Mittwoch, 13. Dezember 2017

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The Signal - Interview mit William Eubank


Haley und Nic auf der Flucht
© capelight/Focus Features

Intensiv, mysteriös und halbwegs originell - William Eubank, der für das preisgekrönte Science-Fiction-Drama Love verantwortlich zeichnete, inszenierte nun einen Sci-Fi-Thriller, der verschiedene bekannte Versatzstücke zu einem neuen Werk zusammenfügt und mit seinen jungen, noch relativ unbekannten Protagonisten sowie den passend platzierten, zu einem Sci-Fi-Film einfach dazugehörenden, wohldosierten Spezialeffekten wie ein kleines Indie-Abenteuer à la Chronicle wirkt.

Die Collegestudenten und Computerfreaks Nic und Jonah sind gemeinsam mit Nics Freundin Haley auf einem Trip durch den Südwesten der USA, als sie ein Signal ihres geheimnisvollen Hacker-Rivalen Nomad aufspüren. Ihre Suche führt sie in eine abgelegene, einsame Gegend Nevadas. In einem verfallenen Haus mitten im Nirgendwo glauben sie, Nomad gefunden zu haben, doch plötzlich wird Haley entführt und Jonah und Nic verlieren das Bewusstsein.

Als Nic erwacht, befindet er sich offenbar in einem von der Außenwelt isolierten Forschungslabor. Er weiß nicht, was mit seinen Freunden passiert ist und muss sich den unangenehmen Fragen eines mysteriösen Mannes stellen. Was zuerst wie eine Verwechslung aussieht, wird für die drei Freunde schnell zu einem ausgewachsenen Albtraum...

Die Renaissance der Science Fiction geht weiter. Mit kleinen Budgets erschaffen Filmemacher wie Duncan Jones (Moon), Neill Blomkamp (District 9) und Gareth Edwards (Monsters) wieder großes Kino, das mehr sein will als pure Popcorn-Unterhaltung. In dieser Reihe steht auch der junge Amerikaner William Eubank, der als Werbefilmer, Szenenbildner und Kameramann anfing und seinen viel beachteten Debütfilm Love im Garten seines Elternhauses drehte.

Seine zweite Regiearbeit ist ein außergewöhnlicher Cocktail aus futuristischem Actionthriller, raffiniertem Hacker-Abenteuer und verstörendem Mysterydrama, in dem (Alb-)Traum und Wirklichkeit miteinander verschmelzen. Diese originelle Story mit unerwarteten Wendungen hat sich Eubank zusammen mit seinem Bruder Carlyle und seinem Freund David Frigerio ausgedacht.

Vor der Kamera konnte Eubank, der Regieikonen wie Stanley Kubrick oder David Lynch zu seinen Vorbildern zählt, ein Trio an vielversprechenden Nachwuchstalenten gewinnen. Dazu zählt neben Beau Knapp (Super 8) und Olivia Cooke (Bates Motel), insbesondere Brenton Thwaites, der aktuell neben Angelina Jolie den Prinz Phillip in Maleficent – Die dunkle Fee zu sehen ist und demnächst als Jonas in Hüter der Erinnerung – The Giver zu sehen sein wird.

Mit seinen außergewöhnlichen Bildkompositionen, konnte der Film bereits auf dem Sundance Film Festival 2014 bei Presse und Publikum punkten. Eubanks weiß, wie er die Kamera einsetzen muss, denn er hatte selbst acht Jahre bei Panavision gearbeitet. Er arbeitete als Kameramann bei Filmen wie Wreckage (Horror mit Aaron Paul) oder Caught in the Crossfire und House of the Rising Sun (beides Actionkrimis von Brian A. Miller) und sammelte als Second-Unit-Regisseur in Allen Hughes' Broken City (mit Mark Wahlberg und Russell Crowe) Erfahrungen auf dem Regiestuhl.

Wie ist der Film entstanden, speziell bezüglich der Art des Erzählfilms? Sie schrieben The Signal mit zwei anderen Autoren...

Nun, mein letzter Film, Love, war eher ein Avantgarde-Projekt. Ich bin aber ein großer Fan der Twilight Zone, dessen Geschichten Rod Serling damals erzählt hatte. Ich wollte schon immer mal sowas machen - eine Geschichte mit Nichtgreifbarkeit und Fremdartigkeit, die dich fragen lässt: Was zum Teufel geht hier vor?

