Montag, 11. Dezember 2017

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Beziehungsweise New York
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Beziehungsweise New York - Interview mit Audrey Tautou


© StudioCanal

Audrey Justine Tautou, 1976 als Tochter eines Zahnarztes in Beaumont geboren, wuchs im Herzen Frankreichs, in der Stadt Montluçon, auf. Nach ihrem mit Auszeichnung bestandenen Abitur besuchte sie den Theaterkurs „Cours Florent“ in Paris. Nachdem sie in Kurzfilmen und französischen Fernsehserien (Julie Lescaut) mitgespielt hatte, erhielt sie eine Rolle in dem Film Schöne Venus, für die sie mit dem César ausgezeichnet wurde. Daraufhin bekam sie die Hauptrolle in Jean-Pierre Jeunets Die fabelhafte Welt der Amélie, der sie weltberühmt machte.

2002 spielte Tautou in Wahnsinnig verliebt eine junge Frau, die in obsessiver Liebe einem verheirateten Arzt wie eine Stalkerin folgt, obwohl dieser sie kaum zur Kenntnis genommen hat. Im selben Jahr stand sie bei Cédric Klapisch in L’Auberge espagnole vor der Kamera, sowie in Stephen Frears' Thriller Kleine schmutzige Tricks an der Seite von Chiwetel Ejiofor. Es folgten das Kriegsdrama Mathilde - Eine große Liebe sowie Klapischs Fortsetzung L'Auberge espagnole - Wiedersehen in St. Petersburg. Im Mai 2006 kam The Da Vinci Code – Sakrileg, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Dan Brown, in die Kinos. Darin ist Audrey Tautou an der Seite von Tom Hanks zum ersten Mal in einer Hollywood-Produktion zu sehen.

Danach spielte sie in den Komödien Liebe um jeden Preis und Zusammen ist man weniger allein, bevor sie 2009 in dem Film Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft die Mode-Ikone Coco Chanel während ihrer Lehrjahre verkörperte. Beinahe zeitgleich mit der deutschen Filmpremiere löste Tautou auch Nicole Kidman als Gesicht der Werbekampagne für „Chanel Nº 5“ ab. Die Regie beim Dreh zu dem neuen Werbespot für das Parfum führte Jean-Pierre Jeunet, mit dem sie schon bei „Amélie“ zusammengearbeitet hatte.

Es folgten die romantischen Komödien Bezaubernde Lügen, wo sie als Inhaberin eines Frisiersalons ins Metier ihres Karrierenstarts zurückkehrte, sowie Nathalie küsst, worin sie François Damiens schöne Augen macht, der wiederum zuvor zusammen mit Romain Duris in Der Auftragslover gespielt hat, was uns zum Tautou-Duris-Jahr 2013 führt, in dem sie mit Romain Duris bei Der Schaum der Tage und Romain Duris herumturtelte. Demnächst steht Audrey Tautou neben Mélanie Laurent und Bérénice Bejo in der französisch-belgischen Produktion Eternity des vietnamesischen Regisseurs Tran Anh Hung (Cyclo) vor der Kamera, einer Adaption des Romans „L’Elegance des Veuves“ der französischen Autorin Alice Ferney, in dem es um 3 Generationen von bürgerlich-katholischen Frauen und Kindern geht, die sich im 19./20. Jahrhundert von Mädchen zu Frauen und dann zu Witwen entwickeln, da die Männer oft in Kriegen gefallen sind.

Wie war es für Sie, in New York zu drehen?

Es war sehr schön. Ich habe versucht, meine Zeit in New York so gut es geht auszukosten. Für Cédric war es schwierig, dort zu drehen, allein wegen der Logistik. Dreharbeiten in den USA sind strengen Regeln und Bestimmungen unterworfen. Das stimmt überhaupt nicht mit der Art überein, wie wir in Frankreich drehen. Aber abgesehen davon hatte ich keine Probleme, wenn ich an mein Verhältnis zur Crew, zu Cédric oder den anderen Schauspielern denke.

In Beziehungsweise New York hat Ihre Figur an Bedeutung gewonnen. Man sieht Martine auch in Szenen, die bestimmt Kult werden, zum Beispiel wenn Sie chinesisch sprechen. War das viel Arbeit?

