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Lone Survivor


Das Navy SEALs-Einsatz Team für die Operation „Red Wings“:
Michael Murphy, Marcus Luttrell, Matt Axelson, Danny Dietz
© SquareOne/Universum Film

Die Geschichte des Films beginnt im Juni 2005. Petty Officer Marcus Luttrell und seine Kameraden des SEAL-Teams 10 vertreiben er sich die Zeit auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram in Afghanistan mit Wettrennen und Training. Wer zuhause in den USA Familie hat, chattet morgens nach dem Aufstehen kurz mit Frau oder Freundin, und wenn einer der jungen Neulinge sich vor versammelter Mannschaft zum Einstand tanzenderweise unter Beweis stellen muss, ist die Stimmung unter den Männern geradezu ausgelassen.

Als Lieutenant Commander Erik Kristensen allerdings bekannt gibt, dass die Operation „Red Wings“ grünes Licht bekommen hat, gewinnt die Situation an Ernst. Ein aus vier Navy SEALs bestehendes Team soll Ahmad Shah ausfindig machen, ein ranghohes Taliban-Mitglied, das für den Tod zahlreicher US-Soldaten verantwortlich gemacht wird und sich in einem entlegenen Dorf der Gebirgsregion Kunar verstecken soll.

Die Mission klingt so einfach, dass Luttrell Klapperschlangen und giftige Pflanzen für die größten Gefahren hält: Von einem in ausreichender Distanz gelegenen Berg aus sollen sie den Gesuchten identifizieren und alle zwei Stunden über eine sichere Funkleitung Kontakt mit der Basis halten, während genug Verstärkung in Flugnähe bereit steht.

Noch am gleichen Abend bricht das kleine, aus vier erfahrenen Scharfschützen bestehende Team auf: neben Luttrell als Sanitäter der Operation auch Lieutenant Michael Patrick „Murph“ Murphy als deren Einsatzleiter, der für die Wegplanung verantwortliche Second Class Petty Officer Matthew „Axe“ Axelson sowie Gunner’s Mate Second Class Danny P. Dietz jr. als Funker.

Der nächtliche Aufstieg ist zwar beschwerlich, verläuft allerdings zunächst reibungslos. Als das Team im Morgengrauen auf dem Gipfel oberhalb des Dorfes ankommt, liegt es so gut im Zeitplan, dass Kristensen und seine Männer an der Basis sich sogar guten Gewissens zum Schlafen zurückziehen und an die Tagesschicht übergeben. Doch schon bald zeigt sich, dass es dort oben nicht nur praktisch keinen Funkempfang gibt, sondern auch der Einblick in Shahs Versteck nicht annähernd so gut ist wie erhofft.

Kurz entschlossen wechseln Murph, Luttrell und die beiden anderen eigenmächtig ihre Position, was die Sicht durchs Fernrohr tatsächlich erheblich verbessert. Spätestens nun haben sie Gewissheit: Nicht nur befindet sich die Zielperson unter den Männern im Dorf, sondern mit ihr auch gleich eine ganze Heerschar bewaffneter Kämpfer.

Wie aus dem Nichts taucht plötzlich eine Herde Ziegen nahe dem Versteck der Soldaten auf – und damit auch drei Hirten: ein alter Mann, ein Jugendlicher und ein kleiner Junge. Als sie die Amerikaner entdecken, bleibt denen nichts anderes übrig, als die drei zu überrumpeln. Sind sie nur unschuldige Zivilisten, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind oder doch Spione der Taliban, die deswegen auch ein Funkgerät dabei haben?

Als die Männer nun eine folgenschwere moralische Entscheidung treffen müssen, überschlagen sich die Ereignisse: Kommunikativ abgeschnitten von ihrer Einheit sehen sich die Soldaten innerhalb kürzester Zeit einer Übermacht von Taliban-Kämpfern gegenüber. Ohne jede Fluchtmöglichkeit müssen sie sich in dem unwegsamen Gebiet der Berge Afghanistans einem schier aussichtslosen Kampf stellen, der sie nicht nur physisch, sondern auch mental an die Grenzen des menschlich Erträglichen führt...

