Montag, 11. Dezember 2017

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Beziehungsweise New York
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Beziehungsweise New York - Interview mit Romain Duris


© StudioCanal

Romain Duris, 1974 in Paris geboren, entstammt einer Künstlerfamilie. Seine Mutter war Tänzerin und Malerin, sein Vater ist Architekt. Er wuchs als jüngstes von drei Geschwistern in Paris auf, besuchte nach dem Abitur eine Zeichenschule. 1993 wurde er durch Zufall von einem Casting-Director entdeckt, der an einer Pariser Schule nach Jugendlichen suchte, die der französische Regisseur Cédric Klapisch für seinen TV-Film Abschlussklasse: Wilde Jugend – 1975 besetzen wollte.

Die Tragikomödie gewann 1994 auf dem Filmfestival von Paris den Publikumspreis. Eine weitere TV-Rolle ergatterte Duris im selben Jahr, als er unter der Regie von Olivier Dahan in Frères: La Roulette rouge zu sehen war. Sein Kinodebüt feierte der Schauspieler 1996 in ...und jeder sucht sein Kätzchen, ebenfalls unter der Regie von Cédric Klapisch, mit dem er im Verlauf seiner Karriere mehrfach zusammenarbeiten sollte und der zu einem Mentor wurde.

Eine Schauspielschule besuchte Duris laut eigenen Angaben nicht, aus Angst vor dem Unterricht. »Du lernst nicht zu spielen, du nährst dich davon«, so Duris 2011 in einem Interview. Vor einem Film studiert er Bewegung und Gang seiner Figur und präferiert eher die englische Schauspieltechnik. Nach Jan Kounens Actionfilm Dobermann folgte noch 1997 der erste Erfolg mit Tony Gatlifs Tragikomödie Gadjo Dilo - Geliebter Fremder.

Nach Olivier Dahans Krimidrama Schon tot mit Benoît Magimel folgte Cédric Klapischs Science-Fiction-Film Peut-être, der Duris im Jahr 2000 eine weitere César-Nominierung als bester Nachwuchsdarsteller einbrachte. Einem breiten europäischen Publikum wurde Duris 2002 mit seiner ersten Hauptrolle in der französischen Komödie L’Auberge espagnole bekannt. Regisseur Cédric Klapisch hatte den Part des ziellosen Erasmus-Studenten Xavier, der ein Auslandsjahr in einer multikulturellen Wohngemeinschaft in Barcelona verbringt, eigens für Duris kreiert.

Im Jahr 2003 gehörte Duris zum internationalen Ensemble von James Ivorys Eine Affäre in Paris. Die Liebeskomödie mit Kate Hudson, Naomi Watts und Glenn Close in den Hauptrollen, war nur wenig Erfolg bei Kritikern und Publikum beschieden. Ein Jahr später folgte das Roadmovie Exil, die dritte Zusammenarbeit mit Regisseur Tony Gatlif, sowie die Hauptrolle in der internationalen Großproduktion Arsène Lupin, in der er an der Seite von unter anderem Kristin Scott Thomas und Eva Green den gleichnamigen berühmten Meisterdieb verkörperte.

L’Auberge espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg konnte 2005 an den Erfolg des ersten Teils anknüpfen und seinen Platz an der Spitze der französischen Kinocharts gegen Hollywood-Produktionen wie Batman Begins und Krieg der Welten behaupten. Danach folgte Jacques Audiards Drama Der wilde Schlag meines Herzens, in dem Duris als Schuldenantreiber der Mafia zwischen einer kriminellen Karriere und einer Zukunft als Pianist abwägen muss.

Als Vorbereitung für den Film erhielt Duris Klavierstunden von seiner Schwester, einer Konzertpianistin, und reduzierte während des Großteils der Dreharbeiten sein Schlafpensum. Der Lohn waren Nominierungen für den Europäischen Filmpreis und den César, jeweils als bester Hauptdarsteller, sowie der gewonnene Prix Lumière der französischen Auslandspresse. Auch außerhalb Frankreichs gab es großes Lob seitens der Fachkritik.

In dem ebenfalls von Cédric Klapisch gedrehten Episodenfilm So ist Paris spielt Duris den herzkranken Tänzer Pierre, der sich beim Warten auf ein Spenderherz in die Geschichten und in das Leben der Menschen vor seinem Balkon hineinversetzt. 2009 war er mit Patrice Chéreaus Film Persécution, in dem er an der Seite von Charlotte Gainsbourg zu sehen ist, im Wettbewerb der 66. Filmfestspiele von Venedig vertreten. Für die Titelrolle in der erfolgreichen Liebeskomödie Der Auftragslover an der Seite von Vanessa Paradis erhielt Duris 2011 seine vierte César-Nominierung. Zuletzt war er in dem zeitgenössischen Sekretärinnenfilm Mademoiselle Populaire sowie neben Audrey Tautou in Michel Gondrys skurriler Liebesgeschichte Der Schaum der Tage zu sehen. Jetzt ist er in Beziehungsweise New York erneut in die Rolle des Xavier geschlüpft.

