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Hin und weg


Kiki und Hannes haben sich und damit die große Liebe gefunden.
© Wolfgang Ennenbach/Majestic

Den ganzen Sommer über vefolgte uns das Internetphänomen #ALSIceBucketChallenge - zum Teil bis ins eigene Leben. Nun hat sich Drehbuchautorin Ariane Schröder nicht direkt mit diesem Thema auseinandergesetzt. Es geht vielmehr darum, was man tut, wenn man eine solche gnadenlos tödliche Krankheit besitzt und wie man damit umgeht.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Mann in den Dreißigern, Hannes, der an dieser unheilbaren Krankheit leidet. Er weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat, und will nicht bis zum bitteren Ende abwarten. Doch vorher will er noch einmal eine unbeschwerte Zeit mit seinen besten Freunden verbringen - so wie immer: auf den alljährlichen Radtouren, die die Freunde gemeinsam seit der Studienzeit unternehmen. Er erzählt ihnen nicht, was mit ihm los ist, und verschweigt, warum er sich für Belgien als Reiseziel entschieden hat.

Natürlich fliegt das Geheimnis schnell auf. Die Reaktionen pendeln von Schock, Trauer, Unverständnis und Abwehr. Ist es ein Verrat an der Freundschaft, in dem er von seinen Freunden hofft, dass sie das mitmachen? Und wie verhält sich jeder einzelne der Gruppe, wenn ein Freund um einen solchen Beistand bittet? Wie verändert der nahende Tod eines geliebten Menschen den Blick auf das eigene Leben? Dies waren die Fragestellungen, die Ariane Schröder nicht mehr losgelassen haben.

Es ist ein wundervoller Film über Freundschaft, Liebe, Streit, Krankheit und zuletzt über das immer wieder brisante Thema Sterbehilfe. Es ist ein abenteuerlicher Unterwegsfilm, der an die körperlichen und psychischen Grenzen geht, denn es geht nicht nur um Hannes und sein Problem, sondern um jeden Einzelnen in der Gruppe.

Ein Mutspiel, das sie auf jeder Reise unternehmen, ist, dass jeder eine beliebige Aufgabe niederschreibt und sie dem Sitznachbarn weiterreicht. Dieser muss diese Aufgabe dann während der Reise abarbeiten - ob nun Michael als Frau verkleidet das andere Geschlecht erkunden muss oder Kiki einen Fallschirmsprung unternehmen muss.

Für einen Film mit einem solch ernsten Thema gibt es enorm viel Spaß, der jedoch eher aus dem Innern der Figuren kommt und nicht aus der Absicht, das ernste Thema herunter zu spielen. Die Figuren wirken sehr authentisch, und die Schauspieler geben ihr Bestes, diese Authentizität auch auf die Leinwand zu transportieren.

Es heißt ja für gewöhnlich: Der Weg ist das Ziel. Das ist er auch für Hannes und seine Freunde - noch einmal zusammen Spaß haben, bis schließlich das Schicksal, bzw. in diesem Fall der Sterbetermin, dem Spaß den Garaus macht. Es ist jedoch kein plötzliches Filmende, das den Zuschauer ratlos in die Realität entlässt. Es wird am Ende noch einmal ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt und schließlich gemeinsam am belgischen Strand Hannes' Leben zelebriert - zusammen mit seiner Mutter, gespielt von Hannelore Elsner, die mit dem Auto angereist war.

Die Schauspieler, allen voran Florian David Fitz, spielen grandios natürlich, dass ihre Figuren derart real wirken, dass man sich als einer von ihnen fühlt, hautnah mit dabei auf dem Road Trip von Frankfurt über die wunderbaren Landschaften bis nach Belgien. Und am Ende bleibt die Frage: Was würdest du tun, wenn du die Krankheit hättest? Oder: Wie würdest du reagieren, wenn einer deiner besten Freunde einen solchen Stunt hinlegt? Hin und weg ist großes Gefühlskino, das Spaß macht, zum Denken anregt, und nicht zuletzt die Taschentücher zurotzt. ■ mz

23. Oktober 2014
OT: Hin und weg
Drama/Komödie
D 2014
95 min


mit

Florian David Fitz (Hannes)
Julia Koschitz (Kiki)
Jürgen Vogel (Michael)
Miriam Stein (Sabine)
Volker Bruch (Finn)
Johannes Allmayer (Dominik)
Victoria Mayer (Mareike)
Hannelore Elsner (Irene)
u.a.

drehbuch
Ariane Schröder
Christian Zübert

musik
Siggi Mueller
Egon Riedel

kamera
The Chau Ngo

regie
Christian Zübert

produktion
Majestic Filmproduktion

verleih
Majestic

Kinostart: 23. Oktober 2014