Als das Buch „Lone Survivor: SEAL-Team 10 Einsatz in Afghanistan. Der authentische Bericht des einzigen Überlebenden von Operation Red Wings“ von Petty Officer First Class Marcus Luttrell und seinem Mit-Autor Patrick Robinson im Jahr 2007 erschien, dauerte es nicht lange, bis es die Spitze der Sachbuch-Bestsellerliste der New York Times eroberte.

Die wahre Geschichte erregte das Interesse von Filmemacher/Schauspieler Peter Berg, als ihm seine Produktionspartnerin Sarah Aubrey von Film 44 ein Exemplar des Buches in die Hand drückte. Obwohl er sich mitten in der Produktion seines späteren Blockbusters Hancock (2008) befand, ließ er es sich nicht nehmen, in der Mittagspause durch das Buch zu blättern. Schon nach wenigen Minuten war er so fasziniert, dass er die Tür seines Trailers abschloss und das komplette Buch in einem Rutsch durchlas.

Berg selbst erklärt, dass er sich in der Wahl seiner Projekte vor allem an Themen orientiert, die man besonders mit Sport und Militär assoziiert. Schon immer interessierten ihn dabei die Gründe, warum Männer und Frauen sich freiwillig fürs Gemeinwohl in Gefahr geben. Die Erlebnisse der SEALs brachten Themen auf, denen sich der Regisseur in seinen Filmen immer wieder gewidmet hatte.

»Diese Geschichte handelt davon, wie man zusammenarbeitet für eine Sache, die größer ist als das eigene Ego, größer als das Individuum«, erklärt Berg. »Sie erzählt davon, wie eine Gruppe von Männern zusammenfindet, sich gegenseitig beschützt und um einander kümmert. So erreichen sie als Team eine Stärke, die sie alleine nie gehabt hätten. Genauso sehr wie von den 19 Menschen, die an jenem Tag in Afghanistan auf tragische Weise ums Leben kamen, handelt Marcus’ Buch aber auch ganz allgemein von Kameradschaft, Verzicht und Gemeinschaftszusammenhalt.«

Berg und Aubrey wandten sich umgehend an Marcus Luttrell, um über die Möglichkeit zu sprechen, die Geschichte der SEALs auf die Leinwand zu bringen. »Peter und ich trafen ihn in Austin«, erinnert sich Sarah Aubrey. »Als er den Raum betrat, entpuppte er sich als Berg von einem Mann, was für sich genommen schon beeindruckend wirkte. Aber zu wissen, dass er ein Navy SEAL ist und diese schier unmenschlichen Strapazen überlebt hat, ließ uns noch ehrfürchtiger werden. Im Gespräch machte er dann unmissverständlich klar, dass er die Erinnerung an die Männer ehren wolle, die an seiner Seite gestorben waren. Wir wussten, dass wir in diesem Punkt wirklich ganze Arbeit leisten mussten, sonst würde es Ärger geben. Er würde nicht zulassen, dass wir etwas Halbherziges abliefern.«

Berg und Luttrell verstanden sich auf Anhieb gut. Bei einem ihrer Treffen zeigte Peter Berg dem Kriegsveteran einen Rohschnitt seines damals gerade in Arbeit befindlichen Films Operation: Kingdom, was für Luttrell letztlich den Ausschlag gab. Er war sich sicher, dass es diesem Regisseur gelingen würde, die Geschichte auf die Leinwand zu bringen und ihr gerecht zu werden.

Luttrell wusste Bergs geradezu militärische Detailversessenheit ebenso zu schätzen wie seine Guerilla-Art des Drehens, doch er bestand darauf, dem Filmemacher die Rechte an dem Buch nur zu übertragen, wenn er die Geschichte seiner Kameraden respektvoll erzählen würde. Denn Luttrells Hoffnung war, dass Kinogänger auf der ganzen Welt die damals auf dem Berg in Afghanistan getroffenen Entscheidungen zu verstehen beginnen würden. Nach einem bierseligen Abend, der die beiden Männer zusammenschweißte, und Luttrells wenig verhohlener Drohung, dass Berg sich im Fall der Fälle vor über 1.000 SEALs würde rechtfertigen müssen, hatten die beiden einen Deal.

