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Der kleine Tod. Eine Komödie über Sex.
The little Death
Die französische Redewendung la petite mort steht für den Orgasmus, den zu erlangen das erklärte Ziel der fünf Mittdreißiger-Pärchen ist, die in einer mittelmäßigen Vorstadt ihren Mittelklasse-Traum leben. Doch diese scheinbar sehr gewöhnlichen Paare haben sehr ungewöhnliche Fantasien, deren Verwirklichung sie so sehr beschäftigt, dass sie gar nicht den bedrohlichen Neuzugang in ihrer Nachbarschaft bemerken...
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Wenn man an Sex und Orgasmus und die dazugehörigen Spielchen und Varianten denkt, kommt man schon mal auf Dinge wie Masochismus, Rollenspielfetisch oder auch Telefonsex, auch Telefon-Skatologie genannt. Der australische Schauspieler Josh Lawson, der mit diesem Film sein Spielfilm-Regiedebüt gibt, zeigt neben diesen Varianten in diesem Ensemblefilm auch etwas exotischere Abarten wie Somnophilie als auch Dacryphilie.

Wie es sich für einen Ensemblefilm gehört, werden die einzelnen Geschichten hin und her springend erzählt, bis einschließlich am Ende die Handlungsstränge der Figuren irgendwie zusammengeführt werden. Josh Lawson erzählt: »Der Castingprozess des Films war ziemlich schwierig, denn ich wollte, dass sich das Publikum wirklich in die Figuren hineinversetzen kann. Deshalb war es mir wichtig, unbekannte Schauspieler bzw. Schauspieler, die sich verwandeln können, auszuwählen. Wir suchten überall nach der richtigen Besetzung, die vor allem auch die langen und oft sehr dialogintensiven Szenen tragen konnte. Letztendlich gelang uns dies nur mithilfe unserer Casting-Agentin Nikki Barrett.«

Lawson selbst hat auch noch das Drehbuch geschrieben, an dem er seit über 6 Jahren gearbeitet hatte. Nebenbei auch noch eine der Hauptrollen zu spielen, war für ihn eine enorm anstrengende Erfahrung: »Das erste Mal Regie zu führen, stellte mich vor viele Herausforderungen. Das Schwierigste war für mich, diese drei Hüte (Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler) zu jonglieren. Drehbuchautor zu sein war dabei das Haarsträubendste, weil sich das Script ständig veränderte. Ich schrieb am laufenden Band, fügte Szenen hinzu und bastelte an den Dialogen herum. Aber vor allem war es auch eine Gemeinschaftsarbeit. Ich setzte stark auf die Anmerkungen anderer Leute für die Authentizität der Figuren. Ich wollte unbedingt, dass sich jeder in diesem Film wiederfinden kann.«

Jeder wird sich womöglich nicht hier wiederfinden, denn, wie auch die erst spät im Film auftauchende Geschichte um den gehörlosen Comiczeichner Sam zeigt, der via Gebärden-Dolmetscherin bei einer Sexhotline anrufen will, lernt man, wie breit gefächert die Auswahl beim Telefonsex ist. Das alles in einen Film zu packen, wäre praktisch ein schieres Ding der Unmöglichkeit und hätte wohl auch den Jugendfreigaberahmen gesprengt, denn interessanterweise gibt es im Film trotz des Themas Sex nicht ein einziges Mal ein Geschlechtsteil zu sehen, und auch sonst ist nackte Haut eher spärlich zu betrachten!

Dass der Film dennoch funktioniert, und ganz wichtig, auch Spaß macht, liegt einzig und allein an Josh Lawsons kombiniertem Talent, die Geschichten und Dialoge interessant zu halten, sowie auch die richtigen Schauspieler/innen besetzt zu haben. Er bestätigt: »Der kleine Tod dreht sich um Moral, Normalität, Monogamie, Beziehungen, Liebe, Betrug – alles mit einer sexy roten Schleife verbunden. Die Geschichte legt dem Zuschauer (hoffentlich) nahe, dass wir Sex nicht immer so ernst nehmen sollten. Es ist Teil des täglichen Lebens! Es ist eine normale Funktion des menschlichen Körpers, und aus diesem Grund denke ich nicht unbedingt, dass der Film besonders gewagt ist.«

Am gewagtesten ist hier lediglich der Neuzugang in der Nachbarschaft, der Endfünfziger Steve, der sich bei allen in der Nachbarschaft mit seinen selbstgebackenen Golliwogs vorstellt - ein ethnisch etwas anstößigeres Schokoladengebäck als die hierzulande populären ehemaligen Negerküsse. Er versucht, sich mit den beliebten, in Vergessenheit geratenen Gebäckpräsenten bei seinen Nachbarn vorzustellen, um ihnen im Nebensatz mitzuteilen, dass er verpflichtet sei, allen mitzuteilen, dass er ein verurteilter Sextäter sei. Die mit dem Gebäck Beglückten scheinen dadurch, die Mitteilung aus dem Nebensatz als nicht so ernst zu betrachten.

Aber auch die von Josh Lawsons Filmpartnerin angetragene gewünschte perfekte Vergewaltigung könnte einigen Zuschauer/innen sauer aufstoßen. So betrachtet ist der Film vermutlich nichts für Opfer sexueller Straftaten, zeigt die Themen jedoch mit dem nötigen Respekt. »Sex ist eine schöne Sache, die aber auch sehr gefährlich sein kann«, erklärt Lawson. »Er kann romantisch sein, er kann eine Menge verschiedener Dinge sein, aber er kann auch lustig sein. Das Tolle an Der kleine Tod ist, dass er zeigt, dass Sex lustig sein kann, ihn aber trotzdem ernst nimmt. Sex kann auch traurig sein – zum Beispiel wenn man ihn nicht hat, oder wenn man die Person, mit der man ihn hat, anlügt. Sex ist eine sehr komplizierte Sache – er weckt mehr Emotionen als jede andere Aktivität und kann deshalb nicht bloß mit einem einzigen Etikett auskommen.«

Der kleine Tod. Eine Komödie über Sex. Der Untertitel musste wohl sein, um das Ziel des Films dem potenziellen Kinokunden näher zu bringen. Herausgekommen ist eine niedliche, wenn auch teils bitterböse Bestandsaufnahme um das Thema Nummer Eins. Frei nach Woody Allens Filmmotto Was Sie schon immer über Sex wissen wollten *aber bisher nicht zu fragen wagten gelang dem 1981 aus Brisbane stammenden Schauspieler ein vergnügliches Kleinod, das sich nun im Schatten von 50 Grauschattierungen um mehr Colorit bemüht, jedoch kein bisschen billig wirkt und sich auch als »Kommentar auf die heutige Gesellschaft und über unsere Vorstellung von Normalität« versteht. ■ mz

Komödie
AUS 2014
95 min


mit
Josh Lawson (Paul)
Bojana Novakovic (Maeve)
Alan Dukes (Phil)
Lisa McCune (Maureen)
Kate Mulvany (Evie)
Damon Herriman (Dan)
Kate Box (Rowena)
Patrick Brammall (Richard)
Erin James (Monica)
T.J. Power (Sam)
u.a.

drehbuch
Josh Lawson

musik
Michael Yezerski

kamera
Simon Chapman

regie
Josh Lawson

produktion
Head Gear Films
Metrol Technology
See Pictures

verleih
Senator