Ich stellte mir das Konzept eines Einzelnen vor, der in eine spezifische und extreme Situation geschubst wird, dessen wahre Natur diese Person aufdecken muss. Was mir an Filmen wie Logan's Run [Flucht ins 23. Jahrhundert] gefällt, ist, dass die Hauptfigur wie der Zuschauer ist, seine Sichtweise mit ihm teilt. Der Kinogänger fühlt sich verbunden, besonders, wenn es eine liebenswerte Figur betrifft. Ich bewundere auch, soweit wie möglich, Roman Polanskis „Über-die-Schulter“-Konzept, bei dem man mit der Hauptfigur Sachen entdeckt und darauf reagiert und der Film dadurch interaktiver wird.

Während ich also den Schnitt von Love fertigstellte, sprach ich mit meinem Freund David Frigerio und brütete mit ihm zusammen die Idee zu The Signal aus. Wir haben mit dem Schreiben des neuen Drehbuchs bereits begonnen, bevor der Schnitt fertiggestellt war. Außerdem wollte ich etwas machen, das von ein paar mehr Leuten gesehen wird als Love. [lacht]

The Signal untersucht die Ästhetik „veralteter Methodiken“. Es gibt sofort einen Kontrast zwischen Hightech und Lowtech. Man kann nachvollziehen, wo heutzutage Jeder über einen Computer hingeraten kann...

Und es gibt jemanden, der rechtmäßig mit Papier und Bleistift arbeitet, was auch erklärt wird. Damit gibt es ein Element des Rollenspiels für diese Figur, die diese benutzt. Es packt mich immer wieder, darüber nachzudenken, wie gewisse Technologien zu anderen Technologien führen, und wir dann doch in eine Routine gelangen, dieselben Dinge weiter zu benutzen.

Haben Sie beim Konzipieren des Films andere Regisseure inspiriert?

Visuell, denke ich: jene, deren Werk ich mir ansehe und sage: „Darauf ist dieser Typ aus, denke ich.“ - Ich wollte für The Signal einen geerdeten, „Schlag-aus-dem-Leben“-Anfang, damit wir dann direkt in einen bizarren Einschnitt übergehen, so Stanley-Kubrick-mäßig wie möglich, wo alles linienförmig ist, grundiert und scharf. Später (und ich weiß nicht, wie das passierte) verwandelte sich alles in Richtung David Lynch. [lacht]

Gab es irgendwelche Low-Budget-(Sci-Fi-)Filme neueren Jahrgangs, die Sie inspiriert hatten (Darren Aronofskys erster Film Π [Pi] oder Christopher Nolans Memento, den Verstand fordernde Filme)?

Ich denke immer wieder an Π, denn ich liebe den Fakt, dass der Film ein Hirnverdreher ist, der hauptsächlich in einem Raum spielt. Memento ist eine gute Referenz, aber ich habe, als ich The Signal drehte, nicht daran gedacht. Ich tendiere dazu, oft an kleines Sci-Fi zu denken, wie Duncan Jones' Moon - Geschichten, bei denen man dazu gezwungen wird, eine Handlung zu kreieren, die in einem Raum beginnt und dann ausbricht, die Wände verschwinden lässt, weil man um die Figuren besorgt ist.

The Signal unterscheidet sich darin, dass er draußen im Freien beginnt und dann ziemlich schnell irgendwoanders hinführt. Wir zwingen die Zuschauer dazu, zusammen mit Nic gefangen zu sein. Die Figur geht aus der Freiheit in die Gefangenschaft. Ich dachte dabei an Vincenzo Natalis Cube - und jeden anderen Film, der seine Hauptfigur irgendwo einschließt, und diese nicht versteht, was vor sich geht.

Nun führt uns dieser Weg zurück zu der Arbeit eines Filmemachers, der seit jeher Einfluss genommen hatte - Alfred Hitchcock. Es stellte sich heraus, dass jemand das Set besucht hatte, der mit ihm gearbeitet hatte...?

Ja, und mir wurde gesagt, dass Hitchcock bei der Arbeit immer geschäftsmäßig und auf den Punkt kommend auftrat - setzte sich, wusste genau, was er wollte, bekam, was er wollte, und ging! Das kam von einem Kameramann, der für ein paar Tage bei uns war und 1976 bei Hitchcocks Familiengrab Kameraassistent war.

Wir hatten uns einen Tag beim Mittagessen unterhalten, aber ich ahnte, dass da irgendetwas kommen würde. Es gab da nämlich eine Einstellung, die den Figuren folgt, und er hatte uns einen alten Trick verraten, wie wir ihnen folgen sollten, was allerdings mehr als nur ein Kameramitschwenk war. Er schaffte es jedoch nicht in den fertigen Film.

Es gibt eine ausgemachte Eleganz, was das Objektiv angeht, was nach Breitbild aussieht...

