Freitag, 15. Dezember 2017

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Alles ist Liebe


Jan als Erzengel Gabriel und Kiki im Geschenkkostüm kommen sich wieder näher.
© Henning Ferber Filmproduktion/Universal Pictures/Anne Wilk

Weihnachten ist das Fest der Liebe - zumindest soll es so sein. Da die Filmlandschaft in diesem Dezember recht vielfältig ist, jedoch zu den Festtagen keine romantische Komödie von Außerhalb in Sicht ist, dachte sich Universal wohl: Bringen wir selbst eine Weihnachtskomödie auf den Markt! Leichter gesagt als getan.

Die Messlatte liebt liegt mit Tatsächlich...Liebe! recht weit oben. Seitdem konnte kaum ein Ensemblefilm die Gefühle so hoch schweben lassen. Also nahm man sich Erfolgsregisseur Markus Goller (Friendship!, Frau Ella), die Crème de la Crème des deutschen Films (erstaunlicherweise keiner mit „Schweig“ im Namen) und die clevere Idee, einen niederländischen Kinoerfolg von 2007 passend fürs Weihnachtsfest zu adaptieren.

Weihnachten steht vor der Tür, und alle haben Ärger mit der Liebe: Kiki sehnt sich nach dem Mann für's Leben, und als er endlich vor ihr steht, kann sie ihn nicht leiden. Klaus weiß nicht, ob er seinen Viktor heiraten soll, Kerem versucht seine Familie vor dem finanziellen Ruin zu retten, Hannes will seine Clara zurück, die ihm die Affäre mit der Grundschullehrerin aber einfach nicht verzeihen kann, und Martin sucht nach der Frau, die er einst verlassen hat.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Weihnachtsmann, einem verschwundenen Kaninchen, verzweifelte Kinder und der ganz normale Wahnsinn der Vorweihnachtszeit. Über all dem schönen Chaos schweben große Fragen: Wir alle wollen Liebe, aber wie liebt man wirklich? Was passiert dann? Und ist dieses Weihnachten überhaupt noch zu retten?

»Im Grunde drehten wir fünf Filme in einem«, erzählt Regisseur Markus Goller, der fünf Erzählstränge und ein Ensemble namhafter Schauspieler unter einen Hut bringen musste. »Dass wir alle Schauspieler für das Projekt gewinnen konnten, die wir uns vorgestellt hatten«, erzählt Produzent Henning Ferber, »lag einerseits an dem schönen Buch, war rein praktisch aber nur möglich, weil wir im Februar und März gedreht haben.« In den Wintermonaten haben Schauspieler noch am ehesten freie Felder in ihren Terminkalendern. Die Drehsaison beginnt traditionell ab April. Es gab keine Luft nach hinten, alles musste genau nach Plan laufen.

Insgesamt 42 Tage standen dem Team zur Verfügung. Ein knappes Pensum, das viel Disziplin und logistisches Geschick erforderte. Und gute Wetterbedingungen. »Da hatten wir wirklich Glück«, strahlt Markus Goller noch im Rückblick, denn außer einem einzigen Regentag ganz am Schluss schien fast durchweg die Sonne. »Natürlich wäre so ein kuscheliges Winter-Wonderland mit Schnee für einen Weihnachtsfilm auch in Ordnung gewesen. Aber mir war Sonne tausendmal lieber als Matsch.«

Zumal Weihnachten, wie Henning Ferber ergänzt, hierzulande gar nicht mehr unbedingt mit Schnee assoziiert werde: »Da geht es mehr um die Deko in den Schaufenstern und die Beleuchtung an den Bäumen. Diesen ganzen Weihnachts-Klimbim wiederherzustellen, in jedem Motiv, in jedem Straßenzug, war sehr aufwändig. Das war schon fast mit einem Historienfilm zu vergleichen.«

Drehort für die Außenmotive war Frankfurt. Dafür gab es mehrere Gründe: Man brauchte einen großen Fluss, da im Film die Ankunft eines Schiffes eine große Rolle spielt. Dafür bot sich der Main an. Dann findet eine der Episoden zu großen Teilen auf einem Weihnachtsmarkt statt, wozu das Ambiente rund um den Römer perfekt passte. Der traditionelle Weihnachtsmarkt dort wurde zu einem Viertel für den Film wiederaufgebaut. Darüber hinaus ist Frankfurt ein noch relativ unverbrauchter Ort für einen Kinofilm.

