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Die Coopers - Schlimmer geht immer
Alexander and the terrible, horrible,
no good, very bad Day
Für den elfjährigen Alexander Cooper ist heute der schlimmste Tag seines Lebens. Erst klebt Kaugummi in seinen Haaren, dann blamiert er sich vor seiner heimlichen Liebe bis auf die Knochen und stolpert hinterher von einer Katastrophe zur nächsten. Seine Eltern Ben und Kelly Cooper und seine älteren Geschwister Anthony und Emily ist es völlig egal, als Alexander ihnen von seinen Missgeschicken erzählt. Kein Wunder, bei denen läuft ja alles wie am Schnürchen! In seiner Wut wünscht sich Alexander, dass seine Familie auch mal solch einen schrecklichen Tag erleben soll wie er – mit verhängnisvollen Folgen: Schon am nächsten Morgen steht das Leben aller Coopers auf dem Kopf!
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Interview mit Jennifer Garner

Die Autorin Judith Viorst ließ sich von ihren drei Söhnen Alexander, Anthony und Nicholas inspirieren, als sie im Jahr 1972 das Buch „Alexander und der mistige Tag“ schrieb, das im englischen Original einen deutlich längeren Titel trägt. Mit weltweit mehr als vier Millionen verkauften Exemplaren ist das 32 Seiten dünne Bilderbuch mit Illustrationen von Ray Cruz seit langem ein moderner Klassiker der Kinderliteratur.

Da ist es auch nicht verwunderlich, dass Mutter Kelly bei einem Verlag arbeitet, der ein Kinderbuch herausbringt, das an jenem superschlechten Tag mit einem Druckfehler versehen wird und ausgerechnet bei einer Vorlesung von Dick van Dyke (ja er lebt noch!) persönlich publiziert wird. Dass der Druckfehler („dump“ statt „jump“) nur im englischen Original funktioniert, sei erstmal dahingestellt.

Die Filmemacher dehnten das Potenzial eines schlechten Tages auf die gesamte Familie aus. »Wir wollten, dass sich die Eltern beim Zuschauen genauso amüsieren wie die Kinder«, sagt Produzent Dan Levine. »Deshalb erlebt jedes einzelne Familienmitglied (der Bruder, die Schwester, die Mutter, der Vater und sogar das Baby) seine eigenen kleinen Katastrophen.«

Produzent Shawn Levy, der selbst Vater von vier Kindern ist, ergänzt: »Ob groß oder klein: Es macht jedem Zuschauer Spaß, diese Familie in den vielleicht schlimmsten 24 Stunden ihres Lebens zu begleiten.« Auch Judith Viorst ist glücklich über die Ausweitung ihres Bestsellers: »Der Ansatz, Alexanders mistigen Tag mit dem mistigen Tag der ganzen Familie zu koppeln, gefällt mir sehr gut.«

Für Steve Carell, der im Film Alexanders Vater spielt, ist der Kern der Geschichte alles andere als graue Theorie: »Ich bin Vater zweier Kinder und kenne viele Situationen aus eigener Erfahrung. Die Dinge laufen oft anders als man will. Deshalb sollte man auch immer einen Plan B haben, um jedes noch so große Missgeschick meistern zu können. Tatsächlich zeigt sich, dass auch die Coopers zusammenhalten und sich gemeinsam den Herausforderungen ihres turbulenten Tages stellen.«

Regisseur Miguel Arteta inszenierte die kleinen Alltagskatastrophen in jener Tradition, die sich schon in seinen früheren Independent-Filmen bewährt hat – mit leicht respektlosem Humor, aber immer mit so viel Herz, dass der Zuschauer in jeder Minute mit den Coopers mitfiebert und mitleidet. »Jeder kennt aus eigener Erfahrung diese chaotischen Tage, an denen einfach nichts gelingen will«, sagt Arteta. Sich selbst sieht er als beste Bestätigung dieser Regel: »Im Grunde besteht mein ganzes Leben aus solchen Tagen. Ich bin also genau der richtige Regisseur für diesen Film.«

»Wir wollten einen Familienfilm drehen, der viel skurriler und eigentümlicher ist als die meisten Filme dieses Genres«, sagt Produzent Shawn Levy. »Also wählten wir Vorbilder wie Ron Howards Parenthood und Cheaper by the Dozen, bei dem ich 2004 selbst Regie führen durfte. Beide Filme zeichnen sich durch einen sehr eigenwilligen Humor aus. Der ist eine Spur schärfer, aber niemals herablassend oder beleidigend.«

Schon in der Buchvorlage aus dem Jahr 1972 hat Alexander eine Vorliebe für Australien und seine tierischen Bewohner. So fassten die Filmemacher schon früh den Plan, Alexanders Geburtstagsfeier unter das Oberthema Australien zu stellen. »Wir brauchten dafür ein Krokodil, ein paar Kakadus, einen Leguan, zwei Emus, vier Kängurus und ein kleines Wallaby namens Winston, dazu noch ein paar Meerschweinchen, die Alexander für ein Wochenende mit nach Hause bringt«, listet der Regisseur die ungewöhnlichen Nebendarsteller für das große Finale auf.

