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Chappie
In der nahen Zukunft werden Verbrechen mit Hilfe von Polizeirobotern bekämpft, die kompromisslos gegen die Bevölkerung vorgehen. Während der Polizeichef von Johannesburg bereits eine neue Staffel Roboter bestellt hat, gelingt es dem jungen Entwickler Deon, eine künstliche Intelligenz zu entwickeln - ein Roboter, der eigenständig denken und handeln kann. Das gefällt der Chefin überhaupt nicht, woraufhin sich Deon eigenmächtig einen zum Verschrotten freigegebenen Roboter mitnimmt, um sein Programm zu installieren. Leider wird er kurz nach dem Verlassen der Firma von Gangstern gekidnappt, die die neu geborene KI für ihre Zwecke benutzen wollen. Deons Kollege Vincent hingegen hat Probleme, seinen überdimensionierten Kampfroboter an den Mann zu bringen. Als er Deons Experiment auf die Schliche kommt, sieht er seine Stunde geschlagen. Prompt tüftelt er sich einen teuflischen Plan aus...
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Bilder vom Fanevent in der Mall of Berlin

Regisseur Neill Blomkamp entschuldigte sich unlängst bei den Fans für seinen letzten Film Elysium, in dem er Matt Damon durch eine apokalyptische Welt stolpern ließ, sagte, er hätte das Drehbuch weiter ausfeilen sollen. Jetzt ist er zu seinen Wurzeln zurückgekehrt - nach Johannesburg, wo er auch seinen ersten Film drehte - District 9. Bei Chappie arbeitete er, wie auch damals, mit seiner Ehefrau und Kollegin Terri Tatchell am Drehbuch, das, ähnlich wie unser Filmheld, mit Plug & Play Hand in Hand geht.

Sind es bei den Polizeidroiden, hier Scouts genannt, die einzelnen Körperteile (in Fachkreisen auch Komponenten genannt), so sind es im Drehbuch Versatzstücke aus bekanntem Material, die hin und wieder mit Filmzitaten gespickt wurden. Die Geschichte ist relativ einfach gehalten, oft auch sehr naiv, wie auch unser Wissenschaftler Deon im Film, der nicht damit rechnet, wenn er einen defekten Scout mit nach hause nimmt, in einer Stadt, in der das Verbrechen boomt, weshalb es in erster Linie die Scouts gibt(!), überfallen zu werden.

Gleich zu Beginn des Films werden die Fronten klargemacht: Hippo ist der Gangsterkönig der Stadt. Als die Schmalspurganoven Ninja und Yolandi vergeblich versuchen, ihre Schulden bei ihm zu begleichen, und geradeso (leider auch Hippo) einem Scout-Übergriff entfliehen können, kommt Yolandi die verrückte Idee, dass die Polizeidroiden sicher mit einer Fernbedienung ausgeschaltet werden könnten. Schnell mal im Internet gesucht, finden sie auch schon den Schöpfer dieser Kreaturen und machen sich bereit, ihn für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Während Ninja Welle macht, weil sie nur eine Woche Zeit haben, um ihre Schulden zu begleichen, lässt Yolandi es zu, dass Deon sein Experiment durchführt. Und schon haben sie ein Kleinkind an der Backe - in Form eines ramponierten Roboters. Ein Missverständnis jagt das andere und schon heißt der ehemalige Scout mit der Nummer 22 Chappie, Yolandi ist „Mami“, Ninja „Papi“ und Deon der „Macher“...

Chappie ist eine ganz ungewöhnliche Geschichte übers Erwachsenwerden. So lehren Ninja und sein Kumpel Yankie, der fortan wegen eines weiteren Missverständnisses Amerika genannt wird, Chappie, was es bedeutet, ein Gangsta zu sein, während sich Yolandi und Deon mehr für die erzieherisch wertvolleren Themen engagieren. Und mit jeder neuen Szene schließt der Zuschauer Chappie in sein Herz, Gut und Böse vermischt sich bzw. wechselt die Seiten.

Simon Kinberg, der den Film mit Blomkamp zusammen produzierte, merkt an, dass Chappie aus allen Zylindern feuert, weil Blomkamp das macht, was er wirklich kann - große Ideen, die den Filmemacher beschäftigen, in eine actionreiche, unterhaltende Geschichte zu packen: »Er hat einen Actionfilm geschaffen, der gleichzeitig eine dramatische Charaktergeschichte beinhaltet sowie eine intellektuelle Studie darüber, was es bedeutet, menschlich zu sein, was es bedeutet, intelligent zu sein.

