Samstag, 16. Dezember 2017

Elysium


Max ebnet den Weg für Frey und ihre Tochter Matilda.
© Sony Pictures
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Elysium Trailer Launch Event mit Matt Damon

Regisseur Neill Blomkamp hat jetzt nach seinem Erstlingserfolg District 9 mehr Budget zur Verfügung gehabt und gibt uns mit seinem neuen Werk Elysium einen Einblick in die Zukunft, wie sie sich entwickeln könnte. Diesmal hat er die Außerirdischen weggelassen und präsentiert uns das Bild einer extremen Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Im Jahr 2154 gibt es zwei Sorten von Menschen: die Superreichen, die auf einer makellosen, von Menschen gebauten Raumstation namens Elysium leben, und den Rest, der auf der überbevölkerten, heruntergewirtschafteten Erde haust. Die Menschen auf der Erde setzen alles daran, der hohen Kriminalitätsrate und der großen Armut, die auf dem Planeten herrscht, zu entkommen.

Sie benötigen dringend den hohen Standard medizinischer Versorgung, den es nur auf Elysium gibt. Doch einige Leute auf Elysium schrecken vor nichts zurück, um rigide Anti-Einwanderungsgesetze durchzusetzen und den luxuriösen Lebensstil ihrer Elite zu bewahren. Der einzige Mensch, der die Chance hat, so etwas wie Gleichberechtigung in diese beiden Welten zu bringen, ist Max, ein ganz normaler Mann, der verzweifelt versucht, nach Elysium zu gelangen.

Während sein Leben an einem seidenen Faden hängt, übernimmt er widerwillig eine gefährliche Mission. Eine Mission, bei der er gegen Elysiums Ministerin Delacourt und ihre Hardliner-Truppen antreten muss. Doch falls er gewinnt, kann er nicht nur sein eigenes Leben retten, sondern auch das von Millionen Menschen auf der Erde.

»Die Idee ist irgendwie schon recht lächerlich«, erzählt Neil Blomkamp. »Die Idee, Steine, Mörtel und Beton und Swimmingpools, und alles was dazu gehört, diese Villen auf einer Raumstation zu bauen, da raufzubringen, ist reine Satire. Es verstärkt lediglich den Kerngedanken des Films: Die Menschen auf Elysium leben in unermesslichem Wohlstand, womit sie diese separate, synthetische, beinahe hermetische Umgebung für sich schaffen. In dieser Hinsicht ist Elysium die Umkehr der Thematik einer außerirdischen Invasion. Es geht immernoch um menschliche Wesen, die versuchen, einen Lebensstil zu bewahren, doch anstatt gegen Aliens zu kämpfen, tun sie das, indem sie ins Weltall gehen.«

Die Idee bekam Blomkamp von einer Sommerstudie der NASA, die 1975 in der Stanford Universität zusammengetragen wurde. »Damals in den 70ern haben sich Leute tatsächlich Gedanken darüber gemacht, die Erde zu verlassen und Raumstationen für uns zu bauen, damit wir eines Tages darauf leben können. Eines der Ergebnisse war der „Stanford Ring“. Ich mag die Idee, dieses bekannte Konzept zu nehmen, und es zusammen mit Wohlstand, Diamanten und Bel-Air-Villen zu verbacken. Die Idee, das Bild, diese exorbitanten, irrwitzigen Villen auf einer als Donut geformten Raumstation unterzubringen, finde ich lustig und ist etwas, worüber ich einen Film machen will.«

Produzent Simon Kinberg findet, dass die Nonstop-Action und der politische Subtext sich gut miteinander vermischen, weil Blomkamp Drehbuchautor und Regisseur zugleich ist: »In erster Linie ist Elysium ein Actionfilm. Die Sache mit Neill ist aber, dass er sich sehr für Politik und die Welt interessiert. Es gibt Thematiken im Film, die man nicht bei einem Sommer-Actionfilm erwartet, doch hoffentlich kann sich der Zuschauer an der Action erfreuen und nebenbei noch etwas für die reale Welt mitnehmen.«

»Wenn Leute den Wohlstand auf Elysium sehen und dann die Armut auf der Erde, denkt sich bestimmt der Eine der Andere, dass das viel extremer dargestellt ist als die Realität«, erklärt Blomkamp. »Ist es aber nicht. Beides existiert auf der Erde genau in diesem Augenblick! In Mexico City, in Johannesburg, in Rio gibt es Gebiete voller Reichtum, abgeriegelte Gemeinden inmitten einer See der Armut. Und ich denke, dass die Städte in den USA genauso enden werden. Deshalb spielt der Film auch in Los Angeles. Aber diese Ungleichheit kann nicht halten. Und ich weiß nicht, was wir bekommen werden - ob wir uns nach vorn ziehen oder in uns selbst implodieren. Elysium ist die Weggabelung.«

Interessanterweise wurde der Film an zwei Orten gedreht: in Mexico City, das für Los Angeles im Jahr 2154 herhalten musste, sowie Vancouver, wo die Elysium-Szenen entstanden. Die Ironie, in Mexico zu filmen, speziell in einigen der ärmsten Gegenden dort, blieb nicht unbeobachtet. »Als wir gedreht hatten, kam ich um das Gefühl nicht herum, in unserem eigenen, privaten Elysium zu leben - unserer eigenen Version der Geschichte«, sagt William Fichtner.

