Samstag, 16. Dezember 2017

Chroniken der Unterwelt - City of Bones


Clary vor dem Portal
© Constantin Film
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Im Jahr 2007 stellte die Schriftstellerin Cassandra Clare erstmals die Figur der zurückhaltenden Kriegerin Clary Fray in ihrem Roman „Chroniken der Unterwelt - City of Bones“ vor, das erste Abenteuer einer Reihe, die sich in den folgenden Jahren zu einem Fantasyabenteuer-Imperium entwickeln sollte. In Clares sorgfältig konstruierter magischen Welt entdeckt eine junge Frau, dass sie von Hexenmeistern, Vampiren, Werwölfen und Dämonen umgeben ist – und den geheimnisvollen Schattenjägern, im verborgen lebende Engel-Mensch-Hybriden, die die Menschheit vor dem ultimativ Bösen beschützen.

Clare begann im Jahr 2003 mit dem Verfassen ihrer Reihe von Young-Adult-Romanen, die auf Anhieb auf den Bestsellerlisten von New York Times, USA Today, Wall Street Journal und Publishers Weekly landeten: »Ich war immer schon ein großer Fan von Fantasy und epischen Geschichten über Gut und Böse«, sagt sie. »Ich wollte eine Coming-of-Age-Geschichte mit einem Mädchen im Mittelpunkt erzählen, weil ich das noch nicht allzu oft gesehen hatte. Und ich beschloss, New York als Kulisse zu wählen, weil ich gerade in die Stadt gezogen war und mich in ihre wunderbare und unglaubliche Geschichte verliebt hatte.«

Vier Jahre später wurde „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ veröffentlicht und entwickelte sich in Windeseile zum weltweiten Phänomen. In der Folge entstanden fünf weitere Romane der Saga um Clary Fray und ihren Schattenjäger-Kameraden sowie drei weitere mehrteilige Serien, die ebenfalls in Clares brillant erdachter Schattenwelt angesiedelt sind: „The Bane Chronicles“, „The Infernal Devices“ und „The Dark Artifices“.

Der Film erzählt die Geschichte von Clary, die entdeckt, dass sie einer viele Generationen alten Gruppe von Schattenjägern angehört, einem Geheimbund von Halbengel-Kriegern, die dafür kämpfen, unsere Welt vor Dämonen zu bewahren. Nach dem rätselhaften Verschwinden ihrer Mutter schließt sich das Mädchen einer Gruppe von Schattenjägern an, die ihr das New York einer Parallelwelt zeigen - voll mit Dämonen, Zauberern, Werwölfen, Vampiren und anderen tödlichen Kreaturen.

Gemeinsam mit den Schattenjägern Jace, Alec und Isabelle sowie ihrem langjährigen besten Freund Simon macht sich Clary auf die Suche nach ihrer Mutter. Außerdem müssen sie verhindern, dass der finstere Valentine Morgenstern in den Besitz des mächtigen Kelchs der Engel gelangt...

Wenn man den komplexen Inhalt samt Begriffen bei erster Sicht des Films schnallt, kann man sich glücklich schätzen. Mit Sicherheit mussten für die Filmadaption einige Sachen weggelassen werden, wie der niederländische Regisseur Harald Zwart (Karate Kid, Agent Cody Banks) berichtet: »Wenn man ein populäres Buch adaptiert, muss man schwierige Entscheidungen treffen«, gesteht der Regisseur.

»Man muss gewisse Dinge aus den unterschiedlichsten Gründen aufgeben. Manche Sachen funktionieren vielleicht in der inneren Logik des Films nicht, manche Sachen muss man aus so profanen Gründen wie Budgetbeschränkungen streichen. Wir gaben unser Bestes, all das zu erhalten, was wirklich wichtig war. Zum Glück hat uns Cassandra bei allen unseren Entscheidungen unterstützt.«

In der Hauptrolle ist Phil Collins' Tochter aus 2. Ehe, Lily Collins, zu sehen, die übrigens damals für die Rolle der Bella Swan in Twilight vorgesprochen hatte, welche dann aber mit Kristen Stewart besetzt wurde. Dafür darf sie jetzt in dem Harry-Potter-Twilight-Hybriden die „Bella Potter“ mimen. Da sie selbst ein Fan der Bücher ist, musste sie sich einen gewissen Abstand erarbeiten:

