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2 Guns


Bobby und Stig alleingelassen in der Wüste
© Sony Pictures
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BOOM! Studios veröffentlichte die erste Ausgabe der explosiven fünfteiligen Bilderroman-Miniserie „2 Guns“ von Autor Steven Grant und Künstler Mateus Santolouco im Jahr 2008. Grant erzählt die fesselnde Geschichte von Bobby Trench und Michael Stigman, zwei Undercoveragenten, die entdecken, dass die Summe Geld, die sich in einem Banktresor befindet, den sie gerade ausrauben, nicht im Entferntesten der Menge entspricht, mit der sie gerechnet hatten.

Als sie feststellen, dass sie ausgerechnet von den Männern reingelegt wurden, die sie für den Job in Stellung gebracht hatten, müssen die beiden fliehen – ausgerechnet vor den Organisationen, denen sie ihre Loyalität geschworen hatten. Die Bilderromane wurden von einem Mann geschrieben, der einen originellen Ansatz für diese Art des Schreibens hat. »Mir gefallen Krimikomödien«, gesteht Grant, der „2 Guns“ eine »Anti-Buddy-Geschichte« nennt.

Der Gründer und Vorstandsvorsitzende der BOOM! Studios, Ross Richie, führt uns durch das Originalmaterial: »Es ist eine Geschichte über Figuren, die vom System zerrieben werden, angesiedelt in Regierungsagenturen, die ihre Ziele durchsetzen, koste es, was es wolle. Steven nahm sich einen vermeintlich bekannten Standard vor, die Geschichte zweier Undercovercops, und dekonstruierte ihn nach allen Regeln der Kunst. Zudem packte er viel Comedy und Action mit rein, um die Fingerübung nebenher auch noch höllisch unterhaltsam zu gestalten.«

Mark Wahlberg spielt Navy-Bootsmann Michael „Stig“ Stigman, ein mit scharfer Zunge sprechender Scharfschütze, der auf eine ganz schräge Weise ebenso charmant wie raffiniert ist. Seit mehr als einem Jahrzehnt hat er der Navy ehrenhaft gedient. Aber nachdem er nach einem Angriff auf einen Offizier der Militärpolizei sechs Monate hinter schwedischen Gardinen landet, wird Stig in eine der zweifelhafteren Operationen der Navy abberufen und offiziell als desertiert gemeldet. Er manövriert im Dunkeln. Und er ist nunmehr verzichtbar, wenn er sich entscheiden sollte, nicht nach dem Regelbuch der Navy zu spielen.

Der Schauspieler erklärt, warum er die Rolle spielen wollte: »Die Geschichte erinnert mich an eine klassische Buddy-Actionkomödie, und davon war ich immer schon ein Fan. Stig ist ein Typ, der immer impulsiv ist. Als der Bankraub beginnt, hintergehen sich die beiden gegenseitig. Keiner war ganz ehrlich, wer er wirklich ist und was seine wahre Motivation ist. Obwohl er Bobby an der Nase herumführt und Bobby ihn an der Nase herumführt, ist Stig immerhin ehrlich über seine Gefühle. Er ist immer für eine gute Zeit zu haben, aber wenn man ihm blöd kommt, kann seine Stimmung ziemlich schnell umschwenken.«

Als wir die wenig voneinander begeisterten Zwangspartner Bobby und Stig zum ersten Mal sehen, begeben sie sich gerade auf die Mission, den berüchtigten Drogenbaron „Papi“ Greco um etwa drei Millionen Dollar zu erleichtern. Allerdings bekommen sie mehr, als sie erwartet haben. Als sie die Schließfächer in der Tres Cruces Savings & Loan Bank öffnen (oder auf gut Deutsch: in die Luft jagen), finden sie nämlich 43 Millionen Dollar – Geld, das sicherlich vermisst werden wird, wenn sie sich damit aus dem Staub machen.

Robert Trench, Agent der Drug Enforcement Agency (DEA), ist unter vielen Namen bekannt. Abhängig davon, welche Rolle man in seiner Welt spielt, kennt man ihn als Agent Trench, Bobby B. oder Bobby Beans. Er hat drei Jahre zugebracht, die Organisation von Manny „Papi“ Greco im mexikanischen Sonora zu infiltrieren, und die letzten zwölf Monate war er damit beschäftigt, Stig in die Operationen einzuarbeiten.

