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The Bachelor Weekend


Die Kevins, Fionnan, Simon und Davin beobachten „The Machine“s Aktion.
© drei-freunde Filmverleih

Mit The Bachelor Weekend (übrigens ein toller eingedeutschter Filmtitel) liefert John Butler seinen Kinofilm-Einstand. Dabei hat er es nicht leicht, dem Thema Junggesellenabschied Originalität zuzufügen. Doch ihm gelingt es, nicht zuletzt durch die Drehbuchkooperation mit Schauspieler Peter McDonald (Über kurz oder lang, Wreckers), der sich selbst eine grandios wahnsinnige Rolle hineinschrieb.

Der wegen seiner Arbeit als Bühnenbildner auf Details versessene Fionnan (ausgesprochen: Finnóan), dessen Namensaussprache bei Fremden zu Komplikationen führt, mischt sich nach seiner Braut Ruth zu sehr in die Hochzeitsvorbereitungen ein und soll übers Wochenende durch einen Junggesellenabschied aufgelockert werden. Also beauftragt sie Fionnans besten Freund und Trauzeugen Davin, diesen zu organisiseren.

Da die beiden gern wandern, schlägt Davin (Andrew Scott ist übrigens derzeit auch in Pride zu sehen, der vorige Woche gestartet ist) seinem Freund ein Campingwochenende vor. Dass deren andere Freunde, der zurückhaltende Simon und das schwule Pärchen Kevin und Kevin von der Idee nicht so sehr begeistert sind, ist da eher kollateral zu sehen. Also wird das Ganze gut durchgeplant durchgezogen.

Allerdings gibt es, wie bei jedem cineastischen Junggesellenabschied, eine Person, die den Rahmen sprengt: Ruths Bruder, der von allen nur „The Machine“ genannt wird - ein Alphatier, das ohne Rücksicht auf Verluste handelt. Das bekommen nach kurzer Zeit auch die anderen Freunde, die zum Campingtrip mitkommen, schmerzhaft zu spüren. Simon und die beiden Kevins prallen an dem testosterongeladenen, selbstbewussten „The Machine“ ab wie ein nasser Sack: Der hochgewachsene Kerl schüchtert die anderen allein durch seine Anwesenheit schon ein.

Dennoch macht sich die Gruppe bewaffnet mit allem, was für so einen Outdoor-Trip notwendig ist, auf den Weg. Und fügt sich in ihr Schicksal, das ihnen „The Machine“ flugs mal aus den Händen nimmt: Die Handys werden eingesammelt, um einmal für zwei volle Tage „offline“ zu sein, den mitgebrachten Kompass entsorgt der inoffizielle Anführer direkt mal in einen nahegelegenen Tümpel.

Und der Spaß ist für die an Komfort gewohnten Städter noch lange nicht vorbei. Unter dem entspannenden Einfluss von Drogen und gefühlvollen Songs verliert sich in totaler Euphorie weiteres, dringend benötigtes Equipment in der Dunkelheit der wilden, irischen Natur.

Nicht nur die wilde Natur Ostirlands hält weitere Herausforderungen für die Jungs bereit. „The Machine“ wirkt als Katalysator für so manche, zwischen den Freunden schwelenden, unausgesprochenen Dinge, die abseits aller Konventionen und Kleider lautstark verhandelt werden. So gilt es nicht nur, wieder aus dem Wald, sondern auch einen Weg durch das Dickicht eigener Probleme und Emotionen nach Hause zu finden...

Auch wenn es im Drehbuch einige logistische Unklarheiten gibt, ist der Film sehr unterhaltsam. „The Machine“ bringt Schwung auf die Leinwand, ähnlich wie Stifler in American Pie. Dabei fungiert er einerseits als hyperaktiver „Ausbilder“ der Weicheier, wird jedoch andererseits auch durch das Bonding mit den fünf „Hobbits“ im Laufe des Wochenendes zum Vertrauten, der sich schließlich ebenfalls öffnet, um am Ende nicht nur die anderen zu respektieren, sondern auch von diesen respektiert zu werden.

Wer sich immer schon mal gefragt hat, was man im November in der irischen Wildnis erleben kann, der kommt hier voll auf seine Kosten. Auch Filmfans können sich an den Dialogen erfreuen, wenn diverse Filme direkt oder indirekt zitiert werden, oder auch Fans von U2, die zum irischen Volksgut gehören, wenn „The Machine“ sich als Fan outet und zum Anti-Fan Simon sagt: „Irgendwann wirst du einen U2-Song hören und in Tränen ausbrechen.“ Und dieser Simon ist übrigens kein anderer als Brendan Gleesons Sohn Brian, der bereits in zahlreichen Filmen in ähnlich kleinen Rollen zu sehen war. ■ mz

6. November 2014
OT: The Stag
Komödie
IRL 2013
94 min


mit

Andrew Scott (Davin)
Hugh O'Conor (Fionnan)
Peter McDonald (The Machine)
Brian Gleeson (Simon)
Michael Legge (kleiner Kevin)
Andrew Bennett (großer Kevin)
Amy Huberman (Ruth)
u.a.

drehbuch
John Butler
Peter McDonald

musik
Stephen Rennicks

kamera
Peter Robertson

regie
John Butler

produktion
Treasure Entertainment
Irish Film Board
Windmill Lane Pictures
Stag Productions

verleih
drei-freunde

Kinostart: 6. November 2014