Die regelmäßigen Treffen der beiden Männer führten zu einer tieferen Freundschaft und zogen auch Gespräche mit vielen uniformierten Männern und Frauen nach sich, die damals in die Operation „Red Wings“ und die Rettungsaktion involviert waren. »Ich verbrachte nicht nur viel Zeit mit Marcus, sondern interviewte auch zahllose andere Beteiligte«, betont Berg im Hinblick auf sein Bemühen, die Geschichte korrekt zu erzählen. »Ich kann versichern, dass ich meiner Sorgfaltspflicht mehr als nachgekommen bin.«

Obwohl sich Berg keine Illusionen machte über den beträchtlichen Druck, der realen Geschichte gerecht zu werden, konnte er es kaum erwarten, sich so intensiv wie möglich auf die Lebensgeschichten dieser Soldaten und ihrer Verwandten einzulassen. »Natürlich war die Erwartungshaltung seitens der Familien und der SEAL-Gemeinschaft groß«, berichtet er. »Und dann kündigte Marcus auch noch an, dass er für einen Monat bei mir einziehen werde, ob ich das wolle oder nicht. Er wollte sicherstellen, dass ich auch wirklich verstand, was sich dort auf dem Berg abgespielt hatte.«

Um die Hinterbliebenen der bei jener Operation ums Leben gekommenen Soldaten zu treffen, reiste Berg außerdem durch das ganze Land und gibt freimütig zu, dass es nicht zuletzt diese Begegnungen waren, die ihn haben realisieren lassen, dass Lone Survivor die bislang größte Herausforderung seines Lebens darstellte: »Ich kann mir nur ausmalen, wie viel es diesen Familien bedeutet, dass die Geschichten ihrer Söhne in unserem Film weiterleben.«

Anfang 2010 machte sich Berg auf in den Nahen Osten, wo er als Teil eines SEAL-Zugs im Irak nahe der syrischen Grenze stationiert war. Einen Monat verbrachte er in einer kleinen Wüstenbasis mit einem Team aus 15 Soldaten, während er mit der mühevollen Aufgabe des Drehbuchschreibens begann. So bekam er einen ganz besonderen Einblick in den Alltag einer Welt, die Zivilisten sonst verschlossen bleibt. Er begleitete die Soldaten bei ihren Nachtwachen und beobachtete genau, wie die Männer miteinander umgingen.

»Ich weiß gar nicht, ob mir so etwas heute überhaupt noch erlaubt würde«, meint Berg. »Aber vor einigen Jahren war es noch möglich. Und jeder dort war mir gegenüber sehr entgegenkommend. Man bat mich nur, gewisse Taktiken und Strategien nicht zu enthüllen, und zu respektieren, dass gewisse Geheimsachen eben auch wirklich geheim bleiben müssen - woran wir uns natürlich auch in dem Film gehalten haben.«

Die sonst bestenfalls erfahrenen Kriegsreportern zukommende Ehre, so nah an die Soldaten heranzukommen, nahm Berg nicht auf die leichte Schulter. Und kann seither gleich mit einigen weit verbreiteten Missverständnissen aufräumen: »Inzwischen weiß ich, dass Navy SEALs definitiv keine Übermenschen sind. Sie sind noch nicht einmal unbedingt die größten oder schnellsten oder stärksten. Aber allen gemein ist eine unglaubliche Charakterstärke. Sie haben alle einen eisernen Willen und ein ausgeprägtes Ehrverständnis.«

Genauso viel Respekt bringt der Filmemacher aber auch den Bewohnern des Paschtunen-Dorfes entgegen, die Luttrell damals retteten. Mit Blick auf jenen Mann, der Luttrell zu seiner Zeit schwer verletzt fand, sagt Berg: »All die Dinge von denen Marcus spricht (Disziplin, Ehrenkodex, Hingabe und ein unerschütterliches Glaubenssystem), hat Gulab auch. Wenn man vom Willen eines Kriegers spricht, dann ist er dafür ebenso ein Paradebeispiel.«

Als es dann soweit war, die Besetzung des Films zusammenzustellen und mit der Produktion zu beginnen, wurde der Druck von außen auf Berg größer denn je. Marcus Luttrell erinnert sich: »Pete tat mir fast schon leid, denn er bekam wirklich von uns allen was zu hören. Immer wieder haben wir ihm eingebläut: Vermassele das bloß nicht! Aber ich glaube, dass ihn genau das auch befeuert hat. Der Film ist so großartig geworden und die Menschen reagieren so stark darauf, weil er wirklich 110 Prozent gegeben hat. Und das vermutlich, weil er anderenfalls um sein Leben fürchtete.«

