Samstag, 16. Dezember 2017

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Für immer Single?


Ein echtes Date mit Ellie ist Neuland für Jason.
© SquareOne/Universum Film/Nicole Rivelli

Früher oder später kommt in jeder Beziehung der Punkt, glaubt Autor und Regisseur Tom Gormican, an dem es für das Paar kein Zurück mehr gibt. Entweder machen sie ernst oder sie trennen sich. In jedem Fall ist danach nichts mehr, wie es war. In Für immer Single? stehen drei Freunde an genau diesem Wendepunkt – und ihre Geschichte brachte es 2010 als eines der besten noch unverfilmten Drehbücher auf die renommierte Black List.

Gormicans Idee war die einer etwas anderen romantischen Komödie – nämlich aus der Perspektive der Jungs. Ausgangspunkt waren dabei seine eigenen Erfahrungen als Single in New York. Daraus entwickelte der Drehbuchautor die Konstellation dreier grundverschiedener Mittzwanziger, die das Leben im Big Apple in vollen Zügen genießen und beruflich wie privat noch nicht festgelegt sind.

»Unser Alltag ist heute so hektisch, dass dadurch auch unser Verständnis von Beziehungen auf den Kopf gestellt wird«, findet Tom Gormican. »Unser Film stellt die Frage, was es eigentlich bedeutet, in einer festen Beziehung zu sein. Das war der Ausgangspunkt.«

Jason ist aus heiterem Himmel verlassen worden. Dabei war ihm nicht mal klar, dass er mit dieser Frau zusammen war: Ein Mal die Woche Sex – das ist doch keine Beziehung. Für jemanden, der sich wirklich in einer Beziehung wähnen würde (so wie der Hauptprotagonist in dem Film ►Sex-up your life/OT: My awkward sexual Adventure), wäre dieser unangenehme Moment, den der Originaltitel anvisiert, ein Problem. Mehr als Sex wollte Jason sowieso nicht. Daher weg mit der Tussi, auf zum nächsten Abenteuer!

Der wichtigste Mensch in seinem Leben ist Daniel (Miles Teller, John-Cusack-Look-alike und gefühlt derzeit in jedem dritten Film zu sehen), Mitbewohner, Kollege und Beziehungsallergiker. Für Arzt Mikey bricht indes die Welt zusammen, als ihm seine Frau Vera eröffnet, dass sie ihn mit ihrem Anwalt Harold betrügt und die Scheidung will. In der WG seiner alten Freunde Jason und Daniel findet Mikey Zuflucht. Zusammen schließen sie einen Pakt, fortan Single zu bleiben. Wie es der deutsche Filmtitel offenbart, ist dieser Pakt jedoch schon bald zum Scheitern verurteilt...

Das Duo schleppt den Heimgekehrten in seine bevorzugte Aufreißerbar, wo Mikey Zeuge ihrer ganzen Kunst wird. Daniels Masche, die er mit seiner platonischen Freundin Chelsea einstudiert hat, zieht immer: Chelsea spricht die Damen auf ihre Schuhe an, um ihnen dann Daniel vorzustellen: „Er ist noch Jungfrau.“ Mikey fühlt sich fehl am Platz, wird aber trotzdem von einer attraktiven Brillenträgerin angesprochen. Er faselt von der Affäre seiner Frau, aber sie bleibt cool und gibt ihm zum Abschied ihre Telefonnummer.

Jason ist ans andere Ende der Bar abgerauscht. Die Blondine, die ihm gleich aufgefallen ist, wird gerade von einem Langweiler angequatscht. Jason setzt sich einfach neben sie, als würde er dazugehören. Ellie malt dem überforderten Verehrer aus, wohin dieser eine Drink führen wird und welch öde Zukunft vor ihnen liegt. Jason schaltet sich ein und sie spielen sich die Bälle zu. Der Loser zieht genervt ab, aber zwischen Ellie und Jason hat es gefunkt. Sie nimmt ihn direkt mit nach Hause.

Dort erlebt Jason allerdings ein böses Erwachen: Offenbar ist er an eine Professionelle geraten. Zum Glück ist Ellie eingeschlafen und Jason schleicht sich aus dem Apartment, bevor sie abkassieren kann. Als Grafiker Jason gemeinsam mit Daniel am nächsten Tag ein Buchcover präsentiert, sitzt im Meeting plötzlich sein One-Night-Stand Ellie vor ihm: Sie arbeitet für den Verlag. Das Missverständnis klärt sich auf und das Schicksal des Singlepakts seinen Lauf...

