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Who am I - Kein System ist sicher


Benjamin wird von Europol-Kommissarin Hanne Lindberg verhört.
© Sony Pictures

Wer bei deutschen Filmen immer gleich an die zwei Extreme Schenkelklopfkomödien oder anspruchsvolle B-Movies denkt, kann sich hier eines Besseren belehren lassen. Mit Who am I ist nicht etwa eine englischsprachige Adaption von Robert Lembkes heiterem Beruferaten gemeint, noch hat er viel mit dem klassischen Tobey-Maguire-Spider-Man-Zitat gemein (außer dass der Film ebenfalls von Sony vertrieben wurde).

Den Titel gibt in der Tat ein Pseudonym her: WHOAMI - das Pseudonym eines Hackers, der mittlerweile von Europol gesucht wird. Benjamin ist unsichtbar, ein Niemand. Dies ändert sich schlagartig, als er plötzlich den charismatischen Max kennenlernt. Auch wenn beide nach außen nicht unterschiedlicher sein könnten, so eint sie doch dasselbe Interesse: Hacken.

Gemeinsam mit Max’ Freunden, dem impulsiven Stephan und dem paranoiden Paul, gründen sie die subversive Hackergruppe CLAY (Clowns Laughing At You). CLAY provoziert mit Spaßaktionen und trifft den Nerv einer gesamten Generation. Zum ersten Mal in seinem Leben ist Benjamin ein Teil von etwas. Und sogar die attraktive Marie wird auf ihn aufmerksam. Doch aus Spaß wird plötzlich Ernst, als die Gruppe auf das Fahndungsraster von BKA und Europol gerät.

Benjamin gerät in Streitigkeiten mit seinen Hackerfreunden, denn er will die Aufmerksamkeit des weltweit berühmtesten und erfolgreichsten Hackers: MRX. Um diese zu bekommen, müssen sie aggressiver vorgehen, die Ziele höher stecken. Als Benjamin schließlich dessen Aufmerksamkeit bekommt, geraten er und seine Freunde ins Visier von Auftragskillern. CLAY löst sich auf und Benjamin macht allein weiter, um MRX das Handwerk zu legen. Als WHOAMI stellt er ihm eine Falle, doch gejagt von der Cybercrime-Ermittlerin Hanne Lindberg, ist Benjamin jetzt kein Niemand mehr, sondern einer der meistgesuchten Hacker der Welt...

Gleichzeitig hat „Who am I“ aber auch eine andere Bedeutung, die eng mit der Geschichte des Films verknüpft ist. »whoami ist ein Unix-Kommando, das man nutzt um in einem Mehrbenutzersystem die eigene Nutzer-Identität anzuzeigen. Diese Mehrdeutigkeit des Titels fanden wir super. Zum einen hat man den Hacker-Kontext, zum anderen die große Frage „Wer bin ich?“. Die zentrale Frage in vielen guten Geschichten«, erklärt Regisseur Baran bo Odar.

»Die Drehbucharbeit war wahnsinnig spannend. Wir haben viel recherchiert. Viele Hacks sind Zitate. Der Hack von Max und Stephan, um bei einem Gewinnspiel einen Porsche zu gewinnen, zum Beispiel: Das hat Kevin Poulson damals gemacht, 1974. Er hat ein Radiogewinnspiel manipuliert, in dem er alle Leitungen blockiert und sich dann selbst durchgeschaltet hat, um einen Porsche zu gewinnen. Ich hoffe die Zitate werden auch echten Hackern gefallen.«

»Ich glaube wir haben eine gute Mischung aus authentischen Hacks und fiktionaler Unterhaltung geschaffen, an der sich der technikaffine, als auch der technisch eher unbedarfte Zuschauer erfreuen kann«, ergänzt er. In der Tat hatten er und seine Mitautorin Jantje Friese einen Berater aus der Szene an ihrer Seite, der im Anschluss alles verifiziert hat. Insofern hat das alles Hand und Fuß und ist nicht einfach so aus den Fingern gesaugt worden.

