Mittwoch, 13. Dezember 2017
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White House Down


© Sony Pictures
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Nach Olympus has fallen - Die Welt in Gefahr kommt nun ein weiterer Thriller um eine Belagerung des Hauses in der Washingtoner Pennsylvania Avenue in die Kinos. Kein Geringerer als Roland Emmerich wagte sich erneut an die Malträtierung des Weißen Hauses.

»Tatsächlich war das der eine Grund, der mich zunächst zögern ließ. Ich stellte mir die Frage: ,Kann ich mich allen Ernstes noch einmal ans Weiße Haus wagen?’«, lacht der Mann, der das Gebäude in Independence Day von Aliens in die Luft jagen und in 2012 den Flugzeugträger John F. Kennedy hindurch schmettern ließ. »Letztendlich war entscheidend, dass ich diese Geschichte unbedingt erzählen wollte. Sie hat starke Figuren und eine ganz andere, sehr ungewöhnliche Erzählweise, die Actionelemente mit Versatzstücken eines Politthrillers von weltweiten Ausmaßen vereint.«

Dem Washingtoner Polizisten John Cale wurde gerade sein Traumjob verwehrt, für den Secret Service als Personenschützer von Präsident James Sawyer zu arbeiten. Weil er seiner kleinen Tochter die schlechte Nachricht schonend beibringen will, nimmt er sie mit zu einer Besichtigungstour durch das Weiße Haus.

Aus heiterem Himmel wird der gesamte Gebäudekomplex von einer schwer bewaffneten paramilitärischen Gruppe gestürmt und besetzt. Während die Regierung ins Chaos stürzt und allen die Zeit davonläuft, liegt es an Cale, den Präsidenten, seine Tochter und das Land zu retten.

»Cale versucht seit Jahren, sein Leben in den Griff zu bekommen. Was ihm fehlt, sind die nötigen Werkzeuge, um alles auf die Reihe zu kriegen«, sagt Channing Tatum. »Aber er hat ein gutes Herz. Er hat immer davon geträumt, der Held seiner Tochter zu sein. Und jetzt wird ihm bewusst, dass er das nicht sein kann, wegen der Fehler, die er gemacht hat. Er denkt: ,Nun, sie bewundert den Präsidenten... Wenn ich schon nicht ihr Held sein kann, dann kann ich vielleicht wenigstens denjenigen beschützen, der es ist.’«

Und so kommt es, wie es für einen Actionfilm nun mal kommen musste: Nach einem Vorstellungsgespräch beim Secret Service bekommt er zunächst auf Grund seiner Vergangenheitspatzer eine Absage. Da half es auch nicht, dass seine frühere Liebe Carol das Gespräch führte.

Maggie Gyllenhaal sagt, dass die Stärke ihrer Figur auf dem Wissen beruht, wann sie sich strikt an das Regelbuch halten muss – und wann sie es rücksichtslos missachten kann. »Sie ist wirklich gut in ihrem Job, aber eben nicht auf Kosten dessen, was richtig und angemessen ist«, erläutert sie.

»Sie glaubt voll und ganz an das System. Das ist der Grund, warum sie Cales Bewerbung ablehnt. Aber wenn sie miterlebt, wie Entscheidungen getroffen werden, die offenkundig falsch sind, dann macht sie das nicht mit, auch wenn das bedeutet, dass sie unorthodoxe Dinge machen muss. Man könnte also sagen, dass sie die Stimme der Vernunft ist.«

Joey King ist als Cales Tochter Emily zu sehen. Vielen wird sie noch aus Die fantastische Welt von Oz bekannt sein, wo sie das „China Girl“ bzw. das Mädchen im Rollstuhl gesprochen/gespielt hat. Zuletzt spielte sie eine der Töchter in dem Gruselfilm Conjuring - Die Heimsuchung. Actionerfahrung konnte die 14-jährige Schauspielerin bereits in World Invasion: Battle Los Angeles sowie in The Dark Knight rises sammeln.

Ihre angespannte Beziehung wird zusätzlich auf den Prüfstand gestellt, als sie im Verlauf der Krisensituation im Weißen Haus voneinander getrennt werden. »Zu Beginn des Films sind ihre Eltern geschieden, und sie ist nicht allzu gut auf ihren Vater zu sprechen«, erklärt King.