»Dieser unangenehme Moment nimmt den Standpunkt der Männer ein und verdeutlicht so den Frauen die männliche Sichtweise der Dinge«, erläutert Zac Efron, der gemeinsam mit Tom Gormican das Drehbuch weiter entwickelte und mit seiner Produktionsfirma Ninjas Runnin' Wild den Film mitproduzierte. »Aber vor allem können wir dabei über uns selbst und unsere Freunde lachen. Ich fand die Idee wirklich originell.«

»New York ist für Single-Männer die ideale Spielwiese«, schwärmt Gormican, der seine Laufbahn bei der kleinen Produktionsfirma GreeneStreet Films in Manhattan begann. »Jason und Daniel genießen ihre Unabhängigkeit: keine feste Bindung, keine Verantwortung. In ihrer jetzigen Lebensphase ist ihre Freundschaft für die beiden das Wichtigste. Wie wohl die meisten von uns gehen sie davon aus, dass sich zum richtigen Zeitpunkt schon alles fügen wird. Wenn du erst deinen Traumjob gefunden hast, kommt die Traumfrau von allein. Aber so einfach läuft das nicht.

Männer wie Frauen sind ziemlich desillusioniert von der ganzen Chose: Partnersuche, Heiraten, in konventionellem Sinn sesshaft werden. Jobs sind nach dem College-Abschluss nicht leicht zu finden, die Konkurrenz ist groß. Also konzentrieren sich erst mal alle auf die Karriere. Deshalb sind sowohl junge Frauen wie Männer wenig interessiert an tiefgehenden emotionalen Bindungen. Schon gar nicht in einer Stadt wie New York, wo das eher ein Klotz am Bein wäre.«

Mikey hingegen hat sogar geheiratet, doch seine Ehe ist gescheitert. Kann er einfach so in die Welt seiner Kumpels, die in erster Linie aus Party machen und Mädchen aufreißen besteht, zurückkehren? Da Mikey wenig Lust auf Dating hat, schlägt Jason einen Deal vor. Die Inspiration für den Pakt, den die drei Freunde schließen, stammt für Gormican aus einem echten Klassiker:

»Mir fiel dazu Shakespeares Stück „Verlorene Liebesmüh“ ein. Darin schwört eine Gruppe von Männern den Frauen ab. Als dann prompt alle die Richtige treffen, schwindeln sie einander was vor. Ich dachte mir, diese Konstellation ließe sich perfekt auf das Hier und Jetzt übertragen. Mikey wird von seiner Frau verlassen. Aber anstatt ihn zu bemitleiden, feiern seine Freunde seine Rückkehr in die Freiheit, in ihre Welt. Also schließen sie diesen Pakt, sich auf keine Frau mehr einzulassen.«

Doch der Plan geht nicht auf: Wenig später lernen alle drei echte Traumfrauen kennen. »Und so lügen sie sich gegenseitig in die Tasche«, sagt Gormican. »Sie verleugnen ihre Gefühle – ist doch alles nichts Ernstes! Aber schließlich fliegt alles auf, und die drei müssen einsehen, dass ihre Abmachung albern und nichtig ist. Es wird Zeit, sich einzugestehen, dass die wilden Zeiten vorbei sind. Feiern ist nicht mehr das Wichtigste in ihrem Leben. Im Kern ist Dieser unangenehme Moment eine durchaus realistische Coming-of-Age-Komödie über Twentysomethings.«

Tom Gormican verpasst der typischen Junge-trifft-Mädchen-Story einen cleveren Haken, indem er Jason auf Ellie treffen lässt. Auf den ersten Blick ist sie nicht gerade seine Traumfrau. »Romantische Komödien (und übrigens auch viele Dramen) folgen seit jeher der Genre-Regel, dass zwei Menschen nicht gleich bei der ersten Begegnung zusammenkommen dürfen«, sagt Gormican.