»Es gibt Vorteile, aber auch Nachteile, wenn man die ganze Buchreihe gelesen hat, bevor man die Filme dreht. Ich habe sie alle gelesen, also musste ich einen Abstand zwischen mir und den Folgebüchern schaffen, denn Clary kann natürlich nicht wissen, was als nächstes passiert. Zu Beginn der Bücher ist sie wirklich ein ganz normales Mädchen. Wenn man bereits zu viel weiß, setzt man ihre Reinheit in dieser Situation aufs Spiel.«

Für die junge Schauspielerin war es spannend zuzusehen, wie sich das Drehbuch zunehmend entwickelte: »Es ist eine vorlagengetreue Adaption des Romans, aber es kann auch als Film völlig auf eigenen Beinen stehen. Es wird von den Figuren und ihren Emotionen angetrieben. Das trifft auf die Bücher zu wie auch auf die Inszenierung von Harald.«

Clarys langjähriger bester Freund ist Simon Lewis, ein etwas nerdiger Bücherwurm, den sie kennt, seitdem sie sechs Jahre alt war. Simon ist bei jedem Schritt ihrer Reise in die Schattenwelt an Clarys Seite. Bei der Besetzung dieser und anderer Schlüsselrollen setzten die Filmemacher stark auf den Input der Fangemeinde und ließen sich davon bei ihren Entscheidungen leiten.

»Der Name, der in den Foren immer und immer wieder genannt wurde, war Robert Sheehan«, erinnert sich Produzent Robert Kulzer. »Er ist ein irischer Darsteller, er hat noch keinen großen Namen, aber bringt eine beeindruckende Filmographie mit. Simon hat ein paar wirklich lustige, etwas abseitige Oneliner auf Lager, und Robbie hat genau das richtige komische Timing dafür.«

Den meisten Zuschauern wird er als Nathan in der Serie Misfits ein Begriff sein. Sein unter die Gürtellinie gehendes Gelaber musste er für die Rolle des Simon jedenfalls ablegen, wie er berichtet: »Simon ist für mich ein ganz anderer Typ, als ich es zu spielen gewohnt bin. Er ist der einzige normale Kerl im gesamten Drehbuch und verantwortlich dafür, dass man in dieser ganzen magischen Welt nicht die Perspektive verliert. Er hat keine Zeit zu verdauen, was gerade mit ihm passiert. Und das lässt die Geschichte auch etwas humorvoll sein. Als sie ins Abenteuer geschleudert werden, muss er sich darauf konzentrieren, was ihm wirklich wichtig ist, und das ist Clary.«

Dann haben wir da noch Jamie Campbell Bower, den meisten Kinogängern bekannt als Caius aus der Twilight-Sage, oder auch Serienguckern als König Arthur in der kurzlebigen Serie Camelot. Er spielt Jace, einen Schattenkrieger, der sich im Laufe der Geschichte in Clary verliebt. »Er weiß, dass sein verstorbener Vater ein großer Schattenjäger war«, sagt der Schauspieler. »Und Jace beherrscht das, was er macht, perfekt. Er weiß auch, dass Frauen sich von ihm angezogen fühlen. Aber seine Frechheit ist auch gefährlich, weil er sich oft zu viel zutraut.

Seine Fassade strahlt unerschütterliche Stärke aus. Er erscheint wie ein archetypischer Krieger, aber im Grunde ist er doch immer noch ein Junge. Mir gefällt seine brutale Direktheit, die er einsetzt, um seine Verletzlichkeit zu verbergen. Er ist sehr sarkastisch und versteckt sich hinter seinem Humor, besonders wenn er in Situationen gerät, die unbequem oder schmerzhaft für ihn werden könnten.«

Mit von der Partie sind auch noch die Geschwister Alec und Isabelle Lightwood, gespielt von Kevin Zegers (Wrong Turn, Dawn of the Dead, Frozen) und Jemima West (JC comme Jésus Crist, Die Borgias). Zum Liebesdreieck Simon-Clary-Jace kommt ein weiteres hinzu, Alec-Jace-Clary. Bei so vielen gut aussehenden Damen und Herren scheint das Geschlecht nicht so wichtig zu sein, wenn man sich als Geliebten nur einen Ebenbürtigen aussuchen kann. Und bei Jace und Alec scheint das irgendwie offensichtlich, dass da etwas ist, rein äußerlich betrachtet. Aber wenn man nach dem Äußeren geht, müssten eigentlich Clary und Simon Geschwister sein, wenn man sich die Augenbrauen der beiden anschaut...