Romain Duris lebt mit seiner französischen Schauspielkollegin Olivia Bonamy, die er während der Dreharbeiten zu So ist Paris kennenlernte, und einem gemeinsamen Sohn in Paris. Privat ist der Schauspieler ein großer Fan des Schriftstellers Charles Bukowski und der Regisseure Jim Jarmusch, Joseph L. Mankiewicz, Frank Capra, Ernst Lubitsch, John Cassavetes und François Truffaut. Ebenfalls sehr zugetan ist Duris der Arbeit von Drehbuchautor Harmony Korine und den Musikrichtungen Hip-Hop, Jazz, Funk, Electro Funk und arabischen Klängen. Auch geht er der Malerei nach und bewundert Künstler wie Jean-Auguste-Dominique Ingres, Vincent van Gogh oder Keith Haring. Seine eigenen Bilder beschrieb er als „sexuelle Arbeit aber in großen Landschaften“.

Wie war es, wieder Xavier zu spielen?

Es ist schon einmalig, wenn man als Schauspieler an einer Figur über Jahre hinweg arbeiten kann. Dabei stellen sich natürlich ganz neue Fragen: Wie soll man eine Figur weiterentwickeln, die sich in den ersten beiden Filmen vor allem durch ihre völlige Sorglosigkeit, Naivität und Unbeholfenheit auszeichnete? Und es sind ja gerade diese Eigenschaften, die Xavier so anziehend und reizvoll machen. Für Casse-tête chinois (Beziehungsweise New York) galt es, neue, aber ebenso reizvolle Aspekte an ihm zu entdecken. Cédric und ich haben dann beschlossen: Xavier trifft mehr Entscheidungen. Er steht auch dazu, selbst wenn er sich irrt. In diesen Fehlern liegt nun die Komik. Er ist voller Tatendrang und das macht ihn liebenswert. So wurde es richtig spannend, sich mit einem Xavier zu beschäftigen, der etwas älter geworden ist.

Cédric Klapisch ist mit Sicherheit der wichtigste Regisseur in Ihrer Karriere. Sie haben 7 Filme gemeinsam gedreht. Inwiefern hat sich diese Beziehung verändert?

Es ist gar nicht so einfach, das mit Worten wirklich auszudrücken, denn es ist so vielschichtig... Es hat sich eine Freundschaft entwickelt und wir haben großen Respekt voreinander. Cédric ermöglichte mir sehr früh, dass ich mich in meiner Arbeit ganz intensiv mit dem Menschlichen beschäftigen konnte. In Le Péril jeune (Abschlussklasse: Wilde Jugend – 1975) hatte ich die Möglichkeit, mich selbst und das, was ich mitbrachte in mein Spiel zu legen. Das war ebenso beruhigend wie verwirrend.

Unsere Arbeit vermischt sich mit unserer Freundschaft, weshalb ich die Entwicklung unserer Freundschaft nur sehr schwer beschreiben kann. Man wird älter, immer professioneller und versucht bei allem, was man macht (er als Regisseur, ich als Schauspieler), sich das Spontane, das Unmittelbare zu bewahren. Heute versteht es Cédric noch sehr viel besser, seine filmischen Vorstellungen umzusetzen. Ich glaube, vor 10 Jahren hätte er Casse-tête chinois (Beziehungsweise New York) so nicht drehen können. New York ist eine Stadt, in der man bei Dreharbeiten nicht improvisieren kann. Ich bin stolz auf Cédric. Wir achten und respektieren uns. Das motiviert uns auch gegenseitig, und deshalb funktioniert es so gut.

Cédric meint, dass L’Auberge espagnole der Film war, nach dem Sie wirklich Schauspieler werden wollten. Stimmt das?

Der Film zwang mich dazu, mich mit der Erarbeitung und der Entwicklung von Figuren zu beschäftigen. Das hatte ich bis dahin so nie gemacht. Ich musste an dieser Rollenpersönlichkeit arbeiten, an dem Vorleben der Figur, mich fragen, wie ihre Familie und ihre Schulzeit ausgesehen haben könnte, wie ihre Art ist, das Leben zu sehen und sich zu verhalten... Ich habe da eine komplette Figur erschaffen und wurde in diese Arbeitsweise regelrecht hineingeworfen.

Bis zu L’Auberge espagnole hatte man mir solche Charaktere wie Xavier nie angeboten. Das zwang mich dazu, daran zu arbeiten, diese Figur zu mögen und sie zum Leben zu erwecken. Im Grunde fing also alles mit Xavier an. Als ich dann an Tom in De battre mon Cœur s'est arrêté (Der wilde Schlag meines Herzens) arbeitete, verließ ich mich auf meine Arbeitsweise bei L’Auberge espagnole. Das war so, als hätte ich mir selbst Schauspielunterricht gegeben.

Cédric wollte Beziehungsweise New York erst dann drehen, wenn Sie schon selber Vater geworden sind. Half es denn, Vater zu sein, um jetzt Xavier zu spielen?

