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The invisible Woman


Nelly spaziert mit Charles Dickens.
© Sony Pictures

Margate, England 1885. Lehrerin Nelly hastet den menschenleeren Strand entlang, um zu den Proben des Theaterstücks von Charles Dickens und Wilkie Collins zu gelangen, das ihre Schüler aufführen sollen. Sie geht, so schnell sie kann, so schnell es der Sand unter ihren Schuhen erlaubt, als ob sie etwas vergessen will, ihr Leben davon abhängt. Reverend William Benham, ein Dickens-Enthusiast, wartet ungeduldig in der Schulhalle auf sie. Als Nelly dort ankommt und die Kinder mit dem Spiel beginnen, sind ihre Gedanken jedoch woanders. Benhams behutsame Fragen bringen sie zurück zu der Zeit, in der sie Charles Dickens traf...

Im zarten Alter von 18 Jahren tingelte Nelly mit ihrer Mutter und ihren zwei Schwestern durch die Schauspielhäuser, um ihren Unterhalt durch Schauspiel zu verdienen. Dabei trafen sie auf den Autor höchstpersönlich - Charles Dickens, der seine Stücke auch selbst inszenierte und in ihnen mitspielte - ganz so, wie es Ralph Fiennes in diesem Film auch tut.

Dickens' Lebenselixier ist das Theater. Als brillanter Amateurschauspieler entfaltet er seine Gefühle auf der Bühne wesentlich überzeugender, als es ihm abseits des Rampenlichts jemals möglich wäre, denn hinter der Fassade einer umjubelten Berühmtheit verbirgt sich das kontrollierende Wesen eines emotional isolierten Mannes. Dickens ist fasziniert von der hübschen Nelly, die ihn ebenfalls bewundert. Klar, es ist ja schließlich Charles Dickens!

Die beiden beginnen eine leidenschaftliche Beziehung und Nelly wird zu Dickens' Muse. Für das ungleiche Paar hat die Liaison allerdings einen hohen Preis: Ihre Verbindung muss absolut geheim bleiben, denn der Autor ist bereits verheiratet – ein äußerst komplizierter Umstand, welcher für Nelly den Beginn eines Lebens in „Unsichtbarkeit“ bedeutet.

»Diese Frau und ihre geheime Vergangenheit berührten mich«, sagt Regisseur und Hauptdarsteller Ralph Fiennes. »Ich wollte einen Film darüber machen, wie Ellen Ternan die Geliebte von Charles Dickens wurde. Ich denke auch, der Film handelt von einer Frau, die ihre vergangene Beziehung in sich trägt, die sie für immer gekennzeichnet hat, von der sie jedoch niemals sprechen kann.«

Während der Vorbereitungen tauschten sich Fiennes und Claire Tomalin, die Autorin der Biografie „The Invisible Woman: The Story of Nelly Ternan and Charles Dickens“, oft aus, damit die Leinwandadaption so originalgetreu wie möglich vonstatten ging. Tomalin war die Erste, die der Figur der Ellen „Nelly“ Ternan Leben einhauchte. »Es ist eine erstaunliche Geschichte. Es ist die Geschichte dieser jungen Frau, die von Dickens aufgenommen wurde«, schwärmt Tomalin.

»Aber noch faszinierender war meine Entdeckung, dass sie sich neu erfand, als Dickens starb. Sie machte aus sich eine Dame und präsentierte sich 10 Jahre jünger - wie auergewöhnlich, so etwas hinzubekommen! Was mich interessierte, war, dass sie anscheinend eine Menge Frauen des 19. Jahrhunderts repräsentierte, die unsichtbar waren, die diese verborgenen Leben führten. Deswegen nannte ich es auch „Die unsichtbare Frau“. Weil Dickens sie gelehrt hatte, wie man vortäuscht, tauchte Nelly wieder auf und erfand sich neu, denn sie wollte sich nicht damit abfinden, auf ewig versteckt zu bleiben.«

Tomalin hatte das Projekt zwar unterstützt und stand beratend zur Seite, doch das Drehbuchschreiben überließ sie voll und ganz Abi Morgan (Shame, Die Eiserne Lady). Morgan entschied sich, die Struktur des Drehbuchs um eine Reihe von „kleineren Tragödien und auslösenden Momenten“ aus Tomalins Buch fließen zu lassen, die ihrer Meinung nach die Affäre bestimmten.