Über die Jahrhunderte hinweg haben sich die Schattenjäger in zwei Gruppierungen aufgeteilt. Da gibt es diejenigen, die daran glauben, dass es ihre Aufgabe ist, die Welt selbstlos zu beschützen, und auf der anderen Seite diejenigen, die daran glauben, dass sie für ihre Anstrengungen belohnt werden müssen. Der elegante und überaus gefährliche Bösewicht des Films, Valentine Morgenstern, gespielt von Jonathan Rhys Meyers, gehört dem letzteren Lager an. Seine Machenschaften drohen sowohl die Schattenwelt als auch die Welt der Menschen aus der Bahn zu werfen.

Cassandra Clare sagt, dass Rhys Meyers’ grüblerische Intelligenz ihn zum idealen Valentine macht: »Ich habe Jonathans Arbeit geliebt, als ich ihn erstmals in Velvet Goldmine gesehen habe. Er verleiht Valentine eine Art von bösartiger Vernunft. Obwohl man weiß, dass die Worte, die aus seinem Mund kommen, im Wesentlichen unmoralisch sind, will man doch einer Meinung mit ihm sein.«

Jedesmal, wenn Valentine vom Kelch der Engel trank, wurde er stärker. Valentine verfügt mittlerweile über Kräfte, die ihn von allen anderen Schattenjägern in der Geschichte abheben. Er kann Dämonen anrufen, durch Zeit und Raum reisen und beherrscht einen Zauber, den kein anderer Schattenjäger beherrscht. Rhys Meyers ist ein intensiver und erfindungsreicher Darsteller und überraschte seine Kollegen während des kompletten Drehs immer wieder.

»Nachdem wir die erste Szene mit Valentine gedreht hatten, nahm Jamie Campbell Bower mich beiseite und gestand: „Ich habe ein bisschen Angst vor ihm.“«, sagt Kulzer. »Und auch Lily kam zu mir und sagte: „Er ist super, aber ich habe ein bisschen Angst vor ihm.“ Und ich antwortete ihnen: „So soll das ja auch sein!“«

Valentine wird bei seiner Suche nach dem Kelch der Engel von Emil Pangborn und Samuel Blackwell unterstützt, zwei im Wortsinne überlebensgroße Schläger, die von Kevin Durand und Robert Maillet gespielt werden. »Valentine macht sich seine Hände nicht schmutzig«, sagt Cassandra Clare. »Dafür hat er Emil und Samuel. Er schickt sie los, um sich um die Gewalt zu kümmern, für die er sich selbst zu schade ist.«

Durand ist knapp zwei Meter groß und es bei dieser Körpergröße gewohnt, die körperlich dominierende Erscheinung an den Drehorten zu sein, an denen er auftaucht. Aber an der Seite von Maillet fühlte sogar er sich winzig. Maillet ist 2 Meter 15 groß. »Zum ersten Mal in meiner Karriere hatte ich den Eindruck, von der Körpergröße eines anderen Schauspielers meiner Männlichkeit beraubt zu werden«, gesteht Durand.

»Er ist ein Riese und das ist cool. Endlich hatte ich mal jemanden, der mir den Rücken freihielt. Wir haben uns angefreundet, verglichen unsere Anmerkungen über unsere Figuren sowie unsere Ansichten darüber, was es bedeutet, ein vertikal begnadeter Mensch zu sein. Wenn ich die Straßen entlang laufe, werde ich pausenlos auf meine Größe angesprochen, aber wenn er mit dabei ist, denkt keiner mehr daran, mir Fragen zu stellen. Ich hatte manchmal das Bedürfnis, ihn vor den Blicken der Menschen zu beschützen. „Hört auf, ihn zu fragen, wie das Wetter da oben ist, sonst setzt’s Prügel.“«

Als Clarys Mutter ist dann noch Lena Headey zu erwähnen, die u.a. als Cersei Lannister in Game of Thrones als auch in Terminator - The Sarah Connor Chronicles als Sarah Connor zu sehen war. »Jocelyn ist tatsächlich eine echte Lichtgestalt in der Welt der Schattenjäger, aber für sie war die Erfahrung so erschreckend, dass es für sie nichts wichtigeres auf der Welt gab, als sicherzustellen, dass ihre Tochter so etwas niemals durchmachen muss«, erzählt Cassandra Clare.

