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blackhat
Ein Angriff auf die globalen Finanzmärkte von nie gekanntem Ausmaß versetzt Regierungen und Geheimdienste in Panik – so sehr, dass sie sogar Nicholas Hathaway aus dem Gefängnis holen, um den Kampf gegen die geheimnisvollen Cyberkriminellen zu gewinnen. Hathaway, ein zu 15 Jahren verurteilter Hacker und Computergenie, ist der Einzige, der es mit den Gangstern hinter der Web-Attacke aufnehmen kann. Er lässt sich für das Versprechen anheuern, ein freier Mann zu sein, wenn er die Täter aufspürt. Doch was für Hathaway fast als sportliche Herausforderung beginnt, wird sehr schnell zu einem erbarmungslosen Spiel auf Leben und Tod, denn sein anonymer Gegner kapert nicht nur die globalen Datenleitungen, sondern trägt auch höchst realen Terror in die Welt. Eine Hetzjagd rund um den Erdball beginnt, die Hathaway und seine Helfer nach Chicago, Los Angeles, Hong Kong und Jakarta führt...
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Vor einigen Jahren verblüffte die Entdeckung eines bisher nie gesehenen Codes eine Handvoll von Computersicherheitsexperten. Als die Analysten den Code zu seinem Ursprung zurückverfolgten, machten sie eine bahnbrechende Entdeckung. Dieser Code wurde nicht nur äußerst komplex und umsichtig geschrieben, er wirkte auch noch wie eine Waffe. Mit Hilfe des Codes ließ sich heimlich eine Fabrik im Iran in die Knie zwingen, die Uran anreicherte.

Diese Malware wird seitdem als „Stuxnet“ bezeichnet. Wie ein Computerwurm befiel sie die computergesteuerte Infrastruktur, übernahm die Kontrolle der automatisierten Prozesse und ließ die Zentrifugen in der Fabrik für Urananreicherung so schnell drehen, das sie sich selbst zerstörten. Der Computerwurm wurde von den Arbeitern innerhalb und außerhalb dieser Anlage nicht gefunden und als man ihn schließlich entdeckte, gab es Befürchtungen er würde sich unkontrolliert ausbreiten.

Erste Gerüchte kamen auf. Man schloss gar nicht mehr aus, dass diese Codes für die nukleare Schmelze in Fukushima gesorgt hätten. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Verschwörungstheorie bleibt jedoch die Gewissheit, dass etwas radikal Neues entstanden ist: ein binärer Code, der Chaos generiert, Steuerungssysteme angreift und sich in den komplexen, miteinander verzweigten Infrastrukturen unseres modernen Lebensalltags ausbreiten kann.

Die Konsequenzen dieser sich so rasant verändernden Allianzen und Trennungslinien, die innerhalb unserer neuen digitalen Realität entstehen, bleiben den meisten von uns verborgen. Oft sind sie nur für Insider erkennbar und genau das weckte das Interesse eines so innovativen Filmemachers wie Michael Mann. Seit Jahrzehnten recherchiert er akribisch, begibt sich wie ein Ermittler in geheime Welten und interessiert sich vor allem dafür, wer sich dort aufhält. Egal ob es sich dabei um professionelle Diebe, Insider oder Enthüllungsjournalisten handelt, um Auftragskiller oder Taxifahrer.

Die Geschichten die Michael Mann erzählt, entspringen immer aus dem Leben. Sie bemühen sich um Authentizität und ein Verständnis für ein Leben jenseits der sichtbaren Oberfläche. Dabei wird man gemeinsam mit dem Filmemacher zum Experten. Manns Credo lautet: »Wenn man einen Film über einen Dieb dreht, dann schaut man sich nicht andere Filme über Diebe an. Man verbringt dann eben Zeit mit einem Dieb.«

Die fast unheimliche Verbreitung des Stuxnet-Wurms steht für eine neue Form eines Schädlings, der sich unbefugt Eintritt in Computersysteme verschafft. Michael Mann war schon immer ein Filmemacher, den die fließenden Grenzen zwischen dem Gesetz und der Gesetzlosigkeit interessierten. Er sah plötzlich ganz neue Möglichkeiten. Mit alarmierender Regelmäßigkeit nahmen nun Geschichten über den feindlichen Befall durch Schädlingsviren in digitalen Infrastrukturen und Systemen zu.

