Montag, 11. Dezember 2017

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Super-Hypochonder - Interview mit Kad Merad


Dr. Dimitri Zvenka gibt Romain Faubert Nachhilfeunterricht in Sachen Liebe.
© Prokino

Kad Merad wurde 1964 unter dem Namen Kaddour Merad in Algerien geboren und wuchs in Frankreich auf. Als Jugendlicher trat er mit mehreren Bands als Schlagzeuger und Sänger auf. Seine Darstellerlaufbahn startete er im Club Me´diterrane´e, doch schon bald wechselte er ans Theater, wo er in klassischen Stücken spielte.

1991 wurde er vom Pariser Radiosender Oui FM als Moderator eingestellt. Dort lernte er Olivier Baroux kennen, mit dem er im Jahr darauf das Komikerduo Kad et Olivier gründete. Gemeinsam präsentierten die beiden die Sendung „Rock’n Roll Circus“. Mit dem Programm „La Grosse E´mission“ setzten sie ihre Karriere zwischen 1999 und 2001 im Fernsehen fort. Parallel spielte Kad Merad erste kleinere Filmrollen. Mit ihrer selbst geschriebenen Komödie Mais qui a tue´ Pamela Rose? landeten die beiden Komiker 2003 ihren ersten großen Kinoerfolg, den sie 2006 mit der Sci-Fi-Komödie A Ticket to Space wiederholten.

2004 wirkte Kad Merad als Chabert in Christophe Barratiers hoch gelobtem Film Die Kinder des Monsieur Mathieu mit. Die Rolle des Vaters in Philippe Liorets Film Keine Sorge, mir geht’s gut stellte einen mutigen Schritt ins ernste Fach dar, der sich jedoch gleich auszahlte: 2007 wurde er dafür mit dem Ce´sar als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet.

Im selben Jahr übernahm er die Hauptrolle in Olivier Dorans Komödie Pur Week-end. Als Rachid wirkte er zudem in Pierre Jolivets international beachtetem Film Kann das Liebe sein? mit. Für die Komödie Willkommen bei den Sch’tis, mit über 20 Millionen Zuschauern der erfolgreichste französische Kinofilm aller Zeiten, arbeitete er zum ersten Mal für und mit Dany Boon.

Merad scheut auch nicht davor zurück, weniger leichte Rollen anzunehmen. So war er zum Beispiel als Rivale von Jean Reno in dem düsteren Krimi 22 Bullets zu sehen und zählte 2011 zum glänzenden Ensemble des von Daniel Auteuil inszenierten Dramas La Fille du Puisatier nach dem Roman von Marcel Pagnol. Im selben Jahr gab er mit der Komödie Monsieur Papa sein Regiedebüt, in der er auch die Hauptrolle übernahm. Im Anschluss daran folgte mit FBI (Mais qui a re-tué Pamela Rose?), eine Fortsetzung des Films aus dem Jahr 2002, seine zweite Regiearbeit. Hierfür trat er erneut mit seinem Lieblingskomplizen Olivier Baroux vor die Kamera.

Anschließend traf er seinen Freund Xavier Giannoli wieder, mit dem er zum ersten Mal 1996 beim Dreh des Kurzfilms Dialogue au Sommet zusammengearbeitet hatte. Der Filmemacher bot ihm die Hauptrolle in Superstar an, einer Komödie, in der er an der Seite von Cécile de France auftritt. Ferner spielte er an der Seite von Benoît Poelvoorde in Le grand Méchant Loup, einer modernen Adaption der traditionellen Erzählung „Die drei kleinen Schweinchen“.

War sechs Jahre nach Willkommen bei den Sch’tis die Lust am Wiedersehen mit Dany Boon auf der großen Kinoleinwand so groß, dass Sie beim Super-Hypochonder mitmachen wollten?

Aber ja. Und ich denke, Dany ging es ebenso. Dann gehören natürlich noch ein gutes Thema, gute Schauspieler und die richtigen Umstände dazu, damit ein toller Film zustande kommen kann. Ich glaube, bis zum Super-Hypochonder hatte Dany einfach nicht die Geschichte geschrieben, die ein Wiedersehen ermöglicht hätte. Wir mussten also den richtigen Moment abwarten – denn es stimmt schon, dass wir als Duo sehr gut funktionieren: Wir lieben es, zusammen zu spielen. Und ich denke, dass sieht man auch auf der Leinwand.