Die zwei bedeutendsten Fakten waren zum Einen Tomalins Enthüllung, dass Dickens und Nelly zusammen ein Kind bekommen hatten, und wie es sie als Paar beeinflusste, und zum Anderen die Entgleisung des Zuges (ein richtig erschreckender Moment in diesem ruhigen Film!), in dem sie 1885 nach Staplehurst in Kent gereist waren. Nelly wurde dort schwer verletzt, und auf die Fragen von Mitreisenden, die um Hilfe ersuchten, bemühte sich Dickens sehr darum, den Anschein zu wahren, und sagte, er reise allein. Das war der Schockmoment, auf den Abi Morgan den Film aufbaute.

»Es war sehr wichtig, das Buch zu lieben und es zu vergöttern, aber genauso zu sagen, wir werden eine Geschichte erzählen, den Bogen ihrer Liebesgeschichte«, erklärt Morgan. »Und wir stellten das dann der gegenwärtigen Geschichte des Moments, in dem sie ihr Geheimnis verrät, entgegen.«

Der Film als auch die Geschichte an sich sind eher schöngeistige Momente der Filmgeschichte und Literatur und sicher nichts für die große Masse. Der Film tut sich auch anfangs schwer, in Fahrt zu kommen. In der ersten Hälfte gibt es lange Szenen, die zum Ende hin immer kürzer werden. Bei den zwischenzeitlichen Einblendungen der im Fenster eines Zuges reflektierenden Gesichter der beiden Hauptfiguren fragt man sich bis zum tatsächlichen Ereignis, was das soll und zu welcher Zeit der Geschichte das spielt. Da fehlt einfach ein Anfang. Sicher, am Ende erkennt man: Aha, das ist Jetzt! Aber vorher ist man ständig am Rätseln.

Vermutlich wollte man damit den Zuschauer im Spiel halten, zum Mitdenken anregen, damit man bei all der Langatmigkeit nicht den Faden verliert. Der Film ist sonst auch recht dunkel, da viel abends und nachts spielt und man meist nur bei Kerzenschein zusammensaß. Da bietet sich ein abgedunkelter Raum, wie z.B. ein Kino, förmlich an. Aber auch bei den Bildern zu Beginn am Strand als auch später in einigen Einstellungen, bietet sich eine große Leinwand an.

Felicity Jones (The amazing Spider-Man 2: Rise of Electro, In guten Händen, Wiedersehen mit Brideshead) ist eine der derzeit gefragtesten jungen britischen Schauspielerinnen und trägt ihre Rolle sanft von der noch recht schüchternen 18-jährigen bis hin zur selbstbewussten Nelly der „Gegenwart“. In der Nebenrolle ihrer beschützenden Mutter ist die fabelhafte Kristin Scott Thomas zu sehen, die bereits zum dritten Mal mit Ralph Fiennes zusammengearbeitet hat (Chromophobia, Der englische Patient). Für Jones war es bereits die vierte Zusammenarbeit mit Fiennes (Page Eight, Salting the Battlefield und Cemetery Junction). Es sind in erster Linie die Schauspieler, die den Film am Leben halten. Wer auf Kostümfilme und/oder Dickens steht, der kommt hier voll auf seine oder ihre Kosten. ■ mz

23. April 2014
OT: The invisible Woman
Drama/Biografie
GB 2013
111 min


mit

Felicity Jones (Ellen „Nelly“ Ternan/Wharton Robinson)
Ralph Fiennes (Charles Dickens) Udo Schenk
Kristin Scott Thomas (Mrs. Frances Ternan)
John Kavanagh (Rev. William Benham)
Tom Burke (George Wharton Robinson)
Tom Hollander (Wilkie Collins) Axel Malzacher
Michelle Fairley (Caroline Graves)
Perdita Weeks (Maria Ternan) Mareile Moeller
Amanda Hale (Fanny Ternan)
Joanna Scanlan (Catherine Dickens)
Declan Walker (Alfred Dickens)
Michael Marcus (Charley Dickens)
Gwendolen Chatfield (Marney Dickens)
Charissa Shearer (Katey Dickens)
Jeremy Assouly (Francis Dickens)
u.a.

drehbuch
Abi Morgan
basierend auf dem Buch von Claire Tomalin

musik
Ilan Eshkeri

kamera
Rob Hardy

regie
Ralph Fiennes

produktion
BBC Films
Headline Pictures
Magnolia Mae Films
Taeoo Entertainment

verleih
Sony

Kinostart: 24. April 2014