Wie schon bei allen seinen vorherigen Filmen konnte Goller als Kameramann Ueli Steiger gewinnen. Der Schweizer hat u.a. die Kamera bei den Roland-Emmerich-Filmen Godzilla und The Day after tomorrow oder auch bei Austin Powers gemacht. »Steiger kommt von der amerikanischen Größe her, was ich für den Film wichtig fand, und ist trotz seiner vielen Hollywood-Referenzen kein Stück extrakandidelt«, schwärmt Goller. Ihr gemeinsames Ziel ist es immer, so viel wie möglich in eine Einstellung »reinzuhauen«, damit eine Szene möglichst in einer Einstellung funktioniert.

Welche drei Schlagwörter beschreiben für dich den Film am treffendsten?

Nora Tschirner: Melancholie, Wärme... Jetzt darf ich nur noch eins... Darf ich auch vier? Ich nehme die drei: Melancholie, Wärme und Witz. Und der Film sieht wunderschön aus. Das sind zwar mehr Wörter, aber er hat so eine... Magie! Ja, Magie gehört noch dazu.

Wie wichtig ist dir Weihnachten?

Nora Tschirner: Sehr wichtig. Ich liebe Weihnachten. Ich versuche, schon relativ früh im Dezember mit meiner Arbeit für das Jahr fertig zu sein, weil ich auch die Vorweihnachtszeit sehr genieße und dafür Zeit haben will. Letztes Jahr war ich auf bestimmt sieben Weihnachtsmärkten. Das ganze Tannengerüche-Spekulatius-Glühwein-kalte-Wetter-Ding ist absolut meins. Auch das Fest selbst. Es hat sich für mich wirklich etwas Mystisches aus der Kindheit erhalten. Ich finde Weihnachten immer noch irgendwie zauberhaft und ganz besonders.

Gab es bei dir zuhause an Weihnachten ein festes Ritual?

Tom Beck: Klar. Das gibt es immer noch, wenn ich bei meinen Eltern Weihnachten feiere. Mein Vater legt immer die gleiche Heino-Platte auf und dann kommt das Glöckchen. Er läutet also und sagt dann, er hat gerade das Christkind noch gesehen, das sei aber in diesem Moment rausgeflogen und hat die Geschenke da gelassen. Danach machen wir Bescherung. Das ist der Klassiker bei uns. Den zelebrieren wir seit 30 Jahren, und ich bestehe auch darauf, weil ich es irgendwie lustig finde, wenn so das Glöckchen ertönt und ich reinkomme und mein Vater sagt...

Es heißt, dass Regisseur Markus Goller bei den emotionalen Szenen immer sehr mitging...

Heike Makatsch: Ja, das war sehr entzückend, wie er oft mit tränenverschmiertem Gesicht hinter seiner Ausspielung hervorkam. Ich hoffe, ich darf das hier öffentlich so sagen. Aber daran merkte man auch, wann ein Moment wahr war. Und ich glaube, dass eine romanische Komödie ganz dringend wahre Momente braucht, weil man sonst wirklich sagen kann: „Liebe, Liebe, Liebe – kennen wir alles“. Wenn man diese Geschichten aber noch mal so erzählt, dass sie eine Authentizität und eine Wahrhaftigkeit haben, können sie immer wieder neu zum Leben erweckt werden. Und ich glaube, Markus ist jemand, der genau das aus den Szenen herauskitzeln kann.