Bobbys jüngster Deal sieht so aus, dass er 500 amerikanische Reisepässe gegen Kokain eintauschen will, aber Greco hat ihm nicht die Drogen, sondern Bargeld vorgelegt. Als Bobby und Stig in die USA zurückkehren (insgeheim froh darüber, dass sie unbeschadet aus der Nummer herausgekommen sind), werden sie festgesetzt. Ihre jeweiligen Vorgesetzten sind alles andere als erfreut darüber, dass sie mit leeren Händen zurückgekehrt sind.

Drehbuchautor Blake Masters (Brotherhood) weitete die detaillierte Welt, die Steven Grant geschaffen hatte, noch etwas aus und unterstrich, dass die Kontaktpersonen bei der Polizei sich womöglich fragen könnten, ob man nicht vielleicht doch persönlich etwas für sich abzweigt, wenn man eng an den Operationen eines Drogenbarons beteiligt ist. Oder wie „Papi“ es nennen würde: „etwas Rahm abschöpfen.“

Nachdem Bobby und Stig getrennt voneinander von der Einreisekontrolle befragt wurden, erhält Bobby ein zweiwöchiges Ultimatum, bevor für seine Mission der Stecker gezogen wird. Stigs Plan, die Bank auszurauben, in der der Drogenbaron seine Reichtümer gelagert hat, erscheint Bobby in diesem Augenblick die beste Option, dem Gangster schnell ans Messer zu liefern und ihn dingfest zu machen. Bis sie den Überfall wirklich durchziehen und feststellen, dass das Geld, das sie geklaut haben, tatsächlich der CIA gehört.

Für Baltasar Kormákur, mit dem Wahlberg 2011 an dessen US-Debüt Contraband gearbeitet hatte, stellte der Stoff eine logische Entwicklung dar. In seiner isländischen Heimat gilt der Schauspieler und Regisseur längst als feste Größe. Kormákur ist bekannt für seine Vorliebe für schwarzen Humor, den er oft mit packender Spannung ausbalanciert, wie er in Filmen wie 101 Reykjavik, A little Trip to Heaven, Der Tote aus Nordermoor, Run for her Life und The Deep beweisen konnte.

Wahlberg kommentiert: »Balt kommt von der Schule des Guerrilla-Filmemachens. Er ruht sich nie im Wohnwagen aus. Er ist immer am Drehort, schiebt ständig selbst Dinge hin und her, hängt sich rein und sorgt dafür, dass alles gemacht wird.«

Kormákur gibt freimütig zu, dass er sich besonders von Actiondrehbüchern angesprochen fühlt, was aber nicht unbedingt an den besonders adrenalinhaltigen Momenten liegt: »Ich sehe mir an, was ich beitragen kann. Und dann frage ich mich, ob mich das Material anspricht oder ob ich einfach nur jeden Tag zur Arbeit erscheinen würde. Ich springe auf Material an, in das ich mich einbringen und bei dem ich den Schauspielern helfen kann. Das begeistert mich.«

Die beiden Hauptakteure zusammen vor die Kamera zu stellen, empfand Kormákur als ausgesprochen aufregend. Er war es gewesen, der Denzel Washington als idealen Gegenpunkt zur Figur von Mark Wahlberg ins Spiel gebracht hatte. »Ich hatte Denzel noch nie in einer leichten Rolle gesehen«, merkt der Regisseur an, »aber das Komödiantische in 2 Guns basiert auf der Realität, wie man sie bei Robert de Niro in Midnight Run erlebt hat. Denzel hat ein so immens starkes Charisma. Aber Schauspieler, die stark im dramatischen Bereich sind, haben für gewöhnlich ein gutes Timing. Und Timing ist das A und O, wenn es um Komödie geht.«

Mark Wahlberg war froh, dass sich ihm endlich die Gelegenheit ergeben hatte, an der Seite von Denzel Washington spielen zu können. Über die Arbeit mit Washington sagt er: »Die Chemie zwischen uns stimmt einfach. Wir kennen uns mittlerweile eine ganze Weile, und dies war das perfekte Material für uns, einmal eine andere Seite von uns zu zeigen.