»Deshalb nimmt er sie zu seinem Bewerbungsgespräch beim Secret Service mit und besorgt ihr Tickets für eine Führung durchs Weiße Haus. Er weiß ja, dass sie regelrecht besessen ist von allem, was mit Politik zu tun hat, und denkt, dass er sie damit beeindrucken kann. Aber dann werden sie voneinander getrennt und jede Menge verrückte Dinge passieren. Im Grunde geht es aber die ganze Zeit um ihre Beziehung. Er will sie zurückholen, und sie erkennt, wie sehr er sie liebt – und wie sehr sie ihn liebt.«

King genoss die Gelegenheit, an der Seite von Channing Tatum zu arbeiten (Welches Mädchen würde das wohl nicht?!). Weil sie Vater und Tochter spielten, verbrachten sie am Drehort selbstverständlich viel Zeit miteinander. »Wir hatten eine ganz eigene Begrüßung, die wir den „Chan-shake“ nannten«, erzählt sie. »Das war das coolste überhaupt! Es ist die längste Begrüßung der Welt und wir haben uns selbst die Choreographie ausgedacht. Er ist einfach großartig und so lustig... Er ist wie mein Vater, mein Bruder und mein bester Freund.«

»Was mich bei dem Film am meisten beeindruckt hat, das muss ich schon sagen, war Roland«, meint Jason Clarke, der den Anführer der Terroristen, Emil Stenz, spielt - ein ehemaliger Elitesoldat, der nunmehr eine paramilitärische Einheit befehligt. »Er will, dass der Film interessant wird und Spaß macht, aber er lässt dabei niemals den dramatischen Aspekt aus den Augen und gibt dem Publikum immer etwas, womit es sich verbunden fühlt. Man kann sich immer auf ihn verlassen, er will immer seine Geschichte erzählen, und er weiß wirklich, wie man diese Sachen dreht.«

Jamie Foxx ist als Präsident James Sawyer (Außer dem Namen hat er aber auch so gar keine Ähnlichkeit mit der Figur aus Lost!) der Mann, der sich im Film im Auge des Sturms befindet. »In dieser Situation wird der Präsident mit dem Beginn einer neuen Weltordnung konfrontiert«, erzählt Foxx.

»Er lernt, dass die Macht des Schwertes nicht immer die beste Maßnahme in einer Krisensituation ist. Wir schneiden ein paar dieser politischen Themen an, aber wir wollen das Publikum nicht runterziehen. Es ist ein sehr erfrischender Blick auf einen Typen, den ich als Superactionhelden bezeichnen würde. Setzt euch hin, freut euch auf einen wilden Ritt, seht zu, wie Channing zur Arbeit schreitet und was er als John Cale alles anstellt.«

Die Arbeit mit Roland Emmerich erwies sich für Foxx als Offenbarung. »Als Schauspieler, der gerne ein Regisseur wäre, machte ich mir Gedanken über den Film und wunderte mich: ,Wow, was für eine gewaltige Größe! Wie will er das filmisch umsetzen?’ Ich habe ihm genau zugesehen, ich konnte ihm über die Schulter blicken und einen Blick auf die Liste mit der Abfolge der Einstellungen werfen.

Es war wirklich irre. Aber Roland ist auch ein ausgezeichneter Mitstreiter. Er erlaubt es einem, sich einzubringen mit seinen Ideen, und dann formt er sie in einer Weise, dass er sie für seinen Film verwenden kann – und wenn man sich zu weit weg wagt, dann holt er einen wieder zurück.«

James Vanderbilt (Der Fluch von Darkness Falls, Zodiac - Die Spur des Killers, The Amazing Spider-Man) schrieb das Drehbuch zu diesem Actionkracher, der sich jedoch ein wenig Tiefgang erlaubt. »Als ich mit dem Projekt begann, bestand der Reiz für mich darin, einen dieser Actionfilme zu schreiben, die mir so gut gefielen, als ich noch klein war: Ein gewöhnlicher Mann in außergewöhnlichen Umständen, der seinen Mann stehen muss«, sagt Vanderbilt.

Ähnlichkeiten John Cales mit der wohl klassischsten Belagerungs-Actionfigur, John McClane, sind da wohl nicht so rein zufällig gewählt. Nicht nur der Vorname, auch das weiße Feinripp-Unterhemd signalisiert hier den einsamen Helden. »John Cale ist ein Typ, der ganz in sich ruht. Er hat Humor, Selbstvertrauen, vielleicht ist er sogar ein bisschen übermütig, ein kleiner Hagestolz«, sagt Vanderbilt. John Cale ist eine anspruchsvolle Actionrolle, und Tatum wurde ihr absolut gerecht. Er lieferte seine eigenen Stunts ab, wann immer er nur konnte.

