Montag, 11. Dezember 2017

Interview mit Déborah François


Rose Pamphyle (Déborah François) gewinnt die Regional-Liga mit ihrem Zwei-Finger-Tippsystem.
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Interview mit Regisseur Régis Roinsard

Als Tochter eines Polizisten und einer Sozialarbeiterin kam Déborah François am 24. Mai 1987 im belgischen Liège zur Welt. Sie war noch Gymnasiastin, als sie für die Regie-Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne ein Casting absolvierte und auf Anhieb für die weibliche Hauptrolle in Das Kind besetzt wurde - ein hartes Sozialdrama, das 2005 mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet wurde. Ein Jahr später kehrte sie mit dem Thriller Das Mädchen, das die Seiten umblättert nach Cannes zurück.

Obwohl sie auch mit Filmemachern aus ihrer Heimat arbeitet, machte Déborah François hauptsächlich in Frankreich Karriere in Independentproduktionen wie Der indische Sommer, ebenso wie in großen Publikumsfilmen wie Female Agents - Geheimkommando Phoenix an der Seite von Sophie Marceau. Für ihre Rolle in der Familienkomödie So sind wir, so ist das Leben wurde sie 2008 mit einem César als Beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Figur Rose Pamphyle?

Sie ist sensibel, lacht gern, wird wütend sie hat eine enorme Bandbreite an Gefühlen, die zu spielen großen Spaß macht. Deshalb gab es eine ganze Reihe von Schauspielerinnen, die die Rolle unbedingt spielen wollten. Als ich Régis das erste Mal traf, sagte ich zu ihm: „Hallo, ich bin Rose Pamphyle. Mit einem Y.“ Da musste er lachen!

Wie haben Sie ihn überzeugt?

Régis und ich ticken ziemlich ähnlich. Rose berührt uns, und wir haben einiges mit ihr gemein. Ich glaube, als er mich traf, verstand er, dass die Herausforderung für mich ganz ähnlich sein würde wie für ihn. Meine Augen sagten ihm: „Nimm mich.“ Um ihn zu überzeugen, spielte ich das erste Treffen zwischen Rose und Louis. Daran werde ich mich immer erinnern, denn ich habe es unglaublich oft geprobt!

Hatten Sie vorher schon mal von Schnelltipp-Meisterschaften gehört?

Nein, noch nie. Ich war der Meinung, Régis hätte sich das ausgedacht. Deshalb habe ich auch gar nicht erst versucht, etwas darüber herauszufinden. Nachdem er mir erzählt hatte, dass es diese Wettbewerbe tatsächlich gab, deckte er mich mit jeder Art von Dokumentarmaterial ein. Ein Kurzfilm über eine Schnellschreib-Meisterschaft ist mir im Gedächtnis geblieben. Er gab mir auch Lehrbücher für Maschineschreiben und Papierwechsel-Techniken sowie das Video einer Sekretärin der US-Marines, die vorführt, wie man das Papier mit drei Handgriffen austauscht - was atemberaubend schnell ist. Filme mit Audrey Hepburn, von der wir uns inspirieren ließen, habe ich mir auch nochmal angesehen: Sabrina, Ariane - Liebe am Nachmittag, Ein süßer Fratz und My fair Lady.

Haben Sie Schreibmaschine tippen trainiert?

Zur Vorbereitung habe ich drei Monate lang täglich zwei oder drei Stunden geübt, ebenso während der Dreharbeiten, da allerdings nicht mehr jeden Tag. Wenn eine Szene gedreht wurde, in der ich tippen musste, trainierte ich am Vorabend nicht, weil ich Angst hatte, mich zu verletzen. Ich bekam ja fast einen „Schreibmaschinen-Arm“, denn die Haltung ist unnatürlich und Schreibmaschinentasten sind schwer herunterzudrücken. Es sind sehr spezielle Bewegungen, an die man sich erst gewöhnen muss. Mit meinen kleinen Fingern zu schreiben, fiel mir schwer, und ich war es nicht gewohnt, alle zehn Finger zu benutzen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Romain Duris?