Ja, wir drehten im Format 2:40. Kein anderes Format erlaubt es, dem Schauspieler direkt in die Augen zu sehen. Die Darstellung kann ausbrechen. Es half auch bei anderen Einstellungen im Film, wie die Aufnahmen in New Mexico oder die Straße entlang fahren, während etwas auf einen zukommt. Es ist erst mein zweiter Film, also bin ich weiterhin noch am Lernen. Alles tendiert bei mir hin zum Visuellen. Ich habe als Kameramann angefangen und dachte immer, dass dies der Weg in den Wald des Filmemachens ist. Bei Nahaufnahmen denke ich nicht, dass Gesichter besser auf der Leinwand wirken, wenn man Stirn und Kinn ausschneidet.

Ja, Laurence Fishburne ist ein Kultschauspieler mit Präsenz und Sie unterteilen ihn stets in Gesicht und Stimme. Er ist imposant, und doch belassen Sie es für ihn in The Signal über dem Hals.

Nun, er weiß, wieviel Gewicht seine Stimme den Szenen gibt, und wie er mit dem kleinsten Ausdruck die größte Wirkung erzielt. Als wir uns jedoch das erste Mal trafen, fragte er mich, ob seine Figur den Schutzanzug den ganzen Film über tragen muss. Ich sagte »Ja.« Er fragte »Bist du dir sicher?« - »Ja.« - »Okay, ich bin dabei. Ich wollte nur sichergehen.«

Er erklärte mir, dass es seine Sorge war, dass man manchmal die Feinheiten einer Darstellung verliert. Ich sagte ihm, dass ich ihm da zustimme, aber bei der Art, wie ich filmen würde, würde ich dabei ganz nah an ihn herangehen - vermutlich recht oft! Ich sagte ihm, dass ich sichergehen würde, dass seine Feinheiten auch auf der Leinwand zu sehen sein werden, und er vertraute mir. Am Set gab es dann Momente, in denen er fast nichts sehen konnte, weil ich die Kamera direkt in sein Gesicht hielt...

Aber es war Laurence Fishburne, also wollte ich da auch richtig herangehen. Das war eine künstlerische und auch eine notwendige Entscheidung. Kombiniert man das, kommt man seinem Charakter nahe. Nachdem ich diese Entscheidungen getroffen hatte, musste ich nur noch ein paar Probleme bei der Tonaufnahme ausknobeln. Aber die Kraft, die er mitbringt, schien genau durchzustechen.

Wie verläuft sein Arbeitsprozess?

Er versucht viel. Er fragt, ob er nicht etwas anders machen oder etwas hinzufügen könne. Manche Dinge haben wir in den Film übernommen, manche nicht. Er liebt es, in den Charakter zu gehen, weiter als manch anderer Schauspieler gehen würde. Bei der Rollenwahl ist er mutig und furchtlos. Dadurch funktionieren sie auch.

Ich hatte vorher noch nicht mit einem Schauspieler seines Kalibers gearbeitet. Er hat ein großes Risiko auf sich genommen, als er sagte, er liebe das Drehbuch und würde den Film gern machen. Am Set kam er oft auf mich zu und lobte mich für meine Sicht fürs Detail. Dieses Vertrauen von ihm zu bekommen...was für ein cooler Typ.

Wie verlief der Besetzungsprozess für die anderen Rollen?

Ich ziehe es vor, Schauspieler zu finden, die die Charaktereigenschaften für ihre Rollen bereits mitbringen. Das ist sehr wichtig für mich. Brenton Thwaites hatte gerade in Australien an etwas gearbeitet und ich war in New Mexico, eine halbe Stunde zu spät für unser Skype-Treffen. Aber er war so ein netter Typ, und er besaß eine natürliche Qualität, die ich bei Nic haben wollte. Und wenn Brenton mir meine halbstündige Verspätung übelgenommen hatte, dann hatte er verdammt gute Arbeit geleistet, mir zu versichern, es sei keine große Sache. Ich dachte: Win-Win! [lacht] Es stellte sich dann heraus, dass Brenton sehr fleißig war, genau das zu vermitteln, was ich mir für seine Figur im Film vorgestellt hatte.

Macht es dieser fliegende Start mit deren Persönlichkeiten leichter für Sie, am Set zu interagieren?

Ja, denn wenn man mal kreativ auf eine Wand stößt, kann man sich gedanklich auf die reale Person beziehen: Was würde Brenton tun? Das hilft beim Regieablauf, denn man taucht in einen Charakter ein, der man bereits ist, zumal es manchmal schwer ist, einen Schauspieler davon zu überzeugen, er möge sich im Grunde selbst spielen. Ich denke jedenfalls, das schafft mehr Authentizität.

...auch wenn er und Olivia Cooke keine amerikanischen Schauspieler sind. Er ist Australier und sie ist Britin.