Die Leute wären überrascht, wenn sie sehen könnten, wie verspielt Denzel sein kann. Ich erinnere mich, wie wir unsere erste Szene drehten, und bei jeder Klappe machte ich jedes Mal etwas völlig anderes. Er sagte: „Okay, das geht hier also ab!” Und er stieg sofort darauf ein.«

Wahlberg gibt zu, dass er einen Hintergedanken dabei hatte: Denzel Washington zum Lachen zu bringen. »Es gibt nichts Besseres, als Denzel lächeln zu sehen. Normalerweise sieht man das ein oder zwei Mal in einem Film. In diesem Film sieht man es oft.«

Paula Patton, die mit Washington erstmals seit ihrem gemeinsamen Auftritt in Tony Scotts Déjà vu – Wettlauf gegen die Zeit wieder vor der Kamera steht, spielt Agent Deb Rees, Bobbys Kontakt bei der Polizei. Deb ist hin- und hergerissen zwischen ihren Gefühlen für Bobby und dem Bedürfnis, die Dinge korrekt abzuwickeln. Patton erzählt über eines der zentralen Themen der Geschichte, das auch dem ursprünglichen Autor Grant stets sehr wichtig ist:

»Ich hatte immer schon die Theorie, dass der Grat zwischen einem Schurken und einem guten Jungen sehr schmal ist. Es ist eine Herausforderung, verdeckt zu ermitteln und so zu tun, als sei man ein Gauner. Mir gefällt an 2 Guns, dass es wilde, unmittelbare Balleraction ist – und doch Platz für etwas Romantik findet. Wichtig ist, dass der Film sich nicht so ernst nimmt und über sich selbst lachen kann.«

Denzel Washington vergisst nicht, das Publikum daran zu erinnern, dass Deb vielleicht eine etwas zurückhaltendere Figur ist, als man es von Paula Pattons anderen Rollen kennt, sie aber dennoch unverkennbar von der Powerfrau aus Mission: Impossible – Phantom Protokoll gespielt wird. Er merkt an:

»Paula ist die härteste Frau, die man sich nur vorstellen kann, ein harter Brocken. Sie hat ein hübsches Gesicht, aber man kann in ihm trotzdem ihre Zähigkeit lesen. Sie liebt Wettbewerb und Kampf und war immer bereit, ohne Rücksicht auf Verluste loszulegen. Sie gehört (Darf ich das sagen?) zu den Jungs!«

Edward James Olmos spielt den gefährlichen Drogenbaron Manny „Papi“ Greco. Ihn überzeugte das effektive Drehbuch, wie er berichtet: »Es ist eine wirklich gut geschriebene Actionkomödie über zwei Kumpels, die richtig beim Publikum ankommen. Mir gefiel an der Story, wie sie einen humorvollen, aber doch sehr ehrlichen Blick auf die Beiträge verschiedener Teile der amerikanischen Regierung zur tatsächlichen Drogensituation wirft.«

Bösewichte gibt es in 2 Guns auf beiden Seiten des Drogenkrieges. Das ist bei niemandem offensichtlicher als im Fall von Earl, einem etwas zweifelhaften Partner der CIA, der von allen nur „Gottes Hurensohn“ genannt wird. Earl gefällt es, seinen Opfern eine Predigt zu halten und die „Schuldigen, Ignoranten oder Unglücklichen“ zu bestrafen, wie es ihm gerade in den Kram passt. Earl wird von dem Actionveteran Bill Paxton gespielt, der sein Interesse an der auffälligen Rolle beschreibt:

»Als ich das Drehbuch las, fiel mir auf, wie das Thema Ehre immer wieder in den Mittelpunkt gerückt wird. Mir gefiel die Idee all dieser vermeintlich ehrenwerten Herrschaften, die all diesen vermeintlich ehrenwerten Organisationen ihre Loyalität geschworen haben. Aber am Ende des Tages sind die beiden einzigen ehrenwerten Männer in diesem Film Bobby und Stig – weil sie sich einander gegenüber ehrenhaft verhalten.«

Der Mann, der Stigs Fäden zieht, ist Quince, ein hyperkorrekter, immer wie geleckt aussehender Marineoffizier und der Vorgesetzte des Undercoveragenten bei der Naval Air Station Corpus Christi. Stig hält Quince für über jeden Zweifel erhaben, aber womöglich ist er nicht ganz der Vorzeigestreber, als der er rüberkommt. Schauspieler James Marsden erklärt, warum er bei 2 Guns mitmachen wollte: »Die Action macht unheimlich viel Spaß. Mich erinnerte der Films stark an Lethal Weapon

Weil Quince Macht über die Zukunft Stigs besitzt, ist es dem Undercoveragent immer unangenehm, wenn sein Vorgesetzter in der Nähe ist. Marsden sagt über ihre Dynamik: »Sie sind ungefähr zur gleichen Zeit in die Navy eingetreten, aber meine Figur ist die Karriereleiter in der Akademie regelrecht hochgefallen. Er hat jeden Test mit Auszeichnung bestanden.