Mark Wahlberg war als Produzent und auch als Darsteller von dem Drehbuch begeistert und gibt freimütig zu, wie sehr ihn die Selbstlosigkeit sowohl der Navy SEALs als auch der afghanischen Dorfbewohner bis ins Mark berührten: »Was diese Geschichte so besonders macht, sind der Zusammenhalt und die Kameradschaft zwischen den Soldaten, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des derzeitigen Zustands unserer Welt. Doch am meisten bewegt hat mich der Heldenmut von Gulab und seinen Nachbarn. In dieser Hinsicht ist die Geschichte unglaublich inspirierend und gibt mir wirklich Hoffnung für unsere Welt.«

Zu wissen, dass Marcus Luttrell dem Film beratend zur Seite stehen würde, erwies sich als großer Bonus, wie Wahlberg berichtet: »Ich fand es großartig, mich mit Marcus über seine Beziehung zu diesen Jungs zu unterhalten. Es tat ihm immer gut, darüber zu sprechen, wie sehr sie sich alle liebten und wie eng ihre emotionale Verbindung war.«

Peter Berg merkt dazu an, dass es bei den Dreharbeiten alles andere als luxuriös zuging, sondern eher nach dem Motto „zurück zu den Wurzeln“ lief. Genau wie alle anderen musste also auch Mark Wahlberg ohne jeden Komfort auskommen: »Die meisten der Jungs fanden das richtig gut, dass es bei uns so zupackend zuging. Wir mussten jeden Tag mit einem Sessellift zum Set hochfahren, und natürlich musste auch Mark da mit anpacken und Equipment schleppen. Anders wäre das nicht gegangen. Und in der Mittagspause gab es für jeden ein Sandwich, mit dem man sich unter einen Baum setzten konnte.«

Für Luttrell war es, wie er zugibt, ein seltsames Gefühl mit anzusehen, wie jemand anderes in seine Haut schlüpfte: »Wahlberg ist ein absoluter Vollprofi und ein toller Schauspieler. Anfangs war es trotzdem komisch zu sehen, wie er versuchte, mich zu spielen. Aber wir haben uns viel darüber unterhalten, und ich hatte keinen Zweifel daran, dass er seine Sache gut machen würde. Bei den anderen Jungs machte ich mir schon eher Sorgen, denn die sind ja nicht mehr unter uns und konnten so nicht für sich selbst sprechen.«

Auch Taylor Kitsch war sich bewusst, dass er einen echten Kriegshelden spielte, der sich an der Front hoch verdient gemacht hatte. Murphy wurde posthum mit der höchsten Ehrung des US-Militärs, der Tapferkeitsmedaille, ausgezeichnet, als erster Soldat des Afghanistankrieges. Außerdem wurde zu seinen Ehren ein Navy-Zerstörer auf den Namen USS Michael Murphy getauft. Die Erinnerungen an diesen Mann lasteten also durchaus schwer auf Kitschs Schultern.

»Dem konnte man sich zu keinem Zeitpunkt entziehen«, sagt der Schauspieler mit Blick auf die Verantwortung, die mit dem Projekt einherging. »Und ich bin mir sicher, dass es meinen Kollegen genauso ging. Man konnte nur versuchen, alles Erdenkliche zu tun, ihr gerecht zu werden.«

Um die Schauspieler auf Herz und Nieren zu prüfen, stellte Peter Berg ein Eliteteam aus SEALs und ehemaligen Soldaten, darunter Mitarbeiter von Luttrell, zusammen, das genau wusste, was es brauchte, damit das Ensemble glaubwürdig wirken würde. Die Worte „intensiv“ und „anstrengend“ reichten dabei kaum aus, um das Trainingsprogramm der Schauspieler zu beschreiben. Dabei ging es nicht nur um Kraft- und Fitnessübungen, sondern auch um Waffen- und Funktraining sowie taktische Teamübungen.

