Samstag, 16. Dezember 2017

World War Z


Die Lane-Familie wird vom Ausnahmezustand überrascht.
© Paramount
Zur Galerie aufs Bild klicken!

zur IMDb | Trailer | Kinofinder
Filmseite | Beitrag teilen

Zombies sind endlich beim breiten Massenpublikum im Kino angekommen. Grund hierfür könnte der Erfolg der TV-Serie The walking Dead sein, die auf einer Comic-Reihe basiert. Ähnlich verhält es sich bei diesem Kinofilm, in dem Brad Pitt alle Hebel in Bewegung setzt, um der Pandemie Einhalt zu bieten.

Die Geschichte von World War Z beginnt mit Max Brooks' (Sohn von Schauspieler Mel Brooks) postapokalyptischem Enzeitthriller „World War Z: An oral History of the Zombie War“, der die Geschichte dieses Krieges in einer Sammlung vorgeblicher Augenzeugenberichte schildert. Die Produzenten Brad Pitt, Dede Gardner und Jeremy Kleiner lasen die Druckfahnen des Buches schon vor dem offiziellen Erscheinen und waren, wie alle anderen bei der Produktionsfirma Plan B Entertainment, vollkommen von der Geschichte gefesselt.

Der große Bogen, den die Geschichte schlägt, faszinierte auch Produzent Kleiner, der mit Brooks Werk vertraut war und auch dessen Begleitbuch zu „World War Z“, mit dem Titel „The Zombie Survival Guide“, kannte. »Dass die Erzählung einen so globalen Rahmen hat und von dem Aufeinandertreffen von Zombies mit der Welt der Politik und der staatlichen Institutionen handelt, hat uns gleich gefesselt, weil man so neue, ganz unübliche Elemente ins Zombiegenre einführen kann«, so Kleiner.

Allerdings war der Aufbau des Buches mit seinen vielen unterschiedlichen Erzählern, die ihre persönlichen Erlebnisse schildern, nicht direkt in einen Kinofilm umsetzbar. Letztlich entschieden sich die Filmemacher dafür, die Geschichte aus Sicht eines einzigen Protagonisten zu erzählen, dabei aber die Vielschichtigkeit des Plots und die essenziellen Aussagen des Buches zu erhalten.

»Allein von der Struktur des Buches her war klar, dass es kompliziert werden würde, es zu adaptieren«, sagt Gardner. »Wir haben zunächst versucht, dem Verlauf der Erzählung wie im Buch zu folgen, merkten aber bald, dass das die dramatische Spannung mindern würde, zumindest im Rahmen eines Kinofilms. Also mussten wir zu dem Punkt zurück, an dem die Zombieepidemie ausbricht und machten das zum Herzstück des Films.

Wir haben sehr hart daran gearbeitet, die Geschichte so realistisch wie möglich zu erzählen, damit der Eindruck entsteht, dies könnte uns allen, so wie wir hier leben, passieren. Und auch wenn sich die Struktur des Films von der des Buches unterscheidet, hoffe ich doch, dass der Film beim Zuschauer dieselben Emotionen auslöst wie die, die wir beim Lesen des Buches hatten.«

Im Mittelpunkt des Films steht Gerry Lane, ein früherer Ermittlungsbeamter der Vereinten Nationen, der mit seiner Familie auf dem Weg zum alltäglichen Werdegang vom Ausnahmezustand überrascht wird. Zusammen mit seiner Frau und den zwei Töchtern sucht er einen Ausweg aus der Großstadt, von Mord und Totschlag. Er sieht, was mit den Menschen geschieht, die gebissen wurden, und wendet sich an einen alten Freund und Kollegen.

