Freitag, 15. Dezember 2017

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Homefront


Phil Broker will seinen Ruhestand genießen.
© Universum Film
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Homefront erzählt die Geschichte von Phil Broker, eines ehemaligen Agenten der amerikanischen Drogenbekämpfungsbehörde DEA, der sich mit seiner Tochter in ein vermeintlich ruhiges Provinzstädtchen im sumpfigen Hinterland von Louisiana zurückzieht, um seine Vergangenheit und alle damit verbundenen traumatischen Erinnerungen hinter sich zu lassen.

Doch die Ruhe erweist sich schnell als Illusion, als Broker hinter der Kleinstadtfassade eine von Drogen und Gewalt dominierte Schattenwelt entdeckt. Schon bald bringt „Gator“ Bodine, ein soziopathischer Drogenbaron und Crystal-Meth-Produzent, Broker und seine Tochter in höchste Gefahr und zwingt den früheren DEA-Agenten, entschlossen zu handeln, um seine Familie wie auch den Ort, der ihre neue Heimat werden sollte, zu beschützen.

Regisseur Gary Fleder, der sich die letzten Jahre im Fernsehen herumtrieb, um Serien wie Life unexpected und die Neuerzählung des TV-Klassikers Beauty and the Beast zu produzieren, kehrt mit Homefront zu seinen Anfängen zurück. Mit Das Leben nach dem Tod in Denver und Denn zum Küssen sind sie da lieferte er uns Mitte der 90er Jahre zwei hochkarätige Thriller, die mit Spannung und soliden Charakteren aufwarteten. 2001 verwickelte er Michael Douglas in Sag' kein Wort in eine Entführungsgeschichte und verfilmte 2 Jahre später John Grishams Roman Das Urteil, bevor er sich auf der Leinwand rar machte.

»Homefront erinnert an die klassische Westerngeschichte von einem Gesetzeshüter, der seinen Job an den Nagel hängt und sich in eine Kleinstadt zurückzieht, um dort ein ruhiges Leben führen zu können, dann aber entdecken muss, dass er seiner Vergangenheit nicht entkommen kann«, führt Gary Fleder in die dramaturgischen Vorbilder des Films ein.

»Jason Stathams Figur Phil Broker zieht in die tiefste Provinz, ins ländliche Louisiana, nachdem ein großer Anti-Drogeneinsatz katastrophal fehlschlug. Nach dem kürzlichen Tod seiner Frau ist ihm nur noch seine Tochter geblieben. Er trauert, ist einsam, isoliert und in jeder Hinsicht auf sich allein gestellt. Als seine Tochter in dieser Kleinstadt im sumpfigen Hinterland Louisianas unabsichtlich einen Streit mit einer dort lebenden Familie auslöst, eskaliert diese Auseinandersetzung immer weiter, bis schließlich sogar Brokers Tarnung auffliegt.

»Gator Bodine, die von James Franco gespielte Figur, will sich diese Entdeckung zunutze machen und Broker verraten. Damit bringt er ihn in größte Gefahr«, fährt der Regisseur fort. »Im zweiten Drittel des Films versucht Phil Broker in Erfahrung zu bringen, was der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt längst weiß. Etwas geht in dieser Kleinstadt vor – und Broker und seine Tochter befinden sich in größter Gefahr.

Slys Drehbuch folgt dieser klassischen dramaturgischen Struktur, die wir etwa aus Mein großer Freund Shane oder 12 Uhr mittags kennen – wenn wir als Zuschauer hoffen, dass der Held die Stadt verlässt, bevor die Schurken auftauchen, um ihn sich zu holen. Aber natürlich wird er die Stadt nicht den Bösewichten überlassen... Und damit hat unser Film das dramaturgische Bauprinzip eines großen Westerns.«

»Ursprünglich hätte daraus einmal der letzte Auftritt von Rambo werden können, denn mir gefiel die Geschichte und ihr Grundgedanke – und das Timing der Story hätte auch gepasst«, erläutert Sylvester Stallone. »Während ich am Drehbuch arbeitete und den Stoff weiterentwickelte, betrieben wir umfangreiche Recherchen über Speed-Junkies, über Einsätze und Aktionen der Drogenbehörden und darüber, wie Crystal Meth, schleichend und heimtückisch, bereits das ganze Land erobert hat.

Es ist eine monströse, abscheuliche Droge. Letztlich habe ich dann aber Rocky Balboa inszeniert und somit veränderten sich für mich die Rahmenbedingungen und meine Ziele. So lag diese Geschichte jahrelang ungenutzt herum. Ich hielt das Drehbuch für exzellent, aber ich war ihm einfach, schon aus Altersgründen, entwachsen.