Als ich das Los Angeles der Zukunft aus der ►Luftperspektive so ansah, kamen mir da die quadratischen Riesenklötze eines anderen Films sofort ins Gehirn: ►Dredd. Vermutlich benutzten die Leute, die für die visuellen Effekte zuständig waren, Restmaterial oder zumindest Restideen, die sie für die Gestaltung in Elysium mit einfließen ließen. Für die Gestaltung der Raumstation engagierte man den Zukunftsdesigner Syd Mead, der für den Look u.a. von Blade Runner, Tron, 2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen oder Mission to Mars verantwortlich zeichnet.

Regisseur Neill Blomkamp hatte eine klare Idee, welche Art Score er für seinen neuen Film haben wollte. Er sollte organisch und nicht-traditionell klingen. Ryan Amons Musik auf YouTube überzeugte Blomkamp, und so holte er ihn ins Boot. Dabei sollte laut Hollywood Reporter Amon auf Blomkamps Wunsch den größten Teil der Musik schreiben, bevor er den Film überhaupt gesehen hatte, was Amon als beängstigend und befreiend zugleich empfand.

Amon schrieb einen rhythmusbetonten, spannenden, oft rasanten und manchmal auch elegischen Score mit überwiegend elektronischer Musik, die aber mit klassischen Orchesterparts gemischt wurde und mit Tiergeräuschen von Pavianen, Moskitos und anderen Wildtieren sowie ethnischen Sounds einen exotischen Touch bekam.

Aufgenommen wurde der Score vom London Philharmonia Orchestra in den legendären Abbey Road Studios in London und in den Sonic Fuel Studios im kalifornischen El Segundo. Für die an Lisa Gerrards (Dead Can Dance) Ausdruckskraft erinnernden Vocals engagierte Amon die Künstlerin Francesca Genco. Die atemberaubenden Obertongesänge stammen von der mongolischen Gruppe Egschiglen und die Kehlkopfgesänge von der bekannten tuwinischen Gruppe Huun-Huur-Tu.

Für seinen gesellschafts-/sozialkritischen SciFi-Actioner engagierte Blomkamp auch anspruchsvolle Schauspieler, allen voran Matt Damon, der hier die Gelegenheit bekommt, seinen inneren Schwarzenegger zu ergründen, sowie Jodie Foster als durchtrieben machtgeile Ministerin. Für mehr globalen Anspruch sorgen die in Brasilien als Superstars gefeierten Alice Braga und Wagner Moura sowie Mexicos Filmheld Diego Luna. Auch wieder mit dabei - Blomkamps Jugendfreund Sharlto Copley, der mit seinem südafrikanischen Akzent im Original recht schwer zu verstehen ist.

Elysium, wie übrigens auch ein Ort in Südafrika heißt, ist ein spannendes Zukunftsabenteuer, das auf der großen Leinwand gesehen werden muss. Von der Thematik her ähnelt der Film ein wenig Total Recall und mischt sich visuell mit District 9 bzw. Dredd als auch mit dem Total Recall-Remake oder Oblivion. Große Bilder, starke Action und tolle Schauspieler runden die futuristische Vision Blomkamps auf. Weiter so! ■ mz

14. August 2013
OT: Elysium
SciFi/Action/Drama
USA 2013
110 min
3D
FSK 16


mit

Matt Damon (Max de Costa) Simon Jäger
Jodie Foster (Ministerin Delacourt) Hansi Jochmann
Sharlto Copley (Kruger) Dieter Landuris
Alice Braga (Frey) Maja Maneiro
Diego Luna (Julio)
Wagner Moura (Spider)
William Fichtner (John Carlyle) Peter Flechtner
Brandon Auret (Drake)
Josh Blacker (Crowe)
Emma Tremblay (Matilda)
Maxwell Perry Cotton (junger Max)
Michael Shanks (CCB Agent)
u.a.

drehbuch
Neill Blomkamp

musik
Ryan Amon

kamera
Trent Opaloch

regie
Neill Blomkamp

produktion
TriStar Pictures
Media Rights Capital
QED International
Simon Kinberg Productions
Sony Pictures Entertainment

verleih
Sony

Kinostart: 15. August 2013