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Shaun das Schaf - Der Film
Shaun the Sheep The Movie
Shaun treibt mal wieder gehörigen Unfug, woraufhin es den Bauern ungewollt in die Großstadt verschlägt. Sofort machen sich Shaun und die Schafherde zusammen mit Hund Bitzer auf den Weg, um den Bauern zu retten. Und damit sind die Weichen für ein heldenhaftes Abenteuer gestellt - eine Geschichte darüber, dass wir manchmal das Wichtigste im Leben vergessen: die Dinge, die wir haben, und die Menschen, die uns lieben, zu schätzen.
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Die Erfolgsgeschichte von Schaf Shaun begann 1995, als Nick Park das junge Schaf in einer Nebenrolle in dem Aardman-Kurzfilm Wallace & Gromit: Unter Schafen besetzte, für den Park mit einem Oscar® ausgezeichent wurde. Schon bald kam Richard „Golly“ Starzak die Idee, dem Schaf mehr Charakter zu geben. Er erzählt: »Wir hatten zwei Leitsprüche für Shaun. Einer war „Er schwimmt gegen den Strom“, der andere „Für ein Schaf ist er ganz schön clever.“«

Starzak gehörte zu denen, die bei Aardman die ursprüngliche Fernsehserie konzipiert hatten. Er schrieb einige Drehbücher und führte bei einer von ihm geschriebenen Episode auch Regie. »Ich habe Nick Park vorgeschlagen, Shaun etwas altern zu lassen, damit er auch noch zehnjährige Kinder anspricht.« So fertigte Nick Park einige Entwürfe an, die einen älteren Shaun zeigten.

Starzaks Regiekollege Mark Burton, der dem Aardman-Studio seit Chicken Run - Hennen rennen (2000) als Drehbuchautor verbunden ist, erinnert sich: »Als ich dazu kam, war das Projekt schon so weit gediehen, dass klar war, es würde keine Dialoge geben, und ich sagte zu mir: Diese Idee ist vollkommen verrückt. Ich muss einfach dabei sein!« Als Shaun dann das erste Mal 2007 über die Bildschirme mähte, war sein Erfolg kaum noch aufzuhalten. Starzak merkt an: »Es ist schon lustig: Jetzt, nachdem die Serie über acht Jahre im Fernsehen gelaufen ist, gehen manche der Zuschauer der ersten Stunde bereits auf die Uni - und sie schauen es sich immernoch an!«

»Nach dem Erfolg von The wrong Trousers überlegten Drehbuchautor Bob Baker und ich, wie man die Geschichte fortsetzen könnte«, erinnert sich Nick Park. »Ich hatte ein ganzes Notizbuch voller Ideen, die sich größtenteils um Schafe drehten. Bob und ich kamen überein, dass wir ein Lamm als Figur dabei haben wollten.

Ich weiß nicht mehr, wer von uns beiden auf den Namen kam. Im Film ist es Wallace, der ihn Shaun tauft. Der Name ist natürlich ein Kalauer - ein Wortspiel mit „shorn“, und ich bin sicher, wir haben uns damals sehr darüber amüsiert. In A close Shave war er nicht viel mehr als das unschuldige Opfer - niedlich und liebenswert, mit seinem Fellpuschel auf dem Kopf und seinen großen Augen. Jeder bei Aardman hat ihn gleich ins Herz geschlossen.«

Bald tauchte Shauns Konterfei in Werbespots, in Büchern und auf Glückwunschkarten auf, aber es sollte über zehn Jahre dauern, bis er wirklich zu Prominenz kam. Park erzählt: »Es war erst Jahre später, als wir gerade eine ruhige Phase zwischen zwei Produktionen hatten und über neue Filmideen nachdachten, dass ich vorschlug, Shaun seine eigene Serie zu geben.