Als ich dann in Bulgarien The Expendables 2 drehte, bat ich Jason, das Drehbuch zu lesen. Er hat sich sofort in die Geschichte verliebt und sagte immer wieder zu mir: „Lass es mich machen, lass es mich machen!“ Schließlich stimmte ich zu... Nachdem er mich zum fünften Mal angefleht hatte, dachte ich mir: Na ja, er meint es wirklich ernst.«

»Als ich Das Urteil drehte, sprach ich mehrere Themen mit dem Film an, darunter auch den Gedanken, dass jeder von uns bis zu einem gewissen Grad korrupt ist«, blickt Gary Fleder zurück. »Jede Figur in diesem Film war in gewisser Weise bestechlich und käuflich. Man kann diesen Gedanken bis zu Kaltblütig zurückverfolgen, ob nun zum Buch oder dessen Verfilmung. Alles hat eine dunkle Seite. Es gibt keinen perfekten Ort, an dem das Böse nicht existiert. Das Böse ist überall, in jeder Stadt. Das geht zurück bis zu den Hexenprozessen von Salem. Ich reagiere immer gleich. Je pastoraler, schöner und idyllischer der Schauplatz einer Geschichte ist, desto schneller frage ich mich: Meine Güte, wo steckt der Bösewicht?«

In Homefront halten sich Story und Action die Waage, sind wohl proportioniert. Natürlich gibt es den Knall am Anfang und den altbekannten Showdown am Ende, doch darin eingebettet befindet sich gewissermaßen ein Sozialdrama - von der durch Drogen in moralische Abründe heruntergezogenen Mutter (kaum wiederzuerkennen: Kate Bosworth) bis hin zur Wi-Fi-verwöhnten Tochter, die durch den Umzug vom drahtlosen Internetzwerk ins Nirgendwo jeglichen Kontakt zu ihrer alten, gewohnten Welt verloren hat.

»Es ist immer sehr schnell von „Action“ die Rede, wenn der Zuschauer eine Autoverfolgungsjagd oder eine Kampfszene zu sehen bekommt«, differenziert Sylvester Stallone. »Aber Filme wie Dirty Harry sind keine Actionfilme, auch Bullitt nicht. Was einen Actionfilm kennzeichnet, ist ein Minimum an Dialog und ein Maximum an Bewegung. Dieser Film aber lässt uns nachdenken, lässt uns mitfühlen. Und aus diesem Grund ist Homefront ein Drama mit vielen Spannungs- und Actionspitzen.«

Ein wenig zu kurz kommt die in solchen Filmen eingesetzte Liebesgeschichte des Helden zur „Dorfschönheit“, hier gespielt von Under the Domes Rachelle Lefevre, die die Lehrerin der einander konfrontierten Kinder spielt und man eigentlich eine Liaison Brokers mit ihr erwartet. Man verzichtete jedoch auf Nacktheit und Erotik, vermutlich um den Film nicht zu sehr mit Klischees zu behaften.

Dafür gibt es eine Menge an Figuren, die die Geschichte voran treiben - allen voran Cassie, die Mutter des kleinen dicken Jungen, auf den der Charakter der Mutter abgefärbt hat, und der von Brokers Tochter auf dem Schulhof in Notwehr verprügelt wird. Ihr schwer schuftender Ehemann ist da kaum eine Hilfe, scheint er doch die sanfte Seele im Haushalt zu sein. Cassie bringt den Hauptbösewicht, ihren Bruder, den soziopathischen Drogenhändler, ins Spiel, woraufhin die Geschichte weiter eskaliert.

Dieser kontaktiert seine alte Flamme Sheryl, die ihm dabei helfen soll, Broker durch Verpfeifen an die Großstadthaie aus dem Weg zu räumen. Doch die von Winona Ryder mit Schwung gespielte Mittelsfrau bekommt schließlich ein Gewissen, als sie erkennt, dass es nur einen Ausweg aus der verzwickten Situation gibt, in der sie sich befindet. Und dann ist da noch der „Quotenschwarze“, Brokers Schreinerkollege Tee, der letztlich noch in den Showdown verwickelt wird.

Da bleibt bis auf ein paar flirtende Blicke kaum Zeit für persönliche Romantik. Dafür gibt es jedoch viel Natur zu sehen! Interessant ist es auch, Broker dabei zuzusehen, wie er seinen Kontrahenden mit MacGyver-Taktik in die Knie zwingt, denn der Sheriff scheint auch nicht gerade auf seiner Seite zu stehen, besonders nach dem Vorfall an der Schule.

Homefront ist jetzt nicht das dramatischste Kunstwerk der Filmgeschichte - aber auch kein Transformer oder Transporter! Es ist ein spannender, unterhaltsamer „Old-School“-Thriller mit bekannten Variablen, die in eine interessante Formel gepackt wurden, mit viel Sonnenschein und Grün und relativ blutarm (FSK 16) inszeniert. Dafür kann man sich aber schön über schrullige Leute aufregen... ■ mz

27. Januar 2014
OT: Homefront
Thriller/Action
USA 2013
100 min


mit

Jason Statham (Phil Broker) Leon Boden
Izabela Vidovic (Maddy Broker)
James Franco (Morgan „Gator“ Bodine) Marcel Collé
Kate Bosworth (Cassie Bodine Klum)
Winona Ryder (Sheryl Marie Mott)
Marcus Hester (Jimmy Klum)
Austin Craig (Teddy Klum)
Clancy Brown (Sheriff Keith Rodrigue) Walter von Hauff
Rachelle Lefevre (Susan Hetch) Maria Koschny
Omar Benson Miller (Teedo)
Frank Grillo (Cyrus Hanks)
Pruitt Taylor Vince (Werks)

drehbuch
Sylvester Stallone
nach dem Roman von Chuck Logan

musik
Mark Isham

kamera
Theo van de Sande

regie
Gary Fleder

produktion
Homefront Productions
Millennium Films
Nu Image Films

verleih
Universum Film

Kinostart: 23. Januar 2014