Samstag, 16. Dezember 2017

21 and over


Endlich 21 - endlich die Hucke vollsaufen: Miller, Jeff Chang und Casey
© 2011 Twenty One and Over Productions, Inc.
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Die Drehbuchautoren der Hangover-Filme, Jon Lucas und Scott Moore, geben mit 21 & over ihr Regiedebüt. »Scott und ich schreiben zumeist aus Wunscherfüllung«, sagt Lucas. »Ich denke nicht, dass mein 21. Geburtstag so verrückt war, wie ich ihn gerne in Erinnerung hätte. Ich habe an meinem 21. Geburtstag definitiv Fehler begangen, die aber dem, was unsere Helden durchmachen, nicht mahl in die Nähe kommen.«

Die Bezeichnung „Jugend von heute“ lässt mich da schon ein wenig alt vorkommen, wenn ich sage, dass dieser Film das unsinnige (Trink-)Verhalten der heutigen Jugend widerspiegelt - jetzt mal so verallgemeinert. In Zeiten, wo 14-Jährige bewusstlos in die Klinik eingeliefert werden, weil sie ordentlich einen weggesoffen haben, grenzt dieser Film schon fast an Gewaltverherrlichung.

Schon allein Miller, die Leitfigur des „Trinktrupps“, wirkt wie ein vernachlässigter Teenager, der jegliche Verantwortung von sich streift. Mit seinem losen und saloppen Mundwerk ist er in diesem Film das abstoßende Feindbild. Jeff Chang, die zentrale Figur des Films, ist das Opfer, während Casey, der Verantwortungsbewusste, den ganzen Film über versuchen muss, die Situation unter Kontrolle zu halten, bzw. diese wieder herzustellen.

Vor gar nicht langer Zeit waren Casey, Miller und Jeff enge Freunde, ein Team, das zusammen hält. Nach dem Abschluss sind sie zwar verschiedene Wege gegangen, aber die Freundschaft ist geblieben. Jetzt sind sie wieder vereint, und wäre da nicht Jeffs Dad, würde der bevorstehenden Partynacht nichts im Wege stehen.

Aber Dr. Chang möchte, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt und für ein Bewerbungsgespräch am nächsten Morgen um 8 Uhr fit ist. Miller schlägt einen Kompromiss vor: nur EIN Bier und um Mitternacht sind sie zurück. Das klingt vernünftig – bis sie sich völlig orientierungslos nach endlosem Bar-Hopping auf der Straße wiederfinden und keine Ahnung haben, in welche Richtung es nach Hause geht.

Die Tour durch die Bars wird zu einer chaotischen Nacht voller Ausschweifungen mit wild gewordenen Mädchen, verärgerten Typen und einer Verfolgungsjagd über den Campus, bei der nicht nur ihre Freundschaft, sondern auch ihr Lebenskonzept in Frage gestellt wird. Jeff Chang ist nicht mehr ansprechbar, Casey ist verliebt und Miller muss sich entscheiden, wie seine Zukunft aussehen soll...

Völlig überkandidelt und unglaublich zeigen die Autoren und Regisseure ein Jugendbild auf, das sich gewiss an einigen Orten so oder ähnlich abspielen vermag, aber dennoch hoffentlich Einzelfälle bleiben. Mir tut es nur um diejenigen Leid, die sich diesen Film als Vorbild nehmen und zu ihrer Volljährigkeit auf Sauftour gehen. Das ist ein großes Armutszeugnis der Filmindustrie, als auch der Gesellschaft.

Wer den Film nach einer halben Stunde noch nicht verlassen oder abgeschaltet hat, wird dennoch mit einigen wahren und ernsten Momenten belohnt - Szenen, in denen die Jugendlichen über ihre Fehler resümieren. Dass sie dabei die falschen Schlüsse ziehen, ist nebensächlich. Letzen Endes lautet die Botschaft: Es wird schon werden, es gibt Andere, die genauso sind und im Leben durchkommen.

Dass die Botschaft völlig aus dem Stehgreif geholt ist, zeigen allein schon die Einspielergebnisse als auch die Bewertungen der Zuschauer. Das Ganze ist so unrealistisch und einfach nur schlecht und verdient das Prädikat „Gurke des Jahres“. Vielleicht sieht man den Film auch irgendwann auf Tele 5 in der Reihe „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“...

Die Schauspieler sind offensichtlich Zweite Wahl, auch wenn Skylar Astin ein wenig seriöser wirkt. Sarah Wright als lispelnde Blondine ist eine Zumutung (unter dem Motto: Die sieht geil aus, scheiß drauf, ob sie sprechen kann.), ebenso Miles Teller als primitiver Bubiverschnitt von John Cusack. Dumm und dämlich sind auch die Randale-Boys, die den Trinkvergnügten auf den Fersen ist. Da tut es mir umso mehr François Chau (Lost) Leid, der seine hervorragende Autorität gegen die Wand spielt. Kurzum: 21 & over bedeutet hier also: Bis 21 zählen und dann weg damit! Dann lieber zum x-ten Mal Ferris macht blau ansehen! ■ mz

27. Juli 2013
OT: 21 & over
Komödie
USA 2013
93 min
FSK 12


mit

Miles Teller (Miller) Roman Wolko
Skylar Astin (Casey) Tim Schwarzmaier
Justin Chon (Jeff Chang)
Sarah Wright (Nicole) Katharina Schwarzmaier
Jonathan Keltz (Randy)
François Chau (Dr. Chang)
Russell Hodgkinson (Häuptling)
Daniel Booko (Julian)
Russell Mercado (Jayden)
Dustin Ybarra (PJ Brill)
u.a.

drehbuch
Jon Lucas
Scott Moore

musik
Lyle Workman

kamera
Terry Stacey

regie
Jon Lucas
Scott Moore

produktion
Mandeville Films
Relativity Media
SkyLand Entertainment
Virgin Produced

verleih
Falcom

Kinostart: 25. Juli 2013