Ich hatte noch gar keine genauen Vorstellungen von der ganzen Sache - höchstens, dass er auf einem Bauernhof leben könnte, wo es eine Familie und einen Hofhund gibt. Und ich hatte ein paar Ideen für mögliche Abenteuer. Die Idee stand eine ganze Weile im Raum, bis Golly sich ihrer annahm und zu seiner Sache machte. Golly entwickelte auch die ganzen Figuren, den diensteifrigen Bitzer und Shaun selbst, der bei ihm mehr zum unbändigen Teenager wurde. Es ist ganz allein Gollys Verdienst, die Welt von Shaun geschaffen zu haben.«

Eine Szene in Unter Schafen hatte es Starzak besonders angetan: »Shaun taucht beim Gefängnis auf und er hat einen Winkelschleifer dabei, um die Gitterstäbe zu durchtrennen, und Gromit zu befreien. Das kommt völlig unerwartet, weil er bis dahin bloß ein kleines Lämmlein war. Nick und ich liebten beide Gary Larsons The Far Side-Cartoons, und dies war wie eine von Larsons verrückten Ideen.«

Paul Kewley, Produzent von Shaun das Schaf - Der Film erzählt: »Als Golly sein Konzept zum ersten Mal vorstellte, sah er das Ganze eher in Anlehnung an eine Fabrik: mit dem Bauern als Boss, Bitzer als Manager, an dem alles hängen bleibt, und der Herde als Arbeiter. Uns wurde aber schnell klar, dass sie eigentlich viel eher wie eine Familie funktionierten: Der Bauer ist darin der Vater, Shaun ist der jüngere und Bitzer der älteste Bruder, der versucht, seine ganzen kleinen Geschwister, die immer wieder außer Rand und Band geraten, im Zaum zu halten.«

»Man hofft natürlich, dass das Publikum für einen Kinofilm ein größeres Spektrum umfasst«, sagt Burton. »Die Grundidee des Films und sein Humor sind in der Tat eine Spur erwachsener als die Serie.« Und das merkt man auch, wenn man sich den Film ansieht. Sicher wird kein Kind den Gag mit dem Kater mit Beißschutz hinter der Glasscheibe verstehen, doch erwachsene Filmfreunde erkennen das Szenario samt der Saug- und Schleckgeräusche aus Das Schweigen der Lämmer sofort wieder. Die Bandbreite der Gags ist hier wirklich breit gefächert, damit auch wirklich Jung und Alt ihren Spaß dabei haben. Aber natürlich gibt es auch hier den kleinsten gemeinsamen Humor, der alle anspricht, den man auch von der Serie her kennt.

In der Fernsehserie sind Shaun, Bitzer und der Bauer die Hauptfiguren, aber es war allen Beteiligten klar, dass man die Geschichte deutlich ausbauen müsste, um sie für einen abendfüllenden Kinofilm tauglich zu machen. Das Team nahm sich zuerst die Schafherde vor. »In der Serie ist keine Zeit, um die Herde im einzelnen vorzustellen«, sagt Produzent Peter Lord. »Bis auf den kleinen Timmy, der ja schon seine eigene Fernsehserie hat, und Shirley, die ständig hungrig ist, sind die anderen Schafe eher austauschbare Figuren.

Aber jetzt konnten wir die ganze Herde definieren, wir haben ihnen allen Charakterzüge und auch Namen gegeben, und sie haben alle ihren eigenen kleinen Spannungsbogen und Witze, die auf sie abgestimmt sind. Das hat uns sehr viele Möglichkeiten eröffnet. Die ganze Herde verkleidet sich als Menschen, um in der Großstadt zu überleben. Sie sind alle unterschiedlich angezogen, und Timmy wird im wahrsten Sinne des Wortes als Rucksack aufgeschnallt. Wir hatten sehr viel Spaß damit.«

Die Filmemacher schufen auch einige komplett neue Figuren, allen voran den stämmigen, vierschrötigen Tierfänger Trumper, der den Bösewicht des Films abgibt. »Er ist jemand, der liebend gern Polizist geworden wäre, aber nie die Eingangsprüfung geschafft hat«, sagt Lord. »Und jetzt terrorisiert er eben Tiere, wenn er es schon nicht mit den Menschen machen kann.« Ein Vorbild für Trumper war die Titelfigur der US-Komödie Der Kaufhaus-Cop, in der Kevin James einen übergewichtigen Securitymann spielt, der eigentlich Polizist werden wollte.

Außerdem spielt erstmals ein Waisenhund eine Rolle: Das Hundemädchen Slip lebt in der großen Stadt und sehnt sich so sehr nach neuen Eltern. Shaun dagegen will endlich Ruhe vor den strikten Regeln auf dem Hof haben. Doch so unterschiedlich sie sind: Als Shaun und Slip sich begegnen, beschließen sie gleich, gemeinsame Sache zu machen. »Sie spielt dieselbe Rolle wie das Waisenmädchen in Chaplins Lichter der Großstadt«, sagt Starzak.