Ja, und beide verbergen ihre Dialekte gut, ausgenommen den einen oder anderen Take, in dem einer mal abrutscht. Ich mag Olivias natürlichen Dialekt sehr, aber ich fand, es wäre unfair, den Einen einen Dialekt haben zu lassen, und den Anderen nicht.

Sie haben ja Olivia in dem Film ganz schön umhergeschleift...

Oh, sie versteht eine Menge Spaß! Ich war auf Filmsets, auf denen es schwer war, mit den Schauspielern zu arbeiten, und sie einfach den Vorgang abgebrochen hatten, bevor man bekam, was man brauchte. Was ich an Brenton, Olivia und Beau Knapp mochte, war, dass sie ständig meinten, sie könnten es noch besser machen, und ich fühlte genauso, wünschte, ich hätte mehr Zeit. Es kann einem perfekt vorkommen - aber was, wenn es das nicht ist?

Was war für Sie das Verrückteste während des Drehs?

Dass wir es in solch kurzer Zeit [28-29 Tage] gedreht haben. Plus der Wind und Regen in New Mexico und die Sperrung der Taos Brücke, wie auch Terminator Salvation [Terminator: Die Erlösung (2009)] es tat - lediglich für einen Film unserer Größe!

Wie war Ihr Erlebnis, The Signal in Sundance als Weltpremiere zu zeigen?

Ehrlich gesagt bin ich es gewohnt, nach Sundance zu gehen. Ich ging 4-5 Mal als Kameratechniker für Panavision dorthin. Ich hatte da größtenteils gesessen und über digitale Kameras geredet - die früheren, wie die F-900, die bei Collateral beutzt wurde. Ich sehe, was um mich herum sonst noch passiert, und träume davon, dorthin zu gehen. Wenn ich nicht gearbeitet hatte, habe ich mir dort die Filme angesehen. Mein Großvater lebte zu der Zeit in Salt Lake City, und ich nahm ihn zum Dinner mit - auf Panavisions Rechnung. Er war Kameramann in der Navy. Er sagte zu mir: »Eines Tages wirst du an dem Festival teilnehmen!« Er starb vor einigen Jahren, daher hat er es nicht mehr sehen können, wie ich an dem Festival teilnahm. Es war etwas Besonderes, dort oben zu stehen und an ihn zu denken.

Sundance war nur ein Traum. Ich war überwältigt, hineinzukommen. Es fühlte sich so an, als würde ich einen Stern bekommen. Wenn Filmemachen Fortschritt bedeutet, dann ist Sundance eine Stufe, die man zu erklimmen erhofft. Ich weiß nicht, ob meine anderen Filme auch „Sundance-Filme“ werden, aber dieses Erlebnis war unglaublich, die Energie all der Leute zu spüren. Meinen Film mit ihnen zu teilen, war noch eine Stufe höher. Und er hatte solch großen Anklang gefunden. Jede Vorführung wurde zunehmend besser. Es kam mir so vor, als hätte ich die Lautstärke bei der ersten Vorführung nicht hoch genug gedreht, obwohl alle sagten, dass es großartig war. Ich drehte sie dann bei jeder Vorführung lauter. Den Film mit Publikum zu sehen, war ein besonderer Genuss - allmählich zu erfahren, an welcher Stelle es wie reagiert. Die Fragerunde hat Spaß gemacht. Den Leuten blieb die Luft weg, als sie Brenton sprechen hörten, weil sie nicht wussten, dass er Australier ist.

War es Brentons erstes Mal bei Sundance?

War es, und Beaus auch. Unglücklicherweise konnte Olivia nicht kommen.

Was gibt's als Nächstes von Ihnen?

Da schwirrt viel in meinem Gehirn herum. Da ist der militärische Actionthriller, den ich gerade mit David Frigerio zu Ende schreibe. Außerdem arbeite ich an einem Historienstück, das zu 1% aus einem Fantasyelement besteht. ■ mz | Quelle: capelight

15. Juli 2014
OT: The Signal
Thriller/SciFi
USA 2014
97 min


mit

Brenton Thwaites (Nic Eastman) Carsten Otto
Olivia Cooke (Haley Peterson) Marie Christin Morgenstern
Beau Knapp (Jonah Breck) Dirk Petrick
Laurence Fishburne (Dr. Wallace Damon) Tom Vogt
Lin Shaye (Mirabelle)
Robert Longstreet (James)
u.a.

drehbuch
Carlyle Eubank
William Eubank
David Frigerio

musik
Nima Fakhrara

kamera
David Lanzenberg

regie
William Eubank

produktion
Automatik Entertainment
Low Spark Films

verleih
capelight

Kinostart: 10. Juli 2014