Sie wurden von Tiertrainer Mark Forbes betreut, der zunächst eine kleine Umbesetzung vornahm: »Das Krokodil wird von einem Alligator gespielt, weil das Krokodil, das wir für den Film hätten bekommen können, zu klein war.« Und um den Coopers den Tag zu vermasseln, konnte der ungebetene Hausbesucher gar nicht groß genug sein. Eigentlich wollen Ben und Kelly Cooper ihrem Sohn nur eine Freude machen. »Sie beauftragen eine Firma, die für Alexanders Geburtstagsparty einen australischen Streichelzoo im Garten organisieren soll«, sagt Mark Forbes. »Doch diese Firma ist nicht unbedingt die beste ihres Fachs. Entsprechend groß ist das Chaos, als die mitgebrachten Tiere ausbüxen. Der Alligator verirrt sich ins Haus, ein Känguru mischt die Nachbarschaft auf.«

Mehr als 500 Jungen sprachen für die Rolle des elfjährigen Alexander vor. »Wir wollten auf keinen Fall einen typischen Kinderdarsteller besetzen«, sagt Regisseur Miguel Arteta. »Alexander ist in gewisser Hinsicht ein Außenseiter, eben jenes Kind, das auf einem ansonsten perfekten Familienfoto die Augen geschlossen hat.« Und was lag da näher, als die Rolle mit einem Australier zu besetzen... Der junge Ed stammt aus Sydney, seine Mutter Di Adams ist Theaterschauspielerin, sein Vater Jamie Oxenbould zählt in seiner Heimat zu den gefragtesten Synchronsprechern für Animationsfilme.

Ed Oxenbould beschreibt Alexander als »einfachen Jungen« und kann sich leicht in dessen Situation hineindenken: »Ich bin ja selbst gerade in diesem Alter, in dem ich bestimmte Dinge als großes Problem ansehe, aber meine Familie das einfach ignoriert.« Zwar hat Alexander im Film, wie auch schon im Buch von 1972, ein großes Faible für Australien, aber in der Rolle ist er durch und durch Amerikaner. Deshalb musste Ed seinen australischen Akzent verbergen und einen amerikanischen vortäuschen. »Ich hatte Unterricht bei zwei Sprachlehrern und durfte ständig US-Fernsehen und sehr viele Hollywoodfilme schauen.« Wenn das mal nicht ein Traum für einen Elfjährigen ist!

Für die Elternrollen hat Arteta zwei Stars gefunden, die nicht nur in Komödien sowie in Dramen brillieren können, sondern auch Eltern sind. Steve Carell attestiert Ben Cooper eine gesunde Portion Zweckoptimismus: »Er sieht alles positiv und marschiert einfach durch, sobald Hindernisse in seinem Weg stehen. Als Vater habe ich großen Respekt davor, weil von uns ja erwartet wird, dass wir das Ruder fest in der Hand haben und der Fels in der Brandung sind. Doch was sollen wir machen, wenn ab einem gewissen Punkt einfach nichts mehr geht?« Die Antwort auf diese Frage liefert Regisseur Miguel Arteta: »Obwohl Ben Cooper ein unverbesserlicher Optimist ist, reißt an diesem furchtbaren Tag, an dem alles schief geht, sein Geduldsfaden. Es ist wirklich witzig zu beobachten, wenn solch ein sonniges Gemüt ausnahmsweise mal richtig ausflippt.«

»Ich glaube, ich habe noch nie eine Rolle gespielt, die näher an meinem wahren Leben dran war als diese«, meint Jennifer Garner. »Zum Glück habe ich zwar noch keine so schlimmen Tage wie die Coopers erlebt, aber natürlich kenne ich das Chaos, das eine Schar von Kindern verursachen kann. Einer pinkelt auf den Boden, der Familienhund erbricht sich auf den Teppich und jemand tritt hinein, während man verzweifelt versucht, das Abendessen auf den Tisch zu bekommen. Ich kenne diese Situation, dass man gleichzeitig mit viel zu vielen Aufgaben konfrontiert wird.«

