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Cake
Claire Bennett leidet. Ganz offensichtlich erträgt sie ständig physische Schmerzen. Das wird deutlich durch ihren von Narben übersäten Körper und durch ihre Haltung. Sie stöhnt bei jedem zögernden Schritt. Aber auch ihren emotionalen Schmerz kann sie schlecht verbergen: Ihre Direktheit grenzt an handfeste Beleidigungen, fast in jeder Äußerung bricht die Wut aus ihr hervor. Auf diese Weise hat sie ihren Ehemann und alle Freunde vertrieben – sogar von ihrer Schmerzsyndrom-Selbsthilfegruppe wird sie ausgeschlossen.
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In ihrem einsamen Leben hat Claire nur noch Kontakt zu ihrer Haushälterin/Betreuerin Silvana, die sich widerwillig mit Claires Alkohol- und Medikamentenkonsum abfindet. Doch dann begeht Nina Selbstmord – sie gehörte zu Claires Selbsthilfegruppe. Daraufhin entwickelt Claire eine neue fixe Idee: Obwohl sie Nina kaum kannte, beginnt sie, deren Todesfall zu untersuchen, und gerät so in die Grauzone zwischen Leben und Tod, Isolation und Herzschmerz, Gefahr und Erlösung. Dass sie sich ins Leben von Ninas Mann und Sohn drängt, könnte für Claire tatsächlich die Rettung bedeuten.

Nach zahlreichen Komödienrollen, ob Krimi oder Romanze, entschied sich Regisseur Daniel Barnz, Jennifer Aniston mal wieder für eine ernste Rolle zu besetzen. Das letzte Mal, als Aniston in einer ernsten Rolle zu sehen war, spielte sie vor 10 Jahren neben Clive Owen in dem Thriller Entgleist, der irgendwie nicht so ruhmreich durch die Kinos schlich. Nun durfte sie erstmals eine dramatische Hauptrolle übernehmen - als äußerliches Merkmal zusätzlich im Gesicht entstellt.

Flotte Sprüche hat Jennifer Aniston als Claire diesmal allerdings auch drauf - hier jedoch voller Zynismus und Sarkasmus, der Rolle entsprechend. Diese Lebenseinstellung isoliert Claire von ihrer Umwelt, lässt sie im Schmerz untergehen. Die einzige Person, die sie irgendwie nicht vergraulen kann, weil sie schließlich auch auf sie angewiesen ist, ist ihre immigrierte Haushälterin Silvana, die Claire auch zu ihren Terminen in der Stadt fährt.

Claire legt sich dann auf den Beifahrersitz, die Rückenlehne bis zum Anschlag in die Waagerechte gedreht, und dirigiert ihre Chauffeurin. Auch sonst dirigiert sie die Leute nach ihren Belangen. Erst als sie neugierig wird, warum sich ihre Selbsthilfegruppe-Stuhlnachbarin Nina umgebracht hat, beginnt sie, ihre eigenen Beweggründe zu hinterfragen. Immer wieder tauchen im Film Bilder vom Verkehr auf, Straßenschilder, Wegweiser, Kreuzungen und Grenzen. Als Claire dann schließlich das große Highwaykreuz besucht, an dem sich Nina zu Tode stürzte, erkennt sie, dass sie am selben Punkt angekommen war wie Nina.

Als sie dann die Bekanntschaft mit Ninas Hinterbliebenen macht, dem gut aussehenden Witwer (ebenso gegen den Strich besetzt wie Aniston: Sam Worthington) und dessen Sohnemann, beginnt sie, ihr Leben wieder in die richtige Bahn zu leiten. Dann erfährt man auch, warum Claire so dermaßen fertig war mit der Welt. Alles, was es brauchte, war lediglich ein Kuchen...

L.A. Story mal anders - Daniel Barnz erzählt Claires Geschichte vor den Kulissen dieser weitläufigen Stadt, in der kaum jemand zu Fuß unterwegs ist. Dabei war es ihm wichtig, dass auch die Schauspieler, deren Terminkalender so voll ist, dass sie zu Dreharbeiten nirgendwo hinfliegen können, mal zum Zuge kommen, einen kleinen Film daheim zu drehen. In einer Stadt, in der es so viele Schauspieler gibt, war es für ihn kein Problem, Arbeitswillige zu finden.

Neben Aniston und Worthington sind u.a. zu sehen: Adriana Barraza, die für ihre Nebenrolle in Babel u.a. für den Golden Globe® und den Oscar® nominiert war, Anna Kendrick, die hier nur in Rückblenden und Traumsequenzen zu sehen ist, Meryl Streeps Tochter Mamie Gummer, sowie das beliebte Schauspieler-Ehepaar Felicity Huffman und William H. Macy, die in letzter Zeit öfter miteinander in Filmen zu sehen waren. Cake ist ein intensives Drama mit hinreißend passender Musik von Christophe Beck und einer Hauptdarstellerin, die hier beweist, dass sie auch ernste Rollen spielen kann. Als Beweis dafür wurde sie für diese Rolle für den Golden Globe® nominiert. ■ mz

Drama
USA 2014
102 min


mit
Jennifer Aniston (Claire Bennett)
Adriana Barraza (Silvana)
Sam Worthington (Roy Collins)
Anna Kendrick (Nina Collins)
Mamie Gummer (Bonnie)
Felicity Huffman (Annette)
William H. Macy (Leonard)
Chris Messina (Jason Bennett)
Lucy Punch (Pflegerin Gayle)
u.a.

drehbuch
Patrick Tobin

musik
Christophe Beck

kamera
Rachel Morrison

regie
Daniel Barnz

produktion
Cinelou Films
Echo Films
We're not Brothers Productions

verleih
Warner Brothers