Es war schwierig. Ich wollte mich in dieser Szene wohl fühlen und so korrekt wie möglich sprechen, damit auch ein chinesisches Publikum nicht denkt, das sei völlig daneben. So habe ich wirklich sehr, sehr hart daran gearbeitet. Ich übte mit einem Sprachcoach. Sie hatte einen so hohen Anspruch wie ich und so haben wir fünf oder sechs Wochen lang zwei Stunden am Tag gemeinsam geprobt. Und das für zwei Minuten im Film! Ich hatte außerdem meinen Dialog auf Band aufgenommen, um alleine daran zu feilen und zu hören, wo ich noch Fehler machte. Ich wusste, mit solch einer Vorbereitung wäre ich dann in der Lage, beim Drehen dieser Szene sogar Freude zu haben. Ich konnte es nicht mehr vermasseln.

Bei Beziehungsweise New York trafen sie ja erneut auf Romain Duris, mit dem Sie gerade zusammen Der Schaum der Tage abgedreht hatten. Wie war es, zweimal hintereinander gemeinsam zu drehen?

Romain und ich hatten unmittelbar vor den Dreharbeiten zu Casse-tête chinois (Beziehungsweise New York) vier Monate lang zusammen verbracht. Das war jedoch nicht weiter problematisch: Es sind zwei so unterschiedliche Filme und Genres, mit so grundverschiedenen Regisseuren. Wenn man sich dann am Set wiedersieht, gibt es keinerlei Schwierigkeiten, sich einfach auf ein vollkommen neues Projekt einzulassen. Man vergisst sofort, was man vorher gedreht hat, und die Figuren aus dem Film davor existieren nicht mehr. Außerdem sehe ich Casse-tête chinois als einen Ensemblefilm. Daher zählte für mich vor allem die Freude, mit allen Anderen Teil dieses Abenteuers zu sein.

Kommt die große Freude an diesem Dreh auch daher, dass Cédric Klapisch den Schauspielern viel Freiraum lässt, um sich auszudrücken, zu improvisieren und kreativ zu sein?

Mir fällt es immer ziemlich schwer, herauszufinden, wie es einem Regisseur gelingt, einen Schauspieler zu führen. Tatsächlich empfinde ich es bei Cédric aber immer so, dass er uns großes Vertrauen schenkt. Er kann Schauspieler durch seine feinfühlige, zutiefst menschliche und aufmerksame Art führen. Er weiß genau, was er will, und gleichzeitig kann er gut zuhören und sagen: »Wir machen das jetzt so, wie du es gerne möchtest.« Er muss sich nicht um jeden Preis durchsetzen. Aus diesem Dialog und Austausch entsteht dann immer nur das Beste. Er ist in der Lage, das Chaos, das es im Leben einfach gibt, ins Kino zu transformieren. Außerdem ist er sehr liebevoll und gefühlvoll.

Martine hat sich ja stark verändert. So wurde aus einer zunächst angepassten, jungen Frau eine überzeugte Alternative, die nun Geschäftsfrau ist...

Sie ist noch immer alternativ, das sieht man doch noch an ihren vielen Armbändern und Leinenschuhen... Gleichzeitig ist Martine aber weiblicher geworden. Ich habe zusammen mit Anne Schotte, der Kostümfrau und Cédric diesen Look erarbeitet. Wenn man eine Figur im Alter von 20, 30 und 40 Jahren spielt, gehört einem diese Figur gewissermaßen. Meine Meinung ist natürlich keineswegs wichtiger als die von Cédric, aber ich kenne diese Figur einfach ziemlich gut. Aufgrund Cédrics sensiblen Gespürs für die Figuren ergibt sich die Kleidung, die Martine trägt, dann von selbst.

Das gilt auch allgemein für die Ausstattung und das Casting der neuen Figuren. Als ich beispielsweise den neuen Ehemann von Wendy im Film zum ersten Mal sah, fand ich diese Entscheidung großartig. Er zieht sich ein bisschen so an wie Xavier und ist seinem Wesen irgendwie ähnlich - überhaupt nicht klischeehaft, sondern sehr subtil. Darin liegt das ganze Talent von Cédric.

Als Sie sich die beiden ersten Filme erneut anschauten, entdeckten Sie dabei eine Entwicklung in ihrer Arbeit?

