Freitag, 15. Dezember 2017

Wir sind die Millers


Patchwork-Familie neuer Art: Rose O'Reilly, Kenny Rossmore, Casey Mathis und David Clark
© Warner Brothers
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Rawson Marshall Thurber, der Ghostbusters als die „beste Komödie aller Zeiten“ bezeichnet, kehrt nach seinem Ausflug (und gezogener Niete) ins Fach Romanadaption (Ein verhängnisvoller Sommer, 2008) zurück zum Originaldrehbuch einer Komödie, die auch wirklich witzig ist. 2004 legte er mit der Komödie Dodgeball - Voll auf die Nüsse einen ordentlichen Start hin und zeigt uns nun mit Wir sind die Millers eine originelle Komödie um einen Drogenkurier wider Willen, der sich zur Tarnung eine Familie bastelt.

Im Gegensatz zum bierernsten Snitch - Ein riskanter Deal mit Dwayne Johnson, der vor kurzem in den Kinos lief und nicht so recht überzeugen konnte, schickt Thurber nun Jason Sudeikis, Jennifer Aniston, Emma Roberts und Brit-Import Will Poulter (Der Sohn von Rambow, Die Chroniken von Narnia - Die Reise auf der Morgenröte) auf einen unvergesslichen Trip von Mexico zurück nach hause.

David Clark ist ein kleiner Drogendealer, der zwar Köche und Hausfrauen, aber keine Kinder beliefert. Davor schreckt er dann doch zurück. Was kann also schief gehen? Jede Menge! Zum Geschäft gehört natürlich, dass er sich möglichst unauffällig verhält. Leider muss er dann auf die harte Tour lernen, dass selbst gute Taten bestraft werden. Als er eines Abends einer jungen Ausreißerin helfen will, die gerade überfallen wird, wird er von drei üblen Punks angegriffen, die ihm sein Geld und seine Ware abnehmen. Wie soll David jetzt die umfangreichen Schulden bei seinem Lieferanten Brad abtragen?

Dieser macht mit ihm einen Deal: Wenn David für ihn eine große Lieferung Marihuana über die Grenze schmuggelt, werden ihm seine Schulden erlassen. Was ist also die sicherste Art, das Zeug rüberzubringen? Klar - eine Familie in einem riesigen Wohnwagen! Doch woher soll er sie nehmen? Da kommt ihm eine Idee: In seinem Haus wohnen die zynische Stripperin Rose und der jungfräuliche Kenny, dessen Mutter mit irgendeinem Typen irgendwo rummacht. Und dann ist da noch die obdachlose Casey, die er gerade erst gerettet hat.

Rose sträubt sich erst, doch als der Vermieter sie mangels Miete rausschmeißt und sie ihren Job kündigt, weil jetzt auch Sex abverlangt werden soll, willigt sie kurzerhand ein. Also flugs nach Mexico, ein Wohnmobil gemietet und ab zum Drogenboss, das Gras verstauen und dann damit über die Grenze! Womit sie jedoch nicht gerechnet haben, ist der mexikanische Schmiercop, das überladene Mobil, das das Trietzen nicht aushält, und Wohnmobil-Bekanntschaften, die man unterwegs macht - besonders wenn man an einen DEA-Agenten im Ruhestand gerät...

Thurber dazu: »Das ist eine echt clevere Variante der bewährten Familienurlaub-Roadmovie-Komödie - eine Achterbahnfahrt, bei der man sich ständig fragt, was hier eigentlich abgeht. Mir hat die Story auf Anhieb gefallen.« Und in der Tat wirkt der Film wie eine neuzeitliche Variante des Klassikers Die schrillen Vier auf Achse. Ob das Team Sudeikis-Aniston in die Fußstapfen von Chase-d'Angelo tritt und in Fortsetzung geht, bleibt abzuwarten. Vom Spaßfaktor her gibt es jedenfalls keine großen Unterschiede.

»Als wir Kill the Boss abgedreht hatten, wünschten wir uns einen weiteren großartigen Stoff, der aber nicht nur ein paar Szenen, sondern einen ganzen Film tragen könnte«, sagt Jennifer Aniston. »Jason ist ein guter Freund, die Arbeit mit ihm bringt richtig Spaß, und das Skript ist derart komisch - klar, dass wir bei diesem Projekt zugesagt haben.« Auch Jason Sudeikis gefiel der Humor. Über das Thema der Story sagt er: »Unterschwellig geht es doch darum, dass die Familie nicht unbedingt die biologische sein muss. Man kann sie sich doch auch aussuchen - selbst wenn ich das im Film nur aus Bequemlichkeit und Verzweiflung tue.«

Patchwork mal anders! Und im Gegenzug zum stets aktuellen Thema „mexikanische Einwanderer“ lässt Thurber hier klassisch Drogen schmuggeln. Die Idee dazu entstand tatsächlich an der Grenze. Autor Steve Faber erinnert sich: »Ich habe oft längere Ausflüge nach Mexiko gemacht, einfach um mal einen klaren Kopf zu bekommen, und an der Grenze beobachtete ich, dass immer derselbe Typ gefilzt wurde: Er hatte Haare bis zum Hintern, fuhr einen VW-Bus, und die drogenschnüffelnden Hunde schnappten nach ihm. Da überlegte ich: ‚Warum badet der nicht mal? Warum macht er sich nicht älter und schneidet sich die Haare? Warum mietet er sich nicht ein Wohnmobil, wenn er schon Gras über die Grenze schmuggeln will?‘ Das heißt aber nicht, dass ich das befürworten würde!«

