Mittwoch, 13. Dezember 2017

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Pompeji


Cassia und Milo haben Angst.
© Constantin Film/Caitlin Cronenberg
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Nordbritannien, im Jahr 62 nach Christus. Die Keltenstämme haben sich gegen die römische Herrschaft erhoben - und Rom schlägt erbarmungslos zurück. Der Tribun Corvus überfällt mit seinen Truppen ein Lager der Kelten. Er gibt den Befehl, alle zu töten (Männer, Frauen und Kinder), und meuchelt die Mutter des kleinen Jungen Milo, die ihr Kind schützen will, höchstpersönlich. Milo stellt sich tot und schafft es wie durch ein Wunder, diese Tragödie zu überleben. Allerdings wird er von Sklavenhändlern aufgelesen und für die römischen Herrscher verschleppt. Doch damit hat die Geschichte dieses Jungen erst begonnen...

Für Regisseur Paul W.S. Anderson, der in seiner ganzen Karriere immer die allerneueste Technik eingesetzt hat, war es nur ein logischer Schritt, sein Interesse an 3D und Computeranimation mit einer mitreißenden und spannungsgeladenen Geschichte zu verbinden. Die Geschichte einer prächtigen Stadt, die in nur einem einzigen Tag ausradiert wird, hatte Anderson schon als Kind in ihren Bann gezogen. Jetzt macht Anderson aus seiner lebenslangen Faszination ein großes Actionepos, dem es an nichts fehlt.

...außer einer originellen Geschichte, was auch schon der einzige Punkt ist, der hier bemängelt werden kann, denn Anderson und sein Filmteam setzten alles daran, die Fakten so real wie möglich zu halten und holten sich dafür Historiker zur Hilfe, die die Produktion auf Faktentreue prüften. »Ein großer Teil der Stadt steht noch genauso da wie vor 2000 Jahren«, sagt Produktionsdesigner Paul Denham Austenberry. »Es gibt ganze Museen mit den Überresten und tonnenweise Abbildungen der Ausgrabungen, auf die wir uns für das Design unserer Sets stützen konnten.«

Austerberry und sein Team bauten knapp 30 unterschiedliche Sets, darunter die prächtige Villa von Cassias Eltern, die Straßen von Pompeii, das Amphitheater und das Forum, wo sich einige der aufwendigsten Kampfszenen des Films abspielen. Für die Villa nahmen sie sich die Grundrisse und viele andere Details zweier real existierender Herrenhäuser des alten Pompeii zum Vorbild.

»Für uns war die Villa die perfekte Gelegenheit, die ganze Pracht und Opulenz, zu der die römische Zivilisation imstande war, zu zeigen«, sagt der Regisseur. »Sie hatten Fußbodenheizung, Leitungen für das Trinkwasser und selbst in den oberen Stockwerken noch sanitäre Anlagen. Das alles ging nach dem Untergang des römischen Imperiums verloren und blieb 1700, 1800 Jahre lang vergessen. So können wir Pompeiis ganze Schönheit zeigen, so, wie sie vor der Zerstörung der Stadt war.«

Für den Aufbau der Straßenzüge von Pompeji, eines der größten und aufwendigsten Sets, nahm das Designteam nicht weniger als 13 Wochen in Anspruch. »Unsere Straße beruhte auf dem, was einmal die Haupteinkaufsstraße der Stadt war«, erklärt Austerberry. »Die Pflastersteine, die wir alle selbst hergestellt haben, sehen genauso aus wie die, die man in Pompeii verwendet hat. Die Marktstände haben wir nach einem römischen Basrelief gebaut, das heute in einem Museum in Neapel zu sehen ist.«

Austerberry gibt zu, dass sie sich beim Bau der Sets durchaus gewisse Freiheiten nehmen mussten – meist aus Sicherheitsgründen. »Manche Steinmauern sind in Wirklichkeit aus Styropor, damit niemand bei den Kampfszenen zu Schaden kommen würde«, sagt der Designer. »Aber alles in allem entsprechen unsere Bauten dem, was man vor Augen gehabt hätte, wenn man im Jahre 79 nach Christus durch Pompeii spaziert wäre.«

Der Visual Effects Supervisor Dennis Berardi und sein Team bei Mr. X, einer auf Digitaleffekte spezialisierten Produktionsfirma, waren für die epische Größe der Filmbilder verantwortlich: Sie erweiterten die real gebauten Sets digital, um die weitläufigen Szenerien möglich zu machen, und sie waren auch dafür zuständig, die höchst dramatischen Effekte beim Vulkanausbruch am Ende des Films zu erzeugen.