Das Wichtigste an dem Film ist, dass sich die Zuschauer in Chappie verlieben, dass ihr Herz zerbricht, wenn sich Chappie verletzt, und aufgeregt ist, wenn er siegreich ist. Man feuert diesen Roboter an. Der Film macht eine Menge verschiedener Dinge auf eine Art, wie sie nur Neill tut.«

»Wann würde man einen Roboter als menschlich bezeichnen?«, fragt Blomkamps Freund und Hauptdarsteller Sharlto Copley, der in den vergangenen beiden Filmen ebenfalls mitgespielt hat, bei Chappie jedoch hauptsächlich nur zu hören ist. »Ist es, weil sie malen können, oder bestimmte Musik mögen? Für Menschen wär eine Maschine mit Gefühlen, wenn wir mit dieser genauso kommunizieren, wie wir es mit Menschen tun. Ich denke, das würde die meisten Menschen dazu bringen, eine Maschine als „am Leben“ zu bezeichnen - wenn sie Gefühle genauso erfährt wie wir.«

Copley bereichert Chappie nicht nur mit seiner Stimme (zumindest in der englischen Originalsprachfassung). Er spielte sogar die Szenen, in denen Chappie mit den Menschen interagiert, nicht nur, um Chappie echt wirken zu lassen, auch, damit die anderen Schauspieler ihre Szenen voll ausspielen konnten. Später in der Nachproduktion wurde Copley dann von den Magiern bei VFX durch die animierte Metallfigur ersetzt - für mich eine Meisterleistung, da man dies im Film nicht einen Moment lang sieht! Copley ist sozusagen für Blomkamp, was Andy Serkis für Peter Jackson war bzw. ist - der menschliche Bezugspunkt für eine immaterielle Figur.

Sharlto Copley selbst ist nicht im Film zu sehen. Er trug zwei Kostümteile, um in den Charakter zu gelangen: »Ich trug eine Brustplatte, damit meine Rücken- und Brustproportionen der von Chappie entsprechen«, bemerkt der Schauspieler. Dies ermöglichte ihm, zu erkennen, wie der Roboter in welche Räume passte und wie er sitzen oder stehen würde. Aber die Brustplatte war nicht das Einzige: »Ich trug einen grauen Anzug mit Markierungen für die Animatoren. Er war hauteng, und hauteng ist nicht Gangster.« Etwas, das ihm half, wie ein Gangster zu wirken, waren Shorts und ein Gürtel.

»Während der Gangsterszenen löste ich den Gürtel und ließ die Hose halb über den Hintern hängen. Das war mein Trick, um mich vom Grauanzugmann in Gangster-Chappie zu transformieren. Es half dabei, die richtigen Gangster-Bewegungen hinzubekommen.«

Chappies Schöpfer und Mentor Deon spielt Dev Patel, bekannt aus Slumdog Millionär oder Best Exotic Marigold Hotel: »Als ich ihn das erste Mal las, konnte ich mich komplett in ihn hineinversetzen. Ich wusste, dass er sich intensiv leidenschaftlich mit künstlicher Intelligenz beschäftigte. Ich war aber auch besorgt darüber, dass er in manchen Szenen zu passiv sein könnte. Dann, nachdem ich ans Set kam und mich mit Sharlto, Ninja und Yo-Landi traf, war es eine natürliche Reaktion, der Figur mehr Rückgrat zu geben, sie defensiver wie auch aggressiver in Bezug auf seine Arbeit zu gestalten.«

Zu dem Ganoventrio, das Deon entführt, gehört das südafrikanische Rave-Rap-Duo Die Antwoord, das auch zum Soundtrack beisteuerte. »Vor dem Dreh hatte ich noch nie von den beiden gehört«, gesteht Dev Patel. »Ich hörte was flüstern über eine verrückte Band aus Südafrika, Die Antwoord. Sie sind absolut faszinierend. Sie spielen eine Version von sich selbst, was großartig ist, denn das ist einfach die Wahrheit. Das ist so roh und organisch wie irgend möglich. Sie bringen sich selbst in den Film ein und schaffen diese wilde Gegenüberstellung.«

»Sie trotzen jeder Definition oder Erklärung«, sagt Simon Kinberg. »Man muss sie einfach sehen, um vollends zu verstehen, was ihr Ding ist, weil sie so komplett einzigartig sind. Sie sind eine Rapgruppe, ein kulturelles Phänomen, sie sind verrückte Performancekünstler. Die Filmfiguren von Ninja und Yo-Landi sind ehemalige Musiker, die zum Überleben dazu gezwungen waren, sich dem Verbrechen zuzuwenden. Sie wollen dieses Leben nicht, sie wollen raus aus Johannesburg, doch es gibt kaum andere Möglichkeiten für sie.«

Das Duo war schon seit District 9 Fan von Neill Blomkamp, denn er brachte „Hollywood“ nach Südafrika. Als sie nun gefragt wurden, in Chappie mitzuspielen, ist für die beiden ein Traum in Erfüllung gegangen. Blomkamp ließ den beiden freie kreative Wahl bei den Utensilien der Filmfiguren. »Wir fragten: „Können wir unsere Waffen neonpink und gelb anstreichen? Können wir auch die Kugeln in Bonbonfarben anmalen?“«, erzählt Ninja, der im Film nun ein gelbes Gewehr trägt. »Er fragte uns, was für eine Art Auto wir wollten, und ich fragte ihn: „Kann ich mein eigenes Auto kriegen, nur eben frisiert?“ Und Neill ging und frisierte es.«