Autor Bob Fisher hat ähnliches beobachtet: »Zur selben Zeit wurden dort Wohnmobile mit Familien auf Urlaubsreise ohne Durchsuchung durchgewunken. So entstand die Idee zum Film über einen kleinen Pot-Dealer, der sich ein Wohnmobil mietet und zur Tarnung eine Familie engagiert, um so einen Haufen Gras über die Grenze zu transportieren.«

Was wäre eine Familienurlaubsreise ohne ein Lied zum Mitsingen? Thurber stellt fest: »Wir wollten jene Situationen nachstellen, die alle Familien in den Ferien erleben – ob nun Papa sauer wird oder die Kinder auf der Rückbank rangeln oder alle den Song aus dem Radio mitsingen.«

Der Regisseur berichtet, dass Sudeikis die Idee zu dem schließlich verwendeten Lied hatte: Er schlug TLCs Song „Waterfalls“ im traditionellen Stil vor. Doch Thurber betont auch, dass vor allem Poulter einen großen Anteil daran hatte, dass der Song im Film so gut funktioniert: »Will steht total auf Rap, weiß alles über Strophen und Verse, und deshalb fanden wir es besonders lustig, dass Kenny den Part von Lisa „Left Eye“ Lopes rappt – er hat das wirklich fabelhaft hinbekommen.« Als besonderen Insider-Gag ließen sie es sich auch nicht nehmen, The Rembrandts mit „I'll be there for you“, die Titelmusik von Anistons Karriereschub Friends, zu spielen.

Jason Sudeikis stimmt ihm zu: »Ohne Wills ernsthafte Begeisterung für und Beherrschung des Rap hätte es diese Szene wohl nie gegeben. Er bringt auch noch viel kompliziertere Sachen als „Waterfalls“ zustande. Dagegen muss ich zugeben, dass ich schon Schwierigkeiten hatte, auch nur einen Teil des Textes auswendig zu lernen.«

Außerdem musste Sudeikis lernen, wie man ein Wohnmobil lenkt. Er und Offerman nahmen Fahrstunden speziell für diese Gefährte, um sie selbst zu fahren – oder zumindest überzeugend so zu tun, als ob. Glücklicherweise konnte er auf eine andere Art Erfahrung zurückgreifen, die seiner Meinung nach sehr gut als Einstimmung auf die von ihm verlangten Fahrkünste in diesem Film passte. »Ich habe immer gern Videogames gespielt, in „Grand Theft Auto“ lenkte ich den großen Bus, machte Streifenwagen und Straßenhuren und sonst was platt, und rein von der Größe ist das so ziemlich dasselbe«, sagt er augenzwinkernd. »Natürlich würde ich nur ungern in dem Ding durch Manhattan fahren.«

Thurber hat die Arbeit an den Reisesequenzen zu Wir sind die Millers ausgesprochen genossen. »Bei Komödien ist es immer schwer, sich während der Produktion vorzustellen, wie die Zuschauer reagieren werden. Aber ich muss wirklich sagen, dass uns hier der „Citizen Kane“ des Genres „Roadmovie-Potschmuggler-Komödie mit falscher Familie“ gelungen ist«, sagt er, ohne mit der Wimper zu zucken.

Der Humor des Films liegt oft unter der Gürtellinie, oder vielmehr gesagt: im sexuellen Bereich. Er bleibt jedoch stets verbal. Das Anzüglichste sind da wohl die Stangen-Tanzszenen Anistons, die für diesen Film offenbar in einen Topf voll Schminke gefallen war. Das ist aber auch das Einzige, was an diesem Film störend wirkt, weil es eben so dick aufgetragen wurde, dass es penetrant auffällt. Wer die wahrscheinlich lustigste US-Komödie des Jahres nicht verpassen will, der sollte sich jetzt „die neuen schrillen Vier auf Achse“ im Kino ansehen! (Schenkelklopfer und Rotbäckchen inklusive!) ■ mz

28. August 2013
OT: We're the Millers
Komödie
USA 2013
110 min
FSK 12


mit

Jason Sudeikis (David Clark) Norman Matt
Jennifer Aniston (Rose O'Reilly) Ulrike Stürzbecher
Emma Roberts (Casey Mathis) Luisa Wietzorek
Will Poulter (Kenny Rossmore) Patrick Baehr
Nick Offerman (Don Fitzgerald) Wolfgang Wagner
Kathryn Hahn (Edie Fitzgerald) Christin Marquitan
Molly C. Quinn (Melissa Fitzgerald) Jennifer Weiß
Ed Helms (Brad Gurdlinger) Uwe Büschken
Thomas Lennon (Nick Nathanson) Axel Malzacher
Tomer Sisley (Pablo Chanon) Sebastian Christoph Jacob
Mark L. Young (Scotty P) David Wittmann
Matthew Willig (Einauge)
Luis Guzmán (mexikanischer Polizist)
u.a.

drehbuch
Bob Fisher
Steve Faber
Sean Anders
John Morris

musik
Ludwig Göransson
Theodore Shapiro

kamera
Barry Peterson

regie
Rawson Marshall Thurber

produktion
BenderSpink
New Line Cinema
Vincent Newman Entertainment

verleih
Warner Brothers

Kinostart: 29. August 2013