Vor dem Drehstart verbrachten Anderson und Berardi eine volle Woche in Pompei, während der sie die Ruinen, den Vesuv und die Landschaft filmten, um weiteres Material für ihre Neuschöpfung der antiken Stadt zu haben. Dabei nutzten sie auch die sogenannte „LiDAR“-Technologie, eine Kombination aus Radar und Laser, die es mit bislang nicht gekannter Genauigkeit erlaubt, die Topographie eines Geländes zu erfassen.

»So haben wir die Stadt selbst für die Hintergründe unserer Digitaleffekte verwendet«, sagt Produzent Jeremy Bolt. »Noch vor 15 Jahren wäre es unglaublich schwer gewesen, einen solchen Film zu machen, aber die Fortschritte der Digitaltechnik haben es uns erlaubt, das Pompeji des Jahres 79 absolut überzeugend nachzubauen.«

Die Kostümbildnerin Wendy Partridge machte sich über Monate mit der Kleidung der damaligen Zeit vertraut: »Ich habe mich richtig darin vergraben, was für Kleidung die Menschen in der Römerzeit trugen und wie Pompeji in jener Zeit aussah«, sagt sie. »Ganz besonders interessant fand ich, dass sich der Kleidungsstil der unterschiedlichen Schichten kaum voneinander unterschied, und dass es stattdessen die Stoffe und die verwendeten Farben waren, mit denen man sich von den anderen absetzte. Farbstoffe waren sehr teuer, ganz besonders Purpur. Wenn also jemand Purpur trug, war das ein Zeichen, dass er reich war und sich das leisten konnte.«

Partridge und ihr Team hatten fast 3000 Kostüme für den Film anzufertigen: »Es war ein riesiger Aufwand«, sagt die Kostümbildnerin. »Wir haben wie im Akkord Tuniken, Togen und Rüstungen über Monate hinweg angefertigt. Und auch der Schmuck der Hauptfiguren war handgemacht. Wir hatten eine eigene Abteilung, die nur Uniformen aus Leder produziert hat. Wir haben alles Menschenmögliche angestellt, um die Kostüme historisch korrekt zu machen, und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Schauspieler gut darin aussehen. Und wir hatten ja einige Jungs mit unglaublichem Körperbau dabei, die dafür hart trainiert hatten.«

Einige der besonders intensiven Szenen von Pompeji spielen in der brutalen Welt der Gladiatoren. Schon vier Wochen vor Drehstart begann das Kampftraining für die Darsteller, damit sie nicht nur aussehen würden wie gestählte Profikämpfer, sondern auch die täglich zwölf Stunden Kampfszenen vor der Kamera durchstehen würden.

Dabei ging es nicht einfach darum, körperlich fit zu erscheinen – sie mussten auch tatsächlich fit sein! »Das war extrem harte Arbeit«, sagt Adewale Akinnuoye-Agbaje. »Nach einer Stunde Ausdauertraining gab es zwei Stunden Stunt-Training, dann die Mittagspause und dann eine Stunde Gewichtheben. Danach eine halbe Stunde, um zu schauen, wie es gelaufen ist, und dann eine weitere Stunde Ausdauertraining. Aber sobald ich dann am Set war und wir die Kampfszenen drehten, merkte ich, wie sich das alles gelohnt hatte. Man brauchte ein solches Training, damit es am Ende echt aussehen würde.«

Die schiere Menge an Schwertkämpfen im Film machte es erforderlich, die Szenen stundenlang zu üben, damit bei der ersten Klappe alle Bewegungen auch wirklich saßen. »Uns und die Stuntleute haben sie durch ein richtiges Trainingslager gejagt«, sagt Kit Harington. »Ich hatte ja schon durch meine früheren Rollen eine gewisse Erfahrung im Umgang mit dem Schwert, aber das hier war noch mal eine ganz andere Nummer. Nicht zuletzt, weil wir hier mit Schwert und Schild und außerdem eher mit dem Kurz- als mit dem Langschwert gekämpft haben. Wir haben vier Wochen lang noch einmal die Grundlagen des Schwertkampfes geübt und uns die Kämpfe und die Bewegungsabläufe eingeprägt. Mir war es absolut wichtig, dass es am Ende so aussieht, als ob ich wüsste, was ich da mit dem Schwert vorhabe.«

»Das war für jeden eine große Herausforderung«, sagt Kiefer Sutherland. »Die Darsteller und auch die Crew mussten sich da irgendwie durchschlagen. Aber am Schlimmsten war die Asche. Wenn man Dialogzeilen zu sprechen hatte, kriegte man immer etwas davon in den Mund und so konnte man gar nicht allzu viele Takes hintereinander drehen.«