Mann erklärt, was ihm dieses Ereignis bedeutete: »Ich interessierte mich für den Computerwurm Stuxnet, weil diese Malware von einem Team bestehend aus Amerikanern und Israelis dafür entwickelt wurde, die Zentrifugen in der nuklearen Anlage in Natanz, Iran, zu steuern. Das war weltweit die erste, verkappte Drohne. Ich sage „verkappt“, weil der Angriff zwar sofort stattfand, aber die Folgen des Angriffs erst 18 Monate später bekannt wurden.«

Je mehr er über die Geschichte herausfand, umso ausführlicher beschäftigte sich Mann mit diesem Thema: »Erstens erkannte ich, wie viele undichte Stellen es gibt, und wie verletzlich wir sind. Zweitens kann das jeder von seinem Sofa aus tun, der über gewisse Computerkenntnisse und einen schnellen Rechner verfügt, egal ob er in der Bronx, in Lagos oder Mumbai sitzt.

Und Drittens, und das ist die zentrale Frage der Recherche: Wer ist ein blackhat-Hacker? Was motiviert ihn? Was ist seine Erfahrung? Normalerweise stellen wir uns einen 16-jährigen vor, der sagt: „Sie sagen mir, ich komme dort nicht hinein? Wollen wir wetten?“ Das ist also normalerweise die Herausforderung. Und wer ist dann Hathaway?«

»Viele der Black Hat Hacker, die juristisch verfolgt wurden, mussten zunächst ins Gefängnis. Später erhielten sie dann Jobs als Bekämpfer von Cyberkriminalität«, führt Michael Mann weiter aus. »Für sie gibt es keine wirklichen Grenzen. Gamer denken so ähnlich aber mit einem entscheidenden Unterschied.

Für einen Hacker zählt eine verdrehte Realitätsflucht, die ihm, wie in einem Drogenrausch, Erfüllung verschafft. Für den Gamer liegt das Ergebnis in der virtuellen Welt, für den Hacker dagegen in einer realen, materiellen Welt. Seine Manipulation eines Codes führt zu einer wirklichen, kinetischen Reaktion. Das verschafft ihm auch dieses gewisse Hochgefühl.«

Einen dieser Hacker spielt Chris Hemsworth - mal etwas abseits in einem etwas ruhigeren, anspruchsvolleren Film. Man merkt es dem Film an, dass sich Michael Mann eindringlich mit dem Thema beschäftigt hat. Dafür zeugt schon allein die Lauflänge von über 2 Stunden, welche schon mal gefühlt eine Stunde länger dauern, denn der Film ist sehr sehr gemach und ruhig. Ab und zu wird das Publikum mal wachgerüttelt, wenn auf der Leinwand gejagt wird. Dann zeigt Mann kompromisslose Action, die, wie auch der Rest des Films, so echt wie nur irgend möglich wirkt.

Einen Film von Michael Mann zu sehen, ist nicht nur für den Zuschauer eine Tortur. Mann nimmt sich viel Zeit für die Recherche und Ausbildung seiner Schauspieler und führt sie an die Orte, die mit ihren Figuren in Verbindung stehen. Diese Vorbereitung auf das sich langsame Einleben in eine Rolle kann Monate in Anspruch nehmen.

Begonnen hat Mann diese Arbeitsmethode mit James Caan in Der Einzelgänger und Daniel Day Lewis in Der letzte Mohikaner. Fortgeführt hat er sie dann mit den Darstellern von Heat und Collateral. Für Michael Mann gibt es dabei einen großen Vorteil: »Der Schauspieler glaubt an seine Figur und das macht ihn furchtlos. Er fühlt sich freier und kann dadurch spontaner sein und improvisieren.«

Für Mann ist jedes Detail wichtig und Präzision ist bei ihm Trumpf. Wer mit ihm zusammen arbeitet, macht diese Form der intensiven Ausbildung mit. So ließ der Regisseur seinen Hauptprotagonisten 2 Tage im Chicagoer Stahlwerk arbeiten, führte ihn durchs „Stateville Prison“ und sah sich mit ihm „Hacker-Schulen“ an. Das körperliche Training begann bereits Monate vor dem Dreh und umfasste Boxen und Kämpfen. Für den 1,95m großen Australier bestand aber die Herausforderung vor allem darin, wie man als ein Hacker, der im Gefängnis sitzt, denkt und handelt.