Wie schon bei ►Cake, der diese Woche startet, komponierte Christophe Beck die Instrumentalmusik, die das Tempo des Films vorgibt. »Wenn sich das Schicksal gegen die Coopers wendet und ihnen nichts mehr gelingen will, hört man aus der Musik regelrecht ein „Oh, nein!“ heraus«, sagt Miguel Arteta und lobt seinen Komponisten: »Christophe Beck hat dem Film einen sehr authentischen Pulsschlag verpasst. Wenn man einen schlechten Tag hat, fühlt man sich, als würde das Schicksal den ganzen Tag über mit dem Finger auf einen zeigen. Ich wollte, dass die Musik Alexander die ganze Zeit daran erinnert, dass das Schicksal ihn im Visier hat – bis die Familie endlich ihre Pechsträhne besiegt und eine wunderbare Geburtstagsparty feiern kann.«

Der Soundtrack umfasst neben dem Score von Christophe Beck auch den Song „Hurricane“ der Rockpopgruppe The Vamps. Im dazugehörenden Musikvideo absolviert Bella Thorne, die im Film Anthonys Freundin Celia spielt, einen Gastauftritt. Auch zwei Darsteller bereichern den Film musikalisch und steuerten je einen Song bei. Dylan Minnette, der Alexanders großen Bruder Anthony spielt, schrieb mit Braeden Lemasters das Lied „Surf surf don’t drown“. Es wurde von Minnettes Band The Narwhals gespielt und erklingt im Film, als die Coopers sich abhetzen, um Emily pünktlich zur Schulaufführung zu bringen. »The Narwhals sind eine großartige Band und „Surf surf don’t drown“ ist gleichsam das Motto für unseren Film«, sagt Miguel Arteta. »Wenn das Leben uns einen Tsunami aus Pech schickt, dann sollten wir versuchen, auf dieser Welle zu reiten und alles Negative in positive Energie umzuwandeln.«

Kerris Dorsey, die Alexanders große Schwester Emily spielt, schrieb und sang mit ihrer Schwester Justine Dorsey den Song „Best worst Day ever“, der im Film zu hören ist, während der Abspann läuft. »Kerris und Justine haben wundervolle Stimmen«, lobt der Regisseur. »Ihr Song ist sehr emotional und macht Mut, die kleinen Niederlagen des Lebens schnell wieder zu vergessen.«

Die Coopers - Schlimmer geht immer ist bei weitem keine wirklich gelungene Übersetzung für den noch längeren Originaltitel, der übersetzt „Alexander und der furchtbare, grauenhafte, nicht gute, sehr schlechte Tag“ heißt. Warum man hier nicht den deutschen Kinderbuchtitel „Alexander und der mistige Tag“ wieder verwendete, bleibt schleierhaft. Für den deutschen Filmtitel nahm man wohl mal wieder einen Titelgenerator zur Hilfe, der derzeit anscheinend Programm ist, auch wenn „Schlimmer geht immer“ irgendwie noch zum Film passt. PS: Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist, warum Baby Trevor von zwei Mädchen (Zoey und Elise Vargas) gespielt wurde!

Nichtsdestotrotz ist es ein unterhaltsamer Film für die ganze Familie - ist ja schließlich auch aus dem Hause Disney und Henson! Obwohl man bei letzterer Produktionsfirma eigentlich einen Muppet-Auftritt vermuten würde, waren hier lediglich die Lebendigen, also Menschen und Tiere animiert - zu Höchstleistungen selbstverständlich. Und die Lauflänge liegt bei 81 Minuten auch genau richtig. Länger hätte der Film auch nicht sein dürfen, denn er reizt nicht nur die Filmfiguren bis aufs Äußerste. Er ist laut, rasant, aber stets irgendwie dennoch im Bereich des Erträglichen. Und man kann echte australische Tiere sehen! ■ mz

Komödie/Kinderfilm
USA 2014
81 min


mit
Ed Oxenbould (Alexander Cooper)
Steve Carell (Ben Cooper)
Jennifer Garner (Kelly Cooper)
Dylan Minnette (Anthony Cooper)
Kerris Dorsey (Emily Cooper)
Sidney Fullmer (Becky Gibson)
Bella Thorne (Celia)
Megan Mullally (Nina)
Martha Hackett (Mrs. Gibson)
Burn Gorman (Mr. Brand)
Jennifer Coolidge (Ms. Suggs)
Dick van Dyke (Dick van Dyke)
u.a.

drehbuch
Rob Lieber
nach dem Buch von Judith Viorst

musik
Christophe Beck

kamera
Terry Stacey

regie
Miguel Arteta

produktion
Walt Disney Pictures
21 Laps Entertainment
Jim Henson Company
Land of Plenty Productions

verleih
Disney