Eine Konsequenz Ihrer Verbundenheit ist auch, dass sich das Publikum von diesem Wiedersehen sehr viel erhofft. Erhöht das den Druck im Vorfeld des Kinostarts?

Erst einmal glaube ich, dass diese Hoffnung nicht enttäuscht wird. Natürlich lastet ein gewisser Druck auf einem, wenn man sich auf einen Film wie die „Sch’tis“ bezieht, der so viel Wirbel verursachte, so viele Kinotickets verkaufte und von dem man Jahre später immer noch spricht, und dann mit einem neuen Film ankommt, in dem das damalige Duo wieder zusammen spielt. Ich denke und hoffe, dass das Publikum große Lust darauf hat, uns wieder gemeinsam zu sehen. Aber man muss bedenken, dass es hier um eine ganz andere Sache geht, um einen ganz anderen Entwurf. Wir haben nicht die alten Zutaten wiederverwendet, um dasselbe Rezept ein zweites Mal zu kochen.

Sie spielen den Arzt Dimitri Zvenka, zu dessen Patienten Romain, die Figur von Dany Boon, zählt. Dimitri ist ein sehr verständnisvoller Arzt, auch wenn er es nicht mehr mit seinem sperrigen Patienten aushält.

Es gibt ein Sprichwort in Frankreich: „Bon Fond, bon Con“ - das bedeutet in etwa: Wer ein gutes Herz hat, kann leicht zum Deppen gemacht werden. Und genau damit haben wir es zu tun. Dimitri ist ein fundamental liebenswerter Mensch. Als er sich schließlich auf diese Sache einlässt, bleibt er positiv und angenehm, obwohl er tief drinnen eine gewisse Unaufrichtigkeit in sich trägt, was mir ganz gut gefällt.

An einem Punkt des Films nimmt seine Beziehung zu Romain ein solches Ausmaß an, dass sie sogar sein Eheleben bedroht. Wie kann er das hinnehmen? Wieso zieht er seinen Patienten seiner eigenen Ehe vor? Das raffinierte Drehbuch hält die Antworten bereit. Es schafft Wahrhaftigkeit in der Beziehung zwischen Dimitri und Romain. Dieses Dilemma, das meine Figur erfährt, ist sehr interessant zu spielen.

Steckt in diesem Dimitri auch etwas von Ihnen?

Ich habe auch diesen „guten Kerl“ in mir. Aber ich lasse mir nicht zu sehr auf der Nase herumtanzen, obwohl ich mich wie Dimitri immer wieder von Gefühlen und Loyalität mitreißen lasse. Und schließlich vereint uns auch der Bart.

Haben Sie auch so penetrante „Freunde“ wie Romain?

Aber nein. Auf diesem Niveau ist das nicht möglich. Leute wie Romain können nicht in einem normalen Umfeld bleiben. Ich liebe meine Freunde, und sie sind ausreichend angenehm, um mich nicht in der Art zu belasten wie Romain.

Wie arbeiten Sie eine Figur wie Dimitri aus, jenseits des Drehbuchs?

Ich habe eigentlich mehrere „Techniken“. Grundsätzlich schaue ich immer, dass ich bei Menschen, die ich kenne, und die mich umgeben, Inspiration finde. Oft ist es mein großer Bruder Karim, der zurückhaltend, reserviert, verankert im realen Leben ist: ein Angehöriger der Mittelklasse mit Einfamilienhaus am Stadtrand. Ihn hatte ich zum Vorbild für meine Rolle des Versicherungsvertreters in Keine Sorge, mir geht’s gut von Philippe Lioret. Ich muss keine Zeit mit einem richtigen Mediziner verbringen, um einen Arzt spielen zu können – man kennt sie aus dem echten Leben. Es sind immer die Jedermanns, die mich inspirieren. Und schließlich sind es vor allem die Regisseure, die entscheiden, welche Eigenschaften die Figuren charakterisieren.

Der Super-Hypochonder ist in mehrfacher Hinsicht interessant, nicht nur wegen des Titels und weil er einen als Komödie natürlich zum Lachen bringt, sondern weil er auch tiefgreifendere Sujets anschneidet wie Freundschaft, Familie und an allererster Stelle natürlich Hypochondrie, eine ernstzunehmende Krankheit.