Was genau das (selbstverständlich verkürzte) SEAL-Training brachte, beschreibt Marcus Luttrell: »Wir haben die Jungs wirklich hart ran genommen und auf ganzer Linie gefordert. Das hat sie als Team zusammengeschweißt. Man konnte richtig dabei zusehen, wie sie im Laufe dieses Trainings zu einer Einheit wurden. Und es hat sich gelohnt, denn in ihren Bewegungsabläufen und beim Schießen sehen sie sehr glaubwürdig aus. Sie haben verdammt gute Arbeit geleistet.«

Mark Wahlberg gibt freimütig zu, dass dieses Training das Maximum war, was er je an Vorbereitung für eine Rolle über sich hat ergehen lassen müssen. Taylor Kitsch, der vor Beginn der Dreharbeiten zwei Monate lang im kanadischen Neufundland war, startete mit Hochleistungeinheiten und Lauftraining, bei dem er Panzerwesten trug.

Er erinnert sich noch genau an die Friss-oder-stirb-Haltung, die im Trainingscamp herrschte: »Gleich an den ersten drei Tagen Feuergefechte, das war wahrlich kein Spaß. Es ging sofort ans Eingemachte, und wir versuchten uns so schnell und so gut wie möglich an die Situation anzupassen. Der Lernprozess war unglaublich intensiv. Und wir erlebten bei den SEALs jene Mentalität des Nicht-Aufgebens, die auch die echten Kämpfer damals ausmachte.«

»Wir waren tagelang am Schießstand und haben nicht nur Combatschießen geübt, sondern auch das taktische Funktionieren als Team in solchen Situationen«, berichtet Ben Foster. »Am Anfang wusste ich noch nicht einmal, wie diese ganzen Waffen heißen, mit denen wir da umgehen mussten. Doch am Ende konnten wir blind die Magazine wechseln.« Schwerer war es für ihn dagegen, auch im Angesicht der Gefahr die innere Ruhe zu finden: »Das Metier der Scharfschützen ist wirklich einzigartig. Sie sind unglaublich ruhig und geduldig. Das entspricht so gar nicht meinem eigenen Charakter.«

Nach Jahren der Vorbereitung und Monaten des Trainings begannen die Dreharbeiten im Oktober 2012 in den Sange de Cristo Mountains des Santa Fe National Forest, in einem Skigebiet nördlich von Santa Fe in New Mexico. Allein acht Drehtage fanden in den Bergen in einer Höhe von rund 3.500 Kilometer statt, an Orten mit Namen wie Antenna Ridge, Raven’s Ridge, Benny’s Jump oder Loggers Cliff. Die Temperaturen dort bewegten sich selten über drei oder vier Grad Celsius. Insgesamt fand das Team in jenem Nationalforst zehn verschiedene Locations, um den afghanischen Hindukusch nachzustellen.

Dass diese Bedingungen sowohl für die Schauspieler als auch für die Crew gleichermaßen eine Herausforderung darstellten, versteht sich von selbst. Doch angesichts der Bedeutung des Projekts beschwerte sich kaum jemand über die Strapazen. »Es gab ein paar Tage, an denen ich am liebsten aufgegeben hätte«, gibt Mark Wahlberg zu. »Aber dann denkt man wieder daran, was Marcus, Axe, Murphy und Dietz damals durchgemacht haben, genau wie all die anderen tapferen Männer vor und nach ihnen. Dann weiß man wieder, dass man sich einfach zusammenreißen und da raus gehen muss, um sie stolz zu machen.«

Deutlich weniger mühsame Bedingungen herrschten in Chilili, New Mexico, südöstlich von Albuquerque. Die dortigen Waldregionen dienten als Location für die Kampfszenen, außerdem wurden dort die Shah- und Paschtunen-Dörfer gebaut, in denen Gulab Luttrell versteckt und die Rettungsaktion des SEAL-Helikopters stattfindet.

Im Einklang mit dem allgegenwärtigen Bemühen um größtmögliche Authentizität wurden die afghanischen Brüder Muhammad Nawroz Rahimi und Nawaz Rahimi als kulturelle Berater engagiert. Die beiden arbeiteten sowohl mit der Castingabteilung als auch mit den Kostümbildnern bei Fragen der Sprache, der Kleidung und der Kampfmethoden zusammen. Außerdem unterstützten sie die Statisten, die wahlweise Dorfbewohner oder Talibankämpfer darstellen mussten.