Welche Kindheitserinnerungen hast du an Weihnachten?

Wotan Wilke Möhring: Dass es warm war, ja, heiß, weil wir immer echte Kerzen hatten. Und rote Wangen verbinde ich mit Weihnachten, weil meine drei Geschwister und ich total überdreht waren. Diese besondere Stimmung von Weihnachten, diese glänzenden Augen will man natürlich nun auch als Vater herstellen. Und das geht, wenn man es selbst erlebt hat als Kind.

Warum sollte man sich deiner Meinung nach den Film ansehen?

Wotan Wilke Möhring: Weil sich, glaube ich, jeder in der Vielzahl dieser Stränge und den Möglichkeiten von Beziehungen, die gezeigt werden, wiederfinden kann. Ich finde es immer gut, wenn so ein Film Dinge in die Welt da draußen trägt, mit denen die Menschen was anfangen können. Dass sie sich wiedererkennen oder sogar neu orientieren können oder auch nur darüber schmunzeln in der Erinnerung an ihre eigenen Moment. Und dafür hat der Film großes Potenzial.

Was war für dich in dem Film die größte Herausforderung?

Fahri Yardim: In dem Chaos unserer Familie, die wir spielen, eine Natürlichkeit zu behalten. Das durfte kein Bauerntheater werden. Und dennoch konnte es einen märchenhaften Anstrich bekommen, der die Liebe in diesem heillosen Durcheinander immer durchblitzen lässt. Eine verklärte Natürlichkeit zu erzählen war das Ziel.

Wie hältst du es mit den Geschenken an Weihnachten?

Fahri Yardim: Ich brauche diese Konsumterrorscheiße nicht. In der Vorweihnachtszeit meide ich die Innenstadt. Zu viele Gehirngewaschene torpedieren mein positives Menschenbild. Geschenke sammeln sich bei mir im Jahr an. Kleine Aufmerksamkeiten, das langt.

Wie schwer oder leicht fiel es dir, mit Friedrich Mücke zusammen ein schwules Pärchen zu spielen?

Christian Ulmen: Ich musste mich in das Verliebtsein erst hineinfinden, aber das muss ich auch, wenn meine Figur eine Frau liebt. Wie für Friedrich ist die Rolle ja entgegen meiner persönlichen sexuellen Ausrichtung. Ich weiß nicht, wie es Friedrich ging. Meine Rollenvorbereitung funktioniert über pure Einfühlung - ich habe keine Techniken, mit denen ich Momente herstelle. Da ich mir eine Beziehung mit einem Mann nicht vorstellen kann, war die Einfühlung durchaus ein Kraftakt, besonders, was die Körperlichkeit betrifft, letztlich hat sie aber gut funktioniert. Friedrich und ich haben es gut hingekriegt, finde ich.

Was bedeutet dir Weihnachten?

Christian Ulmen: Weihnachten ist halt nicht Ostern. Es ist ein größer angelegtes Fest. Man ist frei, muss nicht arbeiten, wird nicht behelligt von Leuten, die irgendwas wollen. Das genieße ich sehr. Weihnachten ist die einzige Zeit wo man wirklich unbesorgt um den Block fahren kann, weil nichts los ist. Weil alle weg sind und alle feiern. Und dann entsteht tatsächlich so etwas wie Besinnlichkeit.

Wie bereitet man sich auf eine solche Rolle vor? Schaut man sich Brokeback Mountain an?

Friedrich Mücke: Das hatte ich tatsächlich im Kopf, fand es aber dann doch ein bisschen albern. Deswegen dachte ich mir: Ich lasse das jetzt einfach mal auf mich zukommen. Und von der ersten Begegnung mit Christian Ulmen an hatte ich das Gefühl, dass das wunderbar funktioniert zwischen uns. Dass wir uns mögen und dass wir einen ähnlichen Humor haben. Wenn man miteinander lachen kann, ist das schon eine Menge.