Nicht so sehr im Bezug auf mein Spiel, sondern vielmehr in Bezug auf meine Unbekümmertheit und meine Jugendlichkeit, die in meinen Blicken lag und die sich in meinem Gesichtsausdruck zeigt, ohne, dass ich es gespielt hätte. Das gilt auch für Cécile oder Romain, wenn ich sie wiedersehe. Das ist etwas, das man nicht spielen kann: diese Frische. Das hat mich sehr berührt.

Wie schwer war es, sich wieder in die Rolle der Martine hineinzuleben?

Eigentlich war es nicht schwer. Ich sah mir kurz vor Drehbeginn wieder die ersten beiden Filme an. Martine ist jemand, den ich sehr mag. Sie ist so komisch und ganz anders als die Figuren, die ich sonst spiele. Sie verfügt über eine starke, einzigartige Persönlichkeit. Außerdem ist sie eine Figur, die durchaus in den beiden Vorgängerfilmen sehr wichtig, aber nicht in sehr vielen Szenen zu sehen war. Ich hatte auch nur wenige Drehtage. Martine war für mich somit eine Rolle, bei der ich noch viel Spielraum entdeckte, die ich noch mit sehr viel Leben füllen konnte.

Sie ist auch eine der Figuren in der Trilogie, die sich am meisten entwickelt...

Ja. Martine ist cooler und reifer geworden mit den Jahren. Sie ist immer noch sehr zart und zerbrechlich, hat sich aber auch in ihrem Privatleben einen neuen Pragmatismus zugelegt. In Casse-tête chinois (Beziehungsweise New York) ist sie weiter gereift. Wenn man das Leben besser versteht, kann man es auch mehr schätzen. So reagiert man auch abgeklärter auf bestimmte Situationen und unerwartete Ereignisse. Und doch bekommt Martine immer noch ihre Anfälle. Das hat sich nicht geändert. Man sieht es ja auch im Film. Schon nach 30 Sekunden fängt sie zu heulen an. Und genau das mag ich so an ihr.

Cédric Klapisch sagt, dass Beziehungsweise New York das Ende der Trilogie sein wird. Glauben Sie das auch?

Ich glaube schon, weil Cédric es sonst nicht so gesagt hätte. Ich bin aber nicht traurig. Es ist ja möglich, dass er noch einmal seine Meinung ändert. Aber nur eine Fortsetzung zu drehen, hat ihn als solches noch nie gereizt. Wenn er es im Fall von L’Auberge espagnole dennoch getan hat, dann nur, weil er etwas über diese Generation zu erzählen hatte. Heute sind alle Charaktere um die Vierzig und bevor sie wieder für etwas Neues stehen können, müssten sie schon mindestens Fünfzig werden. Das ist noch viel zu weit weg, um sich jetzt damit auseinanderzusetzen. Die Fragen sind: Könnte man sich wieder für das Thema begeistern? Könnte man wieder etwas Erfrischendes entwickeln mit dieser Leichtigkeit wie in diesen drei Filmen? Auch wenn Casse-tête chinois (Beziehungsweise New York) ernster geworden ist, so bleibt es doch ein lebhafter, positiver und optimistischer Film. Also kann ich Cédric völlig verstehen und respektiere seine Einstellung.

Und wenn er in zehn Jahren wieder anrufen sollte, um eine Fortsetzung zu drehen, würden Sie dann zusagen?

Sicher. Sicher! Sicher... ■ mz | Quelle: Wikipedia/StudioCanal

1. Mai 2014
OT: Casse-tête chinois
Drama/Komödie
F 2013
117 min


mit

Romain Duris (Xavier Rousseau) Norman Matt
Audrey Tautou (Martine) Elisabeth von Koch
Cécile de France (Isabelle) Tanja Geke
Kelly Reilly (Wendy) Marie Bierstedt
Sandrine Holt (Ju)
Pablo Mugnier-Jacob (Tom Rousseau)
Margaux Mansart (Mia Rousseau)
Peter Hermann (John)
Flore Bonaventura (Babysitter Isabelle de Groote)
Li Jun Li (Nancy)
Martine Demaret (Xaviers Mutter)
Benoît Jacquot (Xaviers Vater)
Adrian Martinez (Kurierdienstchef)
u.a.

drehbuch
Cédric Klapisch

musik
Christophe Minck

kamera
Natasha Braier

regie
Cédric Klapisch

produktion
Opposite Field Pictures
Belgacom
Ce qui me meut
La Compagnie Cinématographique
Panache Productions

verleih
StudioCanal

Kinostart: 1. Mai 2014