Auch Hauptakteur Tom Schilling hatte sein Zoll zu tragen, sich mit der Rolle vertraut zu machen: »Wenn man eine Hauptrolle spielt, dann muss man schon wissen, was man tut, worüber man spricht. Es ist sehr schwer, Text aufsagen zu müssen, von dem man nicht weiß, was er bedeutet. Ich habe zur Vorbereitung und Einstimmung ein paar Hackerbiografien gelesen. Kevin Mitnick zum Beispiel ist ein sehr berühmter Hacker aus den USA, der eine tolle Autobiografie geschrieben hat.

Ich habe artverwandte Filme geguckt, aber auch ganz pragmatische Dinge wie einen Zehnfinger-Schreibkurs belegt. Ich war bis vor drei Jahren noch ohne Computer und habe bisher maximal mit zwei Fingern und sehr, sehr langsam geschrieben. Das wäre für die Rolle eher hinderlich gewesen. Hacker sind blitzschnell und schreiben mit zehn Fingern. Es wäre schwierig gewesen, wenn ich da irgendwie erst einmal das @-Zeichen hätte suchen müssen auf der Tastatur.«

»Who am I ist ein Thriller und muss damit in einem ganz anderen Maße visuell überzeugen als etwa eine deutsche Komödie. Die Messlatte hängt einfach sehr viel höher und sie hängt international, weil der Zuschauer dieses Genre eben vor allem aus dem internationalen Kino kennt«, meint Produzent Quirin Berg.

»Bo und sein Kameramann Nikolaus Summerer sind da zwei sehr große Künstler die hier Bilder geschaffen haben, die einen einfach absolut in den Bann ziehen. Das hat nicht nur mit der Kameraarbeit zu tun, sondern auch mit der Auswahl der Motive. Wir zeigen in großem Tempo eine Menge Locations in Berlin. Und dazu kommt als visuelles Herzstück eben noch unsere U-Bahn, in der sich die Hacker treffen.«

Max Wiedemann fügt hinzu: »Es kommt nicht so oft vor, dass in Deutschland große Thriller für ein breites Publikum produziert werden. Deshalb haben wir uns gesagt: Wenn wir das machen, dann wollen wir das richtig machen. Wir wollen keinen Thriller auf Sparflamme produzieren, sondern wir wollen den Sehgewohnheiten eines Publikums entsprechen, das sich internationale und vor allem amerikanische Thriller ansieht. Wir wollten mit den besten Schauspielern in Deutschland zusammenarbeiten. Das bestmögliche Team zusammenstellen. Ich denke, das ist uns gelungen.«

Das Team Wiedemann & Berg hat bereits 2010 mit Friendship! den erfolgreichsten deutschen Film des Jahres geliefert. Quirin Berg sagt abschließend: »Wir haben mit aller Energie an Who am I gearbeitet und es würde mich wahnsinnig freuen, wenn dieser Film sein Publikum findet. Die Franzosen machen hervorragende Thriller, die Spanier machen hervorragende Thriller, die Amerikaner sowieso, die Engländer, auch die Skandinavier. Es ist Zeit, dass wir auch einen großen Thriller Made in Germany hinbekommen.«

Meiner Meinung nach haben sie das auch grandios hinbekommen. Bei diesem Thriller stimmt einfach alles - die Schauspieler, Bild und Ton, die Musik und sogar die Geschichte an sich machen den Film zu einem spannenden Erlebnis, das sich international durchaus sehen lassen kann. Und am Ende gibt es sogar noch einen grandiosen Twist, der den Zuschauer noch rätseln lässt. ■ mz

7. Oktober 2014
OT: Who am I - Kein System ist sicher
Thriller
D 2014
103 min


mit

Tom Schilling (Benjamin)
Elyas M'Barek (Max)
Wotan Wilke Möhring (Stephan)
Antoine Monot jr. (Paul)
Hannah Herzsprung (Marie)
Stephan Kampwirth (Martin Bohmer)
Trine Dyrholm (Hanne Lindberg)
u.a.

drehbuch
Jantje Friese
Baran bo Odar

musik
Michael Kamm

kamera
Nikolaus Summerer

regie
Baran bo Odar

produktion
Wiedemann & Berg Filmproduktion
Seven Pictures
Deutsche Columbia Pictures Film Produktion

verleih
Sony

Kinostart: 25. September 2014