»Wir sind mit so ziemlich allen Elementen, die es gibt, konfrontiert worden«, sagt Harington. »Ich bekam Schlamm und Regen ab und stürmischen Wind ins Gesicht geblasen. An manchen Tagen, wenn wir draußen vor dem Amphitheater unsere Kampfszenen drehten, war es bestimmt 40 Grad heiß. Aber die Asche war wirklich besonders übel – das war richtig brutal.«

Regisseur Paul Anderson beschreibt Pompeji als die größte Herausforderung, mit der er es jemals zu tun hatte: »Allein schon die Menge an Material, die wir bewegen mussten, dann die ganzen erschwerenden Bedingungen mit Rauch, Staub und umherfliegenden Trümmern... Wir mussten uns schon ganz schön anstrengen. Wir hatten einen Film zu drehen, der das Ende der Welt zeigen sollte, denn so kam es den Menschen in Pompeji damals vor. Das Publikum bekommt einen einmaligen Einblick in eine längst untergegangene Welt, eine Zeitreise – und einen Platz in der ersten Reihe bei einer der größten Naturkatastrophen der Antike.«

Das Ganze ist auf jeden Fall im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend inszeniert. Man bekommt praktisch gleich drei Filme in einem serviert - Sklavendrama, Liebesgeschichte und Katastrofenfilm. Wenn man von der Mischung aus Gladiator, Titanic und einer Galileo-Nachstellung der naturgewaltigen Geschehnisse absieht, bekommt man einen soliden Unterhaltungsfilm geliefert - wie beschrieben äußerst aufwändig gedreht und in 3D präsentiert.

Das reißt mit, das macht Spaß, doch schließlich ist man vom Titanic-am-Land-Ende enttäuscht. Gut, man kann jetzt sagen, dass historische Ereignisse auch getreu erzählt werden sollten. Doch man weiß nicht hundertprozentig, ob es nicht doch jemand geschafft hat, sich in Sicherheit zu bringen, auch wenn es nur einen dokumentierten Augenzeugenbericht von einem in sicherer Entfernung befindlichen, römischen Anwalt und Politiker gibt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber wie bei Titanic gibt es auch hier das unausweichliche, tragische Ende einer Liebesgeschichte in Folge einer Katastrofe. Trotz alledem besticht der Film nicht nur durch die Effekte und die historische Darstellung des Erdbebens, Vulkanausbruchs und Tsunamis, sondern auch durch die Dialoge und natürlich die Schauspieler - allen voran der „Bastard von Winterfell“ Kit Harington (Game of Thrones) als auch sein Gegenspieler, der den meisten wohl als Jack Bauer bekannt ist - Kiefer Sutherland, der hier zu altgewohnter (Vor-24-)Form aufläuft.

Wer sich also mal eine wahre Katastrofe ansehen will, und wem der schnöde Dokumentationsstil auf den Keks geht, der sollte sich Pompeji (oder vielmehr lateinisch Pompeii) unbedingt ansehen. „Titanic auf dem Land“ ist nicht ganz so kitschig wie James Camerons Eisbergsalat und kann in Sachen Tricktechnik einiges wiedergutmachen. Allerdings ist das Drehbuch dermaßen vollgepackt, dass eine tiefergehende Charakterisierung der Figuren und gesellschaftlichen Zusammenhänge nicht stattfinden kann und der Film demzufolge eher schaulustigen Charakter besitzt. ■ mz

27. Februar 2014
OT: Pompeji
Drama/Geschichte/Action/Abenteuer
CAN/D 2014
3D
105 min


mit

Kit Harington (Milo)
Emily Browning (Cassia)
Kiefer Sutherland (Quintus Attius Corvus) Tobias Meister
Adewale Akinnuoye-Agbaje (Atticus)
Jessica Lucas (Ariadne)
Jared Harris (Marcus Cassius Severus)
Carrie-Anne Moss (Aurelia)
Currie Graham (Bellator)
Joe Pingue (Graecus)
Sasha Roiz (Proculus)
u.a.
drehbuch
Janet Scott Batchler
Lee Batchler
Michael Robert Johnson

musik
Clinton Shorter

kamera
Glen MacPherson

regie
Paul W.S. Anderson

produktion
FilmDistrict
Constantin Film Produktion
Don Carmody Productions
Impact Pictures

verleih
Constantin Film

Kinostart: 27. Februar 2014