Freitag, 15. Dezember 2017

Taffe Mädels


Partner wider Willen - Special Agent Sarah Ashburn und Detective Shannon Mullins
© 20th Century Fox
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Wie der deutsche Titel suggeriert, handelt es sich um eine Komödie. Dass es sich jedoch erstens nicht um Teenager handelt, sondern um erwachsene Frauen, die feste Größen in ihrem recht gefährlichen Job sind, und zweitens, dass es um eine Kriminalgeschichte geht, zeigt der Titel nicht auf.

Okay, der Originaltitel ist da auch nicht besser, aber The Heat ist schon etwas zweideutiger, denn er klingt nach Action und in Anbetracht der beiden Hauptfiguren wörtlich übersetzt „Die Bullen“. Und in zweiter, etwas weitschweifiger Bedeutung „Brunst“, mag das auch zutreffen, denn beide „Parteien“ können sich erst einmal furios nicht riechen, bis sie sich schließlich paaren und ein starkes Team bilden.

Doch genug über den Titel - Taffe Mädels (Der Titel geht einfach nicht!) ist etwas, das wir so noch nicht hatten: eine Buddy-Actionkomödie mit Frauen! Es ist Abneigung auf den ersten Blick, als sich die ambitionierte FBI-Agentin Sarah Ashburn und die Bostoner Polizeibeamtin Shannon Mullins erstmals begegnen. Die schmallippige Streberin und das hemdsärmelige Schandmaul? Das kann niemals gut gehen.

Und doch müssen sich die beiden Frauen zusammenraufen, denn ihre Vorgesetzten setzen sie gemeinsam darauf an, einen gefürchteten Drogenbaron zu identifizieren und zur Strecke zu bringen. Aller Anfang ist schwer, doch dann entdecken Sarah und Shannon erste Gemeinsamkeiten und stellen fest, dass sie ein verdammt gutes Team abgeben. Aber ist das ungleiche Paar auch gut genug, um seine Mission zu erfüllen?

Dass Sandra Bullock eine gute Figur als FBI-Agentin macht, hat sie ja bereits in den Miss Undercover-Filmen gezeigt. Diesmal kann sie jedoch gleich zeigen, was sie drauf hat, ohne sich großartig aufzutakeln. Regisseur Paul Feig, der mit Brautalarm einen großen Welterfolg landete, setzte Sandra Bullock den Publikumsliebling seines Vorgängers, Melissa McCarthy, zur Seite, die mit ihrer füllenden Leinwandpräsenz ordentlich „badass“ mit losem Mundwerk und respektvoll agil das Tempo vorgibt.

Der coole Vorspann mit ebensolchem Soulstück lässt einen ebensolchen Film erwarten. Doch was an Klassiker wie Nur 48 Stunden oder Downtown erinnern lässt, wird schon bald zur Damenklamotte. Gags gibt es jede Menge, doch die wirklich lustigen kann man an einer Hand abzählen. Die restlichen „Witze“ sind einfach nur kopfschüttelnd unlustig - wie so einiges, was derzeit aus Übersee kommt.

So aberwitzig und urkomisch die Figuren und manche Situationen auch sein mögen, dem Regisseur lag Authentizität immer ganz besonders am Herzen. »Ich habe viel trainiert und habe mit einem Polizeibeamten aus Boston auch einen Schießstand besucht«, berichtet Melissa McCarthy. »Es ging mir überhaupt nicht darum zu lernen, wie man eine Pistole abfeuert. Mir ging es darum herauszufinden, wie ein Polizist mit seiner Waffe umgeht. Ich wollte unbedingt gewährleisten, wie eine selbstbewusste Polizistin auszusehen, die ihre Waffe seit etwa 15 Jahren jeden Tag mit sich führt.