»Gerry hat schon in vielen Krisengebieten von Ruanda bis Bosnien ermittelt«, sagt Regisseur Marc Forster. »Er hat diese Arbeit aber zugunsten seiner Familie aufgegeben und will einfach ein normales Leben genießen. Doch als die Zombieseuche ausbricht, holen ihn seine früheren Arbeitgeber zurück, weil er der Einzige ist, der so einen Job erledigen kann. Er soll herausfinden, wo die Krankheit ihren Ursprung nahm, und den „Patient Null“ finden. Der Film wird aus Gerrys Perspektive erzählt, und mir war wichtig, dass wir das auch konsequent beibehalten und alles so erleben wie er.«

»Gerry kann nicht fliegen oder Bösewichte verprügeln. Er hat nun einmal keine Superkräfte. Er ist ein Familienvater, und daher ist es seine größte Sorge, dass seine Familie in Sicherheit ist. Und dabei kann er sich nur auf seinen Intellekt, seinen Instinkt und seine Erfahrung verlassen«, sagt Brad Pitt. So bringt Gerry zunächst seine Familie in Sicherheit und muss seinen alten Job wieder aufnehmen, damit sie auch in Sicherheit bleiben, denn auf dem Flugzeugträger gibt es nur begrenzten Platz für die unmittelbaren Angehörigen der Mitstreiter gegen die Pandemie.

Sein Weg führt ihn nach Nordkorea, wo er auf einen dort eingesperrten korrupten CIA-Agenten trifft. Durch die Gitterstäbe hindurch erzählt er Gerry eine unglaublich klingende Geschichte, wie es zum Ausbruch des Virus kam und wie ein Land versuchte, ihn zu bekämpfen. »Meine Figur ist zum Zyniker geworden. Er hat etwas getan, wofür er bestraft worden ist, aber diese Strafe ist genau das, was ihm das Leben rettet, weil er in seiner Gefängniszelle in Nordkorea vor den fürchterlichen Dingen geschützt ist, die draußen vorgehen. Und die Informationen, über die er verfügt, helfen Gerry einen entscheidenden Schritt weiter«, erklärt dessen Darsteller David Morse.

Gerrys Jagd nach dem Ursprung des Virus führt ihn von Nordkorea nach Israel, wo er sieht, wie über Jahrtausende bewährte Abwehrmethoden (Mauern und Barrikaden) die Bewohner schützen. Gerry wird vom Mossad-Agenten Jurgen Warmbrunn durch Jerusalem geführt. Und obwohl die Lage um sie herum immer bedrohlicher wird, gelingt es Gerry dank seiner Instinkte und seiner Erfahrung, heil aus dieser Situation herauszukommen – und ein neues, entscheidendes Puzzlestück zu finden.

Daniella Kertesz, spielt Segen, einen Leutnant der israelischen Armee. Sie schließt sich Gerry an und wird zu einer überlebenswichtigen Helferin bei seiner Mission. World War Z ist ihr erster Kinofilm, und sie nahm an einer Art militärischer Grundausbildung teil, um sich die Figur der resoluten Segen anzueignen. Die Filmemacher hatten es sich zur Regel gemacht, die Rollen all jener, denen Gerry auf seiner internationalen Mission begegnet, mit Darstellern aus dem jeweiligen Land zu besetzen.

»Es ging uns dabei immer um Authentizität, was die Schauspielkunst, aber auch die Herkunft betraf. Wir haben alle Länder, die in unserer Geschichte eine Rolle spielen, aufgesucht und uns unter den einheimischen Darstellern nach der richtigen Besetzung umgeschaut. Wir hatten keine Lust darauf, Leute mit komischem Akzent sprechen zu lassen und so zu tun, als kämen sie aus einem anderen Land«, erklärt Dede Gardner.

Und da die Ärzte und Professoren bei der Weltgesundheitsorganisation WHO aus aller Welt kommen, setzte man auch auf eine internationale Besetzung. So spielt z.B. Moritz Bleibtreu einen WHO-Arzt, der Gerry auf der letzten Station seiner Reise in einem waliser Forschungszentrum begleitet.