Ich glaube, man muss kein Vater sein, um einen zu spielen. Man wird ja auch nicht kriminell, um einen Gauner darstellen zu können. Natürlich kann es helfen. Beispielsweise in der Szene, wo Xavier mit seiner Tochter spielt und gleichzeitig mit seinem Verleger via Skype spricht. Dieses Chaos kennen Eitern sehr genau. Darin besteht ja die ganze Kunst des Multitaskings.

Wie war es, Audrey Tautou, Cécile de France und Kelly Reilly wiederzusehen?

Das war sehr schön. Es ist natürlich von Vorteil, dass wir diese Figuren schon zusammen gespielt haben. Denn Xavier wird auch erst durch die Augen von Martine zu dem, was er ist. Genauso schaue ich nicht auf Audrey, sondern auf Martine und ich glaube, das hilft ihr. Das Gleiche trifft auf Cécile zu.

Mit Audrey Tautou haben sie gleich zwei Filme hintereinander gedreht - Beziehungsweise New York und Der Schaum der Tage...

Es ist schon beruhigend, dass man innerhalb von drei Monaten eine andere Liebesgeschichte mit einem anderen Regisseur, aber der gleichen Schauspielerin drehen kann, ohne dass sich etwas wiederholt oder ähnelt.

Und wie verlief dann die Zusammenarbeit mit Cécile de France und Kelly Reilly?

Xavier und Isabelle verbindet eine tiefe Freundschaft, ihre Beziehung ist einmalig. Von so einer Freundschaft träumen wir alle. Zwischen Wendy und Xavier fehlte nur noch die Versöhnung. Sonst hat ihre Beziehung schon alles erlebt: die Geburt der Liebe, ihrer Erfüllung und nun ihrem Scheitern. Und ich mochte es sehr, alle Facetten dieser Beziehung zu spielen.

ln einer sehr schönen Szene steht Xavier plötzlich den drei Frauen seines Lebens, Martine, Wendy und Isabelle gegenüber. Hat Sie das berührt?

Ja, schon, weil ich sie aus der Entfernung betrachte, und sie sind alle drei so schön. Es ist verrückt, was das für Xavier bedeutet - und ich glaube auch für den Zuschauer. Alles, was sie ausstrahlen, alles, was Xavier durch sie erlebt hat, ist schwindelerregend. In diesem Augenblick fühlte ich mich fast wie François Truffauts Figur Antoine Doinel, wenn nicht gar wie eine von Truffauts Figuren aus dem Film L'Homme qui aimait les Femmes (Der Mann, der die Frauen liebte).

In Beziehungsweise New York drehten Sie auch mit amerikanischen Kollegen...

Mit den Amerikanern zu arbeiten ist ein echtes Glück. Wenn sie ans Set kommen, wissen sie, wovon sie reden, und wie sie sich vor der Kamera am besten platzieren. Das sind echte Charakterdarsteller, sie sind begeistert und stecken mit ihrer Begeisterung an.

Der Regisseur Benoît Jacquot spielt ihren Vater, für den Sie ja in Adolphe vor der Kamera standen...

Der Moment, in dem ich mit Benoît spazieren gehe, war ein ganz besonderer. Wir drehten das im Süden von Manhattan, das gerade durch den Orkan Sandy verwüstet worden war. Die Zusammenarbeit mit Benoît war sofort wunderbar, ganz natürlich, weil das Buch gut geschrieben war. Cédric und sein Team konnten sich sehr schnell an die Gegebenheiten nach dem Sturm anpassen und diese Bilder von einem fast leeren New York drehen. Das ist ja sonst in solch einer Stadt eher selten.

In der letzten Einstellung sieht man alle Figuren auf der Straße. Das ist sehr bewegend, weil man sich sagt, das ist wohl das letzte Mal, dass man sie auf der Leinwand sehen wird. Das sagt zumindest Cédric Klapisch. Was sagen Sie?

Es will nicht in meinen Kopf, dass dies das Ende der Figur von Xavier sein soll... ■ mz | Quelle: Wikipedia/StudioCanal

1. Mai 2014
OT: Casse-tête chinois
Drama/Komödie
F 2013
117 min


mit

Romain Duris (Xavier Rousseau) Norman Matt
Audrey Tautou (Martine) Elisabeth von Koch
Cécile de France (Isabelle) Tanja Geke
Kelly Reilly (Wendy) Marie Bierstedt
Sandrine Holt (Ju)
Pablo Mugnier-Jacob (Tom Rousseau)
Margaux Mansart (Mia Rousseau)
Peter Hermann (John)
Flore Bonaventura (Babysitter Isabelle de Groote)
Li Jun Li (Nancy)
Martine Demaret (Xaviers Mutter)
Benoît Jacquot (Xaviers Vater)
Adrian Martinez (Kurierdienstchef)
u.a.

drehbuch
Cédric Klapisch

musik
Christophe Minck

kamera
Natasha Braier

regie
Cédric Klapisch

produktion
Opposite Field Pictures
Belgacom
Ce qui me meut
La Compagnie Cinématographique
Panache Productions

verleih
StudioCanal

Kinostart: 1. Mai 2014