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Kinostarts Oktober

Sputnik


Rike auf ihrem selbstgebauten Sputnik
© Georges Pauly/Ostlicht Filmproduktion
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Herbst 1989. Irgendwo in der brandenburgischen Provinz zeigen sich die Vorboten des Niedergangs des „sozialistischen Schutzwalls“. Aber wer war eigentlich wirklich verantwortlich für den Fall der Mauer? Seine Version stellt sich der Regisseur Markus Dietrich so vor: 3 Kinder spielen Kosmonauten und erfinden eine Maschine, die Menschen von einem Ort zum anderen beamen kann - den Teleporter.

Anlass ist die Enttäuschung über den geliebten Onkel, der sich in den Westen abgesetzt hat. Onkel Mike muss zurückgebeamt werden. Im Kinderfilm Sputnik stellt die Bastelei der 10 jährigen Rike mit ihren beiden Kumpels Fabian und Jonathan ein ganzes Dorf auf den Kopf, wo außer einmal Kirmes im Jahr nicht viel passiert. Und weil der Teleporter statt Mike die Dorfbewohner an die fallende Berliner Mauer zaubert, sind die 3 Kinder die wirklich Verantwortlichen für das große Durcheinander, das sich am 9. November 1989 zugetragen hat.

Aber nun mal langsam: Im brandenburgischen Dorf Malkow wird unter vorgehaltener Hand auch Westfernsehen geschaut. Die Kinder sind begeisterte Fans der Serie „Raumschiff Interspace“. (Offenbar war es den Produzenten zu teuer, Lizenzen an Paramount zu zahlen, denn, wie jeder weiß, hieß die Serie Raumschiff Enterprise. Immerhin strengte man sich bei der Produktion an, dem Original so weit wie möglich nachzueifern.) Als Onkel Mikes Ausreiseantrag genehmigt wird und den Kindern auf einmal schlagartig klar ist, dass es eine Grenze gibt und zwar eine, die Familien trennt, bedarf es einer zündenden Idee.

Durch einen Riesenklau im Dorf, nämlich sämtlicher Leuchtmittel und mit verschwörerischer Hilfe des findigen Tante-Emma-Ladenbesitzers, der so ziemlich alles besorgen kann, nimmt die geheimnisvolle Maschine Gestalt an. Als das energieträchtige Beamen die Stomversorgung des ganzen Dorfes lahmlegt, passiert das Unmögliche: Alle Dorfbewohner sind auf einmal weg und der Fernseher zeigt sie stattdessen an der Berliner Mauer fröhlich feiern.

Das Beamen hat also funktioniert, nur eben nicht so wie es sich die Kosmonauten in spé vorgestellt hatten. Soweit zum Erklärungsversuch des Regisseurs Markus Dietrich zu seiner Version des Mauerfalls wie es sich aus Kinderperspektive hätte zutragen können.

Dietrichs Langfilmdebüt punktet sicherlich mit seinen wohl gewählten Darstellern. Auch die kleinste Rolle schmückt ein bekanntes Schauspielergesicht. Die aufgeweckte Protagonistin, die im Film 10-jährige Rike, erinnert doch sehr an die Rolle der Emma Schweiger in Kokowääh. Leider reisst sie ein wenig zu übertrieben die Kulleraugen auf und nervt bisweilen mit ihrem übertriebenen Schauspielertalent.

Doch die Jungs sind klasse und vor allem der Dorfpolizist Mauder sorgt für die Lacher an der richtigen Stelle. Mauder, als linientreuer Vopo, hat das heimliche Treiben der Kinder genau im Auge. Immer wieder beschert er dem Werden des Teleporters einen vorzeitigen Baustopp.

Doch die Kinder sind schlau, lassen sich etwas einfallen und geben nicht auf. Das sorgt für die nötige Spannung und bereitet auf den großen Showdown vor. Schließlich fällt die Mauer gleichzeitig auf den Moment des ersten großen Beamversuches. Der Einfall des Regisseurs, historische Originalbilder aus Berlin in die Handlung mit einzubeziehen, bekommen dem Film gut. Auch die Idee, den Mauerfall als Folge kindlichen Erfindungsgeistes zu erklären, ist durchaus gelungen.

Im Ergebnis ist diese Familienkomödie im Ostalgiefieber recht originell, aber etwas flach erzählt. Die Frage ist berechtigt, ob die junge Hauptdarstellerin als Emma-Schweiger-Abklatsch dem Film wirklich zuträglich ist. Auch ob man bei der Besetzung mit den vielen bekannten Schauspielern wirklich so dick auftragen musste, lenkt eher ab.

Mehr Wert auf die Dialoge gelegt, und der Film wäre mehr Kernseife und weniger Weichspüler geworden. Wir Eltern hätten dann ebenfalls wie unsere Kinder einen verdienten Kinogenuss. Fazit: Für Kinder ganz lustig, für die Großen eher passabel. Ein Trost: es kommt kein Tier zu Schaden, sondern es wird nur ein deutscher Riese (Hase!) freigelassen. ■ bh

4. November 2013
OT: Sputnik
Komödie/Kinderfilm
D/B/CZ 2013
83 min
FSK 0


mit

Flora Li Thiemann (Friederike Bode)
Finn Fiebig (Fabian Schwartze)
Luca Johannsen (Jonathan Rheinhardt)
Emil von Schönfels (Oliver Krischewski)
Devid Striesow (ABV Mauder)
Yvonne Catterfeld (Katharina Bode)
Maxim Mehmet (Torsten Bode)
Ursula Werner (Oma Bode)
Jacob Matschenz (Onkel Mike)
Andreas Schmidt (Herr Karl)
Andy Gätjen (Herr Krischewski)
u.a.

drehbuch
Markus Dietrich

musik
Jan P. Muchow

kamera
Philipp Kirsamer

regie
Markus Dietrich

produktion
Süsssauer Filmproduktion

verleih
MFA+

Kinostart: 24. Oktober 2013