Shaun ist zur weltweit erfolgreichsten Figur des Aardman-Studios geworden und hat dabei selbst Wallace & Gromit übertroffen. »Wir arbeiten an der nächsten Staffel der Fernsehserie, haben ein halbstündiges TV-Special in Vorbereitung und werden sicher auch einen zweiten Kinofilm angehen, wenn der erste Film ein Erfolg wird«, sagt Aardman-Mitbegründer David Sproxton. Und ich schätze mal, dass bei dem Erfolg, den der Film seit Start bereits hat, keine Zweifel über ein weiteres Kinomähbenteuer aufkommen lassen.

»Im Moment ist es so, dass uns die Fernsehsender alles aus den Händen reißen, was wir nur produzieren können. Zum Beispiel waren wir erst im Nahen Osten mit Shaun erfolgreich. Es gibt inzwischen schon Bühnenshows mit den Figuren aus der Serie, die dort mit großem Erfolg auf Tour sind, und auch China hat daran schon Interesse gezeigt. In nur sieben Jahren hat sich eine kleine Fernsehserie zu einem weltweiten Phänomen entwickelt. Das ist schon außergewöhnlich.«

Als die Entscheidung gefallen war, dass es in Shaun das Schaf - Der Film keine Dialoge geben würde, merkten die Filmemacher schnell, dass sie damit im Grunde einen Stummfilm drehen würden. So schauten sich die Regisseure Richard Starzak und Mark Burton eine Vielzahl von Stummfilmen an, um sich noch einmal zu vergegenwärtigen, wie die Filme der damaligen Ära ihren Humor vermittelten.

»Wir haben sehr viele Stummfilmkomödien gesichtet«, erinnert sich Burton. »Und wir waren uns auch nicht zu schade, ein paar der besten Gags zu klauen. Und wir haben uns auch einige Filme von Jacques Tati angeschaut, der gern Toneffekte eingesetzt hat, um die Geschichte zu erzählen.«

Starzak fügt hinzu: »Ich habe mich auch mit Buster Keaton und seinem Pokerface beschäftigt. Auf ganz praktischer Ebene ist es ja so, dass Shaun nicht viele Gesichtsausdrücke zur Verfügung hat, und ich liebe trockenen Humor. Damit hat man praktisch schon Buster Keatons Methode - die Verbindung von Slapstick mit dem Witzereißen, ohne eine Miene zu verziehen.«

Starzak sieht auch eine Verbindung zum Pixar-Animationsfilm WALL•E - Der letzte räumt die Erde auf: »Der Film läuft über 30 Minuten, ohne dass eine menschliche Stimme zu hören ist. Und jeder, den ich kenne, hält das für den besten Teil des Films!«

Produzent Paul Kewley fügt noch hinzu: »Was das Geschäftliche betraf, haben wir natürlich auch über die Mr. Bean-Filme gesprochen. Darin gibt es zwar Dialoge, aber ein Großteil der Geschichte wird rein auf der Handlungsebene erzählt. Und genau das ist einer der Hauptgründe für ihren weltweiten Erfolg: Weil so viel Slapstick darin steckt, gibt es auch keine Sprachbarriere.«

Shaun das Schaf - Der Film ist letztlich genauso unterhaltsam wie die Serie, wenn nicht noch unterhaltsamer! Die Macher haben eine horrende Arbeit auf sich genommen und viel Liebe investiert, um uns dieses Stück Filmkunst nahe zu bringen. Man könnte den Film auch folgendermaßen analogisieren: Die Produktionsfirma ist der Bauer, Bitzer der Filmverleih, Shaun ist in dem Fall das Produktionsteam und die Schafherde sind die Zuschauer. Während Bitzer aufpassen muss, dass auch die nötige Anzahl Kinos den Film spielt und genügend Leute ins Kino kommen, ist Shaun dafür zuständig, dass alles in Ordnung geht, dass die Herde ordnungsgemäß Spaß hat und am Ende der Bauer zufrieden gestellt ist. Und ich denke mal, da haben alle gute Arbeit geleistet. ■ mz

Komödie/Abenteuer/Animation/Kinderfilm
GB 2015
85 min


drehbuch
Mark Burton
Richard Starzak

musik
Ilan Eshkeri

kamera
Charles Copping
Dave Alex Riddett

regie
Mark Burton
Richard Starzak

produktion
StudioCanal
Aardman Animations
Anton Capital Entertainment

verleih
StudioCanal