»Als wir beim Dreh einen Stunt durchführen wollten, sagte er: „Also, ich will das selbst machen.“«, erinnert sich Emmerich. »Ich war überrascht, aber als ich darüber nachdachte, ergab es schnell Sinn. Schauen Sie sich an, wie er sich als Tänzer bewegt, in Step up oder Magic Mike. Tänzer sind immer begabte Stuntleute, weil sie die perfekte Kontrolle über ihre Körper haben.«

Als Anführer der Söldnertruppe, die das Weiße Haus belagern, ist der Australier Jason Clarke (You can't stop the Murders, Death Race, Zero Dark Thirty, Der große Gatsby) zu sehen, sowie Kevin Rankin (Trauma, Justified, Unforgettable, Pawn Shop Chronicles) als Hacker, Lance Reddick (Fringe, Lost, The Wire) als aktionseifriger General, Matt Craven und Jake Weber als Secret Service Agenten, Richard Jenkins als überforderter Ersatzpräsident und James Woods als Secret Service Chef.

Emmerich ließ es sich nicht nehmen, als Präsidenten einen Schwarzen zu besetzen - vermutlich aus Gründen der Aktualität. Jamie Foxx, der noch vor kurzem als Sklave in Django unchained zu sehen war, musste nun eine 180-Grad-Drehung vollziehen und den Präsidenten spielen, was gewiss nicht einfach war. So richtig bekam er jedenfalls die Rolle nicht hin. Man kauft ihm die Präsidentenrolle einfach nicht ab. Auch wenn er versucht, als Präsident mit der Wumme cool zu wirken, zündet das nicht so wirklich.

Trotzdem ist der Film, vor allem das Drehbuch, als gelungen zu bezeichnen. Dieses wahnsinnige Konstrukt mit all den Figuren, die, jede für sich, eine Vergangenheit besitzen, ist schon eine Meisterleistung von James Vanderbilt, der zusammen mit Roland Emmerich und Dean Devlin bereits an der Fortsetzung von ID4, ID forever (in 2 Teilen für einen Kinostart ab 2015 geplant), arbeitet. Vanderbilt arbeitete auch an dem am 6. Februar 2014 startenden Remake von Robo-Cop mit und lieferte die Story für das Spider-Man-Sequel, das im April nächsten Jahres starten soll.

Man darf also gespannt sein. Jetzt kann man sich erst einmal an diesem Film hier ergötzen. Die Action ist, wie die ausgeklügelte Geschichte, haarsträubend, spannend und unterhaltsam, auch wenn Emmerich nach seinem aktionsarmen Ausflug mit Anonymus ein wenig aus der Übung war. Immerhin zeigt er auch in diesem Film, dass nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, wo die „Stars & Stripes“ drauf sind, und dass sich auch in den höheren Positionen der Regierung nur Menschen befinden. ■ mz

5. September 2013
OT: White House Down
Action/Thriller
USA 2013
132 min
FSK 12


mit

Channing Tatum (John Cale) Daniel Fehlow
Jamie Foxx (Präsident James Sawyer) Charles Rettinghaus
Joey King (Emily Cale) Fridoline Domanowski
Maggie Gyllenhaal (Carol Finnerty) Tanja Geke
Jason Clarke (Emile Stenz) Tobias Kluckert
Richard Jenkins (Eli Raphelson)
James Woods (James Walker) Frank Glaubrecht
Nicolas Wright (Donnie, der Führer) Norman Matt
Jimmi Simpson (Tyler)
Michael Murphy (Vizepräsident Hammond)
Rachelle Lefevre (Melanie)
Lance Reddick (General Caulfield)
Matt Craven (Agent Kellerman)
Jake Weber (Agent Hope) Peter Flechtner
Peter Jacobson (Wallace)
Barbara Williams (Muriel Walker)
Kevin Rankin (Killick)
Garcelle Beauvais (Alison Sawyer)
u.a.

drehbuch
James Vanderbilt

musik
Harald Kloser
Thomas Wander

kamera
Anna J. Foerster

regie
Roland Emmerich

produktion
Mythology Entertainment
Centropolis Entertainment
Iron Horse Entertainment

verleih
Sony

Kinostart: 5. September 2013