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Der große Trip - Wild
Nach Jahren des ziellosen Umhertreibens, einer Heroinsucht und dem Ende ihrer Ehe, trifft Cheryl Strayed eine wagemutige Entscheidung. Verfolgt von Erinnerungen an ihre Mutter Bobbi und ohne jegliche Wandererfahrung begibt sie sich völlig allein auf einen Trip der Extreme. Drei Monate lang kämpft sie sich fast zweitausend Kilometer über die Höhenzüge des Pacific Crest Trail an der US-Westküste von Südkalifornien bis in den Norden Oregons. Eindringlich, kraftvoll und visuell beeindruckend zeigt der Film die Gefahren, Schrecken und Freuden dieses kräftezehrenden Fußmarsches, der sie Schweiß, Blut und Nerven kostete, aber gleichzeitig stärker machte und letztlich heilte.
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Outdoor ist in. Nach Mia Wasikowskas qualvoller Reise durchs australische Outback, die uns im vergangenen Jahr mit ►Spuren beschert wurde, kommt nun ein weiteres Reisetagebuch ins Kino. Diesmal erzählt Reese Witherspoon die qualvolle Reise von Cheryl Strayed, die 94 Tage auf dem Pacific Crest Trail, dem längsten, schwierigsten und wildesten Wanderweg Amerikas, unterwegs war.

Ohne jegliche Outdoor-Erfahrung, mit einem monströs schweren Rucksack auf dem Rücken und angetrieben von nichts als ihrem eigenen unsteten Willen, machte sich Strayed auf den Weg. Wie anstrengend der Trip für sie war, wird gleich zu Beginn aufgezeigt, wenn wir Reese Witherspoon auf einem Gipfel sehen, wie sie auf einem Felsen sitzt und sich die viel zu engen Schuhe auszieht und sich den abgelösten Zehnagel unter wahnsinnigen Schmerzen abzieht und dabei ihren Schuh im Abgrund verliert.

Wie es dazu kam, wird dann in einer Rückblende erzählt, während dieser man in Strayeds Erinnerungen weitere Zeitreisen unternimmt, bis man am Ende des Films ein relativ komplettes Bild von ihrer Ausgangssituation bekommt. Für die passende Adaption der Memoiren zeichnet Nick Hornby zuständig, der sich nach An Education erneut an die Memoirenverfilmung einer Frau setzte.

Cheryl Strayed, die nicht nur oft am Set verweilte, um beratend zur Seite zu stehen, hatte auch eine kleine Statistenrolle übernommen. Am Set war Strayed überrascht, wie real alles wirkte: »Als wir die Szene drehten, in der Reese auf die Knie fällt und weint, stand ich hinter dem Monitor und habe ihr zugeschaut, bei vier oder fünf Takes, und ich habe jedes Mal mitgeweint. Es war seltsam, weil ich wirklich wusste wer sie war in dem Moment – sie war ich, aber zur gleichen Zeit Reese, in dem Moment, in dem das Universum sie auf die Knie zwingt. Das ist die Macht der Kunst.«

»Ohne Affinität zu Outdoor-Aktivitäten wäre diese Rolle unmöglich zu spielen«, lacht Reese Witherspoon. »Sie war unglaublich anstrengend, in jeder Hinsicht, physisch viel herausfordernder, als ich sie mir vorgestellt habe. Sei es Bergsteigen oder Flüsse überqueren, durch kniehohen Schnee stapfen und in einen eisigen Fluss fallen - ich hatte keine Vorstellung davon, wie hart es werden würde. Aber es war sehr, sehr belohnend.«

Belohung kam vor allem durch Momente, die Witherspoon in die dunkelsten Ecken ihrer Psyche führten. Beim Dreh der Eröffnungssequenz, wenn Cheryl hoch in den Bergen ihren Stiefel verliert, fühlte sie sich, als würde ein höheres Leben ihres kreuzen. »Ich muss sagen, dass der Ort, wo wir diese Szene drehten, einer der schönsten ist, die ich je gesehen habe«, erinnert sie sich.

Und diese Natur kann man nun auch selbst bewundern - zumindest in dem Film von Jean-Marc Vallée (Dallas Buyers Club). Wer mehr will, muss selbst dorthin reisen. Zusätzlich gibt es natürlich noch die Bekanntschaften und Begegnungen mit anderen Wanderern oder Jägern, die dem Durchhaltevermögen Strayeds wie auch des Zuschauers zuträglich waren bzw. sind. Der Film ist mäßig spannend und mit jeder Menge persönlichem Drama inszeniert - wie das wahre Leben halt. Reese Witherspoons Darstellung hat zumindest zu einer Oscar®-Nominierung geführt... ■ mz

OT: Wild
Drama/Abenteuer
USA 2014
116 min


mit

Reese Witherspoon (Cheryl Strayed) Manja Doering
Laura Dern (Bobbi Strayed) Sabine Jaeger
Thomas Sadoski (Paul)
Keene McRae (Leif)
Michiel Huisman (Jonathan)
W. Earl Brown (Frank)
Gaby Hoffmann (Aimee)
Kevin Rankin (Greg)
Brian van Holt (Ranger) Peter Flechtner
Cliff de Young (Ed)
u.a.

drehbuch
Nick Hornby
nach den Erinnerungen „Wild: From Lost to Found on the Pacific Crest Trail“ von Cheryl Strayed

kamera
Yves Bélanger

regie
Jean-Marc Vallée

produktion
Fox Searchlight Pictures
Pacific Standard

verleih
20th Century Fox

Kinostart: 15. Januar 2015