»Zuerst können sie sich nicht leiden. Aber das erschien mir unglaubwürdig, insbesondere in einer Metropole wie New York oder auch Los Angeles. Heute läuft es doch so: Man lernt jemanden kennen, verbringt eine tolle Nacht miteinander, und dann entwickelt sich mehr daraus. Ich bin gewarnt worden: In einem Film könne ich das so unmöglich bringen – aber warum denn eigentlich nicht? Das ist schließlich die Realität und heißt doch noch lange nicht, dass die Betreffenden Flittchen sind. Es bedeutet lediglich, dass sich in dieser Nacht zwei Menschen gefunden haben. Und das hat ein Nachspiel.«

In Jasons Fall ist ein peinliches Missverständnis die Folge, das seine Chancen bei Ellie beinah im Keim erstickt. »Er vermasselt's, weil er ein Blödmann ist«, kommentiert Gormican. »Das ist absolut realistisch, da brauche ich nur an mich selbst und meine Freunde zu denken. Es ist doch fast immer der Typ, der sich doof anstellt, wenn er eine Frau kennen lernt. Wie sie sich dann wiedertreffen, das ist klassische Situationskomödie. Und im Endeffekt stellen sie fest, dass sie eigentlich gut zusammenpassen.«

Jason, Daniel und Mikey werden sich im Verlauf des Films noch öfter ganz schön selbst im Weg stehen, ehe sie begreifen, was sie wirklich wollen. »Diese Generation hat das Thema Beziehungen für sich neu definiert«, betont Tom Gormican. »Wir leben in einem völlig neuen Datingkosmos. Aber was nützen uns all die Instagram-Fotos, die Chatrooms, die endlosen SMS und Facebook? Was eine echte Beziehung ausmacht, ist doch, dass man auch in schweren Zeiten füreinander da ist. Daran glaube ich fest. Das ist das eigentliche Thema des Films, und damit kann sich jeder identifizieren.«

Für immer Single? ist mehr oder weniger die männliche Antwort auf Sex & the City und zeigt das alltägliche Treiben geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit in einer romantischen Komödie, die hauptsächlich ein weibliches Publikum anvisiert - die zahlreichen Nahaufnahmen von Zac Efrons knopfäugigem Gesicht sind ein Zeichen dafür - genauso wie die aufgewärmten Gags des Pinkelns mit einem „Ständer“ und das Durchforsten eines Sexshops (Jasons 2. Missverständnis führt auf Ellies Party für Aufsehen und zeigt mal wieder die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Mann und Frau auf).

In diesem Jahr bereits zum 3. Mal zu sehen ist die quirlige Imogen Poots, die uns bereits in Need for Speed und A long Way down aufgefallen ist. Neben dem eher blassen, aber dennoch coolen Zac Efron, sind sie und Karrierenstarterkollege Miles Teller die eigentlichen Vorantreiber des Films, die dafür sorgen, dass wir gut unterhalten werden.

Michael B. Jordan spielt den gebeutelten Dritten im Männerbunde, der sich als afro-amerikanischer Faden durch den Film schlängelt, dabei zwar gut spielt, aber irgendwie ständig seine Sympathiepunkte in der Hosentasche behält. Da bleibt für den, hauptsächlich aus TV-Serien (The Wire, Friday Night Lights, Parenthood) bekannten, Schauspieler nur zu hoffen, dass er in dem (schon wieder einer!) Neustart der Fantastic Four-Franchise als Johnny Storm a.k.a. Die menschliche Fackel besser punkten kann... In Chronicle - Wozu bist du fähig? konnte er immerhin schon einmal Superheldenpunkte sammeln.

Für immer Single? unterhält zwar ganz gut, und die beiden Hauptdarsteller sind sowieso immer wieder eine Augenbraueweide, doch zumindest das männliche Publikum wird sich hier eher langweilen, auch wenn hier und da ein paar ordentliche Gags eingebaut sind. Als Date-Movie ist der Film jedoch gut zu gebrauchen - auch, um sich nur mit dem Partner zu beschäftigen. ■ mz

23. April 2014
OT: That awkward Moment
Komödie
USA 2014
94 min


mit

Zac Efron (Jason) Daniel Schlauch
Miles Teller (Daniel)
Michael B. Jordan (Mikey)
Imogen Poots (Ellie)
Mackenzie Davis (Chelsea)
Jessica Lucas (Vera)
Addison Timlin (Alana) Farina Brock
Josh Pais (Fred)
Evelina Turen (Sophie) Jacqueline Belle
Karen Ludwig (Mrs. Rose) Manuela Renard
u.a.

drehbuch
Tom Gormican
Zac Efron

musik
David Torn

kamera
Brandon Trost

regie
Tom Gormican

produktion
Treehouse Pictures
Aversano Films
What If It Barks Films
Ninjas Runnin' Wild Productions
Virgin Produced

verleih
Square One/Universum Film

Kinostart: 24. April 2014