¥o-Landi Vi$$er erklärt den Unterschied zwischen der Rap-Yolandi und der im Film: »Normalerweise habe ich eher einen punkigen Lebensstil mit mehr Attitüden. Für den Film drängte mich Neill eher zu einer weicheren Seite von mir, eine mehr mütterliche Seite, nicht so punk, eben weich gegenüber Chappie und mütterlich. Es war etwas schwierig und cool, diese Seite zu entdecken. Ich hätte nie daran gedacht! Es ist eine andere Seite von ¥o-Landi, die ich noch nicht voll erforscht hatte, und das war eine coole, unerwartete Wendung.«

Um den Erfolg des Filmes zu pushen, engagierte Blomkamp für seinen actiongeladenen Streifen zwei Hollywood-Größen, von denen er begeistert war, dass sie zugesagt hatten - Hugh Jackman als militanten (er trägt stets eine Knarre bei sich), verdrehten, aggressiven, dennoch innerlich unsicheren, brillanten Wissenschaftler, der daran glaubt, dass die Welt seine Riesenwaffe, den „Elch“, unbedingt braucht, und Sigourney Weaver als knallharte Geschäftsfrau der Firma, die die Polizeidroiden erbaut.

»Ich bin immernoch überrascht, wenn ich Leute, die meine eigenen kreativen Interessen (bis zu einem gewissen Grad auch meine Kindheit) geweckt haben, für meine Filme gewinnen kann«, sagt er über Sigourney Weaver. »Sie also nun am Set zu haben, war ziemlich bizarr, aber dennoch sehr natürlich. Man kann sehr leicht mit ihr kommunizieren, und sie ist sehr talentiert. Es war leicht, aber ab und zu wurde mir klar, dass das da wirklich Ripley am Set war, und das war überwältigend.«

Ihre Zusammenarbeit mag wohl auch den Ausschlag gegeben haben, dass Neill Blomkamp womöglich nun doch seinen lang geplanten Alien-Film verwirklicht. Produktionsfirma 20th Century Fox würde am liebsten gleich morgen mit dem Dreh beginnen, doch Blomkamp, Fan der ersten beiden Alien-Filme, würde am liebsten Teil 3 und 4 ausklammern. Auch wie seine Fortsetzung zu dem Prequel Prometheus und dessen in Kürze startender Fortsetzung mit Noomi Rapace und Michael Fassbender passen könnte, macht ihm schwer zu schaffen. Auch Sigourney Weaver wäre sofort mit an Bord. Alien-Fan Blomkamp macht es seinen Mitfans nicht leicht und hält sich zunächst noch bedeckt, doch die Weichen stehen auf Fahrt. Wann diese losgeht, steht jedoch noch nicht fest.

Doch zurück zu Chappie: Neill Blomkamp und Sharlto Copley haben hier eine liebenswerte niedliche Figur geschaffen, die von Disney hätte stammen können. Der Film macht Spaß und unterhält, die Figuren sind schön schräg, manchmal auch ein wenig überzeichnet, und es kracht ordentlich. Die Freigabe ab 12 ist allerdings in Anbetracht des expliziten Endes ein wenig gewagt, auch wenn man sich damit herausredet, dass es sich hierbei um Fantasy/Science Fiction handelt. Das Körperzermantsche und -auseinandergereiße passt dann auch nicht so ganz zum restlichen, eher seichten Filmkolorit, auch wenn es akustisch mit Hans Zimmer unterlegt ist.

Das Quasi-Happy-End geht dann schon wieder in Richtung Kinderfilm, auch was die Kreativität der Auflösung angeht. Für ein solch kontroverses Thema ist das Ende einfach mal zu seicht. Für einen unterhaltsamen Kinoabend reicht der Film jedoch allemal. Wäre dies ein Disney-Film, würde es ab morgen sogar Chappie-Actionfiguren zu kaufen geben - so niedlich ist der Gangsta Nr. 1 formerly known as Scout 22... ■ mz

Thriller/SciFi/Action
MEX/USA 2014
120 min


mit
Sharlto Copley (Chappie) Timmo Niesner
Dev Patel (Deon Wilson) Julius Jellinek
Ninja (Ninja) Marcel Collé
¥o-Landi Vi$$er (Yolandi) Manja Doering
Jose Pablo Cantillo (Amerika) Tobias Meister
Hugh Jackman (Vincent Moore) Thomas Nero Wolff
Sigourney Weaver (Michelle Bradley) Karin Buchholz
Brandon Auret (Hippo)
Johnny Selema (Pitbull)
Anderson Cooper (Anderson Cooper)
u.a.

drehbuch
Neill Blomkamp
Terri Tatchell

musik
Hans Zimmer

kamera
Trent Opaloch

regie
Neill Blomkamp

produktion
Columbia Pictures
Alpha Core
Genre Films
LStar Capital
Media Rights Capital
Ollin Studio
Simon Kinberg Productions
Sony Pictures Entertainment

verleih
Sony Pictures