmal gelungenen Score von Michael Giacchino ist A World beyond das perfekte SciFi-Abenteuer, das den diesjährigen Filmsommer einläutet. Und natürlich darf eine gehörige Portion Star Wars im Film nicht fehlen, denn zum Jahresende bringt Disney schließlich die heiß ersehnte Fortsetzung der Franchise in die Kinos... ■ mz

Abenteuer/Fantasy/SciFi/Action
USA 2015
130 min

mit
Britt Robertson (Casey Newton)
George Clooney (Frank Walker)
Raffey Cassidy (Athena)
Hugh Laurie (David Nix)
Thomas Robinson (junger Frank)
Pierce Gagnon (Nate Newton)
Tim McGraw (Eddie Newton)
Kathryn Hahn (Ursula)
Keegan-Michael Key (Hugo)
Matthew MacCaull (Dave Clark)
Judy Greer (Mom)
David Nykl (Wissenschaftslehrer)
Paul McGillion (Englischlehrer)
Michael Giacchino (Small World Operator)
u.a.

drehbuch
Damon Lindelof
Brad Bird
Jeff Jensen

musik
Michael Giacchino

kamera
Claudio Miranda

regie
Brad Bird

produktion
Walt Disney Pictures
A113
Babieka

verleih
Disney