Lena Headey freut sich schon darauf, in möglichen kommenden Filmen wieder mit der Besetzung und der Crew zu arbeiten, um die Geschichte weitererzählen zu können: »Ich kann mich nicht wirklich erinnern, jemals so viel Unterstützung von einem Regisseur bei einer Zusammenarbeit erhalten zu haben. Er war völlig begeistert von den Vorschlägen der Schauspieler und gab uns den nötigen Raum für Experimente. Das ist die Grundlage für ein hervorragendes Arbeitsumfeld, weil man auf diese Weise in der Lage ist, unentwegt neue Dinge entdecken zu können. Für mich war es eine ständige Lektion, eine ständige Evolution. Und dazu kommt als Bonus noch, dass ich endlich einmal in einem Film mitgespielt habe, den sich mein Sohn in naher Zukunft ansehen kann.«

Einerseits spielen die Akteure ihre Rollen recht glaubhaft, doch andererseits sind die Dialoge eher grauenhaft peinlich und wechseln zwischen unfreiwilliger Komik, Beziehungsgedöns und hoch anstrengender Geschichtsaufarbeitung. Und dann sind da noch andauernd die schmollenden Blicke mang den zwei Liebesdreiecken. Das geht in Richtung Twilight, während die Geschichte samt Figuren Parallelen zu Harry Potter erkennen lässt.

Der Soundtrack schwingt auch recht peinlich zwischen Eurodance, Techno und Schrammelballaden, wenn nicht gerade Atli Örvarssons Filmmusik die Atmosphäre des Films und seiner Charaktere mit einem großen, packenden, dichten und starken musikalischen Rückgrat erfüllt. Für seine Musik zu Babylon A.D. war er für den Discovery of the Year Award der renommierten World Soundtrack Academy nominiert, für seinen Soundtrack zur erfolgreichen TV-Serie Law & Order wurde Örvarsson alleine vier Mal mit einem ASCAP Award ausgezeichnet.

Cassandra Clare scheint etwas sprachlos, wenn sie darüber nachdenkt, wie ihre Schöpfung den Weg auf die große Leinwand gefunden hat: »Schreiben ist ein sehr einsamer Vorgang. Man stellt sich diese Welt vor. Die Figuren erwachen im Kopf zu Leben. Ein bisschen ist es so, als würde man eine Geschichte festhalten, die bereits existiert. Nun an den Drehort eines Films zu kommen und das in drei Dimensionen zu sehen, was man sich ausgemalt hat, die Stadt der Gebeine zu sehen und die Runen, die Schauspieler als die Figuren verkleidet zu sehen, war ein unglaubliches Erlebnis. Ich komme mir so vor, als würde ich mich in dem Film Inception befinden. Es ist, als hätte ich alles geträumt, und nun erwacht es tatsächlich zu Leben.«

Auch wenn Miss Clare da sehr euphorisch ist, ihr Werk auf der großen Leinwand bewundern zu können, so kommen doch während des Films Fragen auf wie: Wenn man sich Runen tätowiert, durch die man bestimmte Kräfte bekommt, macht das eventuell süchtig? Valentine scheint da ja von den wachsenden Zaubermächten sehr berauscht zu sein. Was passiert, wenn auf dem Körper kein Platz mehr für Runen ist? Und was macht das Stargate in der Bibliothek?

Chroniken der Unterwelt - City of Bones ist, nebst seinem langen Titel, auf jeden Fall etwas für junge (weibliche) Teenager, die schon bei Harry Potter und Twilight über deren Figuren und Darsteller gelästert, bzw. von ihnen geschwärmt hatten - quasi ein Fantasy-Nachzügler, der kaum noch Neues erzählt, aber gut inszeniert ist! Die Spannungskurve liegt irgendwo im unteren Bereich. Wenn Herzen höher schlagen, dann wegen der Schauspüler und deren Hype. Wer solche Filme nicht mag, sollte sich auf jeden Fall mit seinem inneren Dämonen beraten... ■ mz

28. August 2013
OT: The Mortal Instruments: City of Bones
Fantasy/Abenteuer
USA/D 2013
130 min
3D
FSK 12


mit

Lily Collins (Clary Fray)
Robert Sheehan (Simon Lewis)
Jamie Campbell Bower (Jace Wayland) Jacob Weigert
Kevin Zegers (Alec Lightwood) Roman Wolko
Jemima West (Isabelle Lightwood)
Robert Maillet (Blackwell)
Kevin Durand (Pangborn)
Godfrey Gao (Magnus Bane)
Lena Headey (Jocelyn Fray)
CCH Pounder (Dorothea)
Jared Harris (Hodge Starkweather) Claus Brockmeyer
Jonathan Rhys Meyers (Valentine Morgenstern) Torben Liebrecht
Elyas M'Barek (Vampiranführer)
u.a.

drehbuch
Jessica Postigo Paquette
basierend auf dem Roman von Cassandra Clare

musik
Atli Örvarsson

kamera
Geir Hartly Andreassen

regie
Harald Zwart

produktion
Constantin Film Produktion
Don Carmody Productions
Unique Features

verleih
Constantin

Kinostart: 29. August 2013