Chris Hemsworth traf sich auch mit Profihackern, von denen einige, wie seine Figur Nick Hathaway, auch im Gefängnis waren. Für den Schauspieler war dieses ganz andere Spiel mit Zahlen wie eine Erleuchtung: »Für sie ist das so wie in The Matrix. Sie sehen einen Sinn in Dingen, die für die meisten Menschen keinen Sinn ergeben. Diese Anzahl von Zahlen und Reihen, Buchstaben und Punkten sprechen eine eigene Sprache. Für Amateure sieht das nur nach Chaos aus, aber wenn du in dieser Welt lebst, bedeutet es etwas völlig anderes.«

Auch für den „Bad Guy“ Ritchie Coster gab es ein intensives Training. Der Schauspieler erinnert sich: »Ich glaube Michael sagte einmal: „An meinem Set gibt es keine Plastikpistolen.“ Gott segne die Waffenmeister und die Jungs von der Requisite. Michael wollte beispielsweise einmal ein Stiletto Messer für deutsche Fallschirmspringer aus den 30er Jahren. Kurz darauf kam das am Set an. Das hat mich schwer beeindruckt.«

Michael Mann ist bekanntlich Fan der HD-Digitalkamera, um auch mit geringer Beleuchtung Szenen in Dunkelheit präzise darstellen zu können. So wirkt blackhat visuell oft eher wie eine gespielte Doku, prädestiniert fürs Heimkino. Doch dann gibt es immer wieder große Bilder und die Action, die das wieder vergessen lassen. Auch eine Art Markenzeichen für Mann scheint die letzte Szene zu sein, in welcher der Held oder die Helden des Films aus einer Tür kommen, in Richtung Kamera gehen und dann aus dem Blickwinkel verschwinden, während sich hinter ihnen die Tür wieder schließt. (Bei John Woo waren das z.B. immer weiße Tauben, die durchs Bild fliegen.)

Einen großen Streitpunkt gab es bei der Musik des Films. Perfektion ist nunmal Sache des Regisseurs, der sein Endprodukt zu seiner Zufriedenheit präsentieren will. So beauftragte Mann den gestandenen Komponisten Harry Gregson-Williams, der u.a. zuletzt Musik für The Equalizer beisteuerte. Dieser bemängelte jedoch, dass es letztlich kaum eines seiner Stücke in den fertigen Film geschafft hatte.

Der Regisseur ließ die Ross-Brüder Atticus und Leopold (Broken City, The Book of Eli) zusätzliche Musik aufnehmen und die Stücke von Harry Gregson-Williams neu abmischen, um den perfekten Sound für sein „Hackerle“ zu bekommen. Für Gregson-Williams war dies schlechthin ein Schlag ins Gesicht. Für den Zuschauer wirkt der elektrische Sound jedoch zum Film passend - gediegen in den ruhigen Szenen und etwas knalliger während der Action. Letztlich entscheidet allerdings der Gesamteindruck des Zuschauers. blackhat ist ein weiteres zähes Stück Kinokunst mit einem anspruchsvollen Thema, das kaum jemand versteht, doch von Mann recht interessant vermittelt wird. Nur das Zielpublikum des Films ist nicht so leicht zu definieren... ■ mz

Thriller/Action
USA 2014
133 min


mit
Chris Hemsworth (Nicholas Hathaway) Tommy Morgenstern
Wei Tang (Lien Chen) Manja Doering
Leehom Wang (Dawai Chen) Arne Stephan
Viola Davis (Barrett) Martina Treger
Yorick van Wageningen (Sadak) Tobias Meister
Holt McCallany (Jessup) Michael Iwannek
Ritchie Coster (Elias Kassar) Karim Chamlali
John Ortiz (Henry Pollack) Florian Halm
Archie Kao (Tang) Simon Derksen
Christian Borle (Robichaud) Oliver Feld
u.a.

drehbuch
Morgan Davis Foehl
Michael Mann

musik
Harry Gregson-Williams
Atticus Ross
Leo Ross

kamera
Stuart Dryburgh

regie
Michael Mann

produktion
Forward Pass
Legendary Pictures

verleih
Universal