Sandy hat auf diesem Gebiet wegen vergangener Filme schon ausreichend Erfahrung und war von Anfang an sehr gut. Es muss einem in Fleisch und Blut übergehen, wenn es überzeugend rüberkommen soll. Es geht um Muskelerinnerung. Wo genau sich der Zeigefinger befindet, wie man die Pistole hält und in welche Richtung man sich dreht, all das muss ganz instinktiv geschehen.«

Hatten sich die beiden Schauspielerinnen jemals in ihrem Leben vorstellen können, selbst als Verbrechensbekämpferin bei der Polizei oder dem FBI zu arbeiten? »Ich habe nicht das Zeug dazu, eine Polizistin zu sein«, gesteht Sandra Bullock freimütig. »Ich denke, man muss unglaubliche Charaktereigenschaften und Talente mitbringen, um in der Verbrechensbekämpfung zu arbeiten. Oder bei der Feuerwehr oder als jemand, der als erstes an den Tatort von Verbrechen, Unfällen oder Katastrophen gerufen wird. Das ist eine Gabe. Ich bin jederzeit bereit, auch als Erste mit Hand anzulegen, wenn es die Situation verlangt, aber für eine Karriere in diesem Feld habe ich nicht die richtigen Instinkte.«

»Es ist eine Berufung. Viele Mitglieder meiner Familie in Chicago sind bei der Polizei, ich weiß also, dass da Einiges dazugehört«, sagt Melissa McCarthy. »Beim Dreh des Films musste ich oft an sie denken. Deshalb war es mir so wichtig, dass alle Handgriffe saßen und ich authentisch rüber kam. Ich wollte auf keinen Fall von ihnen angerufen und darauf hingewiesen werden, dass ich’s verbockt habe. Ich habe immensen Respekt vor den Menschen, die einen solchen Beruf wählen, in dem sie anderen Menschen dienen und sie beschützen.«

Bis beide Frauen endlich auf einer Wellenlänge zusammenarbeiten, vergeht eine Weile mit zahlreichen Gags, zumeist verbal von Mullins' Seite ausgehend, die mehr oder (oft) weniger sitzen, größtenteils dann auch irgendwie fehl am Platze sind. Auch wenn Mullins' loses Mundwerk einen Großteil des Films ausmacht, kommt sie doch bei weitem nicht an einen Axel Foley heran, vor allem weil sie einen recht derben Humor besitzt, der nicht Jedermanns Geschmack ist.

Während man sich immer wieder fragt, ob die Chemie der beiden stimmt, stolpern die „taffen Mädels“ während ihrer Ermittlungen aufs brutale Ende zu, das aber bei weitem nicht ganz so ernst und blutig daherkommt wie bei anderen, vergangenen Filmen des Genres. Man bekommt jedoch 2 Stunden lockere Unterhaltung für eine „Ladies Night“-Vorführung oder zur Belustigung in der Gruppe. Zu mehr taugt der Film jedoch nicht. ■ mz

4. Juli 2013
OT: The Heat
Komödie/Krimi
USA 2013
118 min
FSK 12


mit

Sandra Bullock (Special Agent Sarah Ashburn) Bettina Weiß
Melissa McCarthy (Det. Shannon Mullins) Anke Reitzenstein
Demián Bichir (Hale)
Marlon Wayans (Levy)
Michael Rapaport (Jason Mullins)
Jane Curtin (Mrs. Mullins)
Spoken Reasons (Rojas)
Dan Bakkedahl (Craig)
Taran Killam (Adam)
Michael McDonald (Julian)
Thomas F. Wilson (Captain Woods)
Nathan Corddry (Michael Mullins) Roland Wolf
Joey McIntyre (Peter Mullins)
Michael Tucci (Mr. Mullins)
Bill Burr (Mark Mullins)
Jessica Chaffin (Gina)
u.a.

drehbuch
Katie Dippold

musik
Michael Andrews

kamera
Robert D. Yeoman

regie
Paul Feig

produktion
20th Century Fox
Apparatus Productions
Chernin Entertainment
Dune Entertainment
Dune Entertainment III

verleih
20th Century Fox

Kinostart: 4. Juli 2013