Ich würde ihn als Soziopathen beschreiben, der sich an seiner Macht berauscht. Er ist der Puppenspieler, der Intellektuelle, der den ganzen Plan ausgeheckt hat. Quince weiß, dass andere für ihn die Drecksarbeit erledigen, aber manchmal packt er doch selber die Knarren aus und hat dann auch keine Angst, selbst bei allem mitzumischen.«

Und schließlich stieß noch Fred Ward als Marine-Admiral Tuwey zur Besetzung von 2 Guns. Er ist der einzige Mann, von dem Stig glaubt, dass er der ganzen misslichen Angelegenheit auf den Grund gehen kann. Ward brachte persönliche Erfahrung in seine Rolle mit, er hatte als junger Mann bei der Air Force gedient. Ward erzählt über seine Arbeit mit Regisseur Kormákur:

»Balt gab mir während des Drehs sehr detaillierte Anweisungen. Die Rede, die der Admiral Stig hält, ist sehr lang und Balt war sehr geduldig. Mir gefällt an Regisseuren wie ihm, dass sie meine Vorschläge respektieren und nicht zögern, mir ihre Vorschläge zu unterbreiten. Es ist immer eine respektvolle Unterhaltung.«

Regisseur Baltasar Kormákur abschließend: »Das Drehbuch las sich wie ein moderner Western. Es fühlte sich an wie etwas, mit dem ich gut herumspielen konnte, das sich stilisieren ließ und die Freiheit für eine interessante Visualisierung eröffnete.

Die Figuren strahlen eine starke Menschlichkeit aus. Sie wachsen einem im Verlauf der Handlung ans Herz, obwohl sie in einer leicht überhöhten, wenngleich nicht gänzlich unrealistischen Welt des Verbrechens existieren... Im Grunde ist 2 Guns ein von seinen Figuren angetriebener Film, der sich mit seiner Atmosphäre und seinem Blick auf Landschaften tief vor dem Western verneigt.«

In der Tat hätte die Geschichte auch im „Wilden Westen“ spielen können. Kormákur, der mit dem zwar erfolgreichen, aber dennoch eher unspannenden Contraband seinen US-Einstand gab, hat sich in dieser Hinsicht mit 2 Guns verbessert. Immerhin ist diese besondere Buddy-Action-Komödie eine Adaption einer Bildromanreihe, was man dem Stoff jedoch in keinster Weise ansieht.

2 Guns erinnert an die klassischen Cop-Movies der 90er Jahre, wie Lethal Weapon oder Bad Boys. Coole Sprüche und ebensolche Action stehen bei diesem Film auf der Tagesordnung. Hinzu kommt auch, dass die Chemie der beiden Hauptdarsteller stimmt, die sichtlich ihren Spaß bei der Arbeit hatten. Auch wenn der Film für sich gesehen nichts Neues bietet, so unterhält er doch ordentlich, wenn auch nur für kurze Zeit. ■ mz

17. Oktober 2013
OT: 2 Guns
Action/Krimi/Komödie
USA 2013
109 min
FSK 16


mit

Denzel Washington (Robert „Bobby“ Trench) Leon Boden
Mark Wahlberg (Michael „Stig“ Stigman) Oliver Mink
Paula Patton (Deb)
Bill Paxton (Earl)
Fred Ward (Admiral Tuwey)
James Marsden (Quince) Robin Kahnmeyer
Edward James Olmos (Manny „Papi“ Greco) Thomas Fritsch
Robert John Burke (Jessup) Erich Räuker
Patrick Fischler (Dr. Ken) Stefan Krause
Greg Sproles (Chief Lucas)
u.a.

drehbuch
Blake Masters
basierend auf den Figuren der gleichnamigen Bilderromanreihe von Steven Grant

musik
Clinton Shorter

kamera
Oliver Wood

regie
Baltasar Kormákur

produktion
Universal Pictures
Emmett/Furla Films
Marc Platt
Oasis Ventures Entertainment Ltd.
Envision Entertainment
Herrick Entertainment
BOOM! Studios
Hollywood Studios International

verleih
Sony

Kinostart: 26. September 2013