Welche persönlichen Kindheitserinnerungen hast du an Weihnachten?

Inez Bjørg David: Magie! Ich liebe Weihnachten auch heute noch und versuche auch für meine Kinder, einen gewissen Zauber zu behalten. Mir hat dieses Wegträumen und die Hoffnung (auch als großes Kind), dass es wirklich so etwas gibt wie Magie, immer sehr gut getan und meine Kreativität beflügelt. Solange sich Weihnachten darum dreht und nicht um die Geschenke, ist alles gut.

Unterstützt du diese Magie, von der du sprichst, mit dem entsprechenden Weihnachtsschmuck?

Inez Bjørg David: Und wie! Ich schmücke immer viel und früh – zum ersten Advent oder zum ersten Dezember, was auch immer früher kommt. Das finde ich immer ganz toll. Die ganzen Lichter in der Stadt könnten von mir aus das ganze Jahr bleiben, und ich freue mich, wenn es im September schon Lebkuchen im Supermarkt gibt. Menschen wie ich sind schuld, dass die Industrie uns so früh mit Weihnachtsangeboten vollpumpt, ich geb’s zu!

Wie wichtig ist Ihnen Weihnachten persönlich?

Elmar Wepper: Für mich und meine Familie, also auch für meinen Bruder, war Weihnachten immer eine ganz zentrale Sache, von früher Kindheit an. Wir haben das fast ein bisschen gekultet und tun das heute noch. Seit vielen Jahren macht mein Bruder am ersten Weihnachtsfeiertag eine Gans für die ganze Familie und das Jahr darauf bin ich dann dran. Weihnachten ist bei uns also ein Familienfest. Noch eine kleine Einschränkung zum Weihnachtsmann: Ich komme ja aus Bayern und da gibt es das Christkind. Ich denke aber, der Weihnachtsmann und das Christkind werden sich schon verstehen... [lacht]

Warum sollte man sich Alles ist Liebe Ihrer Meinung nach anschauen?

Elmar Wepper: Der Film hat Tempo. Er ist lustig. Er ist witzig. Er ist charmant. Er hat viel Humor. Er ist melancholisch. Er ist traurig. Er ist spannend. Er ist aufregend. Er hat eigentlich alles. Und er dreht sich eben um das Thema, was unser Leben bestimmt: die Liebe.

Und so ist Alles ist Liebe ein Misch-Masch aus allem - sehr unterhaltsam, bietet allerdings auch nicht wirklich etwas Neues. Als Ensemble-Weihnachtsfilm ist er auf jeden Fall zu empfehlen - vielleicht sogar zusammen mit einem Weihnachtsmarktbesuch. Die Messlatte sprengt er nicht, aber das muss auch nicht sein. Hauptsache eist, man hat eine gute Zeit! ■ mz

3. Dezember 2014
OT: Alles ist Liebe
Komödie
D 2014
120 min


mit

Nora Tschirner (Kiki)
Tom Beck (Jan Müller/Silber)
Heike Makatsch (Clara)
Wotan Wilke Möhring (Hannes)
Katharina Schüttler (Simone)
Fahri Yardim (Kerem)
Friedrich Mücke (Klaus)
Christian Ulmen (Viktor)
Elmar Wepper (Martin)
Inez Bjørg David (Alice)
Bernd Herzsprung (Tom)
Anna Thalbach (Gisela)
Jannis Niewöhner (Daniel)
Milton Welsh (Yurij)
John Keogh (Helmut)
Violetta Schurawlow (Bianca)
u.a.

drehbuch
Jane Ainscough
nach dem Originaldrehbuch zu „Alles is liefde“ (2007) von Kim van Kooten

musik
Annette Focks

kamera
Ueli Steiger

regie
Markus Goller

produktion
Alles ist Liebe Filmproduktions
Henning Ferber Produktion
Universal Pictures International
Film1

verleih
Universal

Kinostart: 4. Dezember 2014