Ihr Vater Zarin Mohammad Rahimi, der einst als Flüchtling aus jener Region in die USA kam, um den Taliban zu entkommen, half seinen Söhnen nicht nur in der Beratung, sondern übernahm in der Schlüsselszene, in der die SEALs entdeckt werden, auch die Rolle des ältesten Schafhirten.

Als im November 2012 in Albuquerque nach 40 Drehtagen die letzte Klappe fiel, löste das bei allen Beteiligten gemischte Gefühle aus. Trotz der ungewöhnlich harten Bedingungen hatten die Geschichte des Films und die Arbeit daran auf Schauspieler und Crew gleichermaßen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch Luttrell war am letzten Drehtag am Set, was die Sache noch emotionaler machte.

»Marcus stand direkt neben mir«, erinnert sich Mark Wahlberg. »Er sah mich an und meinte: ziemlich genau so ist das damals alles gewesen. Ich hatte wirklich einen Kloß im Hals und Bauchschmerzen bei dem Gedanken daran, was er alles hinter sich hat, und wie schwierig es sein muss, alles nun noch einmal in einem Film zu sehen.«

Aber die harte Arbeit hat sich gelohnt! Herausgekommen ist ein Film, der aufzeigt, dass nicht alles im Krieg schwarz und weiß ist - es gibt Grauzonen, in denen man selbst Entscheidungen treffen muss, die nicht unbedingt den Vorschriften entsprechen oder moralisch bedenklich sind. So haben es auch unsere wahren Helden in dieser Geschichte mit einer Situation zu tun, wie sie sich ihnen noch nie gestellt hatte.

Der Film gibt einen kleinen Einblick dessen, was die Soldaten in den derzeitigen Kriegsgebieten durchmachen müssen, was sie draufhaben müssen und vor allem, wie sie täglich um ihr Leben bangen müssen. Selbst die einfachsten, friedlichsten Momente können im Handumdrehen in eine lebensbedrohliche Situation umschlagen.

Peter Berg gelang eine tragische Momentaufnahme, die nichts für seichte Gemüter ist. Die Schauspieler zollen nicht nur körperlich dem SEAL-Team 10 Tribut, sondern zeichnen deren Charaktere so gut, dass man in der zweiten Filmhälfte mit ihnen mitfiebert, auch wenn man weiß, dass nur einer von ihnen überleben wird.

Es fließt jede Menge Blut. Die Kugeln fliegen dem Zuschauer um die Ohren, dass man sich automatisch in Deckung begeben möchte. Es tut aber auch besonders weh, mit anzusehen, wie diese Soldaten, mit denen man die erste Filmhälfte herumalbert und fast schon lieb gewinnt, nach und nach einen langsamen Heldentod sterben. Dass Marcus Luttrell sich das noch einmal mit ansehen musste, scheint unvorstellbar brutal zu sein und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

Auch wenn der Film für einige (vielleicht auch für viele) einfach nur ein knallharter Action-Kriegsfilm zu sein vermag, sollte man sich bewusst machen, dass das, was im Film geschieht, zu vermutlich 90% auch wirklich so geschehen war! Es ist ein bitteres Heldenepos, bei dem (wie so oft) die einzige Heldentat ist, zu überleben. ■ mz

15. März 2014
OT: Lone Survivor
Drama/Action/Kriegsfilm
USA 2013
122 min


mit

Mark Wahlberg (Marcus Luttrell) Oliver Mink
Taylor Kitsch (Michael Murphy)
Emile Hirsch (Danny Dietz) Nils Dienemann
Ben Foster (Matt „Axe“ Axelson) Hubertus von Lerchenfeld
Eric Bana (Erik Kristensen) Benjamin Völz
Alexander Ludwig (Shane Patton)
Yousuf Azami (Shah)
Ali Suliman (Gulab)
Sammy Sheik (Taraq)
Nicholas Patel (Ziegenjunge)
u.a.

drehbuch
Peter Berg
basierend auf dem Buch von Marcus Luttrell und Patrick Robinson

musik
Explosions in the Sky
Steve Jablonsky

kamera
Tobias Schliessler

regie
Peter Berg

produktion
Emmett/Furla Films
Envision Entertainment
Film 44
Foresight Unlimited
Herrick Entertainment
Hollywood Studios International
Spikings Entertainment
Weed Road Pictures

verleih
SquareOne/Universum Film

Kinostart: 20. März 2014