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The Imitation Game
Ein streng geheimes Leben
England, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs: Der geniale Mathematiker Alan Turing wird vom britischen Geheimdienst engagiert, um gemeinsam mit einer Gruppe von Code-Spezialisten den als unentschlüsselbar geltenden Enigma-Code der deutschen Wehrmacht zu knacken...
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Wie schon so oft stand auch für diesen Film eine Nachrichtenmeldung Pate. Ende 2009 schnappten die Bristol-Automotive-Produzenten Nora Grossman und Ido Ostrowsky eine Nachrichtenmeldung über eine Rede des damaligen Premierministers Gordon Brown auf, der im Namen der britischen Regierung für die Behandlung Alan Turings um Entschuldigung bat. Ihnen war die Geschichte Turings nicht geläufig, also stellten sie entsprechende Nachforschungen an und stießen auf eine außergewöhnliche Lebensgeschichte, die den meisten Menschen nicht geläufig war.

Also optionierten sie die Turing-Biographie von Andrew Hodges und diskutierten sie u.a. mit Graham Moore, der sich alsbald an einen Drehbuchentwurf setzte. Der Titel eines Papiers, das Turing nach dem Krieg geschrieben hatte, diente Moore als Inspiration. Darin wurde detailliert eine Methode beschrieben, die Turing erfunden hatte, um festzustellen, ob etwas eine Maschine ist oder eine tatsächliche Person. Sozusagen ein Test, aber für Turing ein Spiel – das Nachahmspiel.

»Es ist eine unglaubliche Lebensgeschichte«, meint Moore. »Es ist eine Geschichte, die man einem nicht abnehmen würde, wenn man sie sich einfach einfallen ließe, dass ein einzelner Mensch so viele dramatische Dinge erlebt hat, dass dieser eine Mensch ein Genie ist, ein Kriegsheld, dass er den Computer erfunden hat, dass er wegen seiner Homosexualität von der Regierung verfolgt wurde und später Selbstmord beging... All diese verschiedenen Filme mussten wir in einem erzählen. Es ist schockierend, dass diese Geschichte wahr ist.«

Für die Inszenierung engagierte man den norwegischen Regisseur Morten Tyldum, der zuletzt 2012 durch seine Jo-Nesbø-Verfilmung Headhunters aufgefallen war. Tyldum erkannte sich selbst in der Figur: »Ich denke, es ist gut, wenn man von außen auf die Geschichte blickt. Wenn man emotional nicht so unmittelbar mit dem Stoff vermählt ist, verliert man die universellen Elemente der Geschichte nicht so leicht aus den Augen, man kann sie im Gegenteil sogar besser betonen und herausarbeiten. Es handelt sich um eine ganz besondere Zeit in der britischen Geschichte – das ist klar, und auch das darf man niemals vergessen. Aber Alans Ideen waren viel größer als diese Zeit und der Krieg. Ich habe diesen Film immer als sehr viel mehr empfunden als nur einfach ein Historiendrama. Er ist viel größer als das. Und viel wichtiger und bedeutsamer.«

Und welch anderer Schaupieler könnte ein solches Genie spielen als Benedict Cumberbatch, der mit einer Genie-Rolle zu Weltruhm kam? Von Sherlock Holmes zu Alan Turing waren lediglich ein paar Feinheiten zu justieren, denn beide sind egozentrische Genies auf ihrem Gebiet und können mit Männern besser umgehen als mit Frauen. So ist es denn auch kein Wunder, dass Cumberbatch den Film trägt wie kein anderer. Der Schauspieler selbst war begeistert von der historischen Tragweite seiner Filmfigur:

»Der Dreh in Bletchley Park war herausragend – einfach nur, sich auf diesem Gelände aufzuhalten und über die Wiesen und unter den Bäumen gehen zu können, die schon lange da waren, bevor es die Figuren in unserem Film gab, und die es noch lange nach uns geben wird. Es ist ein so immens wichtiger Teil unserer Geschichte und unserer geheimen Geschichte. Es gab sicherlich den einen oder anderen Moment, wo wir inne hielten und uns dachten, dass es irgendwie gespenstisch ist, was wir da gerade veranstalten.«