Die habe ich sehr genossen. Das Großartige ist, dass mit Romain bei jeder Aufnahme etwas Neues und Verblüffendes entsteht. Er stellt die Dinge immer infrage, sucht nach Antworten, hat sehr hohe Ansprüche. Wir konnten die Chemie zwischen unseren Figuren wirklich spüren, und wir haben die Bälle sehr gut hin und her gespielt. Wenn einer von uns ein wenig schwächelte, hat der andere selbstverständlich sofort etwas anders gemacht. Es gab einen richtigen Wettkampf zwischen uns.

Verlangt Régis Roinsard seinen Schauspielern viel ab?

Er nimmt alles sehr genau, manchmal bis zur Besessenheit. Aber ich finde es wichtig, dass ein Regisseur präzise Vorstellungen hat. Zum Schluss hatte ich das Gefühl, jede Menge Freiheiten gehabt zu haben und dass dies der Film ist, in den ich mich am intensivsten einbringen konnte, auch was Kostüme, Frisuren und Änderungen im Drehbuch anging. Ich war der Meinung, dass einige von Roses Dialogzeilen zu kleinmädchenhaft wirkten und nicht emanzipiert genug. Beide Drehbuchautoren waren extrem verständnisvoll und akzeptierten Änderungen. Es war wunderbar, in jedes Stadium des Films mit einbezogen zu werden und ständig Ideen auszutauschen.

Mochten Sie es, mit 50er-Jahre-Kostümen und -Frisuren gestylt zu werden?

Ich habe es geliebt! Viele der Kostüme sind extra für den Film entworfen worden, und ich durfte sie mit der Kostümbildnerin besprechen. Speziell an dem pinkfarbenen Kleid in der Schlusssequenz haben wir eng zusammengearbeitet. Ich musste mich darin wohlfühlen, damit ich mühelos das Papier wechseln und die Schreibmaschine bedienen konnte. Ich ließ eine Schleife hinzufügen und oben ein paar Falten. Wir gaben dem Kleid einen etwas lockereren Sitz, so dass es den Cocktailkleidern jener Zeit ähnelte. Die Farbe entdeckten wir in einer Zeitschrift aus den 50ern. Ich war gleich verrückt danach, und dachte, dass es großartig sein würde, wenn meine Figur am Ende ein Kleid trägt, das zur Farbe der „Japy“-Schreibmaschine passt - obwohl Régis fand, dass es ein bisschen zu sehr ein Klischee war. Aber die Kostümbildnerin und ich haben uns gegen ihn verbündet. Und als er sah, wie wir Mädels beim Anblick des Stoffes in Verzückung gerieten, gab er nach. Quelle: STUDIOCANAL ■ mz

13. April 2013
OT: Populaire
Komödie
F/B 2012
111 min
FSK 0

mit

Romain Duris (Louis Échard)
Déborah François (Rose Pamphyle)
Bérénice Bejo (Marie Taylor)
Shaun Benson (Bob Taylor)
Mélanie Bernier (Annie Leprince-Ringuet)
Nicolas Bedos (Gilbert Japy)
Miou Miou (Madeleine Échard)
Eddy Mitchell (Georges Échard)
Frédéric Pierrot (Jean Pamphyle)
Féodor Atkine (André Japy)
Marius Colucci (Lucien Échard)
Emeline Bayart (Jacqueline Échard)
Dominique Reymond (Madame Shorofsky)
u.a.

drehbuch
Régis Roinsard
Daniel Presley
Romain Compingt

musik
Emmanuel d'Orlando
Rob

kamera
Guillaume Schiffman

regie
Régis Roinsard

produktion
Les Productions du Trésor
La Compagnie Cinématographique Européenne
France 2 Cinéma
France 3 Cinéma
Mars Films
Wild Bunch
Panache Productions
RTBF
Canal+
Ciné+
Belgacom
France Télévision
Eurimages
Région Wallone

verleih
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Kinostart: 11. April 2013