Zunächst muss man wissen, dass Dany ein großer Hypochonder ist und unbedingt einen Film über diese krankhafte Obsession machen wollte. Dann ist er jemand, der sehr großen Wert auf Freundschaft legt. Er ist zum Beispiel seinen Freunden aus der Kindheit gegenüber sehr loyal – und ich spreche hier nicht von Familienmitgliedern! Aber abgesehen von diesen zwei Hauptaspekten bringt der Film auch Themen auf den Tisch wie soziale Ausgrenzung oder in gewisser Weise auch Rassismus, wenn die Frage der illegalen Einwanderer aufgegriffen wird. Das zeigt seine Großzügigkeit, dass er anderen Menschen helfen will.

Alle diese Themen sind Dany lieb und teuer. Als ich das Drehbuch gelesen habe, hatte ich übrigens denselben Eindruck wie bei Willkommen bei den Sch’tis: Ich musste zwar viel lachen, aber gleichzeitig habe ich kapiert, dass er darin aus seinem Leben erzählt. Ich finde, dass alle von ihm inszenierten Filme sehr persönliche Autorenfilme sind.

Betrachtet man nur die Art und Weise der Schauspielführung, fällt auf, dass Sie von Dany Boon wirklich bemerkenswert inszeniert werden. Dimitri ist ohne Zweifel eine Ihrer gelungensten Rollen überhaupt.

Ich glaube, ich bin sein Instrument: Er nennt mich seine Stradivari! Ich liebe es, von ihm inszeniert zu werden, weil er mein Potenzial, aber auch meine Grenzen kennt. Wir nehmen uns bei der Figurenarbeit sehr viel Zeit, und wenn dann noch dazu kommt, dass er selbst mitspielt, wird es besonders interessant, weil unsere innige Verbundenheit auf der Leinwand offensichtlich zutage tritt. Für mich ist es sehr angenehm, bei der Arbeit zu experimentieren. Dany ist ein sehr akkurater Regisseur. Ich finde, mit dem Super-Hypochonder hat er eine neue Dimension als Filmemacher erreicht. Seine Schauspieler sind perfekt besetzt und er hält den Kurs. Bisweilen kommt es vor, dass Komödianten im Laufe von Dreharbeiten etwas herrenlos herumirren. Dany findet das exakte Gleichgewicht zwischen Komik und Ernsthaftigkeit. Das ist schließlich das Schwierigste überhaupt.

Man spürt dies vor allem im Verhältnis, das seine Figur Romain zu Anna hat, Ihrer Filmschwester, gespielt von Alice Pol. Man erkennt eine possenhafte Seite, aber es wird nie zotig.

Ich liebe die Szene, in der ich zu Anna nach Hause gehe und ihn in der Unterhose hinterm Fenster stehen sehe. Das ist im Drehbuch so lustig und wirkungsvoll, dass man Angst davor kriegt, es zu drehen. Bei einem solchen komödiantischen Moment darf man sich keine Fehler erlauben. Und auch hier hat Dany es geschafft, dass man lachen muss und gleichzeitig spürt, dass Dimitri absolut nicht will, dass Anna mit dieser Art von Mann ausgeht. ■ mz | Quelle: Prokino

15. April 2014
OT: Supercondriaque
Komödie
F 2014
107 min


mit

Dany Boon (Romain Faubert) Olaf Reichmann
Alice Pol (Anna Zvenka) Vera Teltz
Kad Merad (Dr. Dimitri Zvenka) Michael Lott
Jean-Yves Berteloot (Anton Miroslav) Tayfun Bademsoy
Judith El Zein (Norah Zvenka) Katrin Zimmermann
Marthe Villalonga (Dimitris Mutter) Luise Lunow
Jérôme Commandeur (Guillaume Lempreur) Marius Clarén
Valérie Bonneton (Isabelle) Christin Marquitan
u.a.

drehbuch
Dany Boon

musik
Klaus Badelt

kamera
Romain Winding

regie
Dany Boon

produktion
Pathé
Les Productions du Ch'timi
TF1 Films Production
Artémis Productions
Fortis Film Fund
Casa Kafka Pictures
Tax Shelter Film Funding
La Wallonie
Canal+
Ciné+
TF1

verleih
Prokino

Kinostart: 10. April 2014