Bei all der persönlichen Tragödie und der geschichtlichen Bedeutung Turings wirkt der Film an sich zwar etwas schleppend, aber für eine Biografie doch recht interessant und nicht ganz so trocken inzeniert. Keira Knightley wirkt hier ein wenig überbesetzt, da sie bis auf ein paar Zeilen nicht wirklich viel zum Film beiträgt, doch was tut man nicht alles für den Nationalstolz...?

»Dies sind ein paar der Menschen, die maßgeblichen Anteil daran hatten, dass wir den Zweiten Weltkrieg gewinnen konnten«, sagt Knightley. »Wenn ich selber zu rechnen versuche, muss ich immer noch meine Finger zu Hilfe nehmen. Ich habe mehrfach versucht, mir das nötige Wissen über höhere Mathematik anzulesen, aber ich bin schmählich gescheitert. Jedes Mal. Ich bin eine Schauspielerin. Ich bin keine Mathematikerin!«

Alexandre Desplats Filmmusik unterstreicht den Film wortwörtlich, und das Setdesign sowie die Kostümierung tragen zur Atmosphäre bei, auch wenn nicht immer alles akkurat nachgebaut wurde. »Wir mussten die Maschine so aussehen lassen, als würde sie wirklich funktionieren, mit all diesen sich drehenden Rädern. Sie muss echt aussehen, aber gleichzeitig muss sie auch interessanter aussehen als die echte Maschine«, erwähnt Szenenbildnerin Maria Djurkovic.

1952 wurde Turing wegen „grober Unzucht und sexueller Perversion“ angeklagt und verurteilt. Er wurde vor die Wahl gestellt, eine Haftstrafe anzutreten oder seine Homosexualität mit Östrogen „behandeln“ zu lassen. Diese Behandlung dauerte etwa ein Jahr und führte zu zahlreichen Nebenwirkungen. Zwei Jahre später starb Turing an einer Cyanidvergiftung. Dem Gerichtsarzt zu Folge handelte es sich um einen Freitod, obwohl es an dieser These durchaus Zweifel gibt: Neben der Leiche wurde ein angebissener Apfel gefunden. Lange hielt sich der Mythos, dies sei die Inspiration für das Logo von Apple gewesen.

Der Film kann zwar nicht die gesamte Komplexität Turings durchdringen, dafür jedoch seinen relativ kurzen Lebensabschnitt in Bletchley Park so interessant wie möglich gestalten, wofür die namhaften wie auch talentierten Schauspieler verantwortlich zeichnen. Insgesamt 8 Oscar®-Nominierungen zeugen von der Qualität der Beteiligten und des Films an sich. Aber wir wissen ja: Filme über „besondere Personen“, Krankheiten und Krieg haben stets eine besondere Berücksichtigung bei Preisverleihungen. ■ mz

Drama
GB/USA 2014
114 min


mit

Benedict Cumberbatch (Alan Turing) Tommy Morgenstern
Keira Knightley (Joan Clarke) Dascha Lehmann
Matthew Goode (Hugh Alexander) Norman Matt
Rory Kinnear (Detective Robert Nock) Patrick Schröder
Allen Leech (John Cairncross) Louis Friedemann Thiele
Matthew Beard (Peter Hilton) Tim Schwarzmaier
Charles Dance (Commander Denniston) Leon Rainer
Mark Strong (Stewart Menzies) Tom Vogt
Tuppence Middleton (Helen) Marieke Oeffinger
u.a.

drehbuch
Graham Moore
nach dem Buch „Alan Turing: The Enigma“ von Andrew Hodges

musik
Alexandre Desplat

kamera
Óscar Faura

regie
Morten Tyldum

produktion
Black Bear Pictures
FilmNation Entertainment
Bristol Automotive

verleih
SquareOne