Marc Forster drehte den Film in Glasgow, das als Philadelphia fungiert, auf Malta, das Jerusalem darstellt, als auch auf einem echten Flugzeugträger. Hierfür stand die „Argus“ der British Navy anstelle eines amerikanischen Schiffes zur Verfügung. Die Zombielegion entstand dank einer cleveren Kombination aus Effekten und hoch spezialisierten Künstlern: Tänzer, Stuntleute, Maskenbildner, Make-up-Spezialisten trugen ihren Teil dazu bei, CGI und sorgfältig choreografierte Kameraeinstellungen erledigten den Rest.

In Anbetracht der zu erwartenden Splatterszenarien, die man von Zombiefilmen erwartet, weiß Forster, die Genrefans zu beruhigen und kündigt fürs Heimkino eine „unrated“-Version an: »Ich wollte absichtlich nicht zu viel Gore hineinbringen. Der Film sollte eher so gestaltet sein, dass er Spannung erzeugt. Weil es so ein großer Film ist, war es vorgesehen das er PG-13 sein muss. Aber es wurde mir auch gesagt, dass ich eine Unrated Version drehen kann. Filme, die zu viel Gore enthalten, werden schnell langweilig, weil man hat schon so viel gesehen.«

Vielleicht gibt es dann auf DVD auch optional das andere, Ende zu sehen, das Forster bereits gedreht hatte. Darin sollte es am Ende eine noch größere Schlacht geben als die in Jerusalem. Dass sich der Regisseur dann doch zu einem ruhigen, kleinen Ende entschied, kommt dem Film als Ganzes zu Gute. Immerhin handelt es sich hier eher um einen medizinischen Kriegsfilm, bei dem die Recherche nach Ursache und Lösung des Pandemiekonflikts im Vordergrund steht.

So ist World War Z eigentlich kein wirklicher Horrorfilm im klassischen Sinne, sondern spielt eher mit der Angst vor einer Seuche, die unser Leben und die Gesellschaft auf den Kopf stellen würde, was ja im Prinzip auch eine Art Endzeitszenario darstellt. Die Thematik des Films ist universell und wird mit Sicherheit, allein wegen der internationalen Schauplätze, die die Hauptfigur für seine Schnitzeljagd bereist, auch weltweit begutachtet werden. Ob der Film hinsichtlich der Zombiethematik auch tatsächlich bei einem breiter gefächerten Publikum ankommen wird, wird sich erst zeigen... ■ mz

27. Juni 2013
OT: World War Z
Abenteuer/Action/Horror
USA/M 2013
113 min
3D
FSK 16


mit

Brad Pitt (Gerry Lane) Tobias Meister
Mireille Enos (Karin Lane) Irina von Bentheim
Daniella Kertesz (Segen) Katharina Schwarzmaier
Fana Mokoena (Thierry Umutoni) Jan Odle
Elyes Gabel (Andrew Fassbach)
James Badge Dale (Captain Speke)
David Andrews (Captain Mullenaro) Thomas Rauscher
Ludi Boeken (Jurgen Warmbrunn)
Dave Foley (Terry)
Matthew Fox (Parajumper)
David Morse (Ex-CIA Agent) Michael Iwannek
Moritz Bleibtreu (Dr. Ryan)
Sterling Jerins (Constance Lane)
Abigail Hargrove (Rachel Lane)
Fabrizio Zacharee Guido (Tomas)
John Gordon Sinclair (Navy SEAL Commander)
Grégory Fitoussi (C130 Pilot)
Konstantin Khabenski (russischer Kämpfer)
Michiel Huisman (Ellis)
u.a.

drehbuch
Matthew Michael Carnahan
Drew Goddard
Damon Lindelof
J. Michael Straczynski
nach dem Roman von Max Brooks

musik
Marco Beltrami

kamera
Ben Seresin

regie
Marc Forster

produktion
Plan B Entertainment
Apparatus Productions
GK Films
Hemisphere Media Capital
Latina Pictures
Paramount Pictures
Skydance Productions

verleih
Paramount

Kinostart: 27. Juni 2013